Vorbericht
Die wichtigste Erkenntnis vor dem Buwe-Auftritt: Rot-Weiss Essen macht wieder richtig Bock!
Der Mittelteil der Trilogie in der englischen Woche steht an. Am Mittwoch um 19 Uhr im Carl-Benz-Stadion dürfte für RWE kein gemütlicher Betriebsausflug anstehen. Waldhof gegen Essen – das sind zwei ehemalige Bundesligisten, zwei große Fanszenen und zwei Vereine, die sich selbst eigentlich lieber eine Etage höher sehen würden.
RWE reist nach dem begeisternden Auftritt gegen die Würzburger Kickers mit 10 Punkten aus 5 Spielen als Tabellenzweiter in die Kurpfalz. Das ist ein hervorragender Zwischenstand. Viel erfreulicher aber wiegt etwas anderes. War die rot-weisse Punktausbeute unter Trainer Uwe Koschinat stets gut, der Fußball aber nicht immer mitreißend, so schaffen RWE und sein Trainer hier offenbar gerade den Paradigmenwechsel. Tempo, Mut und Leidenschaft zeichnet das junge Team aus. Rot-Weiss Essen erzielt aktuell nicht nur Zufriedenheit durch eine gute Punktzahl, sondern spielt sich tief ins Herz seiner Anhänger.
Zumindest an der heimischen Hafenstraße, wo alle vier Pflichtspiele inklusive DFB-Pokal gegen St. Pauli jeweils verdient gewonnen worden sind. In der Fremde wackelte Rot-Weiss bislang aber ein wenig. Nach dem bitteren 2:5 in Saarbrücken spielte man torlos 0:0 in Wiesbaden. Das Spiel bei den unangenehmen Waldhöfern wird ein Stresstest, ob Essen es auch auswärts kann.
Das Personal und die taktischen Optionen
RWE hat sein System bereits gefunden. War die Vorsaison gekennzeichnet durch stetiges Rotieren zwischen einer Fünfer- und einer Viererkette, so ist RWE nun im 4-2-3-1 heimisch geworden. Essen verteidigt mutig nach vorne, angetrieben von Abwehr-Pitbull Ben Hüning, der seinen Gegenspielern Albträume bereiten dürfte, verharrt man nicht mehr passiv bei gegnerischem Ballbesitz in der Tiefe, sondern lässt dem Kontrahenten wenig Luft zum Atmen.
Möglich wird das durch wesentlich mehr Tempo in der defensiven Zentrale. Hier wächst Janne Sietan in die Chefrolle. Zunächst gemeinsam mit dem nun leider verletzten Tony Menzel und zuletzt mit Noah Pesch stresst Sietan den Gegner bereits deutlich in dessen Hälfte. Die Folge davon, es wird bereits viel Druck von der letzten Kette ferngehalten, vier zu Nullspiele in sechs Partien legen Zeugnis davon ab, dass RWE deutlich weniger zulässt.
Wie stellt Koschinat sein Team in Mannheim auf diesen Positionen auf? Keeper Golz ist ebenso unstreitig dabei wie Ben Hüning, Hüning zur Seite wird wahrscheinlich Rios Alonso gestellt werden. Ene wackelte allerdings gegen Würzburg, so kann er Max Geschwills Ausfall nicht kompensieren. Eine Alternative wäre Luca Bazzoli, so oder so wird RWE mit zwei Rechtsfüßen hinten zentral spielen müssen. Sietan auf der 6 und erneut Noah Pesch auf der 8 sind zu erwarten. Pesch spielte im Zentrum sehr viel wirkungsvoller als zuletzt auf der linken Außenbahn. Seine eigentliche Wunschposition bleibt die 10, dort wird er aber eher nicht auflaufen.
Dem immer stärker werdenden Franci Bouebari gehört die linke defensive Außenbahn, aber wer soll es Gegenüber richten? Michael Kostka ersetzte gegen Würzburg dort den bereits vierfach Gelb verwarnten Jannick Hofmann. Für Hofmann spricht das höhere Tempo, für Kostka eine bessere technische Performance. Uwe Koschinat deutete auf der PK nach Würzburg an, dass Mannheim die Außenbahnen anders bespielen werde können als die Würzburger. Ein Fingerzeig auf Hofmann?
Rechts offensiv zeigt Marvin Obuz mittlerweile nahezu, warum seine Rückkehr vor Jahresfrist den RWE-Anhang begeisterte. Nach einer sehr mäßigen Saison fühlt er sich nun im System mit Viererkette viel besser aufgehoben und harmoniert mit seinen Mitspielern. Auffällig, war Obuz sonst eher der Spieler, der das eins gegen eins bis zur Grundlinie suchte, so hat er nun eine deutlich erhöhte Frequenz für Flanken aus dem Halbfeld. Und die haben es in sich. Gegen Würzburg kopierten Obuz und Marek Janssen das Führungstor gegen Pauli, scharfe Flanke Obuz auf den zweiten Pfosten, Abschluss Janssen per Kopf.
Apropos Marek Janssen. Er hat das Stürmergen. In der Box ist er ein Raumdeuter, findet und geht in die Räume, die dem Gegner weh tun. Eine weitere neue Essener Waffe, Janssen und den dann von der 10 einrückenden Telalovic mit vielen Bällen in die Box zu füttern und den Gegner ordentlich zu stressen. Wie entscheidet sich Koschinat auf der linken offensiven Bahn? Von dieser zog er zuletzt Noah Pesch ins Zentrum, wo er überzeugte. Doch nicht der langjährige Dominator Lucas Brumme lief auf, sondern Aiman Dardari. Luxemburgs Auswahlspieler brachte viele technische Elemente und Dribblings ins RWE-Spiel, der eingewechselte Lucas Brumme aber hatte später deutlich mehr Zug zum Tor und harmonierte mit Franci Bouebari sehr gut bei abwechselnden Tiefenläufen. Sein wunderschöner Freistoßtreffer zum 6:2 dürfte Balsam auf Brummes durch das Reservistendasein etwas geschundene Fußballerseele gewesen sein.
Und was ist mit Nick Bätzner? Der avancierte nach seiner Einwechslung gleich zu Big Nick Bätzner und schnürte den Doppelpack. Dennoch ist der prominente Last-Minute-Neuzugang kein zwingender Startelfkandidat. Noch viel weniger Dickson Abiama, der war aber in seinen wenigen Einsatzminuten gegen Würzburg enorm engagiert und befindet sich somit auf dem Weg der Besserung. Diese Überlegungen verraten, der RWE-Kader ist vor allem nach den Verletzungen von Menzel und Geschwill quantitativ etwas dünn besetzt, aber im Mittelfeld und den Außenbahnen gibt es dennoch viele starke Alternativen.
In dieser Hinsicht scheint der Ausfall von Max Geschwill schwerer zu wiegen als der von Tony Menzel, denn Essens Innenverteidigung dürfte spätestens dann ins Schwimmen geraten, wenn Sperren oder gar weiteres Verletzungspech hinzukäme. Gegen Würzburg gab es eine kurze, aber beinahe folgenreiche Schwächephase. Die eigentlich total unterlegenen Kickers kamen auf 2:3 heran. Schon vor dem ersten Gegentreffer wurde deutlich, dass Essen nicht mehr so entschlossen zupackte, denn David Kinsombi erfreute sich gleich zweimal kurz vor der rot-weissen Box großer Freiheiten. Beim 1:3 war die Zuordnung bei einer Ecke nicht klar, beim 2:3 schaffte Würzburg auf Essens linker Seite Überzahl und Platz im Rücken von Bouebari, hier hätte man aus der Zentrale energischer herüberschieben müssen. RWE zog sich am eigenen Schopfe aus der Misere, aber solche Schwächephasen könnten in Mannheim letal sein.
Das rot-weisse Spiel ist intensiver und kraftraubender geworden. Gerade innerhalb der hohen Belastungsphase der englischen Woche wartet Uwe Koschinat womöglich mit personellen Überraschungen bei den Buwe auf. Der Spielplan ist Essen allerdings durchaus gewogen. Zwischen dem Würzburg und Mannheim-Match liegen drei volle Tage der Regeneration, ebenso wie zwischen Mannheim und Rostock am kommenden Sonntag. Das war in der Vergangenheit häufig ungünstiger.
Das Gegnerportrait: SV Waldhof Mannheim (Platz 9/7 Punkte/2-1-2/8:8/0)
Der SV Waldhof Mannheim passt gut in diese Liga: große Tradition, ein enges Stadion, leidenschaftliche Fans – und seit Jahren die Hoffnung, irgendwann wieder weiter oben anzuklopfen. Von 1983 bis 1990 spielte der Waldhof sieben Jahre am Stück in der Bundesliga, seit 2019 gehört er wieder zum festen Inventar der 3. Liga. Apropos leidenschaftliche Fans. Die Waldhöfer übertreiben es hin und wieder auch mal gerne. Es ist das erste Aufeinandertreffen seit dem Böllerwurf gegen RWE-Keeper Felix Wienand an der Hafenstraße vor einigen Monaten.
Und beim DFB-Pokalspiel gegen den großen Rivalen aus Kaiserslautern mussten zwischenzeitlich Polizeipferde die kurpfälzischen Tifosi vom folgenreichen Platzsturm ab- und in deren Kurve zurückdrängen. RWE erwartet hier ein echtes Auswärtsspiel mit brisanter Atmosphäre unter Flutlicht. Im Vorjahr holten sich die rot-weisse Mannschaft eine fast schon legendäre 1:6-Packung ab, bei den beiden Auftritte davor gewann man in Mannheim jedoch mit 2:1 bzw. 2:0.
Im Sommer wurde in Mannheim ordentlich umgebaut. Luc Holtz, immerhin ehemaliger Auswahltrainer Luxemburgs, übernahm in Mannheim erst in der Vorsaison vom Österreicher Dominik Glawogger und wanderte nach Saisonende vorzeitig weiter zum französischen Zeitligisten FC Metz. Mit Rui Mota steht ein neuer Trainer an der Seitenlinie. Zum dritten Mal in Folge ein Trainer ohne deutsche Nationalität. Nach Luxemburg und Österreich wird es nun mediterraner am Waldhof. Der Portugiese führte den bulgarischen Erstligisten Ludogorez Rasgrad sogar in die Gruppenphase der Europa League, wurde aber wegen suboptimaler Ergebnisse in der Meisterschaft entlassen. Er sorgte nach dem Pokalspiel gegen Kaiserslautern für Schlagzeilen, als er direkt nach der Partie seinem Trainerkollegen Lieberknecht den Handschlag verweigerte und diesen auch auf der Pressekonferenz mit fassungslosem Gesichtsausdruck zurückließ. Iberische Emotion.
Einige bekannte Namen wie Rico Benatelli, Arianit Ferati oder Samuel Abifade verließen den Verein. Geblieben sind unter anderem Lukas Klünter, Julian Rieckmann und Diego Michel. Den Abwehrverband verstärkt seit dieser Spielzeit Claudio Kammerknecht, Stammspieler in der Aufstiegsmannschaft von Dynamo Dresden und, ein Kuriosum am Rande, Nationalspieler Sri Lankas. Im Angriff soll vor allem Gonçalo Gregório für Gefahr sorgen. Dazu kommen Spieler wie Lovis Bierschenk und Julian Ulbricht. Letzterer sorgte erst am Sonntag für das Ausrufezeichen: Sein Fallrückzieher brachte Mannheim beim 1:0 in Wiesbaden den ersten Auswärtssieg seit mehr als sieben Monaten.
Damit kommt der Waldhof mit Rückenwind ins Duell. Nach fünf Spieltagen stehen sieben Punkte zu Buche. Zuvor hatte Mannheim unter anderem zum Auftakt Fortuna Düsseldorf mit 2:1 geschlagen und sich beim 3:3 in Rostock einen Punkt geholt. In Rostock zeigte sich das Team aber vor allem bei Standards verwundbar, bei denen RWE variantenreicher wirkt als in der Vorsaison. Janne Sietan, in der vergangenen Saison noch beim Waldhof, wird sicherlich besonders gespannt auf das Match blicken. Auf ihn und seine Zweikampfqualitäten wird es nicht zuletzt ankommen, ob RWE auch auswärts so viel gute Struktur in sein Spiel zu verbringen vermag wie an der Hafenstraße.
Fazit
Die Art und Weise der Essener Auftritte im Anschluss an die Saarbrücken Pleite haben mittels eines fußballerischen Paradigmenwechsels wieder richtig Bock auf RWE gemacht. In Mannheim kommt jedoch zweifelsohne eine echte Bewährungsprobe auf die Essener Elf zu. Dieses Spiel und das folgende Heimspiel gegen Hansa Rostock, das in dieser Woche seinen Trainer Daniel Brinkmann vor die Tür gesetzt hat, werden deutlicher zeigen, wo die rot-weisse Reise hingeht.
Sven Meyering
Spielbericht
Revanche in Mannheim geglückt – RWE dreht das Spiel und gewinnt 2:1!
„Intensität“ und „intensiv“ waren die wohl meistgenutzten Vokabeln rund um das Auswärtsspiel beim Waldhof aus Mannheim. Das Spiel wurde das im Vorfeld angekündigte Kräftemessen zweier Mannschaften, die eine hohe Intensität im Spiel pflegen. Dass sich das Essener Publikum und die Mannschaft nach Abpfiff in den Armen liegen konnten, lag an einer wirklich guten Reaktion auf den Mannheimer Treffer in der 63. Minute, in der Uwe Koschinat einmal mehr ein gutes Fingerspitzengefühl bei seinen Einwechslungen zeigte. Das robuste Verteidigen der eigenen Führung führte am Schluss noch zu einer wilden Auseinandersetzung, der man dann recht entspannt zuschauen konnte.
Das Personal
Nick Bätzner, Lucas Brumme und Marek Janssen erzielten am vergangenen Samstag zusammen vier Tore und so fragten sich alle Zuschauer, wer dieser Spieler sich damit in die Startelf gespielt hat. Uwe Koschinat fällte die salomonische und gleichzeitig überraschende Entscheidung, dass alle drei Torschützen sich zunächst auf der Bank wiederfanden.
Im Vergleich zum Spiel gegen Würzburg wechselte der Trainer auf drei Positionen. Erwartungsgemäß durfte Jannik Hofmann wieder von Beginn an auflaufen und verdrängte damit Michael Kostka, der eine deutliche Duftmarke hinterlassen hatte. Überraschender war das Herausrotieren von Marek Janssen, der Jaka Cuber Potocnik den Vortritt lassen musste. Darüber hinaus vermuteten die meisten RWE-Fans, dass Lucas Brumme wieder in die Startelf kommen würde, doch hier bildete Dickson Abiama mit Marvin Obuz die Flügelzange.
In der ersten Halbzeit ging der Plan Koschinats voll auf, denn nach anfänglichen Schwierigkeiten spielte Rot-Weiss immer konsequenter auf das Mannheimer Tor und zog die Schlinge immer enger. Der Halbzeitpfiff kam beinahe zur Unzeit.
Nach gutem Beginn der zweiten Hälfte reagierte der Coach sofort nach dem Gegentreffer und brachte Marek Janssen und Lucas Brumme für Potocnik und Obuz. Dickson Abiama wechselte für kurze Zeit auf die rechte Seite. Nach dem Standardtreffer von Janne Sietan kam Nick Bätzner für Dickson Abiama und dankte seinem Trainer für den Einsatz mit einem sehenswerten Solo, das den Siegtreffer einleiten sollte.
In den letzten Minuten sollten Luca Bazzoli und Michael Kostka, die für den Toschützen Semir Telalovic und Noah Pesch kamen, das Ergebnis absichern, was schlussendlich auch funktioniert hat.
Die Pluspunkte
Die Medien stürzen sich gerne auf Geschichten wie die Janne Sietans, der als ehemaliger Waldhöfer in Mannheim sein erstes Drittligator erzielte. Das Tor war jedoch Belohnung für eine beeindruckende Reihe extrem starker Spiele, die Janne Sietan in seiner kurzen Zeit im RWE-Trikot bereits absolvierte. Immer wieder wird betont, dass das Spiel Sietans nicht auffällt, was bei guten Sechsern häufig so ist. Doch muss man an dieser Stelle einmal einwenden, dass man schon gezielt wegschauen muss, um die bärenstarke Form des jungen Sechsers von RWE zu übersehen. In Mannheim legte er einmal mehr trotz einer extrem frühen Verwarnung eine blitzsaubere Partie hin, hatte ein Auge für sich öffnende Lücken und war auch ohne sein Tor ein Motor für den Erfolg. Nebenbei gab er auch ein sehr wertschätzendes Interview in Richtung seines alten Arbeitgebers. Diese Tugend erlebt man auch nicht allzu oft.
Darüber hinaus war Rot-Weiss Essen im besten Wortsinne wehrhaft gegen eine extrem aggressive Mannheimer Mannschaft. Uwe Koschinat hat seine Mannen bestens darauf eingestellt, was auf sie zukam und Essen war ebenfalls giftig und eklig zu bespielen. Defensiv stand die Doppel-Sechs mit Noah Pesch erneut sehr gut und auch Luca Bazzoli fügte sich bestens in den Defensivverbund mit ein und hielt die Abwehr stabil.
Besonders gelungen waren jedoch die offensiven Einwechslungen. Nur fünf Minuten nach seiner Einwechslung trat Lucas Brumme zum Eckball an und fand den Kopf von Janne Sietan, der zum 1:1 Ausgleich traf. Noch spektakulärer bereitete dann aber Nick Bätzner vor. Er nahm sich ein Herz und marschierte von der Mittellinie aus mit dem Ball am Fuß einmal kreuz und quer durch die Mannheimer Spieler hindurch in den Strafraum. Wer jetzt dachte, dass nach dem Sprint die Luft knapp wurde, sah sich getäuscht, denn geistesgegenwärtig legte Bätzner den Ball in den Rücken der Hintermannschaft und der satte Schuss Semir Telalovic schlug unhaltbar im Mannheimer Kasten ein. Es ist das nun vierte Tor im sechsten Spiel für die Nürnberger Leihgabe.
Man muss aber auch Uwe Koschinat loben, dem aktuell wirklich wieder sehr viel gelingt. Die Mannschaftsaufstellung der ersten Halbzeit sorgte früh für eine Dominanz auf fremdem Platz, die Einwechslungen sorgten abschließend für den Sieg, der für RWE gleichbedeutend mit einem Startrekord ist, da Rot-Weiss Essen satte 13 Punkte aus sechs Partien holte und sich damit auf dem zweiten Platz wiederfindet. Das ist eine Momentaufnahme, die man gerne in die nächsten Tage mitnimmt.
Die Knackpunkte
Wie schon gegen Würzburg wurde auch heute besonders die rechte Abwehrseite der Essener attackiert, um Torchancen herauszuspielen. Hier sprang oftmals Janne Sietan in die Bresche, aber auch Jannik Hofmann agierte über weite Strecken so souverän, dass er zum ersten Mal in dieser Saison ohne Verwarnung auskam, sodass er das Heimspiel gegen Hansa Rostock bestreiten kann.
Allerdings erwischte es Rot-Weiss Essen schließlich doch über die rechte Seite. Der gebürtige Essener Owono-Darnell Keumo war der mit Abstand beste Mannheimer Spieler. Alle gefährlichen Aktionen gingen über ihn und oftmals war er dann auch der letzten Mann, der Essener Konter unterband. Er selbst leitete den Gegentreffer ein und sorgte für eine Ballstafette auf der Seite, an deren Ende Lovis Bierschenk den Ball flach in den Strafraum flankte. Goncalo Gregorio legte den Ball mit dem Rücken zum Tor ab, sodass Keumo nur noch abschließen musste. Die einstudierte Ablage auf Keumo war so schnell und präszise, dass der Treffer nicht zu verhindern war. Hier hätte die Flanke verhindert werden müssen, doch hat Mannheim hier sehr gut angegriffen und intelligent gekreuzt, sodass es schwierig war, hier einzugreifen.
Für viele graue Haare hat die Schlussphase gesorgt, in der Rot-Weiss Essen nicht einmal mehr versucht hat, Entlastungsangriffe zu fahren, sondern den Ball nur noch herausgeschlagen hat. Hier fragt man sich, ob ein etwas früheres Angreifen die Kompaktheit so sehr gestört hätte, oder ob es nicht vielleicht sogar Kontersituationen ergeben hätte.
An dieser Stelle sollten wir allerdings überlegen, wie stark die Mannschaft in dieser Saison knappe Führungen verteidigt. Viktoria Köln, Waldhof Mannheim und der TSV Havelse wurden damit geschlagen und am Ende lautet die Rechnung so, dass wenn RWE von 10 Spielen einmal einen späten Nackenschlag erleiden müsste, es trotzdem neun Siege sind, die herausspringen würden, was diese Schlussphasen durchaus als probates Mittel erscheinen lässt. Für den Zuschauer ist dieses Mitzittern dennoch schrecklich.
Essen stand so massiert, dass Mannheim förmlich verzweifelt ist und immer wieder technische Fehler produzierte. Dennoch wäre es in der 92. Minute fast so weit gewesen, als der eingewechselte Masca aus kurzer Distanz abzog. Zum Glück hat Essen Jakob Golz im Tor, der auch diese Situation entschärfte.
Der Aufreger
Nach Spielende wollte Mannheims Trainer Rui Mota eine besonders herzliche Form des Glückwunschs aussprechen und ging mit einer so gerade noch vorhandenen Impulskontrolle auf den Essener Trainer zu und sprach diesen an. Die Replik von Uwe Koschinat erzürnte Rui Mota jedoch so sehr, dass der Mannheimer Trainer überhaupt nicht mehr zu bändigen war und von Schiedsgericht, Essener Spielern und der eigenen Mannschaft in die Kabine geleitet werden musste, um eine Eskalation zu verhindern. Uwe Koschinat moderierte den Vorfall gekonnt weg und auch der Mannheimer Coach hatte sich schnell wieder im Griff und nahm es mit Humor, indem er sagte, er sei eher der verrückte Typ.
Der Blick über den Tellerrand – Die Lage der Liga
Bereits gestern hatte der TSV Havelse den Tabellenführer aus Duisburg am Rand einer Blamage, so konnten die Niedersachsen trotz einer zwanzigminütigen Unterzahl noch ein Unentschieden halten. Erst der unglückliche Fehler von Dennis Duah ließ den MSV den fünften Sieg im sechsten Spiel feiern.
Im Spitzenspiel zwischen Preußen Münster und dem 1. FC Saarbrücken fielen gleich sechs Tore. Dabei führte Saarbrücken zweimal mit zwei Toren Abstand und musste dennoch den Ausgleich der Adlerträger hinnehmen.
Dass Trainer Yannic Thiel einen ersten Erfolg feiern konnte, war zunächst nicht abzusehen. Bis kurz vor Schluss stand es zwischen Essens nächstem Gegner Hansa Rostock und dem VfB Stuttgart II noch 2:2 Unentschieden, bis Benno Thiel für den Siegtreffer sorgte, sodass die Kogge nun mit einer Portion Selbstvertrauen ins Ruhrgebiet reisen wird.
Fazit
Die Spiele in Mannheim und gegen Rostock wurden als richtungsweisend für die Form von Rot-Weiss Essen ausgelobt. Das Duell mit dem Waldhof war eklig und giftig geführt und die Mannschaft hat diese Aufgabe bestanden. Mit dem FC Hansa Rostock kommt dann eine nochmal ganz andere Qualität an die Hafenstraße, doch muss RWE sich in dieser Form wahrlich nicht verstecken. Das Team spielt sich momentan leidenschaftlich in die Herzen der Zuschauer, dass selbst ein Rückschlag verziehen würde.
Das Auswärtsspiel in Mannheim war ein Schritt, der zeigt, dass Uwe Koschinat einen klaren Plan für die nächsten Wochen hat. Wenn die Mannschaft weiterhin so bedingungslos zusammensteht, dann kann hier etwas richtig Gutes zusammenwachsen.
In diesem Sinne: Nur der RWE!
Hendrik Stürznickel

