Der Pott brennt am Karsamstag – Der MSV zu Gast an der Hafenstraße
Die Saison biegt auf die Zielgerade ein und wartet am 31. Spieltag mit dem wichtigsten Duell in der Dritten Liga auf alle Fußballfans. Die erbitterten Rivalen befinden sich in direkter Konkurrenz um die Aufstiegsplätze und sind derzeit nur einen einzigen Punkt voneinander getrennt. Da sich beide Mannschaften im Hinspiel 1:1 trennten, wird wieder ein spannendes Spiel auf Augenhöhe erwartet. Die ersehnte Euphorie, die sich angesichts der schwankenden Auftritte der Essener Mannschaft lange nicht einstellen wollte, scheint endlich angekommen zu sein.
In der Länderspielpause konnten sowohl RWE als auch der MSV Selbstvertrauen für die anstehende schwere Aufgabe sammeln. Während die Essener in einem Testspiel gegen den VfL Bochum 4:0 gewinnen konnten, schafften die Duisburger in der Nachspielzeit mit einem 2:0-Erfolg in Bocholt den Sprung in das Finale um den Niederrheinpokalfinale. Damit steht der MSV kurz vor der Qualifikation zur 1. Hauptrunde des DFB-Pokals, wo die Meidericher zuletzt 2020 teilnehmen konnten. Was all das letztendlich aber zählt, wird erst am Karsamstag zu sehen sein.
Die Personallage
Im Derby werden definitiv Jannik Mause (Bänderriss im Ellenbogen), Jose Enrique Rios Alonso und Michael Kostka (beide wegen der 5. Gelben Karte gesperrt) nicht dabei sein. Gute Nachrichten gab es auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Marek Janssen und Jonas Hofmann sind fit und werden im Spieltagskader stehen – und wahrscheinlich auch in der Startelf. Torhüter Jakob Golz soll von Kapitän Schultz in der Innenverteidigung unterstützt werden. Daneben hat Tobias Kraulich nach einem starken Auftritt im Testspiel gegen den VfL Bochum wieder die besseren Karten gegenüber Ben Hüning. Der wiederum hat als Vertreter von Hofmann als Rechtsverteidiger in einer Halbzeit beim Testspiel in Bochum einen guten Eindruck hinterlassen. Alternativ stände noch Allrounder Nils Kaiser zur Verfügung, allerdings hatte der eigentliche Mittelfeldspieler in dieser Saison bislang kaum Einsatzzeiten.
Weniger Gedanken muss sich Uwe Koschinat um die linke Abwehrseite machen. Die Lösung, Franci Bouebari hinter Lucas Brumme auf dem Flügel aufzubieten, hat sich mehr als nur bewährt und macht das Essener Spiel dort sehr gefährlich. In der Zentrale werden im Derby Klaus Gjasulas Fähigkeiten gebraucht. Daneben hat sich Torben Müsel mit einer weiteren guten Partie in Köln nahezu unentbehrlich gemacht.
Auch Kaito Mizuta, der wegen einer Erkrankung beim Testspielsieg in Bochum noch gefehlt hat, wird auf der Spielmacherposition wieder zu finden sein. Damit bleiben noch zwei kleinere Fragezeichen in der Besetzung der Offensive. Ramien Safi konnte im Test gegen den Zweitligisten mit seinem Tempo überzeugen, allerdings hatte Dickson Abiama im Spiel gegen Viktoria Köln zwei Scorerpunkte gesammelt. Die Tendenz spricht zunächst für den Leihspieler vom 1. FC Kaiserslautern.
In der Spitze wird Stand Freitag Marek Janssen mit seiner unheimlichen Torquote auflaufen. Als Alternative wäre aber Jaka Cuber Potocnik bereit, seinen Posten zu übernehmen. Der Slowene war für die U21 seines Heimatlandes im Einsatz und kam verletzungsfrei zurück. Zuvor überstand er schon die komplette Spielzeit im letzten Auswärtsspiel am Höhenberg. Wie auch die Aufstellung am Samstag aussehen wird, die Qualität wird unabhängig von den Personennamen sehr hoch sein.
Der Gegner: MSV Duisburg (Tabellenplatz: vier – 54 Punkte – fünfzehn Siege – neun Unentschieden – sechs Niederlagen – 54:41 Tore – Differenz +13)
Eigentlich könnte die Sonne über der Wedau nicht heller scheinen. Nach dem Aufstieg aus der Regionalliga West holten die Meidericher sensationelle sechs Siege am Stück und wurden erst am elften Spieltag in München das erste Mal in der Saison besiegt werden. Die Hinrunde konnte auf dem dritten Tabellenplatz abgeschlossen werden und war für die Verantwortlichen das entscheidende Signal, in der Winterpause noch einmal nachzulegen.
Königstransfer sollte dabei Lex Tiger Lobinger sein, der angeblich ein Angebot aus Essen aufgrund früherer Differenzen mit Trainer Uwe Koschinat abgelehnt hatte. Lobinger sollte dabei das Problem des fehlenden Knipsers in der Sturmmitte lösen. Ob Lobinger gegen Essen auf dem Platz stehen wird, steht noch in den Sternen. Der Angreifer musste ein Training verletzungsbedingt abbrechen. Mit Aljaz Casar und Dominik Kother kamen aus Dresden reichlich Aufstiegs- und Zweitligaerfahrung in die Hafenstadt. Außerdem wurde der vereinslose Dominik Becker (zuletzt 1. FC Saarbrücken) mit in den Kader aufgenommen. Damit setzte die Meidericher das klare Zeichen an die Konkurrenz, direkt in die Zweite Bundesliga durchmarschieren zu wollen.
Zum Beginn der Rückrunde konnten auch alle, die es mit dem MSV halten, sehr zufrieden mit der Arbeit der Verantwortlichen sein. Die spielstarke U23 aus Stuttgart wurde mit 4:0 aus dem Stadion in Großaspach geschossen, Lobinger war in diesem Spiel direkt ein entscheidender Faktor. Nach einem weiteren ungefährdeten Heimerfolg gegen Jahn Regensburg (2:0) folgte ein erster Dämpfer bei strauchelnden Ulmern, die mit einem 1:0 den bislang letzten Sieg in der Dritten Liga holten.
Doch der MSV erholte sich schnell von dem Nackenschlag und konnte wie im Hinspiel den SC Verl besiegen (4:2), was wohl nur wenigen Mannschaften in der Liga gelingen würde. In der Folge erlitten die Meidericher zwei böse Klatschen in Wiesbaden und in Rostock, die Zweifel an die Qualitäten des vermeintlichen Aufstiegskandidaten säten. Vor allem die Abwehr um Kapitän Alexander Hahn wurde kritisiert, zu langsam zu sein und dem Druck von offensiv starken Mannschaften nicht stand halten zu können.
Auch Trainer Dietmar Hirsch bekam sein Fett weg. Aus den Fankreisen wird dem Duisburger Urgestein vorgeworfen, die Mannschaft nicht weiter entwickeln zu können, was durchaus Parallelen zu den Diskussionen um den Essener Trainer aufweist. Tatsächlich ähneln sich die Spielstile der beiden Mannschaften in vielerlei Hinsicht. Hirsch will aus einer kompakten Defensive über das Umschaltspiel zum Erfolg kommen, auch Uwe Koschinat ist kein ausgewiesener Freund des Ballbesitzfußballs. Die Truppe aus Duisburg verfügt über herausragende Flügelspieler, die den Ball schnell nach vorne transportieren können. Insgesamt ist der Fitnesszustand der Mannschaft von Dietmar Hirsch sehr hoch, bis zum Ende einer Partie hat sie die nötigen Kraftreserven, um noch spät als Sieger vom Platz zu geben. Boxer würden wohl hier von Nehmerqualitäten sprechen, die auch der Essener Mannschaft zuzusprechen sind.
Nach der heftigen Niederlage in Rostock schlugen die Meidericher 1860 München mit 2:1, zuvor hatten die Löwen Anfang Februar in Stuttgart das letzte Mal eine Pleite hinnehmen müssen. Den Schwung für das Derby konnten also die Duisburger mitnehmen. Außerdem kehrt eine wichtige Personalie bei den Meiderichern zurück. Das intensive Spiel von Dietmar Hirsch braucht einen Anker, der mit Rasim Bulic zuletzt ausfiel. Er ist ein ähnlich wichtiger Faktor wie Klaus Gjasula in der Essener Mannschaft und soll der wackelnden Defensive wieder mehr Stabilität geben. Aber auch Bulic musste unter der Woche das Training abbrechen. Die Duisburger hoffen natürlich, ihn bis Samstag wieder fit zu bekommen.
Viele Experten sehen RWE als leichten Favoriten im Derby an. Letztendlich sprechen der Saisonverlauf, die Form und die Brisanz für ein absolut ausgeglichenes Duell. Für die Essener wird es darauf ankommen, die Wucht der Duisburger Angriffe in den Griff zu kommen, denn nur der SC Verl ist statistisch konsequenter bei den Abschlüssen. Gelingt es RWE zudem, Druck auf anfällige Defensive der Meidericher auszuüben, könnte der Derbysieg gelingen.
Die Lage in der Liga und Fazit
Der Spieltag steht voll im Zeichen des Ruhrderbys. Alle anderen Aufstiegsfavoriten neben dem RWE und dem MSV haben auf dem Papier machbare Aufgaben vor der Brust. Vor dem Anpfiff im Essen spielt der Tabellenführer aus Osnabrück gegen den Tabellenletzten aus Schweinfurt. Hansa Rostock hat die strauchelnde Viktoria aus Köln zu Gast, Energie Cottbus muss für das Spiel gegen den Tabellenvorletzten TSV Havelse nach Hannover reisen.
Etwas schwieriger haben es die Löwen aus München, die gerne noch einmal in den Aufstiegskampf eingreifen würden, dafür aber erst einmal den Waldhof aus Mannheim besiegen müssen. Als letzter heiß gehandelter Aufstiegskandidat tritt der SC Verl am Sonntagmittag beim Abstiegskandidaten aus Ulm an, der in der Länderspielpause ein peinliches Ausscheiden gegen den Regionalligisten Sonnenhof Großaspach hinnehmen musste.
Nach der knappen Heimniederlage gegen Hansa Rostock greift am Sonntagabend der SV Wehen-Wiesbaden ausgerechnet beim Team der Stunde aus Aachen nach dem letzten Strohhalm, doch noch in den Kreis der Spitzenmannschaften zurückzukehren. Außerdem erhält Erzgebirge Aue die finale Chance, im Heimspiel gegen Hoffenheim 2 die Distanz zu den Nichtabstiegsplätzen zu verringen. In den Duellen zwischen dem VfB Stuttgart 2 und Jahn Regensburg, die den in Essen allseits beliebten Sascha Hildmann unter der Woche als Trainer verpflichtet hatten, und dem 1. FC Saarbrücken und dem FC Ingolstadt geht es nur noch darum, die Abstände zur Abstiegszone zu verkürzen.
Auch die Spieltagsanalyse zeigt auf, wie wichtig ein Sieg im Revierderby für beide Mannschaften wäre. Vor allem der MSV könnte bei einer Niederlage abrutschen, die Chancen der anderen Aufstiegskandidaten, aufgrund der lösbaren Aufgaben vorbeizuziehen, ist sehr hoch. Aber auch für RWE steht ganz viel auf dem Spiel. Letztendlich wird auch das Spiel auf den Rängen beeinflusst werden. Die RWE-Fans werden ihren Teil dazu beitragen, dass die Hafenstraße brennen wird und am Ende die drei Punkte in Essen bleiben werden.
In diesem Sinne
NUR DER RWE!
Pascal Druschke
