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2025/2026 – 3. Liga

VfL Osnabrück – Rot-Weiss Essen (3:0)

Puh, nach diesem Spiel mussten wir uns auch etwas schütteln. Nach einem ebenbürtigen Beginn und einer schwachen zweiten Hälfte musste sich RWE 0:3 an der Bremer Brücke geschlagen geben. Nach all den Diskussionen kommt an dieser Stelle unsere Spielanalyse.

Vorbericht

Zwischen Skepsis und Hoffnung – Auftakt zur „Woche der Wahrheit“ in Osnabrück

Trotz des Heimsieges gegen Jahn Regensburg ist kaum jemand an der Hafenstraße zufrieden. Wieder einmal wechselte Uwe Koschinat das System zurück von einer Fünfer- auf eine Viererkette. Nach nun mehr 24 Spieltagen ist immer noch nicht die finale Spielidee für den sehr gut besetzten Kader gefunden. Am Ende musste die Mannschaft abermals um erkämpfte Punkte zittern, weil zu viele Chancen gegen eine limitierte Truppe aus Regensburg zugelassen wurden. Dennoch zählen in der Abrechnung erneut die drei wichtigen Zähler im Aufstiegskampf.

Das Gute im Fußball ist immer, dass jeder Spieltag die Möglichkeit eröffnet, es besser zu machen. Sollte der Knoten auch bezüglich der spielerischen Klasse platzen, wäre jetzt der ideale Zeitpunkt. Denn mit dem VfL Osnabrück wartet ein echter Gradmesser auf die Mannschaft von der Hafenstraße. Das Bollwerk von der Bremer Brücke muss erstmal geknackt werden, höher könnte die Herausforderung für Uwe Koschinat und sein Team kaum sein.

Die Personallage

Trainer Uwe Koschinat kann fast auf den gesamten Kader zurückgreifen. Nur Stammkeeper Jakob Golz fällt weiterhin aus. Hinzu gestellt sich Stürmer Jannik Mause, der sich nach einem Sturz am Ellenbogen im Training verletzt hat. Im Tor startet also wieder Felix Wienand. Mit der Rückkehr von Kapitän Schultz nach seiner Gelbsperre stellt sich abermals die Frage nach dem System. Koschinat könnte wieder zur Fünferkette zurückkehren, allerdings versuchen die Osnabrücker selbst, dass Heft des Handels nicht in die Hand zu nehmen. Ob Ben Hünning wieder in der Startelf stehen wird, ist nach seiner Beteiligung am zweiten Gegentor beim Spiel gegen Regensburg fraglich. Es läuft also darauf hinaus, dass Rios Alonso und Michael Schultz sehr sicher zu Beginn an spielen dürfen, bei einer Umstellung auf eine Fünferkette dürfte sich auch Tobias Kraulich Hoffnung auf einen Startelfeinsatz machen.

Auf den defensiven Außenbahnen gibt es kaum Fragezeichen. Sowohl Jannik Hofmann als auch Lucas Brumme konnten sich in der letzten Woche in die Torschützenliste eintragen und werden den Vorzug vor Michael Kostka und Franci Bouebari bekommen. Auch ist es nach den bislang gezeigten Leistungen schwer vorstellbar, dass Ruben Reisig und Klaus Gjasula aus der ersten Elf rotieren. Sollte es einen zusätzlichen Platz durch die Viererkette im Mittelfeld geben, wird dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit an Torben Müsel gehen.

Spannend wird es auch auf den Flügeln, denn mit der Rückkehr von Kaito Mizuta nach seiner Gelbsperre müsste wahrscheinlich Dickson Abiama wieder auf der Bank Platz nehmen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist Ramien Safi wieder ein Topkandidat für den Start. In der Sturmspitze kommt es darauf an, ob Jaka Cuber Potocnik wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Ansonsten dürfte Marek Janssen in der vordersten Reihe auflaufen. Selten war es so schwer, vorherzusehen, was der Trainer gegen Osnabrück für eine Idee hat. Möglicherweise überrascht Uwe Koschinat wieder alle und es sind Namen in der Startelf zu finden, die vorher nicht erwartet wurden.

Der Gegner: VfL Osnabrück (Tabellenplatz: vier – 43 Punkte – zwölf Siege – sieben Unentschieden – fünf Niederlagen, 35:24 Tore, Differenz +11)

Mit keinem einem anderen Team der Liga lief die sportliche Entwicklung von RWE so ähnlich wie zum VfL. Beide Mannschaften waren im Winter 2024 tief im Abstiegssumpf versunken, nach einer Transferoffensive gelang beiden eine herausragende Rückrunde mit einem am Ende sehr sicheren Klassenerhalt. Im Winter 2025 finden sich beide Mannschaften in der Spitzengruppe wieder und sind nur einen Punkt von einem direkten Aufstiegsplatz entfernt.

Anders als RWE schafften die Osnabrücker den Anschluss an die Topplätze durch überzeugende Defensivarbeit. Zum Ende der Hinrunde kassierten die lila-weißen nur 21 Buden, dies bedeutete Platz 2 hinter Hansa Rostock in dieser Kategorie. Mittlerweile hat sich der VfL die Spitzenposition zurückeroberte, nur drei weitere Treffer sollten im Jahre 2026 folgen. Die Analyse, wie der Kader von Trainer Timo Schultz verbessert werden kann, war in der Winterpause schnell erledigt. Ein treffsicherer Angreifer sollte her, der mit Julian Kania per Leihe aus Bielefeld gefunden wurde. Dieser Transfer ließ die Liga aufhorchen, schließlich war Kania mit seinen Toren stark am Aufstieg der Arminia beteiligt. Der einzige Transfer in der Winterpause schien die Offensive direkt zu beflügeln.

Ausgerechnet am Jubiläumstag war der Alemannia nicht zum Feiern zumute, mit 0:3 verloren die Aachener vor großer Kulisse. Mann des Tages war mit einer Vorlage und einem Tor nicht Julian Kania, sondern Robin Meißner, der in den nächsten Spielen weitere zwei Treffer erzielte und auch zwei weitere Vorlagen gab. Weiterhin gibt aber die starke Abwehr um Patrick Kammerbauer und Jannik Müller den Ton an. Hinzu kommt noch die Mittelfeldachse Jacobsen, Kehl und Fridolin Müller, die der Mannschaft Stabilität geben.

Die Kompaktheit dieser Mannschaft ist eine große Stärke, die es gilt, am Samstagmittag aufzubrechen. Dies könnte ausgerechnet an der Bremer Brücke gelingen. Auswärts ist das Team von Timo Schultz die beste Mannschaft der Liga, zu Hause allerdings ist die Bilanz mit fünf Siegen, vier Unentschieden und drei Niederlagen nahezu ausgeglichen. Dies klingt fast nach einer logischen Bilanz für eine Mannschaft, die aus einer stabilen Defensive heraus das Spiel nicht unbedingt selbst gestalten will.

Aufpassen muss RWE aber dennoch vor allem auf die gefährlichen Standards, die vornehmlich vom Lars Kehl ausgeführt werden. Allerdings sind die Osnabrücker auch selbst gerne anfällig nach dem ruhenden Ball, so konnte RWE im Hinspiel durch Tom Moustier nach einer Ecke von Kaito Mizuta den Ausgleich erzielen. RWE muss viel Geduld aufbringen und auch in den entscheidenden Momenten das Spiel machen, um den VfL so unter Druck setzen. Sollten die Essener zurückliegen, wird es sehr schwer, gegen die Osnabrücker zu punkten. Nur wen die Mannschaft von der Hafenstraße mutig und selbstbewusst an der Bremer Brücke auftritt, können die Punkte mit nach Essen genommen werden.

Die Lage in der Liga und Fazit

Am Freitagabend hat der Waldhof es verpasst, Anschluss an die oberen Tabellenplätze herzustellen und ging mit 3:1 in Großaspach gegen den Stuttgarter Nachwuchs unter. Parallel zu RWE ist der MSV Duisburg als Spitzenteam im Einsatz, gegen die Schweinfurter gehen die Ruhrstädter als klarer Favorit in das Spiel. Der Tabellenzweite aus Verl darf auswärts in Aachen ran und hat wie die Duisburger die Buchmacher auf seiner Seite. Das Team der Stunde aus Wiesbaden muss nach Regensburg reisen. Außerdem wollen die Ingolstädter im Heimspiel gegen den TSV Havelse die Distanz zu den Abstiegsrängen weiter ausbauen. Am Samstagnachmittag wartet noch das Kellerduell zwischen den SSV Ulm und dem 1. FC Saarbrücken.

Am Sonntag geht es zunächst munter weiter, denn im Stadion an der Grünwalder Straße treffen der TSV 1860 München und Hansa Rostock aufeinander. Danach kommt es zum Ostduell zwischen Kellerkind Erzgebirge Aue und Spitzenreiter Energie Cottbus. Den Abschluss des Spieltages gestalten in ruhiger Atmosphäre die STG Hoffenheim 2 und Viktoria Köln.

Es stehen entscheidende Spiele für RWE an. Direkt im Anschluss an die Reise nach Niedersachsen müssen die Essener nach Rostock zum nächsten Spitzenspiel antreten. In der letzten Saison war weder in Osnabrück noch in Rostock etwas zu holen. Will RWE ein echtes Topteam sein und weiter die Chance haben, ganz oben mitzuspielen, kann man sich eine „Nullrunde“ nicht erlauben. Beste Vorrausetzungen also für Uwe Koschinat und sein Team, den Skeptikern zu beweisen, dass die Mannschaft sich auf dem richtigen Weg befindet und die Hoffnung zu entfachen, am Ende der Saison den großen Wurf zu landen.

In diesem Sinne

NUR DER RWE!

Pascal Druschke

Spielbericht

Das hat gesessen – RWE verliert 0:3 in Osnabrück

Die Zuversicht schwand bei vielen Zuschauern von Spiel zu Spiel in diesem Kalenderjahr und die Vorbehalte wurden bestätigt, als Rot-Weiss Essen überraschend deutlich bei den Defensivspezialisten des VfL Osnabrück verlor. Trotz der tollen Punktausbeute bis jetzt kam das Spiel und dessen Dramatik nicht überraschend, sodass hier eine Einordnung erfolgen sollte.

Das Personal

Uwe Koschinat stellte gegen Osnabrück, immerhin einer der Aufstiegsfavoriten, wieder auf die Dreierkette um. Selbst bei dem zusätzlichen Innenverteidiger rotierte Ben Hüning wieder aus der Startelf heraus und Kapitän Michael Schultz sowie Tobias Kraulich durften beginnen. Da durch die Umstellung eine offensive Position wegfiel, fand sich Torben Müsel erstmals seit Wochen auf der Bank wieder.

Für viele überraschend nahm Uwe Koschinat mit Marek Janssen den einzigen Mittelstürmer heraus und stellte Dickson Abiama nach vorne. Diesen Schachzug erklärte Koschinat nach dem Spiel bei den Reportern der Funke-Gruppe, dass er analysiert hatte, dass Osnabrück sehr stark darin ist, die gelernten Mittelstürmer des Gegners aus dem Spiel zu nehmen. Dem wollte er mit dem hohen Tempo Abiamas begegnen und die Verteidiger so in Bedrängnis bringen.

Diese Idee funktionierte allerdings nicht wirklich. Wie schon bei Ramien Safi und zu Saisonbeginn bei Dominik Martinovic zu beobachten, können diese Spieler in der Spitzenposition ihre Stärken kaum ausspielen und die Defensive des VfL hatte leichtes Spiel mit dem Essener Angriff, der ansonsten in dieser Saison so treffsicher ist.

20 Minuten vor dem Ende kamen Marek Janssen und Marvin Obuz ins Spiel, kurz vor Schluss folgten Jaka Cuber Potocnik, Nils Kaiser und Franci Bouebari. Sie alle kamen jedoch in eine weitgehend desolate Phase von Rot-Weiss Essen, in der sie das Ruder nicht mehr umreißen konnten.

Die Pluspunkte

Es waren nicht viele, aber einige Torchancen erspielten sich die Mannen von Uwe Koschinat dann doch. So setzte sich Ramien Safi schön auf der rechten Seite durch und bediente Jannik Hofmann mustergültig in den Rücken der Abwehr. Der Rechtsverteidiger verfehlte den Kasten der Osnabrücker jedoch knapp (17.). Noch freier war Dickson Abiama, als ihn Lucas Brumme nach sehenswertem Doppelpass mit Klaus Gjasula an der 16-Meter-Linie bediente (38.). Abiama schickte den Ball jedoch stramm in Richtung Umlaufbahn.

In Hälfte Zwei ging bei Rot-Weiss offensiv nicht mehr viel. Der Torjubel ging trotzdem kurz durch den Gästeblock, als Dickson Abiama im Getümmel nach einem Eckball abzog (58.). Leider fälschte José-Enrique Rios Alonso den Ball noch entscheidend ab und stand selbst mehr als deutlich im Abseits, sodass der Schiedsrichter dem Treffer völlig zurecht die Anerkennung verweigerte.

Eine weitere Doppelchance vergab RWE dann doch recht kläglich. Ruben Reisig, der wieder einmal unterstrich, dass er der Königstransfer des Winters ist, schlug einen perfekten Diagonalball in den Lauf von Lucas Brumme, der sich frei vor dem Tor wiederfand. Er zog ab, schoss dem Torwart so mittig auf den Körper, dass er selbst wenn er gewollt hätte, den Ball nicht hätte passieren lassen können. Beim Nachschuss hatte Torben Müsel völlig freie Schussbahn und brachte den Ball direkt auf die Brust des am Boden liegenden Torwart. Das hätte in beiden Fällen der Essener Ehrentreffer sein müssen, doch in diesem Spiel sollte es nicht sein.

Die Knackpunkte

In aller Deutlichkeit: Wenn ich wenig für die Offensive mache, dann muss ich meine Möglichkeiten effektiv nutzen. Essen hatte gute Chancen, ließ diese aber aus.

Osnabrück hat die schwächste Offensive der ersten Tabellenhälfte und zieht normalerweise Kraft aus der bärenstarken Defensive, die wenig zulässt. Drei Gegentore sind auch deswegen zu viel und diese zeigen die aktuell entscheidende Schwäche von Rot-Weiss Essen. Das Team ist in dieser Saison nahezu nie in der Lage, den eigenen Kasten sauber zu halten. In den letzten Wochen präsentiert sich die Hintermannschaft der Essener jedoch vogelwild und kassierte in den letzten drei Spielen satte 8 (!) Gegentore.

Das 0:1 entstand aus einer ungefährlichen Situation. Felix Wienand beförderte einen Abstoß ins Zentrum des Spielfelds und ein recht ungenau gesetzter Kopfball in Richtung Strafraum zerstörte die Essener Abwehrkette, denn Robin Meißner setzte sich problemlos von Michael Schultz ab, der auch nicht die taktische gelbe Karte zog, und scheiterte noch an Felix Wienand. Den zweite Ball verwandelte Ismael Badjie, der sich seinen Treffer verdiente, da er bereits zweimal aus aussichtsreicher Position an Felix Wienand scheiterte.

In Halbzeit 2 ging bei Essen kaum noch etwas und folgerichtig traf Osnabrück weiter. Nach der Doppelchance in der 83. Minute kam von Essener Seite gar nichts mehr. In immerhin fast 15 Minuten, die noch gespielt wurde, konnte Rot-Weiss das Tor der Osnabrücker nicht mehr gefährden und musste umgekehrt noch das 0:3 hinnehmen.

Der Aufreger

Wir werden nie zum FC Bayern München gehen! Aber wir sind auch nicht der FC Kleinkackenfenne!

Wie weit muss es gekommen sein, dass man als Fan von Rot-Weiss Essen einen Songtext einer unmusikalischen Düsseldorfer Krawall-Kapelle zitiert? Wie weit muss es gekommen sein, dass man dahinter ein Zitat des längst verflossenen Ex-Präses Rolfi Hempelmann dahinter packt? Die Antwort darauf ist nicht die einmal mehr sehr bescheidene Leistung meines Lieblingsklubs beim letztlich sang- und klanglosen 0:3 beim VfL Osnabrück. Die Antwort darauf sind die Äußerungen unseres Kapitäns Michael Schultz nach dem Spiel an der Bremer Brücke. Dort verglich Schulle sinngemäß die nach seinem Empfinden offenbar zu hohen Erwartungshaltungen der RWE-Fans mit denen der Sympathisanten des Bonzenklubs FC Bayern. Die Bayern solle man dann besser gucken gehen, dort renne Upemecano 38 km/h schnell, das könne er halt nicht.

Dass Schulle das nicht kann, war uns allen schon vorher klar, doch der Vergleich impliziert dann wohl auch, dass Osnabrücks Robin Meißner, der Schultz vor dem 0:1 aus Essener Sicht abschüttelte wie eine lästige Fliege, ein internationaler Top-Stürmer sei. Merkste selber, gell Schulle?

Spieler sind keine Maschinen, sie müssen sich nicht durch beleidigen lassen von Ausrastenden in einer Kurve. Sie sollten ihre Worte aber weiser wählen. Den eigenen Fans eine Geschichtsstunde über ihren Verein erteilen zu wollen, wo der Verein herkomme, um die Unzufriedenheit in der Gegenwart als unbegründet herauszustellen, ist gewagt. Denn Schultz wiederholte das, was sein Trainer schon nach dem Match gegen Regensburg in der Vorwoche betont hatte. Schließlich komme man quasi von unten, Abstiegssumpf der Dritten Liga vor Jahresfrist. Der Capitano legte den Finger noch tiefer in die Wunde und erinnerte an die Essener Regionalliga-Zeit. Die Message ist klar, seid zufrieden, schließlich ging es euch schon weitaus beschissener als jetzt. Ernsthaft? Im Gegensatz zu den Spielern haben wir vor allem das Regionalliga-Kapitel am eigenen Leib beinahe anderthalb Jahrzehnte erlebt und durchlitten. Das macht den FC-Bayern-Vergleich noch absurder, als er ohnehin schon ist.

Der Leistung auf dem Platz schloss sich eine verbale Eigentor-Orgie an. 

Es wäre aber zu einfach, allein Michael Schultz hier zu kritisieren. Schließlich war die Pressekonferenz, die Marcus Steegmann bezeichnenderweise nach dem Hinrunden-Match gegen Osnabrück gegeben hatte, die Mutter allen Understatements. Dort wehrte sich Steegmann nicht nur gegen eine seiner Meinung nach zu schlechte Presseberichterstattung, sondern erklärte den verblüfften Zuhörenden, dass das Primärziel sei, eine bessere Hinrunde zu spielen als im Vorjahr. Die schloss Essen als 18. mit 17 Punkten ab. Irgendwie ist das sehr sprechend. Denn Steegmann, Koschinat und jetzt Schultz messen den Erfolg offenbar an Minimalzielen. Wie sonst könnte man sich sonst erklären, dass immer wieder eine Katastrophenhinserie aus dem Vorjahr zum Maßstab genommen wird?

Die Saison davor hatte ein nach Einschätzung vieler Experten schwächerer Kader als der jetzige beinahe den Sprung in die zweite Liga geschafft. Darüber spricht man aber nicht offiziell in Essen. Es scheint nicht das Ziel zu sein, diese damals überraschend gute Spielzeit nun zu toppen. Man arbeitet sich lieber daran ab, der Presse und den Fans die tiefen Täler zu präsentieren, anstatt den Blick entschlossen zum Gipfel zu richten. Da kommt nun der gute Herr Hempelmann ins Spiel. Der formulierte vor etwa 20 Jahren im Anschluss an einen Zweitliga-Abstieg  das Ziel, das wieder korrigieren zu wollen. Schließlich sei man Rot-Weiss Essen und nicht der FC Kleinkackenfenne. Vielleicht oder ganz bestimmt sogar ist das passender als der FC-Bayern-Vergleich.

Auch mahnt man in Persona des Kapitäns fehlenden Zusammenhalt an, weil man harsche Worte kassierte. Wie gesagt, man darf keine Spieler beleidigen. Jedoch sollte man die Gesamtheit der RWE-Fans nicht gleichsetzen mit einer immer noch Minderheit, die regelmäßig über das Ziel hinausschießt. Das Gros der RWE-Fans darf sachlich und fundiert sagen, was uns nicht gefällt und hat das auch immer wieder getan. Dass RWE immer noch die beste Saison seit 20 Jahren spielt, wissen wir und schätzen wir. Aber auch wir dürfen unseren Spielern sagen, dass der Zusammenhalt da sein wird, wenn wir merken, dass die Truppe marschiert und sich voll reinhaut. Vor dem wegweisenden Spiel in Rostock darf eine alte Fußballweisheit bemüht werden. Wichtich is auffem Platz! Zeigt, dass ihr Kerle seid und hört auf zu jammern. Dann, nur dann, seid ihr in Essen auch richtig.

Fazit

Angesichts der eigenen Baustellen ersparen wir uns den Blick auf den Rest der Liga, der aus Essener Sicht größtenteils schöne Ergebnisse erzielt hat. Insgesamt sorgte weniger das Ergebnis und mehr die Tatsache, wie es entstanden ist, dafür, dass man nicht gerade mit Zuversicht auf das Auswärtsspiel im Ostseestadion gegen Hansa Rostock blickt.

Man muss der Mannschaft lassen, dass sie in dieser Saison immer wieder auf schwache Spiele reagieren konnte und tolle Leistungen hat folgen lassen. Zugestanden sei auch eine Leistungsdelle, die beinahe alle Mannschaften heimsucht. Dafür ist die Punktausbeute auch in Ordnung. Nur sollte man beim zweiten Auswärtsspiel in Serie ein anderes Gesicht zeigen als in Osnabrück.

In diesem Sinne: Nur der RWE!

Sven Meyering & Hendrik Stürznickel