Vorbericht
Trendumkehr im Traditionsspiel
1948 standen sich erstmals Alemannia Aachen und Rot-Weiss Essen in einem Pflichtspiel der damaligen Oberliga West gegenüber. Seither ist der Verein aus dem Westen NRWs der häufigste Gegner in der Vereinshistorie. Je nach Zählung sind es bereits 96 Pflichtspiele, die die beiden Vereine gegeneinander ausgetragen haben und am Samstag wird die 97. Wiederauflage dieses NRW-Klassikers aufgeführt. Da diese Partie gespielt wurde, als RWE im Jahr 1953 den Pokal gewonnen hat, wird es nicht das wichtigste Duell, das diese beiden Mannschaften jemals gegeneinander ausgetragen haben, doch fiebern die Zuschauer beider Lager auf das Spiel hin.
Das liegt an der guten Ausgangslage beider Vereine. Durch den Sieg gegen die SG Sonnenhof Großaspach liegt Rot-Weiss Essen wieder bei einem 2-Punkte-Schnitt und findet sich aktuell auf Platz 3 der Tabelle wieder. Die Alemannia reitet aber auch auf einer Siegeswelle, die den Club auf Platz 5 der Tabelle gespült hat und beide Vereine wollen am Samstag mit einem Sieg den nächsten Schritt gehen. Zusätzlich zum knallvollen Stadion können die Zuschauer neben Magenta auch über den WDR auf dieses Spiel zugreifen, es ist angerichtet!
Das Personal
Beim Personal graust es die RWE-Fans momentan, da sich weiterhin trotz leichter Lockerungen die Mannschaft immer noch beinahe von selbst aufstellt. Erfreulich ist, dass Nick Bätzner die Nachwirkungen des heftigen Zusammenstoßes in Großaspach auskuriert hat und am Samstag zur Verfügung stehen wird. Da Bätzner allerdings kaum trainieren konnte, wird er höchstwahrscheinlich nicht länger zur Verfügung stehen als am Sonntag. Allerdings zeigte er selbst in dem Einsatz über eine Halbzeit, dass RWE auf seine starken fußballerischen Fähigkeiten bauen kann, wenn er auf dem Platz steht.
Erfreulich ist, dass Tony Menzel individuell auf dem Trainingsplatz arbeiten kann und Neuzugang Paul Pöpperl sogar schon am Mannschaftstraining teilnimmt. Angesichts der langen Ausfallzeiten beider Spieler sind diese jedoch eher perspektivische Optionen.
Es ist davon auszugehen, dass an der Startelf der vergangenen Woche nicht viel geändert wird. Die Viererkette vor Jakob Golz sollte unverändert auflaufen. Da Marek Janssen offenbar wieder beschwerdefrei trainieren konnte, sollte die Flügelzange Lucas Brumme und Dickson Abiama im Verbund mit Janssen für Gefahr im Aachener Strafraum führen. Hier könnte, sollte Bätzner als Alternative eingeplant sein, Noah Pesch als hängende Spitze agieren und Janne Sietan könnte erneut mit Ruben Reisig die Doppel-Sechs bilden.
Der Gegner: Alemannia Aachen (5. Platz / 20 Punkte / 6 Siege / 2 Unentschieden / 4 Niederlagen / 19:18 Tore / Torverhältnis +1)
Zu Beginn der letzten Saison und auch nach dem Trainerwechsel stotterte der Alemannia-Motor noch gewaltig. In der Rückrunde war die Alemannia dagegen das Team der Stunde und spielte die ganze Liga so schwindelig, dass sie wohl noch in den Aufstiegskampf eingegriffen hätte, wäre die Saison noch länger verlaufen. Sinnbildlich für den sensationellen Lauf der Alemannia waren Lars Gindorf und Mika Schroers.
Während Lars Gindorf zu seinem Heimatverein Hannover 96 zurückging und bei dem kriselnden Zweitligisten auch eine Liga höher eine richtig gute Rolle spielt, ist Mika Schroers trotz hoch dotierter Angebote aus der 2. Bundesliga nicht abgegeben worden. Diese Personalie lohnt sich für die Alemannia, auch wenn Schroers allein lange nicht so dominant auftritt wie im Zusammenspiel mit Lars Gindorf. Dennoch ist Mika Schroers der Spieler, der den Großteil der gefährlichen Chancen in den Spielen der Alemannia kreiert. Darüber hinaus hat sich die Alemannia verstärkt, so bringt sich Louis Köster von Holstein Kiel immer wieder gut in die Angriffe ein.
Der Toptorschütze ist jedoch ein alter Bekannter in Essen, denn Ex-RWE-Angreifer Lukas Scepanik erlebt momentan seinen zweiten Drittliga-Frühling und hat bereits sechs Treffer für die Alemannia erzielt. Auch Matti Wagner war als Leihgabe in der Saison 24/25 Spieler der Hafenstraße und deutete als blutjunger Außenverteidiger bereits an, dass er ein Spieler der Zukunft dieser Liga sein kann. Diesen Eindruck bestätigt er nun Spieltag für Spieltag in Aachen und sorgt immer wieder über die linke Seite für gefährliche Situationen in den gegnerischen Strafräumen.
Die Verteidigung der Aachener ist dagegen nicht immer sattelfest. 18 Gegentore sind nicht überbordend viele, sondern Durchschnitt der Liga, doch zeigt sich die Abwehr gegen spielstarke Mannschaften durchaus fehleranfällig. So war auch bei dem Sieg der vergangenen Woche in Münster eine höhere Torausbeute der Preußen möglich. Chancen waren zur Genüge vorhanden, da die Abwehr unter Druck auch mal für einen Bock gut ist. Hinzu kommt Torwart Manuel Riemann, der durch seine Station in der westlichen Nachbarstadt Bochum bestens bekannt ist, und der immer zwischen Genie und Wahnsinn pendelt. Zum Teil zeigt er unfassbare Reflexe auf der Linie, manchmal macht er dagegen haarsträubende Fehler.
Prinzipiell wird Mersad Selimbegovic auf das bekannte Erfolgsrezept der Alemannia setzen, mit dem sie beinahe jede Begegnung gegen Rot-Weiss Essen in der 3. Liga erfolgreich bestritten hat. In allen Spielen ist die Alemannia aggressiv in die Zweikämpfe gegangen und hat den Essener Teams den Schneid abgekauft und nachdem sie die Dominanz auf dem Platz entwickelt haben, haben sie gnadenlos zugeschlagen. Hier zeigt sich hoffentlich der neue defensive Ansatz, der in dieser Saison entwickelt wurde. Hier sollte der Verbund von Janne Sietan und Ruben Reisig zusätzlich zu den aggressiv verteidigenden Innenverteidigern diese Strategie endlich einmal aushebeln. Es sollte aber jedem klar sein, dass die Alemannia der wohl stärkste Gegner der letzten Wochen werden wird.
Über den Tellerrand geschaut: Die Lage der Liga
Die dritte Liga wartet an diesem Wochenende mit mehreren Spitzenspielen auf:
Viktoria Köln – 1. FC Saarbrücken
Die Viktoria ist das Team der Stunde und konnte sich nach dem Patzer des MSV die Tabellenspitze sichern. Nun geht es gegen den ärgsten Verfolger auf die Aufstiegsplätze, den 1. FC Saarbrücken. Die Saarländer um den genialen Florian Pick wittern ihre Chancen und wollen die Punkte aus dem Höhenberg-Stadion klauen.
FC Ingolstadt – Fortuna Düsseldorf
Die Fortuna war und ist der große Aufstiegsfavorit, strauchelt jedoch immer wieder. Nun treffen die Düsseldorfer ausgerechnet auf den Favoritenschreck, den FC Ingolstadt. Unsere Rot-Weissen haben schmerzlich erfahren müssen, wie schwierig es ist, Punkte aus dem wenig emotionalen Audi-Sportpark zu entführen, die Fortuna wird hier eine gute Leistung benötigen.
Preußen Münster – MSV Duisburg
Aus Essener Sicht sind die Sympathien klar verteilt: hier ist man traurig, dass nicht beide Mannschaften verlieren können. Ernsthaft gesprochen, will der MSV im Preußenstadion die kleine Leistungsdelle der letzten Wochen überwinden und wieder Kurs in Richtung Zweite Bundesliga einschlagen. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn die Preußen ihre zweifellos vorhandenen Qualitäten weiterhin nicht auf den Platz bringen.
Fazit
Der Trend seit dem Wiederaufstieg der Aachener in die 3. Liga spielt wahrlich nicht in die Essener Karten. Immer wieder ließ sich die Essener Mannschaften durch harte Zweikampfführung und konsequente Zweikampfführung in die Defensive drängen. Gut ist, dass Uwe Koschinat genau weiß, was auf Rot-Weiss Essen zukommen wird und eigentlich sind solche Spiele genau die, auf die er Mannschaften gut einstellen kann.
Angesichts der neu formierten und erstarkten Defensive sind die Hoffnungen der RWE-Anhänger hoch, dass es diesmal anders laufen wird und der Alemannia-Trend bei Rot-Weiss Essen umgekehrt wird. Hierbei wird das Stadion an der Hafenstraße einmal mehr komplett ausverkauft melden. Das wird stimmungsvoll und wenn die eigenen Tugenden stimmen auch erfolgreich.
In diesem Sinne: Nur der RWE!
Hendrik Stürznickel

