Kategorien
2025/2026 – 3. Liga

Rot-Weiss Essen – Erzgebirge Aue (4:2)

Aufstiegstraum vs. Abstiegsalbtraum – Am Ende siegt der Aufstiegstraum. Mit 4:2 gewinnt RWE gegen die von Christoph Dabrowski trainierten Auer. Neben Traumtoren auf RWE-Seite, gab es eine echt schwache zweite Halbzeit, ehe Mizuta mit dem 4:2 den Schlusspunkt setzte. Unsere Galerie und der Spielbericht sind online.

Vorbericht

Aufstiegstraum vs. Abstiegsalbtraum – Holt RWE im Duell der Gegensätze den nächsten Dreier?

So schnell kann es gehen in Liga 3. Nach den zwei Niederlagen in den Spitzenspielen gegen den VfL Osnabrück und Hansa Rostock sah es ganz danach aus, als ob sich RWE aus dem Aufstiegsrennen verabschieden würde. Doch die beiden Siege gegen Waldhof Mannheim und gegen Hoffenheim 2 lassen den Traum vom Aufstieg in Liga zwei noch am Leben. Die Mannschaft hat eindrucksvoll bewiesen, trotz enormer Stresssituationen wie dem widerlichen Böllerwurf und dem Rückstand bzw. Ausgleich in Hoffenheim jedem Druck standzuhalten. Diese Qualitäten sind im Kampf um den Aufstieg enorm wichtig.

Die Vorrausetzungen beim Gegner aus dem Erzgebirge sind völlig andere. Den Sachsen droht der Absturz in die Viertklassigkeit. Dies wäre das erste Mal in der Geschichte, dass der Verein dies erleben müsste. Die Mannschaft des Ex-RWE-Trainers Christoph Dabrowski steht mit dem Rücken zu Wand und hat mit acht Punkten Rückstand auf das rettende Ufer nicht mehr viele Möglichkeiten, dass Ruder herumzureißen. Alles spricht für einen weiteren hochspannenden Fußballnachmittag in Essen an der Ruhr.

Die Personallage

Aus dem Lazarett an der Hafenstraße gibt es einige gute Meldungen, aber auch eine schlechte Neuigkeit. Zunächst einmal ist es sehr erfreulich, dass sowohl Jakob Golz (Innenbandriss im Knie) als auch Felix Wienand (Gleichgewichts- und Hörprobleme nach Böllerwurf) wieder voll einsatzfähig sind. Golz wird laut Aussage von Koschinat auf der PK in der Startelf stehen und Wienand auf der Reservebank Platz nehmen. Schade für Tino Casali, der in Hoffenheim einen souveränen Auftritt zeigte.

Auch Tobias Kraulich darf nach seinen muskulären Problemen im Tagesbetrieb wieder teilnehmen, allerdings dürften Rios Alonso und Michael Schultz nach der Wiederbelebung der Viererkette in der Innenverteidigung gesetzt sein. Leider sieht es bei Klaus Gjasula (Mandelentzündung) nicht so gut aus, daher werden wohl Ruben Reisig und Torben Müsel in der Zentrale auflaufen. Davor zeigte Kaito Mizuta am vergangenen Samstag eine starke Vorstellung als offensiver Ideengeber und ist aus der Startelf kaum wegzudenken.

Die Gedankenspiele von Trainer Uwe Koschinat auf den Außenbahnen dürften sehr interessant werden. Auch aufgrund der Belastungssteuerung gab es in der letzten Woche ein paar Rotationen, die sich aber wohl jetzt erledigt haben. Auf der rechten Seite dürfte Jannik Hofmann hinten gesetzt sein, vorne zeigte Marvin Obuz allerdings in der ersten Halbzeit im Kraichgau ein schwaches Spiel. Ramien Safi machte es besser, ihm gelang sogar ein toller Assist auf Marek Janssen zum 1:2. Da beide Spieler (Hofmann/Safi) eher offensiv ausgerichtet sind, wird die Absicherung nach hinten eine zentrale Aufgabe werden. Außerdem erhält Ramien Safi weniger Platz in der Viererkette für seine explosiven Läufe, seine bislang eher wenig ausgebauten Fähigkeiten als Vorbereiter werden gefragt sein. Wenn es so laufen sollte wie in Hoffenheim, wird sich am Ende keiner beschweren.

Links wirbelten in der zweiten Halbzeit Franci Bouebari und Lucas Brumme die junge Abwehr der TSG durcheinander. Ob dies allerdings ein Modell der Zukunft sein wird, ist eher fraglich, da bei einer Auswechselung durch Verletzung oder Müdigkeit die Alternativen vor allem in der Defensive fehlen. Möglich wäre es auch, Dickson Abiama einen Einsatz von Beginn an zu geben, auch seine Leistung war nach der Einwechselung im Stadion, dessen Namensträger hier nicht genannt werden soll, richtig gut. Ganz vorne wird „Mister Effizient“ Marek Janssen stürmen, Jaka Cuber Potocnik merkt man einfach an, dass sein Körper sich dem Profifußball noch verweigert.

Der Gegner: Erzgebirge Aue (Tabellenplatz: 17 – 24 Punkte – fünf Siege – neun Unentschieden – vierzehn Niederlagen, 31:48 Tore, Differenz -17)

Im „Schacht“ leuchtet es nur noch ein wenig. Bald drohen die Lichter ganz auszugehen. Seit dem Abstieg aus der zweiten Liga im Sommer 2022 haben die Sachsen vier Spielzeiten im unteren Tabellendrittel verbracht. Der Etat scheint von Jahr zu Jahr weniger zu werden in einer Region, die allgemein als strukturschwach gilt. Die Zuschauerzahlen haben sich im Durchschnitt mit ca. 8.900 Fans etwas erholt, doch nur die Ostduelle lassen den „Schacht“ so richtig voll werden. Unter dem Strich ist dies wieder eine der traurigen Geschichten, die vom Ostfußball erzählt werden kann. Es droht das Schicksal der ehemaligen Ost-Instanzen des Drittligafußballs wie dem FSV Zwickau oder dem Hallescher FC, die nicht einmal mehr die Lizenz für die unterste Profiliga im deutschen Fußball zur kommenden Saison beantragt haben.

Leider ist diese Entwicklung nicht nur strukturell, sondern sportlich absehbar gewesen. Nach der Hinrunde lagen die Erzgebirgler nur knapp mit einem Punkt vor Alemannia Aachen knapp über dem Strich. Seit dem letzten Spieltag der Hinrunde (4:0 gegen den 1. FC Schweinfurt) kam kein weiterer Sieg dazu, nur zwei mickrige Punkte erhöhten das Guthaben. Alemannia Aachen, die noch zur Winterpause hinter Aue lagen und ihren ehemaligen Konkurrenten am letzten Spieltag deutlich besiegen konnten, sind mittlerweile mit 14 Punkten Vorsprung enteilt. Auch der Trainerwechsel brachte nicht den gewünschten Erfolg. Jens Härtel musste nach der Niederlage gegen den TSV Havelse gehen, für ihn kam der ehemalige RWE-Trainer Christoph Dabrowski. Da hatten die Auer im Übrigen nur einen statt acht Punkte Rückstand auf Platz 16, der damals wie heute vom FC Saarbrücken gehalten wird.

Die Wahl von und auf Christoph Dabrowski wirft Fragen auf. Der Fußballlehrer war seit über einem Jahr ohne Engagement, obwohl er in einem schwierigen Umfeld an der Hafenstraße fast zweieinhalb Jahre beschäftigt blieb und die Mannschaft in der Saison 23/24 zu einer Spitzenmannschaft formte. Bis heute sind sich viele sicher, dass das Auseinanderbrechen der Achse Götze, Sapina, Harenbrock und Obuz mitverantwortlich für das Ende der Ära Dabrowski war. In der anschließenden Saison probierte Dabrowski viel aus, um seinen offensiv ausgerichteten Spielstil wieder zu etablieren, scheiterte aber letztendlich auf voller Linie. Die Experimente in der Mannschaftsaufstellung sind in dieser Saison zurückgekehrt, allerdings mit einer gänzlich anderen Ausrichtung. Warum Dabrowski ausgerechnet dieses sehr schwierige Engagement angenommen hat, hängt möglicherweise mit den Kontakten zum Sport-Geschäftsführer Michael Tarnat zusammen, beide kennen sich aus gemeinsamen Hannoveraner Zeiten.

Auch aus Sicht der Auer macht die Verpflichtung von Dabrowski im Abstiegskampf wenig Sinn. Dabrowski möchte gerne spielerische Lösungen finden, dabei wären jetzt andere Tugenden gefragt. Immerhin kann er auf eine Truppe zurückgreifen, die von den Namen her gar nicht so schlecht aufgestellt ist. Vor dem erfahrenen Männel im Tor befinden sich mit Pascal Fallmann und Ryan Malone solide Verteidiger im Kader, im Mittelfeld sind mit Julian Guttau, Julian Günther-Schmidt, Luan Simnica und Marvin Stefaniak gute Kicker in den Reihen der Sachsen. An der Defensive liegt es auch nicht unbedingt, mit 48 Gegentreffern haben die Schachter nur zwei Tore mehr gefangen als RWE. Die Offensive ist das Hauptproblem im Erzgebirge. 31 selbst erzielte Tore ist die schlechteste Bilanz nach Schlusslicht Schweinfurt in der aktuellen Drittligasaison. Marcel Bär, der aufgrund einer schweren Verletzung nur 12 Spiele absolvieren konnte, ist mit vier Treffern Toptorschütze. Mehr Tristesse ist kaum möglich.

Angesichts der Ausgangslage wäre es vermutlich sinnbefreit, über die taktische Ausrichtung des Gegners zu sprechen. Erzgebirge Aue steht unter Druck und wird sich aufgrund der Situation und der Spielphilosophie des Trainers nicht im Strafraum verbarrikadieren können. Dies wird ein Vorteil für RWE sein, allerdings darf die Mannschaft aus Sachsen nicht unterschätzt werden. Trotz der Anfälligkeiten der Essener Truppe ist diese nicht dafür bekannt, die Zügel schleifen zu lassen und das Spiel auf die leichte Schulter zu nehmen.

Die Lage in der Liga und Fazit

Direkt am Freitagabend wartet ein heißes Duell zwischen Alemannia Aachen und Energie Cottbus. Aachen ist zurzeit vor allem durch Lars Gindorf sehr gut in Form, Cottbus wird ersatzgeschwächt ins belgische Grenzland reisen. Dafür wird Pele Wollitz wie ein Vulkan brennen, um weiter eine gute Ausgangslage für die Lausitzer im Aufstiegsrennen zu haben.

Am Samstagmittag steigt der Kracher um den Sprung in Liga zwei zwischen Hansa Rostock und MSV Duisburg. Die „Kogge“ kann sich einen Rückschlag nicht erlauben, während die Truppe von der Wedau weiter Druck auf Cottbus und Osnabrück ausüben möchte. Der VfL hat den Waldhof aus Mannheim zu Gast und kann darauf hoffen, seine Erfolgsserie weiter auszubauen. Außerdem wollen sowohl der FC Saarbrücken als auch der Jahn Regensburg weiter Luft zwischen sich und den Abstiegsplätzen bringen. Beim TSV Havelse geht langsam die Abschiedstour los, bei dem die Viktoria aus Köln Halt in Hannover macht. Im weiteren Verlauf des Tages kommt es zu einem harten Verfolgerduell um die Aufstiegsränge zwischen dem TSV 1860 München und dem SV Wehen Wiesbaden.

Der Sonntag startet mit dem „El Amateurico“ zwischen Stuttgart 2 und Hoffenheim 2, Zuschauerzahl mit viel Glück im unteren dreistelligen Bereich. Danach lädt der SC Verl den FC Schweinfurt ein, um möglicherweise ordentlich Prügel im Westfalenland zu verteilen, natürlich nur sportlicher Art. Die Ulmer wollen am späten Abend noch den letzten Strohhalm gegen den FC Ingolstadt nutzen, um doch nicht zurück in die Regionalliga zu stürzen.

Uwe Koschinat hatte ausgerufen, 54 Punkte nach 30 Spieltagen zu erreichen. Rechnerisch ist dies für seine Mannschaft nicht möglich, es geht nur entweder einen Punkt mehr oder weniger zu haben. Wollen die Akteure an der Hafenstraße diese anvisierte Marke überspringen, braucht es auch ohne Besuch eines Mathematik-Leistungskurses zwei Siege. Verrückterweise sind die absolut möglich, aber auch nötig, um das am Karsamstag angesetzte Topspiel gegen den MSV Duisburg mit einer idealen Ausgangslage zu bestreiten. Durch den dramatischen Sieg gegen Mannheim und dem Auswärtserfolg in Hoffenheim sind auch die Zuschauer wieder näher an die Mannschaft gerückt. Lasst uns alle gemeinsam dies nutzen, um Vollgas in Richtung Aufstiegskampf zu gehen!

In diesem Sinne

NUR DER RWE!

Pascal Druschke

Spielbericht

Erst furios, dann zittrig – RWE besiegt Kellerkind Aue mit 4:2

Die Mannschaft von der Hafenstraße ist wieder dick im Geschäft im Kampf um die Aufstiegsplätze! Dabei zeigte sie die womöglich die beste erste Halbzeit der letzten Wochen und führte deutlich durch drei Traumtore von Müsel (28.), Hofmann (32.) und Janssen (37.). Kurz vor der Pause musste die Truppe aber einen Stimmungsdämpfer hinnehmen, Ehlers (45 + 2) verkürzte mit dem Halbzeitpfiff. Danach setzte der übliche Essener Schlendrian an, Patent noch nicht angemeldet. Aues Toptorschütze Bär (61.) ließ noch einmal Hoffnung im Erzgebirge aufkommen. Beinahe wäre der Ausgleich durch Günter-Schmidts Doppelchance (73.) noch gelungen, doch Mizuta (82.) erlöste sein wankendes Team endgültig.

Damit schob sich RWE an die Konkurrenz aus Duisburg vorbei, die von der Kogge aus Rostock versenkt wurde. Angesichts des baldig steigenden Derbys eine sehr gute Ausgangsposition für die Essener, die mit einem derzeitigen Rückstand von nur einem Punkt auf den Tabellenzweiten Cottbus auch noch Druck auf einen direkten Aufstiegsplatz machen können. Leider bleibt die mangelnde Stabilität der Defensive über die gesamte Spieldauer von neunzig Minuten weiterhin ein Thema.

Die Aufstellung

Trainer Uwe Koschinat gab taktisch und personell gesehen der Elf den Vorzug, die in der zweiten Halbzeit im Kraichgau überzeugen konnte. Zwei Veränderungen mussten aber doch vorgenommen werden. So rückte Stammkeeper Jakob Golz für Toni Casali zwischen den Pfosten und Torben Müsel vertrat neben Ruben Reisig in der Zentrale den erkrankten Klaus Gjasula. Müsels Nominierung sollte für dieselben positiven Impulse sorgen, wie nach seiner Einwechselung gegen Hoffenheim 2 in der Schlussphase der Partie.

Koschinat blieb auch bei dem erfolgreichen Experiment aus Hoffenheim, beide linken Außenverteidiger starten zu lassen, Lucas Brumme rückte nach vorne und Franci Bouebari sicherte ab. Auch auf der rechten Seite setzte der Coach auf eine offensive Ausrichtung, Jannik Hoffmann hielt Ramien Safi den Rücken frei und schaltete sich selbst in den Angriff ein. In der Innenverteidigung starteten wie gewohnt Rios Alonso und Michael Schultz. Zudem gab Uwe Koschinat wieder Kaito Mizuta das Vertrauen auf der Position des Spielgestalters, der Marek Janssen in der Sturmspitze unterstützen sollte. In der 67. Minute wurden die beiden Flügelspieler Ramien Safi und Lucas Brumme positionsgetreu durch Marvin Obuz und Dickson Abiama ersetzt. Dasselbe galt auch für Marek Janssen in der 83. Minute, für ihn kam Jaka Cuber Potocnik auf das Feld. Bereits in der Nachspielzeit (90 + 1) wechselte Koschinat ein letztes Mal aus, Gianluca Swajkowski nahm noch ein wenig Zeit von der Uhr.

Die Pluspunkte

Die erste Halbzeit sorgte für grenzenlose Freude auf den Rängen. Selten bekamen die Zuschauer in dieser Saison eine so spielfreudige Essener Mannschaft zu Gesicht, die sofort den Weg nach vorne suchte und den Auer zeigen wollte, dass am heutigen Tage im Ruhrgebiet nichts zu holen sein wird. Bereits in der 4. Minute wurde Ramien Safi auf rechts frei gespielt, doch der Winkel bei seinem Schuss war etwas zu spitz für einen exakten Abschluss.

In der 22. Minute hatte Torben Müsel im Sechzehner nach Ablage von Ramien Safi eine gute Abschlussgelegenheit, aber sein Schuss wurde noch entscheidend geblockt. Nur sechs Minuten später war es der eben erwähnte Müsel, der die Hafenstraße das erste Mal zum Beben brachte. In der Folge eines nicht geklärten Freistoßes konnte Rios Alonso den Ball von der rechten Seite noch einmal scharf machen, auch dessen Flanke kann nicht richtig geklärt werden, so dass Ruben Reisig das entscheidende Kopfballduell gewinnen konnte und Müsel bediente, der im Rücken zum Tor aus fünf Metern elegant mit der Hacke vollstreckte. Nach zweidreißig Minuten bediente Lucas Brumme ca. 30 Meter vor dem Tor Jannik Hofmann mit dem vermeintlichen Versuch, einen neuen Angriff zu starten. Der junge Rechtsverteidiger hielt das aber nicht für nötig und zimmerte den Ball aufs Tor, wo dieser hinten dem vergeblich fliegenden Männel in seinen rechten Giebel einschlug. Diese Granate wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Auswahl des Tores des Monats bei der Sportschau befinden. Nicht weniger schön war auch das Tor von Marek Janssen in der 37. Minute, bei dem die Essener in der Zentrale den Ball nach einem etwas kurzen Roller von Männel erobern konnten und Janssen den Ball mit einer Drehung am Sechzehner in das Tor drosch.

Die Essener Mannschaft zeigte dabei alle Tugenden, die in dem Spielverständnis von Uwe Koschinat nötig sind. Vor einer stabilen Innenverteidigung agierte ein aggressiver und ballsicherer Ruben Reisig, der eine jüngere Version von Klaus Gjasula ist und ein wichtiger Fixpunkt in der Zukunft dieser Mannschaft sein kann.

Auf den Außenbahnen war es für den Gegner schwer ausrechenbar, von wem die Gefahr auskommt, z.B. auf links tauschten Brumme und Boeubari einfach mal die Positionen, ohne dass die Mannschaft einen Qualitätsverlust erlitt. Hinter dem schnellen Safi herrschte auch bei Jannik Hofmanns Abschlüssen höchster Alarmbereitschaft.

Torben Müsel schaltete sich als zweiter Sechser bzw. Achter mit in die Offensive ein und bewies einmal mehr seinen Torriecher. Die elegante, aber vorher nicht offensichtliche Lösung mit Kaito Mizuta als Spielgestalter hatte sich wieder einmal bewährt, der Japaner war mit seinen technischen Veranlagungen für seine Gegenspieler kaum aufzuhalten. Außerdem sorgte Mizuta nach einem sehr guten Steckpass von Dickson Abiama, der nach seiner Einwechselung abermals überzeugen konnte, für die entscheidende Ruhe im Karton. Zum Schluss hat die Hafenstraße endlich wieder einen Stürmer mit eingebauter Torgarantie, der entgegen der Meinung seines Trainers sogar mehrmals bewiesen hat, dass er auch technisch brillieren kann. Die Lobeshymne für Mannschaft und Trainer könnte an dieser Stelle nicht abreißen, wenn da nicht die zweite Hälfte gewesen wäre.

Die Minuspunkte

Selbst gegen die zweitschwächste Offensive der Liga schaffte es RWE nicht, hinten sauber zu bleiben. Das erste Gegentor kurz vor der Pause sei noch zu verschmerzen, vielleicht wollte die Mannschaft einfach in diesem Moment zu viel und war zu offen. Allerdings ließ sich auch hier Linksverteidiger Franci Boeubari wie beim ersten Gegentreffer in Hoffenheim zu leicht abkochen. Wie vor einer Woche war auch wieder der andere Außenverteidiger, Jannik Hofmann, in der Verlosung, doch diesmal war es großes Pech, dass er den Schuss von Ehlers abfälschte und dieser über Jakob Golz den Weg ins Tor fand.

Unerklärlich bleibt hingegen der Einbruch zur zweiten Halbzeit. RWE übergab den Gästen die Spielkontrolle und wurde folgerichtig in der 61. Minute dafür bestraft. Das Tor war eine Kopie des ersten Tores der Auer vor knapp einem Jahr, aber diesmal nur von der anderen Seite. Nach einem Einwurf von der linken Seite verlängerte ausgerechnet Hofmann den Ball bis kurz vor das Tor, Marcel Bär konnte das Missmatch gegen Lucas Brumme nutzen und das Spielgerät in das Tor köpfen. Bei beiden Toren für die Auer muss über die Raumaufteilung gesprochen werden. Ehlers kam gegen Hofmann zentral zum Schuss, während sich genug Rote auf der linken Abwehrseite befanden. Beim Treffer von Bär stand der Linksverteidiger Brumme bei dem gefährlichsten Angreifer der Gäste, nicht aber die kopfballstarken Innenverteidiger Rios Alonso oder Michael Schultz. Noch bizarrer wurde es bei der Topchance von Günther-Schmidt, wo die Abwehr komplette Auflösungserscheinungen zeigte. Nur der fantastischen Reaktion von Jakob Golz und dem Pfosten war es zu verdanken, dass RWE gegen stark angeschlagene Auer nicht noch den Ausgleich kassierte.

Bis auf den genialen Moment von Dickson Abiama und der Kaltschnäuzigkeit von Mizuta kam das Umschaltspiel gänzlich zu erliegen. Sinnbildlich dafür ist Marvin Obuz zu nennen, der wieder einmal mehr nach seiner Einwechselung blass blieb. Die Frage nach der Verantwortung stellt sich weiterhin. Natürlich sind die Spieler für das Geschehen auf dem Platz verantwortlich, aber es bleibt die Frage, warum eine Mannschaft, die gerade trotz des Dämpfers vor der Halbzeit offensiv am Drücker ist, plötzlich vom Gas geht und sich wieder zurückzieht. Alles andere, als an eine taktische Vorgabe von Seiten des Trainerteams in der Halbzeitpause zu glauben, fällt da schwer. Koschinat muss sich weiter dringend etwas einfallen lassen, um die defensive Stabilität in diesen Situationen, die mit Sicherheit in jedem Spiel vorkommen werden, aufrecht zu erhalten. Ansonsten wird es vor allem gegen Gegner aus dem oberen Tabellendrittel, wo die Truppe bislang wenig Punkte holen konnte sehr schwer, im engen Kampf um den Aufstieg zu bestehen.

Der Aufreger

Schiedsrichter Assad Nouhoum hatte schon denkwürdige Auftritte unter Beteiligung von RWE, diesmal zeigte der Unparteiische eine solide Partie. Waren vor allem die Entscheidungen in der ersten Halbzeit noch etwas kleinlich, wurde die Linie aber zu Recht etwas großzügiger, da er nicht auf jedes vermeintliche Foulspiel hereinfiel. Einzig die unverständliche Spielverzögerung vor allem durch Torhüter Männel hätte er mehr ahnden müssen. Die einzige gelbe Karte für RWE gegen Franci Bouebari ist vielleicht auch zu milde gewesen, da der Franzose durch den nassen Boden wegrutscht und seinen Gegenspieler voll erwischt. Es ist aber mal erfrischend, dass diese Kategorie aus Essener Sicht auch mal so kurz sein kann.

Die Lage in der Liga und Fazit

Das Team der Stunde kommt aus Aachen, die am Freitagabend die Cottbusser mit 4:1 in Richtung Lausitz schickten. Wäre nicht der Vorsprung der Essener mit elf Punkte noch so komfortabel, müsste man sich vor der Leihspielertruppe aus der Kaiserstadt glatt Sorgen machen. Die Mannschaft der bisherigen Rückrunde ist aber nach wie vor der VfL Osnabrück, der durch dasselbe Ergebnis gegen Waldhof Mannheim (4:1) seinen Vorsprung auf den Relegationsplatz auf sechs Punkte ausbauen konnte. Im Moment scheint es so, als sei der erste Aufstiegsplatz bereits vergeben. Durch die bereits erwähnte herbe Niederlage des MSV Duisburgs in Rostock (5:1) ist das Verfolgerfeld auf Cottbus (Platz 2) näher zusammengerückt. Bislang ist übrigens nicht bekannt, wie viele Elfmeter laut Dietmar Hirsch den Meiderichern diesmal verwehrt wurden. Sollte es weiter so ungerecht für die Duisburger zu gehen, könnten sie noch am Sonntag durch die Verler bei einem Heimsieg gegen die „Schnüdel“ aus Schweinfurt aufgrund des besseren Torverhältnisses der Ostwestfalen noch auf Platz 5 verwiesen werden.

Ein weiteres gutes Ergebnis aus Sicht der Essener war aus dem traditionsreichen Stadion an der Grünwalder Straße am Samstagabend zu vermelden, wo sich 1860 München und der SV Wehen Wiesbaden 0:0-Unentschieden trennten. Für unseren Gast aus dem Erzgebirge Aue gab es hingegen schlechte Nachrichten aus dem Saarland, denn mit dem 1:1-Unentschieden des 1. FC Saarbrücken und Jahn Regensburg ist der Rückstand auf das rettende Ufer auf neun Punkte angewachsen. Zudem rückte noch die TSV Havelse den Sachsen auf die Pelle, nachdem ein 0:2-Rückstand gegen Viktoria Köln noch zu einem 3:2-Sieg gedreht werden konnte.

Mit einem deutlichen Sieg gegen Erzgebirge Aue hätte die Hafenstraße noch einmal so richtig angezündet werden können. Dennoch ist die Ausgangssituation durch die drei Siege in Folge hervorragend. Doch Uwe Koschinats Ziel von 54 Punkten aus 30 Spielen ist noch nicht erreicht. Dazu muss aber zunächst Viktoria Köln besiegt werden. Dies ist eine traditionell schwere Aufgabe, der letzte Sieg am Höhenberg datiert aus dem Jahre 2014. Die Kölner werden nach den letzten Niederlagen mit viel Wut im Bauch spielen und sich darauf freuen, den Essenern in die Aufstiegssuppe spucken zu wollen. Die Unterstützung der Zuschauer ist dafür den Essenern auf der gehobenen Bezirkssportanlage gewiss. Wie in dem Aufruf der Aktiven Fanszene beschrieben, ist das Ziel trotz mancher Dellen im Spiel auf dem Rasen nur gemeinsam möglich. Dafür wäre ein weiterer Sieg in Köln vor dem Derby gegen den MSV ein wichtiger Faktor. Packen wir es gemeinsam an!

In diesem Sinne
NUR DER RWE!

Pascal Druschke

Fotos