Vorbericht
Zusammenrücken gegen Regensburg
Es war mehr als ärgerlich, dass Rot-Weiss Essen die englische Woche nicht vergolden konnte. Das eigene Tor wollte nicht fallen und am Ende musste Rot-Weiss die Punkte sogar komplett in Ingolstadt lassen. Jetzt soll es wieder an der Hafenstraße klappen, damit die Essener weiterhin in der Spitzengruppe bleiben können. Dies an dem beliebten Termin am Freitagabend, das Essener Fußballherz sollte höherschlagen.
Allerdings wird das Spiel von Hiobsbotschaften überschattet. Zu Beginn der Woche knickte Marvin Obuz um und riss sich dabei mehrere Bänder. Ohnehin gönnt man keinem Fußballer eine solche Verletzung, doch ärgert sich Marvin Obuz wahrscheinlich sehr, da er in dieser Saison wieder die besonderen Momente kreieren konnte und sich damit völlig zurecht in die erste Elf spielte. Nun muss er bis mindestens in den Dezember zuschauen.
Der nächste Tiefschlag folgte nun kurz vor dem Spiel, als bekannt wurde, dass Semir Telalovic, der Top-Scorer der Essener, kurzfristig ausfallen wird. Das ohnehin knapp besetzte Mittelfeldzentrum ist nun um sein Prunkstück ärmer, was für Stirnrunzeln sorgen dürfte.
Die Kritiker schrien in den sozialen Netzwerken sofort auf und es ist in der Tat richtig, dass die Spielerdecke aktuell wirklich dünn ist. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass mit Max Geschwill, Tony Menzel, Semir Telalovic, Franci Bouebari und Marvin Obuz gleich fünf Stamm- bzw. Unterschiedsspieler fehlen. Das würde auch für Probleme sorgen, wenn man zwei Spieler mehr für den erweiterten Kader geholt hätte. Solch ein Verletzungspech ist selbst für den langjährigen RWE-Fan ein Novum.
Das Personal
An dieser Stelle gehört es sich nicht vom letzten Aufgebot zu sprechen, denn Rot-Weiss bietet weiterhin eine qualitativ hochwertige Mannschaft auf, allerdings kommt auf die Mannschaft und die zum Teil hochgezogenen Nachwuchskräfte sehr viel Verantwortung zu.
Durch die Gelbsperre von Franci Bouebari wird Michael Kostka auf seiner Nebenposition als Linksverteidiger auflaufen. Daneben werden Ben Hüning, der zuletzt famos aufspielende José-Enrqiue Rios Alonso und Jannik Hofmann auflaufen. Schon im Mittelfeldzentrum wird es spannend. Zwar wird Nick Bätzner wieder im Kader stehen, nach wenigen Einheiten im Mannschaftstraining wird er jedoch keine Alternative für die Startelf sein, auch wenn er die ideale Wahl für Telalovic wäre. Angesichts dessen, dass Telalovic lange fehlen wird, kann man nur hoffen, dass Bätzner schnellstmöglich fit genug für die Startelfposition hinter den Spitzen sein wird.
Wahrscheinlicher wird sein, dass Uwe Koschinat Noah Pesch auf die 10 stellt. Allerdings ist der Platz neben Janne Sietan dann vakant. Hier gäbe es zwei Möglichkeiten. In der defensiveren Variante würde Ruben Reisig neben Janne Sietan auflaufen. Allerdings testete Uwe Koschinat schon einige Male Ekin Celebi auf der Position, sodass auch diese Variante denkbar wäre.
Auch die Offensivreihe stellt sich durch die Verletzungen von Aiman Dardari und Marvin Obuz beinahe von selbst auf. So werden auf den Außenpositionen Dickson Abiama und Lucas Brumme starten. Insbesondere wird die Hoffnung der RWE-Fans auf Lucas Brumme liegen. Über dessen außergewöhnliche Qualitäten herrschen keine zwei Meinungen, jedoch tat sich der Außenangreifer in dieser Saison schwer, diese auf den Platz zu bringen. Um wieder die alten Stärken abrufen zu können, helfen nur Spiele, Spiele, Spiele. Hier liegt vielleicht ein optimistischer Aspekt in der aktuellen Verletztenmisere, dass Lucas Brumme nun ausreichend Spielzeit bekommen wird, um zu alter Stärke zurückzufinden.
Im Sturm hat Uwe Koschinat dann zumindest auf einer Position die Qual der Wahl und muss sich zwischen Marek Janssen und Jaka Cuber Potocnik entscheiden, wobei Marek Janssen in dieser Saison bislang die Nase vorn hat, auch wenn Potocnik mit seinem starken Solo im letzten Heimspiel eine klare Kampfansage ausgesprochen hat.
Die erste Elf wird, wie bereits beschrieben, schlagkräftig besetzt sein. Die Möglichkeit, Impulse von der Bank zu bringen, ist allerdings begrenzt. In dieser Woche wurden Fadih Vasic und Rami Malaeb mit Profiverträgen ausgestattet und werden auch am Freitag im Kader stehen. Von den beiden 17-jährigen (!) Nachwuchskräften darf man nun nicht zu viel erwarten, auch wenn der unbekümmerte Auftritt von Rami Malaeb in Ingolstadt Spaß gemacht hat.
Uwe Koschinat sagte es aber im Vorfeld des Spiels richtig, denn er suchte kein Alibi in der angespannten Personalsituation, sondern verdeutlichte die Chancen, die die Spieler des Förderwerks sowie die Ersatzspieler haben, sich in diesem kommenden Spiel in den Fokus zu spielen. Und wer weiß, ob sich nicht jemand ins Rampenlicht spielt, mit dem man bis letzten Woche noch gar nicht gerechnet hätte.
Der Gegner: Jahn Regensburg (18. Platz / 10 Punkte / 2 Siege / 4 Unentschieden / 4 Niederlagen / 20:19 Tore / Torverhältnis +1)
Jahn Regensburg galt als Geheimfavorit der Liga, denn der Jahn konnte insbesondere offensiv spannende Transfers tätigen und legte nach dem Trainerwechsel zu Sascha Hildmann in der Vorsaison eine erstaunliche Serie hin, die auf eine erfolgreichere Spielzeit hinzudeuten schien, als sie es im letzten Jahr war. Zwar mussten die Regensburger Eric Hottmann zur Konkurrenz nach Düsseldorf und Noel Eichinger in die 2. Liga nach Karlsruhe ziehen lassen, jedoch holte sich der Jahn Patrick Hobsch und David Philipp von 1860 München, den drittligaerfahrenen Erik Majetschak sowie Nassim Boujellab aus Havelse. Darüber hinaus liehen sich die Bayern Marco Wörner aus Paderborn, der gefühlt bei der halben Liga im Gespräch war.
Der aufsehenerregenden Transfers wurden also in der Offensive getätigt und dies spiegelt sich auch in der aktuellen Form des Teams wieder. Mit 20 Toren in zehn Spielen stellt Regensburg die viertstärkste Offensive der Liga. Besonders Lucas Hermes und Kapitän Adrian Fein sammelten ordentlich Scorerpunkte und pflegen ein fantastisches und schnelles Spiel auf das gegnerische Tor. Aber auch Niclas Oliveira, Oscar Schönfelder und Sascha Hingerl bringen sich offensiv ein und sorgen durch die jeweils vorhandene Torgefahr dafür, dass Regensburg nicht gut ausrechenbar ist.
Das alles wirkt schon gut, doch überstrahlt wird die Offensivabteilung von Nassim Boujellab, der aus der vermeintlichen Abstiegsmasse der TSV Havelse geholt wurde. Boujellab glänzt als Vorbereiter und Vollstrecker und ist technisch eine Augenweide, also einer der Top-Spieler der ganzen Dritten Liga. Gerade auf diesen Akteur muss die ganze Essener Mannschaft aufpassen, um nicht, wie der Großteil der bisherigen Gegner, ins offene Messer zu laufen.
Bei all dem Lob fragt man sich berechtigterweise, warum Regensburg nach 10 Spielen auf einem Abstiegsplatz ist. Man fühlt sich an die RWE-Mannschaft der vergangenen Saison zurückerinnert, denn der starken Offensive steht eine extrem anfällige Defensive gegenüber. Die Gegentore fallen sehr leicht. Mehrfach reichten Halbfeldflanken, um den Abwehrverband auszuspielen und gerade dynamisch vorgetragene Angriffe werden bislang eher begleitet als verteidigt. Hier wird es auf die Schnelligkeit und die Stärken im 1 gegen 1 von Dickson Abiama und Lucas Brumme ankommen, um die Stürmer freizuspielen. Dann wird vorne etwas möglich sein.
Außerdem baut Jahn Regensburg auffällig oft in der zweiten Halbzeit ab und verspielte gegen Verl eine zwei Tore Führung, gegen den VfB Stuttgart II sogar eine drei Tore Führung, dementsprechend sollte selbst ein etwaiger Rückstand nicht dazu führen, dass der Kopf in den Sand gesteckt wird.
Über den Tellerrand geschaut: Die Lage der Liga
Nach der zweiten englischen Woche sortiert sich die Liga auffällig und es sind folgende drei Spiele, auf die zu achten sein wird:
Viktoria Köln – SC Verl
So ändern sich die Dinge. Wunderte man sich über Jahre, dass der SC Verl trotz ständiger Leerkäufe durch die Konkurrenz immer wieder in der ersten Tabellenhälfte zu finden war, wundert man sich heute, dass der SC Verl einen Stotterstart hingelegt hat. Nun muss der SC zur Viktoria, der Mannschaft der Stunde. Alles andere als ein klarer Heimsieg würde bei diesem Spiel überraschen.
FC Ingolstadt – MSV Duisburg
Der FCI spielt sein zweites Heimspiel in Folge und genauso wie Essen hier hätte gewinnen müssen, sollte man davon ausgehen, dass der MSV die drei Punkte mit ins Ruhrgebiet nehmen kann. Der FCI schwimmt jedoch auf einer Erfolgswelle und wird die Gäste mit breiter Brust empfangen.
FC Hansa Rostock – Fortuna Düsseldorf
Dieses Duell der Schwergewichte gab es schon mehrfach in der zweiten Liga und wird genauso spannend eine Liga darunter. Beide Klubs legten alles andere als einen Auftakt nach Maß hin und beide wechselten bereits früh in der Saison ihre Trainer aus. Ob das Debüt von Jens Langeneke bei Fortuna ein Erfolg wird, oder ob Hansa sich weiter an die Spitzengruppe heranschiebt erfahren wir am Samstag.
Fazit
Es ist aktuell nicht die Zeit der Optimisten, zu heftig schlug das Verletzungspech bei Rot-Weiss Essen zu. Diese schwierigen Zeiten sind jedoch häufig welche, in denen Mannschaft und Fans besonders eng zusammenrücken, denn auch auf den Rängen weiß man, dass es jetzt umso mehr auf die Unterstützung von außen ankommt. Hier kommt der Freitagstermin zur besten Zeit, denn am Freitag unter Flutlicht entsteht an der Hafenstraße eine ganz besondere Atmosphäre.
Sollten die Spieler die Herausforderung annehmen und die Situation als Chance für sich und die Mannschaft begreifen und das Publikum sich einbringen, ist ein Sieg auf jeden Fall möglich. Also packen wir es an.
In diesem Sinne: Nur der RWE!
Hendrik Stürznickel

