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2025/2026 – 3. Liga

Rot-Weiss Essen – Erzgebirge Aue

Aufstiegstraum vs. Abstiegsalbtraum – Holt RWE im Duell der Gegensätze den nächsten Dreier? Die Essener sind wieder dick im Aufstiegsrennen und werden alles daran setzen, das Heimspiel gegen Erzgebirge Aue am Samstag (14:00 h) erfolgreich zu bestreiten. Wie das gelingen kann, steht im Vorbericht.

Aufstiegstraum vs. Abstiegsalbtraum – Holt RWE im Duell der Gegensätze den nächsten Dreier?

So schnell kann es gehen in Liga drei. Nach den zwei Niederlagen in den Spitzenspielen gegen den VfL Osnabrück und Hansa Rostock sah es ganz danach aus, als ob sich RWE aus dem Aufstiegsrennen verabschieden würde. Doch die beiden Siege gegen Waldhof Mannheim und gegen Hoffenheim 2 lassen den Traum vom Aufstieg in Liga zwei noch am Leben. Die Mannschaft hat eindrucksvoll bewiesen, trotz enormer Stresssituationen wie dem widerlichen Böllerwurf und dem Rückstand bzw. Ausgleich in Hoffenheim jedem Druck standzuhalten. Diese Qualitäten sind im Kampf um den Aufstieg enorm wichtig.

Die Vorrausetzungen beim Gegner aus dem Erzgebirge sind völlig andere. Den Sachsen droht der Absturz in die Viertklassigkeit. Dies wäre das erste Mal in der Geschichte, dass der Verein dies erleben müsste. Die Mannschaft des Ex-RWE-Trainers Christoph Dabrowski steht mit dem Rücken zu Wand und hat mit acht Punkten Rückstand auf das rettende Ufer nicht mehr viele Möglichkeiten, dass Ruder herumzureißen. Alles spricht für einen weiteren hochspannenden Fußballnachmittag in Essen an der Ruhr.

Die Personallage

Aus dem Lazarett an der Hafenstraße gibt es einige gute Meldungen, aber auch eine schlechte Neuigkeit. Zunächst einmal ist es sehr erfreulich, dass sowohl Jakob Golz (Innenbandriss im Knie) als auch Felix Wienand (Gleichgewichts- und Hörprobleme nach Böllerwurf) wieder voll einsatzfähig sind. Golz wird laut Aussage von Koschinat auf der PK in der Startelf stehen und Wienand auf der Reservebank Platz nehmen. Schade für Tino Casali, der in Hoffenheim einen souveränen Auftritt zeigte.

Auch Tobias Kraulich darf nach seinen muskulären Problemen im Tagesbetrieb wieder teilnehmen, allerdings dürften Rios Alonso und Michael Schultz nach der Wiederbelebung der Viererkette in der Innenverteidigung gesetzt sein. Leider sieht es bei Klaus Gjasula (Mandelentzündung) nicht so gut aus, daher werden wohl Ruben Reisig und Torben Müsel in der Zentrale auflaufen. Davor zeigte Kaito Mizuta am vergangenen Samstag eine starke Vorstellung als offensiver Ideengeber und ist aus der Startelf kaum wegzudenken.

Die Gedankenspiele von Trainer Uwe Koschinat auf den Außenbahnen dürften sehr interessant werden. Auch aufgrund der Belastungssteuerung gab es in der letzten Woche ein paar Rotationen, die sich aber wohl jetzt erledigt haben. Auf der rechten Seite dürfte Jannik Hofmann hinten gesetzt sein, vorne zeigte Marvin Obuz allerdings in der ersten Halbzeit im Kraichgau ein schwaches Spiel. Ramien Safi machte es besser, ihm gelang sogar ein toller Assist auf Marek Janssen zum 1:2. Da beide Spieler (Hofmann/Safi) eher offensiv ausgerichtet sind, wird die Absicherung nach hinten eine zentrale Aufgabe werden. Außerdem erhält Ramien Safi weniger Platz in der Viererkette für seine explosiven Läufe, seine bislang eher wenig ausgebauten Fähigkeiten als Vorbereiter werden gefragt sein. Wenn es so laufen sollte wie in Hoffenheim, wird sich am Ende keiner beschweren.

Links wirbelten in der zweiten Halbzeit Franci Bouebari und Lucas Brumme die junge Abwehr der TSG durcheinander. Ob dies allerdings ein Modell der Zukunft sein wird, ist eher fraglich, da bei einer Auswechselung durch Verletzung oder Müdigkeit die Alternativen vor allem in der Defensive fehlen. Möglich wäre es auch, Dickson Abiama einen Einsatz von Beginn an zu geben, auch seine Leistung war nach der Einwechselung im Stadion, dessen Namensträger hier nicht genannt werden soll, richtig gut. Ganz vorne wird „Mister Effizient“ Marek Janssen stürmen, Jaka Cuber Potocnik merkt man einfach an, dass sein Körper sich dem Profifußball noch verweigert.

Der Gegner: Erzgebirge Aue (Tabellenplatz: 17 – 24 Punkte – fünf Siege – neun Unentschieden – vierzehn Niederlagen, 31:48 Tore, Differenz -17)

Im „Schacht“ leuchtet es nur noch ein wenig. Bald drohen die Lichter ganz auszugehen. Seit dem Abstieg aus der zweiten Liga im Sommer 2022 haben die Sachsen vier Spielzeiten im unteren Tabellendrittel verbracht. Der Etat scheint von Jahr zu Jahr weniger zu werden in einer Region, die allgemein als strukturschwach gilt. Die Zuschauerzahlen haben sich im Durchschnitt mit ca. 8.900 Fans etwas erholt, doch nur die Ostduelle lassen den „Schacht“ so richtig voll werden. Unter dem Strich ist dies wieder eine der traurigen Geschichten, die vom Ostfußball erzählt werden kann. Es droht das Schicksal der ehemaligen Ost-Instanzen des Drittligafußballs wie dem FSV Zwickau oder dem Hallescher FC, die nicht einmal mehr die Lizenz für die unterste Profiliga im deutschen Fußball zur kommenden Saison beantragt haben.

Leider ist diese Entwicklung nicht nur strukturell, sondern sportlich absehbar gewesen. Nach der Hinrunde lagen die Erzgebirgler nur knapp mit einem Punkt vor Alemannia Aachen knapp über dem Strich. Seit dem letzten Spieltag der Hinrunde (4:0 gegen den 1. FC Schweinfurt) kam kein weiterer Sieg dazu, nur zwei mickrige Punkte erhöhten das Guthaben. Alemannia Aachen, die noch zur Winterpause hinter Aue lagen und ihren ehemaligen Konkurrenten am letzten Spieltag deutlich besiegen konnten, sind mittlerweile mit 14 Punkten Vorsprung enteilt. Auch der Trainerwechsel brachte nicht den gewünschten Erfolg. Jens Härtel musste nach der Niederlage gegen den TSV Havelse gehen, für ihn kam der ehemalige RWE-Trainer Christoph Dabrowski. Da hatten die Auer im Übrigen nur einen statt acht Punkte Rückstand auf Platz 16, der damals wie heute vom FC Saarbrücken gehalten wird.

Die Wahl von und auf Christoph Dabrowski wirft Fragen auf. Der Fußballlehrer war seit über einem Jahr ohne Engagement, obwohl er in einem schwierigen Umfeld an der Hafenstraße fast zweieinhalb Jahre beschäftigt blieb und die Mannschaft in der Saison 23/24 zu einer Spitzenmannschaft formte. Bis heute sind sich viele sicher, dass das Auseinanderbrechen der Achse Götze, Sapina, Harenbrock und Obuz mitverantwortlich für das Ende der Ära Dabrowski war. In der anschließenden Saison probierte Dabrowski viel aus, um seinen offensiv ausgerichteten Spielstil wieder zu etablieren, scheiterte aber letztendlich auf voller Linie. Die Experimente in der Mannschaftsaufstellung sind in dieser Saison zurückgekehrt, allerdings mit einer gänzlich anderen Ausrichtung. Warum Dabrowski ausgerechnet dieses sehr schwierige Engagement angenommen hat, hängt möglicherweise mit den Kontakten zum Sport-Geschäftsführer Michael Tarnat zusammen, beide kennen sich aus gemeinsamen Hannoveraner Zeiten.

Auch aus Sicht der Auer macht die Verpflichtung von Dabrowski im Abstiegskampf wenig Sinn. Dabrowski möchte gerne spielerische Lösungen finden, dabei wären jetzt andere Tugenden gefragt. Immerhin kann er auf eine Truppe zurückgreifen, die von den Namen her gar nicht so schlecht aufgestellt ist. Vor dem erfahrenen Männel im Tor befinden sich mit Pascal Fallmann und Ryan Malone solide Verteidiger im Kader, im Mittelfeld sind mit Julian Guttau, Julian Günther-Schmidt, Luan Simnica und Marvin Stefaniak gute Kicker in den Reihen der Sachsen. An der Defensive liegt es auch nicht unbedingt, mit 48 Gegentreffern haben die Schachter nur zwei Tore mehr gefangen als RWE. Die Offensive ist das Hauptproblem im Erzgebirge. 31 selbst erzielte Tore ist die schlechteste Bilanz nach Schlusslicht Schweinfurt in der aktuellen Drittligasaison. Marcel Bär, der aufgrund einer schweren Verletzung nur 12 Spiele absolvieren konnte, ist mit vier Treffern Toptorschütze. Mehr Tristesse ist kaum möglich.

Angesichts der Ausgangslage wäre es vermutlich sinnbefreit, über die taktische Ausrichtung des Gegners zu sprechen. Erzgebirge Aue steht unter Druck und wird sich aufgrund der Situation und der Spielphilosophie des Trainers nicht im Strafraum verbarrikadieren können. Dies wird ein Vorteil für RWE sein, allerdings darf die Mannschaft aus Sachsen nicht unterschätzt werden. Trotz der Anfälligkeiten der Essener Truppe ist diese nicht dafür bekannt, die Zügel schleifen zu lassen und das Spiel auf die leichte Schulter zu nehmen.

Die Lage in der Liga und Fazit

Direkt am Freitagabend wartet ein heißes Duell zwischen Alemannia Aachen und Energie Cottbus. Aachen ist zurzeit vor allem durch Lars Gindorf sehr gut in Form, Cottbus wird ersatzgeschwächt ins belgische Grenzland reisen. Dafür wird Pele Wollitz wie ein Vulkan brennen, um weiter eine gute Ausgangslage für die Lausitzer im Aufstiegsrennen zu haben.

Am Samstagmittag steigt der Kracher um den Sprung in Liga zwei zwischen Hansa Rostock und MSV Duisburg. Die „Kogge“ kann sich einen Rückschlag nicht erlauben, während die Truppe von der Wedau weiter Druck auf Cottbus und Osnabrück ausüben möchte. Der VfL hat den Waldhof aus Mannheim zu Gast und kann darauf hoffen, seine Erfolgsserie weiter auszubauen. Außerdem wollen sowohl der FC Saarbrücken als auch der Jahn Regensburg weiter Luft zwischen sich und den Abstiegsplätzen bringen. Beim TSV Havelse geht langsam die Abschiedstour los, bei dem die Viktoria aus Köln Halt in Hannover macht. Im weiteren Verlauf des Tages kommt es zu einem harten Verfolgerduell um die Aufstiegsränge zwischen dem TSV 1860 München und dem SV Wehen Wiesbaden.

Der Sonntag startet mit dem „El Amateurico“ zwischen Stuttgart 2 und Hoffenheim 2, Zuschauerzahl mit viel Glück im unteren dreistelligen Bereich. Danach lädt der SC Verl den FC Schweinfurt ein, um möglicherweise ordentlich Prügel im Westfalenland zu verteilen, natürlich nur sportlicher Art. Die Ulmer wollen am späten Abend noch den letzten Strohhalm gegen den FC Ingolstadt nutzen, um doch nicht zurück in die Regionalliga zu stürzen.

Uwe Koschinat hatte ausgerufen, 54 Punkte nach 30 Spieltagen zu erreichen. Rechnerisch ist dies für seine Mannschaft nicht möglich, es geht nur entweder einen Punkt mehr oder weniger zu haben. Wollen die Akteure an der Hafenstraße diese anvisierte Marke überspringen, braucht es auch ohne Besuch eines Mathematik-Leistungskurses zwei Siege. Verrückterweise sind die absolut möglich, aber auch nötig, um das am Karsamstag angesetzte Topspiel gegen den MSV Duisburg mit einer idealen Ausgangslage zu bestreiten. Durch den dramatischen Sieg gegen Mannheim und dem Auswärtserfolg in Hoffenheim sind auch die Zuschauer wieder näher an die Mannschaft gerückt. Lasst uns alle gemeinsam dies nutzen, um Vollgas in Richtung Aufstiegskampf zu gehen!

In diesem Sinne

NUR DER RWE!

Pascal Druschke