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2025/2026 – 3. Liga

1. FC Schweinfurt – Rot-Weiss Essen

Und weiter geht`s in der Englischen Woche. Die Rot-Weissen reisen zum Tabellenschlusslicht nach Schweinfurt und nach dem kräfteraubenden Derby ist dies sicher kein Selbstläufer. Warum aber die Vorzeichen nicht so schlecht stehen, auch dieses Spiel zu gewinnen, erfahrt ihr im Vorbericht.

Kontrastprogramm im Frankenland – RWE zu Gast beim Tabellenletzten

Mit dem hochverdienten Sieg im Derby gegen den MSV kennt die Stimmung rund um die Hafenstraße kein Halten mehr. Der Aufstieg ist in erreichbarer Nähe. Für die Mannschaft aus Essen sprechen die momentane Form und der zusätzliche Auftrieb, den der Sieg gegen den ungeliebten Rivalen hervorbringt. Auch die eher unerwarteten Niederlagen der offensiv starken Konkurrenz aus Rostock und Verl tragen zur Hochstimmung bei.

Dafür muss aber zunächst die Aufgabe beim Schlusslicht aus Schweinfurt erfolgreich absolviert werden. Die Roten werden sich das Derby schnell aus den Gliedern schütteln müssen, um das Duell der Gegensätze für sich zu entscheiden. Bislang hat aber die Mannschaft von Uwe Koschinat noch nie einen Zweifel daran gelassen, solche Spiele nicht mit der nötigen Seriosität anzugehen.

Die Personallage

Trainer Uwe Koschinat muss am Dienstagabend weiter auf Jannik Mause verzichten. Dazu gesellt sich Jaka Cuber Potocnik, der sich wegen grippaler Symptome vom Trainingsbetrieb abmelden musste. Dafür kehren Jose Rios Alonso und Michael Kostka aus ihren Gelbsperren zurück. Alonso ist ein heißer Kandidat für die Rückkehr in die Innenverteidigung von Stammkeeper Jakob Golz, dafür hat er einfach als Dauerbrenner in den letzten Jahren zu häufig auf dem Platz gestanden. Möglich ist aber auch, dass Koschinat bei dem stark verteidigenden Duo aus dem Duisburg-Spiel, bestehend aus Michael Schultz und Tobias Kraulich, bleibt. Michael Kostkas Comeback in die Startelf ist hingegen eher unwahrscheinlich. Ben Hünning vertrat die beiden Rechtsverteidiger Kostka und Hofmann gegen den MSV vorbildlich, dennoch wird Jannik Hofmann bei hundertprozentiger Fitness der Favorit für die erste Elf sein. Insgesamt ergibt sich zum Saisonende eine pure Luxussituation auf diesen Positionen, wäre hätte dies vor wenigen Wochen noch gedacht. Auf der linken Seite haben Franci Bouebari und Lucas Brumme im Derby wieder einmal überzeugt, allerdings wirkte Brumme am Ende des Spiels ziemlich platt. Hier gebe es zumindest in der Offensive Alternativen, wenn z. B. Dickson Abiama die Seite wechseln würde und Marvin Obuz bzw. Ramien Safi auf dem rechten Flügel eine Bewährungsprobe erhalten. In der Zentrale sind die Eckpfeiler Klaus Gjasula, Torben Müsel und Kaito Mizuta kaum wegzudenken. Auch wenn er wenige Impulse gegen den MSV setzen konnte, wird Marek Janssen von Beginn an starten, auch hier wären z. B. Dickson Abiama oder Ramien Safi mögliche Optionen für die Sturmspitze.

Der Gegner: 1. FC Schweinfurt 05 (Tabellenplatz: 20 – 17 Punkte – fünf Siege – zwei Unentschieden – 24 Niederlagen – 29:73 Tore – Differenz -44)

Der Abstieg der „Schnüdel“ steht so gut wie fest. Die Frage ist nicht, ob die Schweinfurter absteigen werden, sondern nur wann. Am Dienstagabend könnte es so weit sein, denn durch den vergangenen Sieg der Saarbrücker stehen jetzt 19 Punkte zwischen den Franken und dem ersten Nichtabstiegsplatz. Sollten also die „Schnüdel“ gegen RWE verlieren, gibt es bei noch 18 zu holenden Punkten aus den verbleibenden sechs Spielen keine Chance mehr, das rettende Ufer zu erreichen. Dennoch hat die Mannschaft noch das Ziel, ein historisch schlechtes Ergebnis zu verhindern. Seit Einführung der eingleisigen Dritten Liga wird der Rekord von der Zweitvertretung aus Bremen gehalten, die in der Saison 2011/12 insgesamt nur 22 Punkte holten.

Immerhin holten die Schweinfurter schon einmal einen Sieg mehr als die Bremer (4). Unter dem Strich bleibt es dennoch eine sehr enttäuschende Saison. Der Plan, mit einem Team aus regional verwurzelten Spielern die Drittklassigkeit zu wahren, ist auf der kompletten Linie gescheitert. Doch von diesem Plan wollten die Schweinfurter auch in der Winterpause nicht abweichen. Mit Mustafa Özden (FC Ingolstadt 2), Nikolaos Vakouftsis (Greuther Fürth 2), Winners Osawe und Dustin Forkel (beide vom 1. FC Nürnberg ausgeliehen) blieb der Verein sich seinem Motto nach treu.

Dennoch wollten die Verantwortlichen die beispiellose Niederlagenserie nicht völlig hinnehmen. Victor Kleinhenz musste nach einem Unentschieden gegen den FC Ingolstadt geben, für ihn wurde mit Jermane Jones ein bekanntes Gesicht als Nachfolger verpflichtet. Wer Jones als Spieler noch erlebt hat, weiß genau, was er den Spielern vorleben soll: Aggressivität, hohe Einsatzbereitschaft und Kampf bis zur letzten Minute. Die Bilanz von Jones fällt schon einmal etwas besser aus, was angesichts der Ausgangssituation der Truppe auch nicht wirklich schwer war. Immerhin haben die „Schnüdel“ unter Jones zu Hause nicht mehr verloren. Allerdings wurden die Punkte ausnahmslos gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte geholt. Auswärts bleibt die Ausbeute dürftig, gegen die Spitzenteams aus Verl, Osnabrück oder Duisburg hagelte es weiterhin deutliche Niederlagen.

Auch wenn die Mannschaft in allen Bereichen Probleme aufweist, muss RWE gewarnt sein. Johannes Geis ist immer noch für eine Standardsituation oder einen klugen Pass in die Spitze zu haben. Auch die Ex-Essener Joshua Endres und Manuel Wintzheimer haben schon mehrfach getroffen. Ekin Celebi, der von der Hafenstraße per Leihe dort spielt, wird aufgrund vertraglicher Vereinbarungen nicht gegen seinen Stammverein spielen dürfen. Sollten die Roten aber auch diesmal seriös auftreten und sich nicht das Spiel von den „Schnüdel“ diktieren lassen, ist der sechste Sieg in Serie, ohne in Arroganz zu verfallen, sehr wahrscheinlich.

Die Lage in der Liga und Fazit

In dieser Phase der Saison werden alle Augen selbstverständlich auf die Konkurrenz gerichtet sein. Am Dienstagabend spielt der MSV Duisburg gegen den Tabellenführer VfL Osnabrück. Die Meidericher setzen dabei auf ihre Heimstärke und hoffen darauf, die derzeitige Dominanz des VfL brechen zu können, sonst droht ein weiterer schwerer Rückschlag im Aufstiegskampf. Essens direkter Verfolger Energie Cottbus muss gegen 1860 München ran. Für die Löwen wird es jetzt aber wirklich die allerallerletzte Chance sein, noch ein Wörtchen um die vorderen Plätze mitreden zu können.

Mittwoch geht es dann weiter, wenn die „Verlierer des letzten Spieltags“ mit dem SC Verl und Hansa Rostock im direkten Duell aufeinandertreffen und sich damit hoffentlich die Punkte gegenseitig wegnehmen. Dahinter hat der SV Wehen im Heimspiel gegen den TSV Havelse noch einmal die Chance, in das Aufstiegsrennen zurückzukehren. Leise Hoffnungen macht sich ausgerechnet die Alemannia aus Aachen, die dank ihres Sturmduos Schroers/Gindorf eine beeindruckende Siegesserie hingelegt hat. Allerdings will der FC Saarbrücken weiter Punkte sammeln, um das Abstiegsgespenst endgültig zu verbannen. In den Partien Mannheim vs. Hoffenheim 2 und dem FC Ingolstadt vs. Viktoria Köln geht es nur noch um Mittelfeldplatzierungen, in den Paarungen Jahn Regensburg vs. Erzgebirge Aue und Stuttgart 2 vs. SSV Ulm erhoffen sich die Auswärtsteams noch Zähler im Kampf gegen den Abstieg.

Im Gegensatz zum vergangenen Spieltag sind die Vorzeichen völlig umgedreht. Bei schlechtem Ausgang des Derbys hätte RWE durch die günstige Konstellation für die Konkurrenz ins Hintertreffen geraten können, nun ist es die Mannschaft von der Hafenstraße, die sich im günstigen Fall sogar etwas absetzen kann. Klar ist, dass RWE bis zum Ende in der Verlosung um den Aufstieg in Liga 2 dabei sein wird. Doch die Chance, dieses Ziel auch wirklich zu erreichen, wäre mit zwei Siegen gegen die beiden kommenden Gegner aus den unteren Tabellenregionen so groß wie nie. Eine starke Anzahl von etwa 1000 Auswärtsfans unter der Woche wird die Truppe bei diesem nächsten Schritt tatkräftig unterstützen. Packen wir es gemeinsam an!

In diesem Sinne

NUR DER RWE!

Pascal Druschke