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2026/2027 – 3. Liga

Rot-Weiss Essen – Würzburger Kickers

Lange sehnten sich die Würzburger Kickers nach der Dritten Liga. Nun haben sie es geschafft und erstmals empfängt RWE das bayrische Team in einem Pflichtspiel an der Hafenstraße. In unserem Vorbericht erfahrt ihr alles zum Saisonstart der Würzburger und wie Uwe Koschinat auf die Ausfälle bei RWE reagieren könnte. Viel Spaß beim Lesen.

Vorbericht

Premiere am 5. Spieltag

Selten sind Begegnungen für Rot-Weiss Essen in der Dritten Liga eine Premiere, doch am kommenden Spieltag ist es so weit. Erstmals duellieren sich RWE und die Kickers aus Würzburg in einem Pflichtspiel und immerhin 300 Schlachtenbummler nehmen den Weg aus Bayern auf sich. Gegen den Aufsteiger erhofft sich Rot-Weiss Essen den Dreier-Doppelpack im Heimspiel-Doppelpack. Der Aufsteiger aus der Regionalliga Bayern ist jedoch schwierig einzuschätzen.

Das Personal

Gleich zwei Positionen muss Uwe Koschinat im Vergleich zum Heimsieg gegen Viktoria Köln ersetzen. Im Falle des Ersatzmannes für den angeschlagenen Max Geschwill legt sich der Essener Coach ungewöhnlich deutlich fest. Als gefragt wird, ob er schon wisse, ob José Enrique Rios Alonso oder Luca Bazzoli spielen werden, unterstrich der Trainer bestimmt, dass José Enrique Rios Alonso auf dem Platz stehen werde. Dass Koschinat einem seiner zuverlässigsten Spieler der Vorsaison vertraut, kommt jedoch nicht überraschend.

Allerdings muss Koschinat leider auch Tony Menzel ersetzen, der noch in dieser Woche am Syndesmoseband operiert wurde und deswegen wohl erst in der Rückrunde wieder das Essener Trikot tragen wird. Hier bieten sich mehrere Alternativen an, doch ließ Koschinat erkennen, dass er eine offensivere Variante und damit Nick Bätzner bevorzugt. Der jüngste Neuzugang unter den Feldspielern könnte so ein frühes Startelfdebüt im Stadion an der Hafenstraße geben, doch ist er wohl nicht bei 100%, sodass Ruben Reisig wohl auf deutlich mehr Spielzeit als zuletzt kommen kann, selbst wenn er nicht von Beginn an auf dem Platz steht.

Das dritte Fragezeichen steht im Sturm. Hier zeigte sich Jaka Cuber Potocnik sehr engagiert im letzten Spiel, konnte jedoch keine Torbeteiligung für sich verbuchen. Angesichts der deutlich erkennbaren Entwicklung von Marek Janssen würde es nicht wundern, wenn Koschinat nun wieder auf ihn setzen würde.

Insgesamt steht hier trotz der erheblichen Schwächungen noch eine starke Mannschaft auf dem Platz, die Mittel finden sollte, die drei Punkte in Essen zu behalten.

Der Gegner: Würzburger Kickers (13. Platz / 1 Sieg / 1 Unentschieden / 2 Niederlagen / 4 Punkte / 7:7 Tore / Torverhältnis 0)

Lange sehnten sich die Würzburger Kickers nach der Rückkehr in die 3. Liga. 2024 gewann Würzburg die Regionalliga Bayern, musste sich jedoch Hannover 96 II geschlagen geben. Die Meisterschaft sollten die Würzburger danach nicht mehr holen, nach einem 6. Platz reichte aber Platz 2 in der Vorsaison, da der 1. FC Nürnberg II nicht für die 3. Liga gemeldet hat. Nahezu kein Verein wollte wirklich aufsteigen, was noch einmal zeigt, wie dringend die Regionalliga Bayern aufgelöst und in einen größeren Kontext gebracht werden muss. Hier liegen die Hoffnungen auf dem im Dezember stattfindenden DFB-Bundestag.

Trotz der glücklichen Aufstiegsfügung trauen viele Experten den Würzburgern zu anders als die letzten Aufsteiger ihrer Liga, sich in der 3. Liga zu etablieren. Vor allen Dingen wirtschaftlich sind die Möglichkeiten hier durchaus besser als zuletzt in Unterhaching und Schweinfurt. Dies zeigt sich auch in einem spannend verstärkten Kader in dieser Drittligasaison.

Mit sieben Toren in vier Spielen stellt Würzburg einen achtbaren Sturm. Hier sind gleich mehrere Offensivspieler herauszuheben. Besonders David Abrangao, der die linke Seite umpflügt, fühlt sich in der Dritten Liga pudelwohl und begeistert mit seinen Sturmläufen. Die Leihgabe von Greuther Fürth wertet den Kader auf und ist kaum aufzuhalten. Gerade weil Jannik Hofmann zuletzt immer mal im 1 gegen 1 wackelte, ist hier höchste Konzentration gefragt, um nicht überlaufen zu werden.

Neben den Vorstößen Abrangaos sind auch Flanken auf den hochgewachsenen Tarsis Bonga, der letztes Jahr aus Oberhausen kam, das Mittel der Wahl. Zusätzlich muss Rot-Weiss aufpassen, dass nicht zu gute Freistoßpositionen ermöglicht werden. Gegen Wiesbaden verwandelte der Ex-Wehener Ivan Franjic einen Freistoß perfekt.

Doch den sieben erzielten Toren stehen sieben Gegentore gegenüber. In allen bisherigen Spielen ließ Aufstiegstrainer Michael Schiele eine Dreierkette antreten, die jedoch immer wieder Räume für die gegnerischen Stürmer ließ, die ausgenutzt werden können. Dies stützt Koschinats Wunsch nach Kreativität im Zentrum, denn gerade schnelle und konsequente Zuspiele werden die Stürmer in gute Abschlusspositionen bringen.

Ein Nackenschlag war insbesondere das letzte Heimspiel der Würzburger gegen Stuttgart II. Hier stand es 1:1, als Julian Luers eine harte, fast nicht zu erklärende rote Karte bekam. In Unterzahl erzielte Stuttgart nach einer Ecke noch das 1:2 und hätte nach einer weiteren Ecke das Ergebnis sogar noch ausbauen können. Würzburg lässt also Lücken, wenn sie aktiv bespielt werden.

Über den Tellerrand geschaut – Die Lage der Liga

Viktoria Köln setzte am Freitag ein saftiges Ausrufezeichen. Gegen einen der Aufstiegsfavoriten, den FC Hansa Rostock, gewannen die Kölner gleich mit 4:0. Diese Machtdemonstration, bei der einmal mehr David Otto sich gleich zweimal als Torschütze eintragen durfte, wertet den Heimsieg der letzten Woche massiv auf. Die Spielstarke Viktoria von der Schäl Sick hatte gegen Essen kaum eine Torchance, was für eine handfeste Weiterentwicklung der Defensivabteilung von RWE spricht. Dagegen konnte Hansa froh sein, dass die Viktoria nach dem vierten Treffer sichtlich einen Gang zurückschaltete.

Am Samstag will der 1. FC Saarbrücken die Erfolgswelle im Heimspiel gegen den FC Ingolstadt weiterreiten und es ist wahrscheinlich, dass die Saarländer ihre starke Position in der Tabelle halten können.

Die meisten Augen liegen jedoch auf dem Spiel von Fortuna Düsseldorf gegen den MSV Duisburg. Mehr als 45.000 Zuschauer haben sich bereits mit Tickets für die Begegnung eingedeckt. Gerade solche Konstellationen waren es in der letzten Saison, die Duisburgs Trainer Dietmar Hirsch nicht händeln konnte. Der aufgewertete Kader beim strauchelnden Absteiger aus Düsseldorf, das verspricht eigentlich eine klare Kiste für den MSV zu werden. Doch ist die Frage, ob die vergangene Saison schon aus den Köpfen ist.

Fazit

Rot-Weiss Essen ist in einer Mittelposition und würde das Spiel gerne gewinnen, um mit Schwung in die schweren Aufgaben der englischen Woche zu gehen. RWE sollte sich Möglichkeiten erspielen können, die sie hoffentlich konsequent ausnutzen. Die schweren Verletzungen setzen dem ohnehin dünnen Kader arg zu, aber Uwe Koschinat macht einen Punkt, wenn er sagt, dass die Verfolger von Menzel und Geschwill nun die Möglichkeit bekommen, sich zu zeigen. Wieder einmal werden 17.000 Zuschauer ins Stadion pilgern und die Hafenstraße zur Festung machen. Besser könnte die Situation nicht sein, um sich nicht nur in die Aufstellung von Koschinat, sondern auch in die Herzen der Zuschauer zu spielen.

In diesem Sinne: Nur der RWE!

Hendrik Stürznickel