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2025/2026 – 3. Liga

Rot-Weiss Essen – SpVgg Greuther Fürth (1:0)

Dem Ziel und Traum ein großes Stücken näher! Mit 1:0 gewinnt Rot-Weisse Essen das Hinspiel der Aufstiegsrelegation zur 2. Bundesliga. Torben Müsel erzielte den Treffer mit einem Traumfreistoß. Unsere Galerie und der Spielbericht sind online.

Vorbericht

Noch-Fußball-Drittligist Rot-Weiss Essen zeigte über die gesamte Saison hinweg und auch am letzten Spieltag der Dritten Liga unglaubliche Nehmerqualitäten. In einem Herzschlagfinale eroberte RWE Platz 3 und spielt nun gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth um den letzten verbleibenden Platz in der 2. Bundesliga.

Auf dem Weg in diese Relegation wirkte Rot-Weiss Essen ein wenig wie ein gewisser Chuck Weppner. Dieser war seines Zeichens ehemaliger Schwergewichtsboxer, der am 24. März 1975 im Kampf seines Lebens um die Krone im Schwergewicht boxte. Gegen den Größten aller Zeiten, Muhammad Ali. Dieser besiegte Weppner erst in der 15. Runde durch technischen K.O., nachdem er Weppner zuvor einfach nicht kleinkriegen konnte.

Die Geschichte Chuck Weppners wurde für Hollywood entdeckt. Deutlich berühmter als er, ist die ihm nachempfundene Filmfigur Rocky Balbao, verkörpert durch Sylvester Stallone, der sich durch Weppners tapferen Kampf gegen Ali für den Oscar prämierten Streifen „Rocky“ inspiriert fühlte und den Film 1976 in die Kinos brachte. Ein halbes Jahrhundert später schickt sich Rot-Weiss Essen an, nach einer Saison voller Rück- und Niederschläge sich die Krone des Zweitligaaufstiegs aufzusetzen. Dabei geht es für die Mentalitätsmonster aus Essen allerdings auch darum, sich nicht selbst K.O. zu schlagen, um bei der Boxmetapher zu bleiben, denn diverse Gegentore und Niederlagen fügten sich die Essener im Laufe der Saison selbst zu. Wie kann RWE den unter dem Strich sicherlich favorisierten Fürthern in den zwei Partien Paroli bieten?

System- und Personalfragen

Für Chefcoach Uwe Koschinat ist die Vorbereitung der Essener auf die Matches gegen Fürth eine anspruchsvolle Aufgabe. Zum einen war der Einsatz von drei wichtigen Essener Schlüsselspielern fraglich, Entwarnung gibt es nur bei einem Akteur. Lange bangte RWE um Lucas Brumme und Franci Bouebari und damit um seine gesamte etatmäßige linke Seite. Immerhin Brumme kehrt in den RWE-Kader zurück. Aggressive Leader Klaus Gjasula wird weiterhin fehlen. Eine hohe Hypothek für die Spiele gegen den noch klassenhöheren Gegner, der Essen auch mit seiner individuellen Qualität vor Herausforderungen stellen wird. Die systemische Gretchenfrage heißt Vierer- oder Fünferkette und die war selten so schwer zu beantworten.

In der Viererkette agierte RWE unter dem Strich in dieser Spielzeit deutlich effektiver als in der Variante der Fünferkette. Die hatte RWE zwischenzeitlich auch zugunsten der Viererkette ganz aufgegeben. Doch analog zur Hinrunde änderte Uwe Koschinat das System auch am vorletzten Spieltag der Rückrunde. Anlass war jeweils die Spielstärke des Gegners SC Verl, der RWE mit mehr Kompaktheit begegnen wollte. Tatsächlich blieben die ansonsten so defensivschwachen Essener, die mit 66 Gegentoren bei einem Schnitt von 1,74 pro Partie einen wohl historischen Negativrekord für eine Mannschaft der Top 3 aufstellten, in beiden Partien gegen die Ostwestfalen ohne einen Gegentreffer und standen stabil in der Deckung.

Kurios, in den Partien der stärksten Offensivreihen der Liga zwischen Verl (82 Tore, Schnitt 2,16) und Essen (78 Tore, Schnitt 2,05) fiel insgesamt nur ein einziger Treffer, das goldene Tor von Gianluca Swajkowski zum 1:0 Erfolg an der Hafenstraße. In den darauffolgenden Partien gegen Ulm, die Essen beide mit 3:2 gewann, passte die Fünferkette nicht mehr so gut zum nun erforderlichen aktiverem RWE-Spiel, in Ulm wurde sie in der Halbzeit aufgegeben und zurück geswitcht zur Viererkette. Doch gegen die Fürther könnte gegen die wendigen schnellen Stürmer (siehe Gegnerportrait) die Fünferkette wieder ein Thema werden. Fürth bevorzugt die Viererkette und ist dabei tatsächlich noch anfälliger als RWE, 68 Gegentore bedeuten einen Schnitt von 2 Gegentreffern pro Partie. Von daher vielleicht ein Grund für Uwe Koschinat, im Duell der Wackelabwehrreihen eher nach vorne zu verteidigen. Nicht zuletzt hängt das womöglich auch von den tatsächlich zur Verfügung stehenden Personaloptionen ab.

Eminent wichtig für RWE wird sein, dass man die ungeheure Vielzahl an individuellen Abwehrböcken zweimal 90 Minuten plus X in den Griff bekommt. RWE verursachte 15 Strafstöße, 14 davon berechtigt und 13 davon schlugen ein, erzielte vier Eigentore und etwa ein halbes Dutzend Mal kamen noch krasse individuelle Böcke dazu, sodass sich die Zahl der leicht vermeidbaren Gegentore auf ca. 25 summierte. Heftig. Zwei Exemplare aus diesen Kategorien bot RWE auch in Ulm auf und ermöglichte ansonsten total harmlosen Gastgebern damit deren beiden Tore. Zunächst ließ Tobias Kraulich sehr ungeschickt das Bein in der Box stehen, dann spielte Jannik Hofmann einen schlampigen Rückpass genau in den Laufweg des lauernden Chessa. Erlaubt man sich in den Ausscheidungsspielen solche Böcke, dürfte der Traum vom Aufstieg ausgeträumt sein. Andererseits bot RWE seine konzentriertesten Defensivleistungen häufig unter großem äußerem Druck stehend.

Welche Rolle wird die erwartete sehr sommerliche Witterung spielen? In Essen werden am Freitagabend 25 Grad Celsius erwartet und Dienstagabend in Fürth sogar sportmörderische 30 Grad Celsius. Ein Vorteil für den Zweitligisten, der aufgrund des grundsätzlich höheren Tempos in der Liga besser im Saft steht? Spekulation. RWE wirkte vor allem im Match gegen Verl körperlich auf der letzten Rinne laufend, die Wadenkrämpfe von Swajkowski und Hüning waren aber wohl eher auf bis dato fehlende Wettkampfhärte als auf grundsätzliche Konditionsschwächen zurückzuführen. Kaito Mizuta ist im Grunde ein Laufwunder, dass auch ihn gegen Verl Krämpfe befielen ist womöglich nur ein Symptom der langen Saison. Auffallend war, dass RWE in Ulm wieder deutlich frischer wirkte, aber die Temperaturen in der Donaustadt waren auch eher frühlingshaft frisch und nicht den Kreislauf belastend.

Der Gegner: Spielvereinigung Greuther Fürth

Seit 29 Jahren gehört die SpVgg Greuther Fürth mindestens der zweiten Bundesliga an, zweimal war man in dieser Zeit auch Bundesligist. In der Spielzeit 1996/97 stieg man ins Fußball-Unterhaus auf und verließ es seitdem zumindest nicht nach unten. Es war die erste Spielzeit, in der man als Spielvereinigung Greuther Fürth auftrat. Der Verein führt auch die Ewige Tabelle der eingleisigen Zweiten Bundesliga an. Seit der Vereinsgründung kannte man den Klub nur als die ruhmreiche SpVgg Fürth, die 1914, 1926 und 1929 Deutscher Meister war und mit Karl Mai 1954 einen Spieler für das Wunder von Bern abstellte. Mai wurde zusammen mit RWE-Legende Helmut „Boss“ Rahn Fußball-Weltmeister.

Zudem stand mit Herbert Erhard ein weiterer Fürther Kicker im Kader von Sepp Herberger. Die SpVgg war in Franken der große sportliche Gegenpol des 1. FC Nürnberg, der lange Zeit mit neun Titeln Deutscher Rekordmeister war. Erst 1987 wurden die Franken dort von Bayern München abgelöst. Ähnlich wie bei RWE sind die goldenen Jahre der SpVgg sehr lange her. Nach etlichen sportlichen und finanziellen Rückschlägen beschloss man 1995 mit der TSV Vestenbergsgreuth zu fusionieren, der weitaus ruhmreicheren Geschichte der Spielvereinigung wird aber im Vereinsnamen doch deutlich mehr Rechnung getragen, während an den TSV nur das „Greuther“ erinnert.

Den ersten Sturz unterhalb der Zweiten Bundesliga will die deutlich erfolgreichere Variante der Kleeblätter im deutschen Fußball nun verhindern. Die einzige Relegation der Vereinsgeschichte spielte man am Ende der Saison 2013/14 um den Aufstieg in die Bundesliga. Man scheiterte nur aufgrund der damals noch existierenden Auswärtstorregelung am Buli-Dino Hamburger SV mit 0:0 und 1:1 und konnte die Bundesliga-Uhr des HSV noch nicht abmontieren. Für die zweite Liga sind die Fürther ein ähnliches Urgestein. https://www.sgf1903.de/das-kleeblatt/historie/vereinsgeschichte

RWE trifft somit auf einen sehr erfahrenen Profiklub unter Chefcoach Heiko Vogel, der das Traineramt am Jahresende vom glücklosen Thomas Kleine, als Spieler eine Ikone der Fürther, übernommen hat. Kleine musste nach 14 Spieltagen gehen, die SpVgg hatte mit 13 Zählern einen Schnitt von 0,92 erreicht, das Torverhältnis betrug 20: 37. Damit hatte man mit Abstand die meisten Gegentore der Liga kassiert, sagenhafte 2,64 im Schnitt. Heiko Vogels darauffolgende Bilanz ist zwar nicht unbedingt umwerfend, er holte 24 Punkte aus 20 Partien, aber der mit dem Schweizer Vertreter FC Basel sogar Champions League erfahrene Vogel stabilisierte die Fürther zum Saisonende hin zunehmend. Sein Schnitt betrug immerhin 1,2 Punkte und die Gegentore wurden signifikant reduziert, unter Vogel klingelte es „nur“ noch 1,55 mal pro Partei im eigenen Kasten, während die Offensivbilanz unter beiden Trainern mit ca. 1,4 eigenen Treffern pro Partie nahezu gleich ist. Vogels Erfolg ist daher auf die verbesserte Defensivleistung zurückzuführen.

Letztlich gelang auch ihm aber nur der Sprung von Rang 17 auf Rang 16. Am letzten Spieltag lief der Klub leider zur Galaform auf, keine guten Neuigkeiten für RWE. Coach Uwe Koschinat hatte sich die SpVgg ausdrücklich nicht gewünscht. Die einfache Begründung, für die vor dem letzten Spieltag mit 3 Punkten Rückstand und dem schlechteren Torverhältnis auf Platz 17 weilenden Fürther dürfen ähnlich wie RWE das Erreichen der Relegation auf den letzten Metern noch als Erfolg werten und werde nicht geknickt in die Spiele gehen. Da hatte Koschinat noch keine Ahnung davon, wie sehr die Fürther die favorisierte Fortuna aus Düsseldorf auseinandernehmen würden. Schon zur Pause stand es 3:0, Ex-Fortune Felix Klaus lieferte einen Doppelpack und Sturmjuwel Noel Futkeu den dritten Treffer. In Durchgang zwei hätten sich die Fürther mit einem weiteren Tor bis auf Platz 15 hochhieven können und dürften daher etwas allergisch auf das Thema VAR reagieren. Dieser klaute den Kleeblättern durch gleich zwei Interventionen zunächst einen Strafstoß und dann das vermeintliche 4:0. Es waren Millimeterentscheidungen, die einmal mehr die Sinnhaftigkeit des VAR in Frage stellten. Ansonsten wäre Eintracht Braunschweig Rot-Weiss Essens Relegationsgegner gewesen.

Apropos Noel Futkeu. Der diesjährige Zweitligatorschützenkönig (19 Treffer, 25 Scorerpunkte) ist gebürtiger Essener und spielte bekanntlich für Rot-Weiss Essen. Im März 2020 spielte Noel Futkeu, der damals noch dem Kader der U 19 der Essener angehörte, unter Trainer Christian Titz bei der Partie beim Bonner SC von Beginn an und traf gleich zum 1:0 für RWE. Das Spiel endete mit 3:1 für Essen, dann wurde die Saison wegen der Corona-Pandemie abgebrochen. Zu Beginn der Folgesaison spielte Futkeu beim Essener 1:0 Erfolg im DFB-Pokal gegen Arminia Bielefeld unter dem neuen Trainer Christian Neidhart eine starke Partie, bekam aber ansonsten nur wenig Spielzeit. Essens damaliger sportlicher Leiter Jörn Nowak erkannte das Potenzial des damals gerade 18 gewordenen Stürmertalents und bot ihm einen Kontrakt an der Hafenstraße bis zum Sommer 2025. Den wollte Futkeu, wohl auch auf Betreiben seines Beraters Andreas Winkler, nicht unterschreiben und fiel in Ungnade bei Christian Neidhart. Die Konsequenz, ein vorzeitiger Wechsel zum Ligarivalen der U23 des 1. FC Köln.

Auch dort kam Futkeu kaum klar und spielte wenig, nur ein Tor gelang ihm. Die Ironie der Geschichte, dieser Treffer freute seinen Ex-Klub RWE sehr, denn im Match gegen Essens großen Aufstiegsrivalen Preußen Münster raubte Futkeus Tor zum 1:1 in der Nachspielzeit den Preußen zwei wertvolle Punkte, die sie am Saisonende schmerzlich vermissen sollten. Dennoch ging es für Futkeu im Sommer 2022 zurück nach Essen. Aber nicht zu RWE, sondern zum Lokalrivalen ETB, der damals wie heute Fünftligist war. Dort schoss sich Futkeu den Frust von der Seele, erzielte über 30 Treffer für die Lackschuhe und heuerte nach nur einem Jahr im Sommer 2023 bei Eintracht Frankfurt an, wo er zunächst für die Zweitvertretung in der Regionalliga Südwest vorgesehen war und liefern sollte. Mit 16 Toren in 26 Einsätzen stellte der Stürmer seine Qualität unter Beweis.

Die erste Liga traute man ihn bei der Eintracht noch nicht zu, daher verkaufte die Hessen Futkeu nach Fürth, bauten sich aber eine Rückkaufoption ein. Daran tat die Eintracht gut, denn in 68 Partien, er fehlte dabei in beiden Spielzeiten kein einziges Mal, traf Futkeu 30-mal in Liga Zwei. Sein aktueller Marktwert wird auf 5 Millionen € geschätzt. Fürth verliert seinen Top-Torjäger: Futkeu geht nach Frankfurt | BR24 Das ist schmerzlich für RWE, das den Stürmer vor seinem Wechsel nach Frankfurt an die Hafenstraße zurücklotsen wollte. Nun hoffen die Essener, dass Futkeu sich nicht zumindest noch fulminant mit weiteren Toren aus Fürth verabschieden wird.

Aus Fürths Offensive sind zudem Felix Klaus (391 Erst- und Zweitligaspiele) und Branimir Hrgota (233 Erst- und Zweitligaspiele) zu nennen, die beide die große Erfahrung und potenzielle Qualität der Fürther symbolisieren. Es ist kein Wunder, dass viele Experten, unter ihnen der frisch gebackene Bundesligatrainer Vincent Wagner, die Fürther als den unangenehmsten aller möglich gewesenen Relegationsgegner einschätzen. Aber wie üblich gibt es halt kein Wunschkonzert.

Statistikspielereien sowie Dies und Das

RWE hat mit der Rekordgegentorzahl von 66 Gegentreffern die Relegation erreicht, die SpVgg Greuther Fürth schluckte 68 Gegentreffer im Ligabetrieb. So frohlocken die Experten, dass es für den neutralen Zuschauer ein tolles Spektakel geben könnte, denn die Fürther Abwehrleistung ist noch schlechter als die der Essener gewesen. Wenn Essen und Fürth in der vergangenen Spielzeit auf dem Feld standen, fielen sage und schreibe insgesamt 261 Treffer, durchschnittlich 3,63 pro Spiel.

In Spielen mit RWE-Beteiligung fielen in der vergangenen Spielzeit 144 Tore. Durchschnittlich fielen 3,79 Tore pro Spiel, das Durchschnittsergebnis lautet aus Sicht der Essener 2,05:1,74.

Bei Partien der Fürther klingelte es insgesamt 117-fach. Die durchschnittliche Trefferzahl bei diesen Spielen betrug in Liga Zwei 3,44. Das Durchschnittsergebnis lautete 1,44:2.

Ob das zwingend dazu führen wird, dass es die torreichste Relegation der Geschichte geben wird, bleibt abzuwarten. Immerhin schaffte es RWE in der Liga häufiger, besonders gefährliche Sturmreihen zu verteidigen. Die Gesamtstatistik zwischen beiden Vereinen fällt leicht positiv für RWE aus. Es gab 8 Partien in der 2. Bundesliga, RWE siegte dreimal, die Kleeblätter zweimal, dreimal gab es ein Remis. Ergebnisse wie in Essens bislang letzter Zweitligasaison 2006/07 wären ein Traum für alle, die es mit RWE halten. In Essen siegte man 1:0 durch Danko Boskovic, in Ulm trafen Michael Loenz und Baris Özbek zum 2:0 Erfolg.

Seit 2009 gibt es eine Relegation zwischen dem 16. der Zweiten und dem Dritten der Dritten Liga. In den 17 Duellen behielten zwölfmal die Drittligisten die Oberhand, nur fünfmal die Zweitligisten. RWE-Coach Uwe Koschinat musste das schon am eigenen Leibe erfahren. Er scheiterte 2023 mit Zweitligavertreter Arminia Bielefeld an der SV Wehen Wiesbaden. Nun hofft Koschi auf ein erfolgreicheres Ende.

Das Spiel an der Essener Hafenstraße leitet Daniel Schlager aus Gernsbach. Er pfiff auch den Essener Pokaltriumph über Bayer Leverkusen 2021 und war für den ersten Videobeweis-Entscheid in der Vereinsgeschichte für Rot-Weiss Essen zuständig. Die Vorgeschichten des Dramas von Ulm – RWE, die Relegation, Aufstiegsrunden und der VAR – 2025/2026 – 3. Liga – Jawattdenn.de An den Linien assistieren Tobias Fritsch und Felix Bickel. Der vierte Offizielle ist Bierduschenspezialist Nicolas Winter, er pfiff Essens Skandalpartie beim FSV Zwickau 2023, VAR wird Arno Blos sein.

Wie wird der Gewinner der Relegation ermittelt? Die aus den früheren Jahren auch im Europapokal bekannte sogenannte Auswärtstorregel, nachdem bei Gleichstand in beiden Partien das Team gewonnen hat, was in des Gegners Stadion öfters traf, existiert nicht mehr. Sollte es im Rückspiel in Fürth in Summe Remis stehen, geht es auf alle Fälle in die Verlängerung und dann womöglich ins Elfmeterschießen. Hier ließ RWE seinem Keeper Jakob Golz schon profundes Wettkampftraining zuteilwerden.

Was geschieht mit den Einnahmen aus beiden Spielen? Die Relegationsspiele sind Teil des Ligapakts, die Einnahmen aus Hin- und Rückspiel werden am Ende zwischen den beiden Vereinen Essen und Fürth paritätisch geteilt.

Live übertragen wird die Partei auf gleich mehreren Kanälen. Kostenpflichtig im Stream bei Sky Go und WOW, im TV bei Sky Sport und im Free TV bei Sat1 (zusätzlich im RAN-Stream), wo dann Christian Straßburger seine aus Magenta Sport Übertragungen bekannte raue Jubelstimme hoffentlich bei Essener Torerfolgen und tollen Golz-Paraden erklingen lassen wird.

Also, es kribbelt richtig! Am Freitag werden wir Bergeborbeck in eine einzige akustische Schall-und Support-Tsunami-Welle verwandeln, die über der SpVgg hinwegschwappen soll. Alles für unseren Verein, alles für unseren großen Traum, alles für RWE!

NUR DER RWE!

Sven Meyering

Spielbericht

Mesut Magic Müsel lässt Hafenstraße toben! RWE schlägt Fürth im Relegationshinspiel 1:0

Rot-Weiss Essen hat den ersten Schritt gemacht. Ein Traumtor von Torben Müsel, der nach 62 Minuten einen direkten Freistoß nach Foul an Mizuta in den rechten Winkel schweißte, bescherte RWE einen unter dem Strich verdienten Erfolg. Essen ließ gegen balldominante Fürther sehr wenig zu und war im letzten Drittel der Partie die präsentere Mannschaft. Die Fans an der Hafenstraße lieferten dabei eine bundesweite Werbung für den Verein und ließen von Bergeborbeck aus die ganze Stadt akustisch erbeben.

Das Personal und der Spielfilm

Rot-Weiss Essen: Golz –Hüning, Rios Alonso, Kraulich – Hofmann, Swajkowski, Müsel, Kostka – Mizuta – Safi, Cuber Potocnik

SpVgg Greuther Fürth: Prüfrock – Dehm, Elvedi, Ziereis, Itter – Will – Klaus, Srbeny, Hrgota, Ltaief – Futkeu

Uwe Koschinat vertraute erneut der Startelf von Ulm. Diese tat sich zunächst schwer, ins Spiel zu finden und sah sich erwartbar viel Ballbesitz der Gäste gegenüber. Dieser betrug in Summe am Ende der Partie 65 Prozent, nach Adam Riese zwei Drittel. RWE hatte Schwierigkeiten, den Ball über längere Phasen zu sichern und fand keine Anspielstation im zweiten Drittel, Fürth zwang Essen zu langen Bällen, die dann beim Zweitligisten landeten. Dampf machte der Gast zu Beginn vor allem über seine linke Seite. Ltaief bereitete Jannik Hofmann Probleme, fand aber nicht den Abschluss oder einen besser postierten Mitspieler.

Ltaief bescherte Rios Alonso bereits nach 4 Minuten den gelben Karton, als der Essener gegen sein Dribbling nach Innen das Bein stehen ließ, zuvor hatte Tobi Kraulich einen unnötigen Fehlpass produziert. Eine schwere Hypothek für Alonso, der damit aber im weiteren Verlauf der Partie überragend umgehen sollte. Nach 16 Minuten stockte allen kurz der Atem, Dehm feuerte aus 30 Metern die Kugel ans Gebälk, Jakob Golz wäre chancenlos gewesen. Diese Szene jedoch exemplarisch für das Spiel, Fürth hatte zwar den Ball, kreierte aber daraus keine Chancen.

Die in unserem Vorbericht zum Ausdruck gebrachte Hoffnung, dass RWE gerade gegen spielstärkere Gegner stark und konzentriert verteidigen kann, wurde erfüllt. Zweitligatorschützenkönig Noel Futkeu sorgte nach 38 Minuten mit einem Fallrückzieher für Aufsehen, dieser strich am linken Pfosten vorbei, und war ansonsten beim bärenstarken Ben Hüning abgemeldet. Das Duell zwischen Hüning und Futkeu bot schon früh in der Partie Sprengstoff. Rios Alonso hatte gerade für sein Foul an Ltaief Gelb gesehen, da tobte die Hafenstraße als Futkeu, ohne dass der Ball noch in der Nähe war, Hüning rustikal zu Boden checkte. Absolut gelbwürdig, doch Schiri Schlager ließ den Karton in der Tasche. Rache ist Blutwurst, dachte sich da Hüning, und revanchierte sich kurz darauf mit einer ähnlichen Aktion an seinem Gegenspieler. Die Botschaft, das machst du nicht ungestraft mit mir. Schlager blieb gerecht, auch hier kein Gelb.

So ging es in die Pause, ohne dass RWE dem Gästetor auch nur einmal näher gekommen war. Andererseits hatte man souverän die Null gehalten. Leider gab es einen medizinischen Notfall auf R5. So stellten die RWE-Anhänger ihren bis dato donnernden Support sofort ein, die Gästekurve reagierte kurz danach ebenfalls fair und bis zu Minute 56 wurde das Geschehen auf dem Feld nur von raunenden Aaahs und Ooohs begleitet. Auf dem Feld ging es zunächst weiter wie zuvor, Fürth am Ball, RWE in der Defensive und im Ballbesitz zu überhastet. Fürth kam durch den schwedischen Ex-Nationalspieler Branimir Hrgota zu seinem einzigen Torabschluss zwischen die Pfosten (sic!), Golz fischte den Schlenzer aus dem Eck, kurz darauf war es wieder Dehm, der aus der Distanz feuerte und das Ziel verfehlte.

Fürths Druck schien langsam zu stark zu werden für RWE, aber dann kam die Wende im Spiel. Der Notfallpatient konnte in offenbar und hoffentlich unkritischen Zustand unter Applaus abtransportiert werden und der Support setzte in noch größerer Lautstärke wieder ein. Diese sollte sich, eigentlich kaum möglich, unmittelbar danach noch steigern, denn RWE setzte nun die entscheidenden Akzente. Keeper Prüfrock bescherte RWE die bis dato beste Chance der Partie, als er von Essen scharf angelaufen den Ball fast blind vor die eigene Box schlug und Torben Müsel der Kugel sofort einen Rücklauf Richtung Führter Kasten. In der folgenden dramatischen Szene rollte der Ball Richtung Tor, während Prüfrock aus dem linken Boxeck kommend artistisch hinterher hechtete und das Spielgerät von der Linie kratzen konnte, während die Ränge ihr Bestes gaben, mittels akustischer Schallwellen dem Ball noch das entscheidende Bisschen mehr an Tempo zu geben. Die Szene ist noch immer heiß, Mizuta sprintet heran, der Winkel aber etwas spitz, Ziereis kann den Schuss etwas blocken, aber der Ball trudelt durch den Fünfer, wird dann aber doch vor dem lauernden Potocnik geklärt (58.).

Obwohl kein Tor war das der Gamechanger. Um bei der Boxmetaphorik des Vorberichts zu bleiben, der Fighter RWE, der bislang vor allem die Schläge seines attackierenden Gegners mit massiver Deckung verteidigte, hatte die Verwundbarkeit seines Gegners offenbart. Kaum 4 Minuten später war es dann so weit, Mizuta wuselte sich irgendwie durch mit dem Ball und wurde in der sogenannten Mittelstürmer-Position gelegt, Freistoß für RWE. Die Hoffnungen der RWE-Anhänger ruhen nun auf ihrem besten Spieler der letzten Wochen und Torben Mesut Magic Müsels enttäuscht diese nicht. In Tor des Jahres-Manier hämmert TM26 die Kugel ins rechte obere Eck, Prüfrock hätte diesen Ball auch mit längeren Armen nicht halten können (62.). Müsel und seine Teamkameraden explodieren vor der Rahn und diese und alle anderen Tribünen mit ihnen. War es schon zuvor laut, so wähnt man sich nun unter den Turbinen eines startenden Düsenjets. Fürth ist abgeschlagen, RWE kommt sofort zu weiteren Offensivszenen, Fürths Dominanz wird nun arg relativiert.

Mit den Einwechslungen von Abiama für Safi und Janssen für Potocnik (70.) frischen Wind in der Offensive. Vor allem Abiama stellt Fürth mit seiner Ballsicherheit und Tempo vor Probleme, setzt sich gleich gegen mehrere Gegenspieler durch, schließt dann aber zu zentral ab (84.). Dann zaubert wieder Magic Müsel, setzt mit einem tollen Ball hinter die Kette den einlaufenden Hofmann in Szene, dessen Volley geht übers Tor (86). Schade, das hätte das 2:0 sein können. In derselben Phase kommt Fürth nicht zu Chancen, bleibt zwar mehr am Ball, ist aber ideenlos. Die vierminütige Nachspielzeit spielt RWE ungefährdet herunter, einen starken Eindruck dabei hinterlässt der nach 76 Minuten für Swajkowski gekommene Reisig, der im Zentrum alles im Griff hat und auf der PK ein Sonderlob seines Trainers erhält.

Uwe Koschinat zeigte sich im Anschluss berechtigterweise stolz auf den Auftritt seiner Mannschaft, die 1907% rausgehauen hatte und mit 115 zu 111 Kilometern die größere individuelle Qualität der Fürther schlichtweg weggelaufen hatte. Auch 8 Eckstöße bei nur einem eigenen hatte Essen verteidigt und auffallend stark sicherten die Gäste bei ihren Standards den Rückraum, um Essen nicht ins Kontermesser zu laufen. Vielleicht deuteten die glänzenden Augen an den TV-Mikrofonen auch auf sich andeutende Tränchen hin, denn in der Tat hat RWE, so wie Uwe sagte, ganz Essen angezündet. Ebenso wie seine Mannschaft könnten auch die Tribünen kaum mehr geben, als an diesem Abend. 18000 machten Lärm für 80.000. Gänsehaut pur.

Die Aufreger

Schiedsrichter Daniel Schlager lieferte insgesamt eine souveräne und unaufgeregte Partie ab. Zu Beginn fehlte aber die klare Linie, er pfiff etwas kleinlich, wohl auch um beide Mannschaften etwas abzukühlen. Natürlich erregte die RWE-Fans die nicht gegebene fünfte gelbe Karte für Futkeu nach dem Foul an Hüning, welche den Stürmerstar für das Rückspiel außer Gefecht gesetzt hätte. Futkeu machte nach Schlusspfiff auch direkt eine Ansage an RWE, dass das Rückspiel anders laufen werde. Hoffentlich müssen wir danach nicht über Schlagers Kulanz ihm gegenüber diskutieren. Wie schon erwähnt beließ der Schiri es aber auch bei Hünings Revanche bei einer Ermahnung. Rios Alonso hingegen sah sofort Gelb. 

Nach RWE-Angaben geht es dem medizinischen Notfall gut. Die Person war „nur“ gestürzt und hatte sich eine Platzwunde zugezogen, nicht kollabiert. Gute Besserung! Für Mega-Lacher sorgte die Präsentation des „Bulic-Pfostens“ auf der Alten-West, der zuvor aus dem MSV-Stadion „verschwunden“ war und an das legendäre Münsteraner Richtschwert erinnerte. Eine friedliche und amüsante Revanche der RWE-Fans am MSV.

Ansonsten konnte sich ganz Fußballdeutschland von der fantastischen RWE-Fangemeinde überzeugen. Rolf Töpperwien fühlte sich bei einer Pokalübertragung gegen Leverkusen 1995 Mal ins Aztekenstadion von Mexiko-City versetzt. Das eigene Wort könne man ferner nicht verstehen, weil die Fans stetig auf 180 gewesen sein. In der Tat kann sich auch der Schreiber dieser Zeilen kaum an ein Spiel mit besserer Stimmung erinnern als an diese Partie vor gut 30 Jahren. Und wenn, dann war das gestern der Fall. Mitreißender, überwältigender und grundfairer Support! Womöglich hatte die Monitor-Redaktion aber erneut ihre Dog-Whistler am Start!

Womöglich gibt es auch in Gesängen wie „Auf geht’s Essen schieß ein Tor“ oder „Hebt die Hände, hisst die Fahnen Rot-Weiss“ Anspielungen, für deren wahre Bedeutung zu erkennen die von Rechtsextremen dirigierten anderen Lämmchen auf den Rängen zu dumm sind. Liebe Monitor-Redaktion, erneut erfolgt hier das Angebot, sich sachlich und konstruktiv mit eurer massiv fehlerhaften und tendenziösen Darstellung der Fans von Rot-Weiss Essen auseinanderzusetzen. Besonders der ÖRR sollte nicht die Fakten missachten und Verschwörungstheorien schmieden, damit man ein gezielt anderes Bild von Menschen erzeugen kann. Letztlich bleibt dazu nur der alte Aphorismus, was ich über andere Menschen denke und sage, sagt mehr über mich selbst aus als über die anderen. Das gilt auch für euch, Monitor.

Fazit und Vorausblick aufs Rückspiel 

Des Dramas erster Akt wurde erfolgreich aufgeführt. Uwe Koschinat wählte mit der Fünferkette die richtige Taktik und wird diese sicherlich kaum verändern. RWE stand stabil wie gegen Verl und nach hinten raus gab es die gewünschten Umschaltmomente, die aber leider nicht zum zweiten Treffer führten. Bewundernswert, wie Essen seine Ausfälle kompensierte. Ohne Leader Klaus Gjasula hielt man den Druck stand, Kostka spielte seine Nebenposition Linksverteidiger formidabel.

Lucas Brumme zeigte nach seiner Einwechslung (77.) wie viel Dampf und Schwung er bringen kann. Womöglich langt es am Dienstag zu einem Startelfeinsatz. Für dieses Spiel sind die Optionen klar. Auch wenn die Fans am Ende „Auswärtssieg“ skandierten, reicht RWE bereits ein Remis für den Aufstieg. Liegt Fürth nach Ende der regulären Spielzeit mit einem Tor vorne, geht es in die Verlängerung und potenziell ins Elfmeterschießen. Bei einer höheren Niederlage wäre Essens Traum ausgeträumt. So oder so kann RWE aber den gestrigen fantastischen Abend niemand mehr nehmen! Stolz dürfen Verein, Trainer, Mannschaft und Fans darauf sein 

NUR DER RWE! 

Sven Meyering

Fotos