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2025/2026 – 3. Liga

Rot-Weiss Essen -Jahn Regensburg

Vor dem Match gegen Jahn Regensburg (Samstag 16:30 Uhr) hat Rot-Weiss Essen sich selbst gehörig unter Druck gesetzt. In Aachen entging man nur ergebnistechnisch einer Blamage, die Leistung auf dem Tivoli war über die meiste Zeit des Spiels schockierend schlecht. Warum wir das Spielgegen Regensburg trotzdem gewinnen, steht in unserem Vorbericht.

Wer wird nach dem Jahn(-Spiel) im Regen stehen? Rot-Weiss Essen vor Regensburg unter gehörigem Druck

Vor dem Match gegen Jahn Regensburg (Samstag 16:30 Uhr) hat Rot-Weiss Essen sich selbst gehörig unter Druck gesetzt. In Aachen entging man nur ergebnistechnisch einer Blamage, die Leistung auf dem Tivoli war über die meiste Zeit des Spiels schockierend schlecht. Zudem wurde die Vertragsauflösung und der damit verbundene Abschied von Ahmet Arslan als stimmungsseismographischer Unruheherd im Essener Umfeld wahrgenommen. Auch diverse Spieler des RWE-Kaders sollen Not amused gewesen sein. So schufen sich die Essener Verantwortlichen vor und hinter den Kulissen Probleme, die nicht notwendig erschienen und dem häufig von Vereinsseite aus beschworenem Wunsch nach Ruhe kontraproduktiv entgegenstehen. Gegen Jahn Regensburg muss nun nicht nur ein Sieg her, sondern die RWE-Anhänger erwarten auch eine gute Performance. Ein Anspruch, der zuletzt selten erfüllt worden ist.

Ahmet Arslan, was bedeutet sein Abschied aus Essen für Essen?

Wenn ein bis dato Führungsspieler den Verein in der Winterpause verlässt, nicht weil ein gut dotiertes Angebot herein geflattert war, sondern weil man keine gegenseitige Basis für eine weitere Zusammenarbeit gesehen hat, verdient das eigene Worte. Der ehemalige Fanvertreter im Aufsichtsrat Ralf Schuh hat das Thema auf seinem Facebook-Account schon sehr differenziert beleuchtet. Da muss man sich nicht wiederholen und kann konstatieren, dass die Trennung sportlich nicht gänzlich unverständlich ist.

Was aber dennoch Sprengstoff für RWE und einmal mehr für Uwe Koschinat inne trägt, ist die blumige Rhetorik des Trainers. Ahmo Arslan wurde von Koschinat in der Öffentlichkeit lange Zeit als absoluter Führungsspieler bezeichnet. Zwischen ihn und Arslan passe kein Blatt, so Koschinat. Selbst nachdem Arslan nach zugegebenermaßen dürftigen Auftritten aus Essens Startelf herausgefallen war, betonte der Trainer dessen positive Energie und Führungsstärke in der Kabine. Da fragt man sich einmal mehr, was sollen diese Phrasen, die völlig drüber sind angesichts der wahren Entwicklungen um Ahmo Arslan? Andere Spieler werden sich das einmal mehr genau angehört und ihre Schlüsse daraus gezogen haben, was die Glaubwürdigkeit ihres Coaches anbelangt.

Nicht annähernd geklärt ist die Frage, wer Ahmet Arslan auf dem Platz als Nummer 10 ersetzen solle. In dieser Hinsicht wurde der Name Danny Schmidt, Leihgabe aus Düsseldorf, des Öfteren genannt. Doch Schmidt tut sich noch sehr schwer in Essen und aktuell wirken die Schuhe Ahmet Arslans für den jungen Mann als etwas zu groß. Ein Aspekt, der diese Personalie diskussionswürdig erscheinen lässt. Die Frage ist also, wer wird sich dort zeigen, wer krempelt dort die Ärmel hoch, wer versucht die Mannschaft zukünftig selbst an schwächeren Tagen zu führen? Etwas, was Ahmo Arslan zumindest immer anstrebte.

Das Personal und die taktischen Optionen

Die Personallage vor dem Regensburg-Spiel bringt Fluktuation. Jannik Hofmann kommt aus einer Rotsperre zurück, Klaus Gjasula ist fit und zur großen Freude der Essener steht sogar Jaka Cuber Potocnik im Kader. Wegen Gelbsperren fallen andererseits aber Schultz und Mizuta aus. Welche Lehren zieht RWE aus dem Katastrophenauftritt von Aachen?

Die Sperren von Kapitän Michael Schultz und Wirbelwind Kaito Mizuta machen personelle Konsequenzen unabdingbar. Wird RWE nun von Beginn an auf Viererkette umstellen, das System in dem Essen anhand von Daten erwiesenermaßen konstanten und erfolgreicheren Fußball spielt und auch besser verteidigt? Eine spannende Frage. Zumal Tobi Kraulich nach einem seiner schwächsten Auftritte im RWE-Trikot auf dem Tivoli zur Halbzeit weichen musste. Bleibt Essen dennoch der Fünferkette treu, wird Ben Hüning einfach für Schultz ins Team rücken. Bei einer Umstellung ist vieles möglich, Alonso und Kraulich könnten beginnen oder auch Hüning für einen der beiden anderen Spieler. Grundsätzlich kann aber auch eine Fünferkette funktionieren, wenn RWE in dieser aggressiv und mutig nach vorne verteidigt und Druck von der Dreierkette dahinter nimmt, wie gegen Wiesbaden gesehen.

Es ist für die Essener Stabilität in der Defensive immens wichtig, nicht tief zu stehen, sondern den Gegner früh zu empfangen und zu bekämpfen. Dinge, die in Aachen überhaupt nicht funktionierten. Eine wild pressende Alemannia hatte die Hoheit auf dem gesamten Feld und vor Essens Box viel Grün vor sich. Der rot-weissen Innenverteidigung ihre Schnelligkeitsdefizite vorzuwerfen, wenn sie in eigener Unterzahl angelaufen und in der Tiefe verwundet wird, ist maximal die Hälfte der Wahrheit.

Torben Müsel war auf dem Tivoli nicht in der Lage seinen Nebenpart auf der Doppelsechs Ruben Reisig, einer der wenigen überzeugenden Essener, defensiv in der Arbeit gegen den Ball zu unterstützen. Alles andere, als dass Klaus Gjasula hier zurückkehrt, wäre eine faustdicke Überraschung. Zur Sturmspitze Marek Janssen klaffte ein Riesenloch, weil RWE bereits systemisch bedingt in der Mittelfeldzentrale in Unterzahl war. Genau so lief auch das Hinspiel, was wurde daraus gelernt? Die Einlassung des Trainers, man habe es spielerisch lösen wollen, verblüffte. Halbzeit 1 war geprägt von Essener Kick and no Rush, bei dem Bälle hoch nach vorne befördert und verloren wurden, weil man nicht nachsetzte. Ein Schelm, wer da böse an Ahmet Arslan denkt und sich fragt, wer genau auf dem Feld in solchen Situationen die Zügel in die Hand nimmt. Man kann es auch drastischer formulieren, in Aachen wurde zunächst auf ein Mittelfeld verzichtet, denn RWE wählte den langen „Aufbau“ und war ferner kaum präsent.

In Hälfte 2 bekam man zumindest ganz langsam einen Eindruck davon, was Rot-Weiss dann mit Spielern wie Obuz und Abiama leisten könnte, wenn man in einem System agiert, das gegen einen hoch pressenden Gegner das wirksamere ist. Auch tat RWE in der Schlussphase die Agilität eines Franci Bouebari gut, der sofort mit Abiama harmonierte und am Samstag für den derzeit außer Form befindlichen Lucas Brumme auflaufen könnte.

So kommt es wohl auch darauf an, wie Koschinat den Jahn erwartet, ob hoch pressend oder eher vorsichtig. Darauf, dass RWE gemessen an der eigenen Stärke ein Spiel beginnt und angeht sowie eine klare eigene Spielphilosophie an den Tag legt, hoffen die RWE-Fans indes inbrünstig weiterhin. Nach dem fulminantem Debüt von Dickson Abiama auf dem Tivoli muss er im Grunde starten und könnte mit Marvin Obuz anstelle des in Aachen einmal mehr völlig wirkungslosen Ramien Safi eine Flügelzange bilden. Das ist umso wahrscheinlicher, weil Kaito Mizuta zuschauen muss. Der RWE-Kader bietet dennoch viele Optionen, um eine starke erste Elf zu stellen. Es wäre schön zu sehen, wenn das Mannschaftsgefüge griffe und nicht wie zuletzt nur Einzelleistungen das Spiel aus dem Feuer rissen.

Das Gegnerportrait: Jahn Regensburg (Platz 14/ 28 Punkte/ 8 Siege/ 4 Remis/ 11 Niederlagen/ 29:34 Tore (-5))

Jahn Regensburg ist in einer Umbruchsaison. Nach dem Abstieg aus der zweiten Liga geht es in diesem Jahr nur darum, die Distanz zu den Abstiegsplätzen zu wahren und nicht in die Regionalliga durchgereicht zu werden. Derzeit besteht ein Punktepolster von 5 Zählern auf Platz 17. Grund genug, in Essen unbedingt punkten zu wollen. Dieses Unterfangen geht man weiterhin mit Coach Michael Wimmer an, der seine vor Saisonbeginn vollmundigen Worte nur sehr bedingt in die Tat umsetzen konnte.

„Ich möchte ein mutiges, aktives Spiel sehen und den Gegner permanent stressen. Der eigene Ballbesitz ist mir ebenfalls wichtig. Auch mit Ball will ich intensiv spielen und in der Lage sein, Spiele zu dominieren. In allen Phasen möchte ich Klarheit haben und sehen, dass wir alle zusammen agieren. Ich will Kompaktheit und Geschlossenheit auf und neben dem Platz haben. Mein Motto lautet: Unsere Identität soll unsere Intensität sein.“

Rhetorisch kann der Mann sich also mit Uwe Koschinat durchaus messen. Den Wiesbadenern fehlt vor allem ein offensiver Punch. Lediglich 29 Saisontore stehen zu Buche, am ehesten ist Noel Eichinger mit 6 Treffern jemand, der weiß, wo das Tor steht. Doch auch er schlug schon länger nicht mehr zu. Defensiv hat man mit 34 Einschlägen eine vorzeigbare Bilanz für eine Mannschaft des unteren Tabellendrittels und sogar 2 Treffer weniger kassiert als das vorne und hinten torhungrige RWE. Ohne den Donaustädtern jedoch zu nahe treten zu wollen, RWE verfügt über die deutlich höhere individuelle Qualität, gelingt es, diese abzurufen, kann der Sieger nur Rot-Weiss Essen heißen.

Fazit und über den Tellerrand geschaut: Die Lage in der Dritten Liga und bei Rot-Weiss Essen

Insofern die Essener ihre Hausaufgaben erledigen sollten, ist dieser Spieltag eigentlich dazu gemacht, um als einer der großen Gewinner daraus hervorzugehen. In Rostock kreuzen Hansa und Osnabrück die Klingen, mindestens ein Konkurrent wird zwangsläufig Federn lassen müssen. Der MSV Duisburg ist gut in der Spur, aber die Reise zum wiedererstarkten SV Wehen Wiesbaden ist kein lockerer Betriebsausflug. Beim Spiel Verl gegen Hoffenheim 2 stehen sich zwei spielstarke Truppen gegenüber, die Verler verspüren nach der Niederlage in Duisburg ebenfalls einen gewissen Druck. Am Sonntag empfängt der aktuelle Tabellenführer Energie Cottbus die Wundertüte aus Mannheim.

Im Vorfeld der schwierigen Auswärtsspiele in Osnabrück und Rostock ist RWE zum Siegen verdammt, auch um die Stimmung, die kurz vor dem Kippen steht, zu verbessern. Dazu holt man am besten nicht nur 3 Punkte, sondern spielt auch überzeugenden Fußball, um seine Anhänger versöhnlich zu stimmen. Es ist paradox, aber obwohl die Essener seit 20 Jahren sportlich und wirtschaftlich nicht mehr so gut da standen wie aktuell, macht sich an der sonst so heißblütigen Hafenstraße 97 A keine Euphorie breit. Zu sehr sind die RWE-Anhänger über die fußballerisch mageren Auftritte ihrer Mannschaft enttäuscht und eigentlich sind sich 99 von 100 Leuten, die man zu diesem Thema befragt, sicher, dass mit diesem Kader einiges mehr ginge. Allmählich wird man aber auch müde, immer wieder den Finger in die Wunde zu legen, und ist teilweise hochgradig frustriert.

Trotz sehr vernünftiger Gesamtbilanz wirft RWE nach 23 Spieltagen mehr Fragen auf als es diese beantwortet. Das kann nicht der Anspruch eines Aufstiegskandidaten sein. Das sollte den Essener Verantwortlichen zu denken geben. Bei einer Pleite gegen Regensburg könnte Essen jedenfalls selbst ziemlich im Regen stehen. Dabei hat Rot-Weiss mit bislang nur 3 Niederlagen in dieser Saison so wenig verloren wie keine zweite Mannschaft. Von daher wirkt das gesamte Bild des Vereins gerade etwas diffus und paradox. Vielleicht gelingt es aber, nun für mehr positive Vibes zu sorgen.

NUR DER RWE!

Sven Meyering