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2025/2026 – 3. Liga

Rot-Weiss Essen – FC Ingolstadt (4:1)

Schöner kann ein Abschluss der Englischen Woche nicht sein. 4:1 gegen Ingolstadt, der siebte Sieg in Folge und entsprechend neun volle Punkte aus der Woche geholt und weiter auf einem Aufstiegsplatz. Unsere Galerie und der Spielbericht sind online.

Vorbericht

RWE will Audi erneut das Fahrwerk lahmlegen – Essen vor Ingolstadt im Aufstiegsfieber
Lange Zeit klagte man im RWE-Umfeld trotz guter Ergebnisse und Platzierungen über mangelnde Euphorie. Das hat sich gründlich geändert. Nach 6 Siegen in Folge marschiert Rot-Weiss Essen in Richtung zweite Liga. Gegen das Audi-Werksteam aus Ingolstadt soll nun Essens 7. Streich in Folge folgen. In diesem Match geht es auch darum, den nachfolgenden Aufstiegs-Gipfel in Cottbus aus den Köpfen und Ingolstadt in die Köpfe zu bekommen.

Drei Gründe für die Wende – So erreichte RWE den Umschwung
RWE hat in den letzten Wochen seine neue Rekordserie in der Dritten Liga aufgestellt. Die alte Bestmarke aus der Saison 23/24, damals spülten unter Christoph Dabrowski 5 Siege Rot-Weiss weit nach oben, ist bereits gefallen und soll weiter ausgebaut werden. Und das nach einer großen zwischenzeitlichen Ernüchterung nach den Pleiten in den Spitzenspielen bei Osnabrück und Hansa Rostock. Nach der 2:3 Niederlage in Rostock nannten wir drei Gründe für Essens Formkrise, die den Aufstieg gefährdete. Was hat sich seitdem positiv geändert? Uwe Koschinat sprang über seinen Schatten und reagierte auf die RWE-Probleme. Das Ergebnis, eine Siegesserie, die das Fan-Herz wild hüpfen lässt.


Grund 1: Mit Viererkette und personeller Umstellung zur Dreierserie

Oft angesprochen und diskutiert, die Viererkette ist einer von Essens Gamechangern im Aufstiegsrennen. Und was für einer. Seitdem Uwe Koschinat fest zu diesem System zurückgekehrt ist, holte RWE 18 Punkte aus 7 Partien, denn vor der Siegesserie gab es ein 2:3 in Rostock. Zuvor siegte RWE mit Viererkette noch 3:2 gegen Regensburg, in Osnabrück hingegen ging man in der Fünferkette mit 0:3 unter. Die Gesamtbilanz mit der offensiver ausgerichteten Viererkette ist beeindruckend. RWE trat in 21 Spielen in diesem System an und holte 49 Punkte, im Schnitt atemberaubende 2,33 Zähler. Es ist keine Zahlenmagie, hierin den Hauptgrund für Essens Top-Platzierung zu sehen.

Aber auch drei personelle Umstellungen garantieren den Erfolg. Hieß es auf dem linken Flügel lange Zeit Brumme oder Bouebari, so ist die Antwort nun Brumme und Bouebari. Die Dynamik dieses linken Flügels sucht seitdem seinesgleichen. Brumme marschiert auf seiner eigentlich gelernten Position als linker Flügelstürmer, Franci Bouebari beweist Woche für Woche, dass dem jungen Mann noch einiges zuzutrauen ist. Der SC Freiburg dürfte sehr erfreut sein über diese Entwicklung seiner Leihgabe.

Kaito Mizuta wirbelt auf der 10, als hätte er dort schon immer gespielt. Dabei geschah das eher aus der Not heraus, weil Winter-Neuzugang Danny Schmidt gar nicht zündet. Uwe Koschinat erkannte die Qualitäten des Japaners auf der Spielmacherposition, seitdem bereitet Mizuta seinen Gegenspielern dort Albträume. Last but not least belebt auch der nun feste Platz von Torben Müsel neben Klaus Gjasula auf der Doppelsechs das Essener Spiel signifikant.

Punkt 2: Essens neues Mindset

Mit dem Systemchange kam auch ein Change des Mindsets. Stück für Stück erarbeitete RWE sich die breite Brust und mit einem Male ist Angriff die beste Verteidigung. Bleiben die Essener aktiv, wird der Druck von der eigenen Abwehr genommen, ein zusätzlicher Offensivspieler bringt Essens Power nach vorne zur Geltung, mit 65 Toren hat man den zweitbesten Angriff der Liga, die Gegentreffer konnten zuletzt signifikant reduziert werden.


Grund 3: In der Einheit liegt die Kraft

Der Verein hatte es oft gefordert, mehr Zufriedenheit und weniger Unruhe. Nur wurden dort auch Ursache und Wirkung verwechselt. Seit RWE entschlossen marschiert und die Power seines Kaders nutzt, werden die Menschen voll mitgenommen und die Mannschaft wird auch wieder auf den Flügeln der Ränge getragen. Und wir Fans sollten aufhören darüber zu diskutieren, wer nun „Recht“ hatte. Die einen, die Uwe Koschinat immer die völlige Treue hielten, oder diejenigen, die unzufrieden mit der Taktik ins Gericht gingen.

Die Antwort ist, beide Lager hatten ein Stück weit Recht. An Uwe Koschinat nach einer Ergebniskrise festzuhalten stellt sich nun als richtige Maßnahme der Essener Führung heraus. Und die Maßnahme war richtig, weil Uwe Koschinat seinerseits die richtigen Maßnahmen traf, die in konstruktiv zu nennender Kritik zuvor gefordert worden waren. Nun geht es gemeinsam doch deutlich besser.

Das Personal und die taktischen Optionen

Wie wird Rot-Weiss Essen in dieses Spiel gehen? Mit Jakob Golz natürlich, erwartbar werden Rios Alonso und Michael Schultz die Innenverteidigung bilden. Auf dem linken defensiven Flügel hat sich Franci Bouebari fest in den Fokus des Trainers gespielt, leider fällt dieser aufgrund muskulärer Probleme aus und zwingt Uwe Koschinat zum Nachdenken. Lucas Brumme könnte auf auf die Linksverteidiger-Position zurückweichen, auf der er in seiner Essener Zeit sowieso gesetzt war. Um aber seine offensive Dynamik weiter mitzunehmen, könnte man auch Linksfuß Tobias Kraulich aufbieten oder Jannik Hofmann auf seiner Nebenposition spielen lassen. Essens Trainer ließ sich vorab aber nicht in die Karten schauen und es wird spannend sein, wie er sich schlussendlich entscheiden wird.

Wenn Hofmann links beginnen würde, wäre er als Anwärter auf die rechte Verteidigerposition automatisch nicht mit in der Verlosung. Jannik Hofmann war nach seiner Verletzung zuletzt dort nicht mehr erste Wahl. Er verlor seinen Platz gegen Duisburg an Ben Hüning, der dort eine solide Partie ablieferte. Unter der Woche in Schweinfurt wiederum war Michael Kostka, der gegen Duisburg noch gelb gesperrt war, an der Reihe. Kostka hinterließ, insbesondere defensiv, nicht den besten Eindruck, so dass man hier damit rechnen kann, dass er nicht wieder auflaufen wird. Koschinat wird sicherlich genau überlegen, ob er Hüning oder Kostka dort eine Chance gibt. Am Ende könnte dort aber auch Hofmann spielen, für den seine große Dynamik nach vorne spricht.

Die zentrale Mittelfeld Achse ist seit einigen Spielen unbestritten. Neben Routinier Klaus Gjasula ist der ballsichere Torben Müsel gesetzt, zumal Müsel auch seine Torgefährlichkeit wieder entdeckt hat. Gjasula und Müsel bilden ein exzellentes Duo. Der 36-jährige „Klausi“ zeigt mittlerweile allen, wo der Hammer hängt und kann hin und wieder das Offensivspiel beleben. Backup Ruben Reisig bleibt nur die Reservistenrolle.

Auch in der Reihe davor dürfte vieles klar sein. Kaito Mizuta, der Zehner, der aus der Not heraus geboren wurde, wirbelt, spielt, trifft und vorbereitet nach Herzenslust. Es ist ganz klar, dass Mizuta in dieser Rolle auf dem Feld stehen wird. Wenn Lucas Brumme links Offensiv aufläuft, dürfte der ebenfalls immer besser aufspielende Dickson Abiama auf der Gegenseite beginnen.

Was passiert im Sturmzentrum? Ramien Safi konnte in Schweinfurt durchaus mit seinem Tempo auf sich aufmerksam machen. Allerdings hatte er mehrfach Probleme in der Ballan- und Mitnahme. Stoßstürmer Marek Janssen zeigte nach seiner Hereinnahme, dass er als Wandspieler nicht nur treffen, sondern auch vorbereiten kann. Er legte Kaito Mizuta und später Nils Kaiser starke Bälle auf, die diese leider nicht zu weiteren Torerfolgen verwerten konnten. Janssen hat nach diesem Auftritt und seiner Schonung in Schweinfurt den Startplatz wieder fest vor Augen. An der Hafenstraße trifft er ohnehin sehr gerne.

Das Gegnerportrait: FC Ingolstadt (Platz 14/ 40 Punkte/10 S-10 U-12 N/51:44 Tore +7)

Genau wie sein Tabellenplatz ist der FC Ingolstadt weder Fisch noch Fleisch. Ein echter Fußballklub? Nein, eigentlich eine Audi Marketing Idee. Man kann sich als Fußballfan über so etwas ärgern oder muss einfach hinnehmen, dass es im 21. Jahrhundert eine ganze Menge solcher Vereine gibt Deswegen sucht man in Ingolstadt aber auch immer wieder eine Möglichkeit, irgendwie interessanter zu werden.

Es ist möglicherweise auch eine Marketing Idee mit Sabrina Wittmann die einzige im Profifußball agierende Cheftrainerin zu beschäftigen. Das soll keineswegs despektierlich klingen. Sabrina Wittmann macht einen guten Job in Ingolstadt und muss sich sicherlich hinter vielen ihrer männlichen Kollegen nicht verstecken. Womöglich ist sie sogar eine Pionierin oder Trendsetterin für weitere Clubs, die zukünftig eine Frau im Männerfußball an der Seitenlinie haben werden.

Wittmanns Vertrag wurde kürzlich trotz mäßiger Saisonleistung verlängert, in Ingolstadt wurde vor Saisonstart finanziell abgespeckt und deshalb erwartete man von Vorneherein keinen sehr großen Wurf. Hatte man in den Vorjahren immer noch die Möglichkeit oder die Ambitionen aufsteigen zu wollen, so ging es in diesem Jahr eher darum, den Sturz nach unten zu verhindern. Dort kann mittlerweile wenig anbrennen. Die 40 Punkte Grenze hat man erreicht und man fährt mit 11 Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge ohne Druck nach Essen.

Dort hatte man in den letzten Jahren wenig zu lachen. Vor zwei Jahren gab es eine Null-zu-Vier-Klatsche. Im letzten Jahr ärgerte sich Sabrina Wittmann ziemlich über das 0:2 bei RWE und bestritt auf der Pressekonferenz später, dass der RWE Sieg verdient gewesen sei. In der Tat standen den Gästen mehrmals ein überragender Jakob Golz sowie Pfosten und Latte im Weg. Im Hinspiel in Ingolstadt siegte Essen mit 2:1 und wäre mit der Wiederholung des Resultats sicherlich zufrieden.

Die Gäste kommen mit einer 1:2-Heimniederlage gegen Viktoria Köln zur Hafenstraße, auswärts sind sie mit 20 Zählern genauso stark wie zuhause. Ein Umstand, der beim geringen Zuschauerinteresse am FCI nicht verwundert. Während der Heimbereich restlos ausverkauft ist, werden die Bayern den Auswärtsblock wohl sehr luftig befüllen, nennenswerte Unterstützung kennt man nicht.

Alles das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ingolstadt dennoch hohe individuelle Qualität in seinen Reihen hat, in erster Linie ist hier Marcel Costly zu nennen, mit 22 Scorer-Punkten liegt der Dreißigjährige sogar vor Essens Kaito Mizuta. Einst gelernter Außenverteidiger brilliert Costly nun als rechter Flügelstürmer. Das nennt man wohl Flexibilität im Stile Lucas Brummes. Costly empfiehlt sich aktuell auch für andere Klubs. Davon, möglicherweise einen Absprung in höhere Gefilde zu unternehmen, können auch Mittelfeldmann Max Besuschkow (11 Scorerpunkte) und Dennis Kaygin mit 7 teilweise spektakulären Toren träumen. Insbesondere Kaygin wird auch häufiger den Abschluss aus der zweiten Reihe suchen, so dass RWE gewarnt sein sollte, das teilweise immer noch auftretende Problem, zu tief zu stehen und den Gegner vor der Box Räume zu gönnen, abzustellen.

Die RWE Defensive muss auch bei Standards auf der Hut sein, der bereits erwähnte Costly verfügt hier über ein feines Füßchen. Ansonsten muss man den Ingolstädtern begegnen, wie RWE in letzter Zeit jedem Gegner begegnete, mit breiter Brust nach vorne die eigenen Stärken suchend. Zumal Sabrina Wittmann in ihrer Abwehrzentrale kräftig umbauen muss. Mit Jonas Scholz und Simon Lorenz fehlen gleich zwei Innenverteidiger wegen einer Gelbsperre. Das sollte Essen erst Recht zum Angriff motivieren. Für RWE ist dann der siebte Saison Sieg in Serie sicherlich mehr als nur möglich. Man muss allerdings das Spitzenspiel in Cottbus aus den Köpfen bekommen und Ingolstadt hinein.


Fazit und über den Tellerrand geschaut, die Lage in der dritten Liga:

Es geht in den Endspurt. Sechs Partien pro Team werden stattfinden, 18 Punkte sind zu vergeben. RWE könnte sich an diesem Spieltag ein kleines Polster erarbeiten, sogar auf den Relegationsplatz. Dafür muss die Konkurrenz natürlich neben einem eigenen Sieg mitspielen. Aus Essener Sicht interessant ist am Samstag die Partie des MSV Duisburg bei Waldhof Mannheim. Der MSV konnte dem VfL Osnabrück nach einer langen Siegesserie des Spitzenreiters eine Pleite zufügen und kehrte damit zurück ins Aufstiegsrennen.

Vor allem in Sachen Emotionen brachte der MSV deutlich mehr auf die Kette als beim Derby in Essen. Vor lauter Begeisterung gab es in Duisburg auch schon einen Platzsturm, ein Fan wollte kurz vor Schluss dem Schiedsrichter wohl zu seiner Leistung gratulieren, konnte dann aber von den Spielern überredet werden, wieder den Platz einzunehmen. Selbst Keeper Braune, der sich nach einer Laufleistung von geschätzten 300 Metern in der Nachspielzeit mit Wadenkrämpfen am Boden wälzte, konnte durch diese Aktion kurzfristig wieder auf die Beide gebracht werden. Nun, ob diese Euphorie in Duisburg tatsächlich schon angebracht ist, wird abzuwarten sein. Der MSV braucht sicherlich ein Dreier bei Waldhof Mannheim. Die Waldhöfer sind immerhin immer eine kleine Wundertüte, aber zu Hause sicherlich eine Macht.

Rostock steht vor dem Spiel gegen Ulm vor einem absoluten Pflichtsieg. Das gilt allerdings auch für die Gäste. Die Ulmer müssen ihren eine ihrer letzten Chancen packen und punkten, denn der Sieg des 1.FC Saarbrücken gegen Regensburg machte den eigenen Erfolg über den SC Verl, über den man sich in Essen sehr freute, nahezu wertlos. So müssen die Spatzen Big Points in Rostock holen. Acht Punkte sind es bis zum rettenden Ufer und Ulm muss die Chance suchen, die es eigentlich nicht mehr hat.

Einen Pflichtsieg muss auch Verl in Aue landen. Die Erzgebirgler sind nahezu abgestürzt in die Regionalliga, Coach Christoph Dabrowski wurde bereits als zweiter Trainer in dieser Saison von seinen Aufgaben entbunden. Auch das wird die Veilchen aber nicht mehr retten können, ob man den Verlern aber noch ein Veilchen verpassen wird, bleibt abzuwarten. Die Mannschaft von Tobias Strobl zeigte sich in den letzten Wochen launisch und nicht mehr in der Form, nach der Niederlage gegen Rostock unter der Woche sind die Aufstiegsträume quasi ausgeträumt.

Eine fast nur noch theoretische Chance muss auch 1860 München im bayerischen Derby gegen Regensburg wahren. Auch dann sind die Chancen der Sechziger noch oben reinzukommen, überschaubar. Die hohen Investitionen in Giesing, haben sich zumindest in dieser Saison nicht gelohnt.

Mit Argusaugen wird man in Essen und in der gesamten Liga das Duell zwischen dem VfL Osnabrück und Energie Cottbus beobachten. Der Tabellenführer aus Osnabrück strauchelte zuletzt in Duisburg und hat nur noch drei Punkte Vorsprung vor RWE, aber das bessere Torverhältnis gegenüber den Essenern. Cottbus-Coach Pele Wollitz machte bereits eine Kampfansage. Er warf den Lila-Weißen zwischen den Zeilen Arroganz vor, dass man sich dort bereits als Zweitligist sehe. Vielleicht sagte man aber auch nur, dass man dort zweigleisig planen müsse, wie viele andere Mannschaften auch.

Wollitz muss man allerdings zu gute halten, dass er seiner Mannschaft in dieser Rückrunde ein ebenfalls neues Gesicht verpasst hat. Die Cottbuser sind defensiv sehr stabil geworden. Und vorne hat man einen Erik Engelhardt, der aus allen Lagen trifft. Gerne darf er sich an der Bremer Brücke eine Gelbe abholen, es wäre seine fünfte. Denn Essen muss danach bekanntlich zum Duell in die Lausitz. An der Hafenstraße ist man bereit für den siebten Ligasieg hintereinander. Die Zeichen stehen auf Sturm. Am Ende wird für RWE hoffentlich weiter ein direkter Aufstiegsplatz stehen.

NUR DER RWE!

Sven Meyering

Spielbericht

Der siebte Streich in Folge: RWE schlägt Ingolstadt mit 4:1 und setzt klares Signal in Richtung zweite Liga!

Jubel, Trubel, Heiterkeit an der Hafenstraße 97 A. Nach dem 4:1 Erfolg gegen den FC Ingolstadt hängt der Himmel über der Hafenstraße voller rot-weisser Geigen. RWE landete den siebten Liga Sieg in Folge und festigte den zweiten Tabellenplatz, der bekanntlich zum direkten Aufstieg in die Zweite Bundesliga berechtigt. Dabei war das Spiel unter dem Strich deutlich schwerer, als das Ergebnis verrät.

Nach einem wunderschönen Treffer von Dickson Abiama (19.) konnte Ingolstadt zunächst durch Maljojoki (28.) ausgleichen und so ging es auch in die Pause. Die zweite Hälfte begann damit, dass Jannik Hofmann einen Flankenball aus dem Halbfeld im Tor versenkte (47.), weil Ingolstadts Keeper Eisele zu weit vor seiner Kiste stand. Bis zur Nachspielzeit blieb es bei diesem Resultat und latent musste man einen Audi-Ausgleich fürchten, obwohl RWE sehr konzentriert verteidigte und eigentlich kaum etwas zuließ. Dann aber schnürte Rot-Weiss durch Gjasula und Potocnik einen Doppelpack in der Extra-Time. Das tut auch dem Torverhältnis im harten Aufstiegskampf gut.

Das Personal

Auf den kurzfristigen Ausfall von Franci Bouebari reagierte Uwe Koschinat damit, dass er Michael Kostka auf die linke Abwehrseite beorderte, wo er es mit Ingolstadts in letzten Wochen herausragenden Marcel Costly zu tun bekam und diesen unter dem Strich gut kontrollierte. Ansonsten spielte Essen so wie erwartet mit Rios Alonso und Michael Schultz in der Innenverteidigung vor Jakob Golz im Tor. Vor Kostka lief Brumme auf, der auf seiner Offensivposition verbleiben durfte, und auf dem rechten Flügel spielten Hofmann und Abiama. Natürlich bildet Müsel mit Gjasula das zentrale Mittelfeld und Kaito Mizuta gab die Zehn. Marek Janssen kehrte auf die Neun zurück.

Essen machte von allen fünf Wechseloptionen Gebrauch. Zunächst gab es einen Doppelwechsel im Offensivverbund, Potocnik und Obuz ersetzten Janssen und Brumme (71.). Während Obuz nun den rechten Flügel besetzte, wechselte Dickson Abiama auf Links. Kurz darauf kam Ben Hüning für Wundertorschütze Hofmann auf die rechte Außenverteidigerposition (77.). Weil das Ergebnis kurz vor dem regulären Ende noch immer knapp war, sollte Safi noch einmal Tempoakzente setzen und kam für den bis dato überragenden Dickson Abiama in die Partie, Ruben Reisig ersetzte Kaito Mizuta, um das defensive Mittelfeld zu stärken (87.). Einmal mehr zeigte sich Essens starke Bank, denn Reisig und Potocnik holten sich noch jeweils einen Scorerpunkt und Marvin Obuz war endlich einmal on fire.


Die Pluspunkte

Das war ein typisches Spiel, wenn eine Mannschaft richtig im Flow ist. RWE war keinesfalls drei Tore besser als der FC Ingolstadt, aber am Ende des Tages hatte man die Nase klar und auch verdient vorne. Wunderbar alleine der Führungstreffer, als Lucas Brumme Abiama durchstarten sah und den Ball hoch und weit in Richtung seines Mitspielers beförderte. Die Ballannahme der Leihgabe aus Kaiserslautern war, als würde Abiama in der Champions League und nicht in der dritten Liga spielen, ehrfürchtig staunte Ingolstadts Innenverteidigung und DA11 schlug unbehelligt noch einen Haken nach Innen und schloss mit links trocken ab. Der Ball drehte sich noch an den Innenpfosten, aber das Glück des Tüchtigen ist derzeit auf Essener Seite und die Kugel sprang rein.

In der zweiten Hälfte ist vor allem hervorzuheben, dass RWE nach der schnellen Führung, die etwas glücklich erschien, da Hofmanns Ball eher eine verunglückte Flanke denn ein Torschuss war, den Vorsprung sehr souverän und aktiv verteidigte. Ingolstadt hatte kaum Situationen und man muss wirklich sagen, dass RWE in der Defensive noch einmal an Stabilität gewonnen hat. Das liegt auch daran, dass die Essener mit ihrem enormen Offensivpotenzial dem Gegner immer wieder das Fürchten lehren und Ingolstadt stetig das Essener Umschaltspiel drohte, angeführt von einem starken Torben Müsel, auf dessen Vertragsverlängerung die Fans sehnsüchtig warten, brach Essen immer wieder durch.

Routinier Klaus Gjasula war sein Treffer zum 3:1, vorausgegangen war ein mustergültiger Doppelpass mit Ruben Reisig, besonders zu gönnen. Nach dem 25. Saisoneinsatz bleibt Klausi nun ein weiteres Jahr im Essener Boot, das freut alle, die es mit RWE halten. Nach dem Tor brachen alle Jubeldämme, denn jetzt war klar, RWE würde den Sieg erringen. Dann kam eine bemerkenswerte Szene vor dem 4:1. Ramien Safi war zu Marvin Obuz an die Eckfahne gelaufen, um das Bekannte „Wir spielen die Zeit von der Uhr“ mit einer kurz gespielten Ecke aufzuführen. Obuz jedoch, der den Eckstoß mit einem tollen Freistoß zuvor herausgeholt hatte, schickte Safi weg in dem Bewusstsein, dass man das Spiel ohnehin gewonnen habe, aber vielleicht mit einer klaren Ecke noch ein Tor schießen könne, und genauso kam es. Das war auch für das Torverhältnis sehr, sehr gut. Manchmal sind es solche Kleinigkeiten, die sehr viel aussagen. Insgesamt merkt man, die Truppe ist ausgesprochen stabil und geht ihren Weg. Und lässt sich auch weiterhin durch Nichts aus der Ruhe bringen. Die Siegermentalität ist fest verankert in Essen.


Die Knackpunkte

Ingolstadt bereitete Essen durchaus Probleme, nachdem Schweinfurt unter der Woche mit seiner Harmlosigkeit dem großen Favoriten fast überhaupt keine Gegenwehr entgegen brachte, zeigte sich der FCI aus einem anderen Holz geschnitzt. Gerade in der ersten Halbzeit waren die Ingolstädter auf einem guten Weg, RWE weh zu tun. Viele Standards aus Eckbällen, die scharf vor das Essener Tor gezogen wurden, waren gefährlich. So führte auch ein ziemlich genau getretener Ball zum Ausgleich. Maljojoki, der einige Minuten zuvor Jakob Golz bereits einmal unsanft mit dem Ball ins Tor gerammt hatte, lief erneut entschlossen ein und wuchtete das Leder in die Maschen. Kein einziger RWE-Spieler hatte den Torschützen markiert geschweige denn seinen Laufweg verstellt oder geblockt. Zum Glück eine der wenigen Unachtsamkeiten in der Essener Deckung an diesem Tag. Mit dem 2:1 im Rücken verpasste RWE in der finalen Entscheidung diverse gute Kontergelegenheiten, um das Spiel noch früher und höher auf seine Seite zu ziehen. Aber, das ist nun Meckern auf hohem Niveau.


Die Aufreger

Schiedsrichter Luca Jürgensen hatte mit der Partie im Grunde keine große Mühe. In einer Situation konnte Essen aber tief durchatmen. Lucas Brumme ging in der Schlussphase der ersten Halbzeit mit offener Sohle auf seinen Ingolstädter Gegenspieler und sah nur Gelb. Das wird ihn zwar für Cottbus nächste Woche dennoch leider außer Gefecht setzen, aber nicht wenige Zuschauer erwarteten hier wohl Knallrot. Große Erleichterung herrschte allenthalben, als es nur den gelben Karton gab. Zudem gab es Freistoß für Essen zur Verwirrung aller. Das lag wohl daran, dass Brumme zuvor festgehalten worden war und dadurch entscheidende Zentimeter im Kampf um den Ball verlor, in den er dann inklusive Gegenspieler Antzoulas relativ rustikal hineinrutschte. Auch das wird Jürgensen dazu angehalten haben, nicht den knallroten Karton zu ziehen. Das war auf jeden Fall Glück für RWE und Lucas Brumme, sonst hätte man bereits in der ersten Hälfte in Unterzahl agieren müssen.

Fazit und über den Tellerrand geschaut: Die Lage in der Dritten Liga

Neben RWE ließ auch die härteste Aufstiegskonkurrenz am Samstagnachmittag nichts anbrennen. Der MSV Duisburg hat sich die Derbyniederlage in Essen stark aus den Kleidern geschüttelt, nach dem Sieg über Osnabrück folgte für die bislang so auswärtsschwachen Zebras ein sattes 4:1 in Mannheim. Hansa Rostock schoss den SSV Ulm ein großes Stück weiter in Richtung Regionalliga, am Ende hieß es 5:1 für Hanseaten, sodass Ulm nicht von der gleichzeitigen Schlappe der Saarbrücker in Havelse profitieren konnte. Um 13:30 tritt heute Cottbus in Osnabrück an. Ein Heimsieg der Lila-Weißen wäre RWE vor dem Spitzenkampf in der Lausitz nächste Woche wohl sehr recht, denn dann wären es 4 Punkte Vorsprung vor dem Relegationsplatz.

Einmal mehr verließen die RWE-Fans hochzufrieden das Stadion an der Hafenstraße. So langsam werden Erinnerungen wach an die Spielzeit 2003/04, als RWE mit 9 Siegen in Serie den Aufstieg in die Zweite Liga meisterte. Damals war es Jürgen Gelsdorf, nun ist es Uwe Koschinat, der als Serientäter aufhorchen lässt. Diese Wucht und Entwicklung war nicht mehr unbedignt zu erwarten, aber Koschinat strafte mit seinen Umstellungen zu einer mutig offensiven Spielweise alle Kritiker Lügen, die ihn dafür als zu stur hielten. Das gilt im Übrigen auch für meine Person. Von daher Chapeau und Danke Uwe!

NUR DER RWE!

Sven Meyering

Fotos