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2025/2026 – 3. Liga

Alemannia Aachen – Rot-Weiss Essen (3:3)

Nur durch einen späten Doppelschlag von Neuzugang Dickson Abiama entgeht RWE knapp einer erneuten Demütigung in Aachen. Über diese Leistung, die für eine Spitzenmannschaft nicht würdig war, muss einmal mehr diskutiert werden. Unser Spielbericht ist online.

Vorbericht

Wider der Serie – Gelingt RWE endlich in Aachen der Sieg?

Ein Lieblingsgegner ist die Alemannia seit dem Aufstieg in die Liga 3 wahrlich nicht. Drei bittere Niederlagen sorgten für höhnische Freude bei einem Klub, der sich viele Jahre gegenüber dem Ruhrgebietsklub enteilt sah. Während sich aber die Essener im Aufstiegskampf befinden, müssen die Aachener zusehen, genug Distanz zwischen sich und den Abstiegsplätzen zu schaffen. Die Vorfreude in Aachen ist groß, schließlich ist das Selbstbewusstsein durch die Serie gegen RWE hoch und im Vorfeld wurden mit Genehmigung des Vereins T-Shirts mit Hassbotschaften verkauft, die sich wahrscheinlich besser verkaufen als das parallel herausgekommene Sondertrikot des Klubs.

Bei all den Störfeuern vom Tivoli ist es am besten, RWE konzentriert sich völlig auf sich. Uwe Koschinat gab das Ziel 54 Punkte aus 30 Spielen aus, diese Marke würde das Segel klar Richtung Aufstieg setzen. Zuletzt holte sich RWE noch Unterstützung für die Offensive. Dickson Abiama wurde kurz vor dem Ende der Transferperiode aus Kaiserslautern geliehen. Auch Tino Casali, dessen Verpflichtung durch die Verletzung von Stammtorhüter Jakob Golz nötig wurde, fand vom SCR Altach den Weg an die Hafenstraße. Ein herzliches Willkommen an der Hafenstraße!

Die Personallage

Schlechte Nachrichten gab es unter der Woche von Stammkeeper Jakob Golz, der nach seiner verunglückten Aktion im Spiel gegen Wiesbaden nicht nur fast ein Gegentor verschuldete, sondern auch mit einem Innenbandanriss im Knie ausfallen wird. Große Sorge hat die Mannschaft von der Hafenstraße aber nicht, denn mit Felix Wienand befindet sich die vielleicht beste Nummer 2 der Dritten Liga im Kader der Essener. In die Abwehrreihe davor könnte Tobias Kraulich zurückkehren und sich wieder neben Michael Schultz und Rios Alonso einreihen, obwohl Ben Hüning eine sehr gute Leistung gegen Wiesbaden zeigte. Sollte Trainer Koschinat weiter an der Dreier-/Fünferkette festhalten, macht es trotzdem mehr Sinn, mit dem Linksfuß Kraulich zu beginnen.

Auf den Abwehrflügeln wird Michael Kostka auf rechts mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit starten, Jannik Hofmann ist nach seiner roten Karte im Heimspiel gegen Havelse immer noch gesperrt. Trotz einer Leistungsdelle ist Lucas Brumme auf links als Führungsspieler unverzichtbar, allerdings ist Francis Bouebari auch eine gute Alternative. In der Defensivzentrale droht ein Ausfall von Klaus Gjasula, der wie im letzten Jahr vor dem Spiel gegen Aachen erkrankt ist. Ihn könnte der Neuzugang Ruben Reisig, der auch ein gutes Debüt gegen Wiesbaden zeigte, positionsgetreu ersetzen. Spannender wird die Frage sein, wer neben Ruben Reisig im Mittelfeld dann auflaufen wird. Gianlica Swajkowski ist eine Option dafür.

Torben Müsel scheint aber trotz schwankender Leistungen gesetzt zu sein, allerdings bleibt offen, ob er die Position neben Reisig bekleiden wird oder sich auf der „Zehn“ wiederfindet. Sollte Gjasula tatsächlich ausfallen, würde Müsel wahrscheinlich nach hinten rücken und möglicherweise Danny Schmidt den Offensivpart übernehmen. Alternativ hat in der Vergangenheit auch Marvin Obuz unter Koschinat gespielt, wobei er sich auf dem rechten Flügel wohler fühlt. Dort dürfte aber Ramien Safi spielen, der trotz nicht stabiler Leistungen einen ordentlichen Auftritt gegen Wiesbaden zeigte. Auf der anderen Seite ist Kaito Mizuta gesetzt. Ob Uwe Koschinat dem Neuzugang Dickson Abiama vielleicht sogar schon einsetzt, bleibt offen. Alles hängt stark von einem Ausfall des bereits erwähnten Gjasula ab.

Auch in der Sturmspitze droht eine Umbesetzung, denn Marek Janssen konnte aufgrund seiner Adduktorenprobleme nur eingeschränkt trainieren. Jaka Cuber Potocnik ist noch keine Option, Jannik Mause genießt nicht das Vertrauen des Trainers. Sollte Danny Schmidt, der auf dieser Position noch keine Glanzleistungen im RWE-Trikot zeigen konnte, dort auflaufen, hat dies, wie bereits aufgeführt, Auswirkungen auf die Besetzung im offensiven Mittelfeld.

Der Gegner: Alemannia Aachen (sieben Siege – vier Unentschieden – elf Niederlagen, 33:41 Tore, Differenz – 8)

Nach dem elften Spieltag war das Experiment Benedetto Muzzicato vorbei. Unglücklich verlor die Alemannia in den Schlussminuten gegen den FC Ingolstadt mit 0:1, zum siebten Mal unter dem ehemaligen Coach der Freiburger Reserve und Viktoria Berlin. Sein Ansatz, die unter dem nach Braunschweig abgewanderten Heiner Backhaus eingeführte defensive Ausrichtung der Aachener Truppe offensiver zu gestalten, war gescheitert.

Der Interimscoach Ilyas Trenz sorgte mit zwei Siegen in Wiesbaden und gegen Saarbrücken für eine spektakuläre Wende, musste aber aufgrund der fehlenden Lizenz für die Spielklasse sein Amt an den Bosnier Mersad Selimbegovic abgeben. Knapp vier Jahre trainierte Selimbegovic den Ligakonkurrenten Jahn Regensburg, danach folgten Kurzengagements in Rostock und im belgischen Eupen. Nach der Übernahme folgte direkt ein Erfolg beim VfB Stuttgart, doch der erhoffte Aufschwung blieb aus. Nur ein weiterer Sieg folgte (in Hoffenheim), auch Selimbegovic Bilanz ist nicht viel besser als der seines Vorgängers Muzzicato.

Die Gründe für die Probleme liegen also tiefer als der Platz auf der Trainerbank. Hoffnungsträger wie Jeremias Lorch, Matti Wagner und Gianluca Gaudino waren zwischendurch alle verletzt, Abwehrchef Mika Hanraths hat bislang noch kein einziges Saisonspiel bestreiten können. Gerade die Abwehr als Prünkstück der vergangenen Saison entwickelte sind zur Problemzone der Aachener. Mit 42 Gegentreffern hat nur mit Waldhof Mannheim ein Klub oberhalb der Abstiegszone mehr schlucken müssen als die Alemannia.

Zudem leiden die Aachener unter der riskanten Personalpolitik der letzten Jahre. Viele Spieler wurden für den Aufstieg aus der Regionalliga West vor zwei Jahren verpflichtet, die nicht die Qualität für die Dritte Liga nachweisen konnten. So fand ein nahezu kompletter Austausch statt, der den Kader aufblähte und wenig Handlungsspielraum ließ. Rachid Azzouzi, der neue sportliche Leiter, kam erst spät in der Sommerpause dazu und hat als Nachfolger von Sascha Eller alle Hände voll zu tun. Immerhin bewiesen die Aachener für die Offensive ein goldenes Näschen. Der aus Hannover ausgeliehene Lars Gindorf erzielte bislang fünfzehn Tore, acht davon vom Punkt aus.

Sein aggressives Auftreten mit dem wahrscheinlich provokantesten (oder arrogantesten) Torjubel der Liga soll allen zeigen, dass er die Führung der Aachener Truppe schnell übernommen hat. Ein weiterer Leihspieler, Mika Schroers von Arminia Bielefeld, erzielte weitere acht Tore und bildet mit Gindorf zusammen die Überlebensversicherung der Alemannia.

Diese Qualitäten wollten die Kaderplaner im Winter ausbauen. Lange Zeit passierte am Tivoli nichts, nur die eher unbekannten Innenverteidiger Petros Bagalianis (AE Larisa) und Torwart Fotios Pseftis (Leihe vom FC Lugano) fanden den Weg in die Kaiserstadt. Gerade die Verpflichtung von Pseftis erwies sich als folgerichtig, denn durch den Wechsel in der Bundesliga von Jonas Omlin von Gladbach nach Leverkusen war die Borussia vom Niederrhein dazu gezwungen, Jan Olschowsky in den Fohlenstall zurückzuholen, was sich der junge Torhüter durch gute Leistungen am Tivoli redlich verdient hat.

An die Seite von Pseftis wurde der ehemalige Bochumer Torhüter und bekanntes Enfant Terrible Manuel Riemann gestellt, der zunächst für die Hygiene in der Kabine verantwortlich ist. Am letzten Tag des Transferfensters schlugen die Kaiserstädter dann richtig zu. Gideon Jung (Abwehrspieler aus Kayserispor, ehemals auch in Fürth aktiv), Jonas Oehmichen (Stürmer, Leihe aus Dresden) und Omar Sillah (Stürmer, Leihe aus Fürth) wurden allesamt auf den letzten Drücker verpflichtet. Die Marschroute ist dabei klar. Jung soll als erfahrener Defensivallrounder für mehr Stabilität sorgen, Sillah und Oehmichen die Torquote in der Sturmspitze vor Gindorf und Schroers erhöhen. Allerdings wird es Jung aufgrund mangelnder Spielpraxis eher schwer haben, in die Startelf gegen Essen zu rutschen.

Der Schlüssel zum Sieg in Aachen liegt bei RWE selbst, man muss sich gegen das aggressive Pressing der Aachener wehren. In den letzten drei Spielen war die mangelnde Widerstandsfähigkeit der Essener der hauptsächliche Grund für die Niederlagen. Die Gäste von der Hafenstraße dürfen nicht den Fehler wiederholen, zu tief zu verteidigen und Geschenke an die Kaiserstädter zu verteilen. Sollten die Essener das Spiel lange offenhalten und auch gute Offensivaktionen gestalten, wird das unzufriedene Publikum in Aachen schnell nervös. Im letzten Heimspiel hagelte es ausgerechnet im Jubiläumsspiel zum 125. Geburtstag eine 0:3-Klatsche gegen den VfL Osnabrück, insgesamt gab es nur zwei Heimsiege in schwarz und gelb zu feiern. Die Mannschaft aus Essen hat alle Möglichkeiten im Kader zur Verfügung, die Negativserie zu durchbrechen und den vierten Sieg der Aachener über RWE zu verhindern.

Die Lage in der Liga und Fazit

Am Freitagabend schlug Waldhof Mannheim den SSV Ulm 1846 und rückt damit in die Schlagweite zur Spitzengruppe. Das Aufstreben der Ulmer nach dem Sieg in der letzten Woche gegen den MSV Duisburg endet somit vorerst. Der Samstagmittag bot Langeweile pur, nur vier Tore wurden in fünf Partien geschossen. Diese Tore haben vor allem Auswirkungen im Aufstiegskampf.

Der VfL Osnabrück schoss sich mit dem 2:0-Sieg gegen Havelse vorübergehend auf Platz 2, während der SV Wehen Wiesbaden noch ein Wörtchen oben mit reden könnte nach dem 2:0-Erfolg gegen das Schlusslicht aus Schweinfurt. Den Anschluss an die Spitzengruppe verpasste am Samstagnachmittag 1860 München, die Giesinger verloren in Großaspach mit 2:1 gegen den VfB Stuttgart. Damit warten die Münchener weiter auf einen Sieg im Kalenderjahr 2026. Die geringe Bewegung im Ringen um den Klassenerhalt könnte dem Gegner von RWE nützen, bei einem Sieg hätten die Aachener ein wenig Luft auf den ersten Abstiegsplatz.

Der Sonntag steht ganz im Zeichen der Jagd auf die Plätze zur Zweiten Bundesliga. Hansa Rostock möchte sich in Hoffenheim für die 0:3-Klatsche gegen den FC Ingolstadt rehabilitieren und den Blick nach vorne richten. Am späten Abend findet noch das Spitzenspiel zwischen dem MSV Duisburg und dem SC Verl statt. Dem Sieger des Duells winkt der Sprung auf einen direkten Aufstiegsplatz.

Ein abermals wichtiger Spieltag wartet auf die Mannschaft von Hafenstraße. Der Kampf um den Aufstieg tritt in eine neue Phase, schließlich wollen alle Mannschaften von oben wissen, ob ihre Kaderveränderungen im Winter auch direkt Früchte tragen. Es könnte sein, dass sich bald die Spreu vom Weizen trennt und sich die Gruppe der Mannschaften verkleinert, die bis zum Ende im Rennen dabei sein wird. Trotz der hohen Hürde in Aachen will RWE weiter in dieser Gruppe dabei sein. Dafür muss die Truppe den Kampf in der Kaiserstadt annehmen und mit einer klaren spielerischen Linie selbst die Initiative übernehmen. Nur so können die drei Punkte von der belgischen Grenze mitgenommen werden.

In diesem Sinne

NUR DER RWE!

Pascal Druschke

Spielbericht

RWE entgeht nur knapp einer erneuten Demütigung in Aachen

Am Ende ging niemand vom Tivoli zufrieden nach Hause. Die Alemannia bleibt vorerst im Tabellenkeller hängen, RWE verpasst den möglichen Sprung auf den Relegationsplatz drei. Nach der frühen Führung der Hausherren durch Schroers (5.) egalisierte Kaito Mizuta in der 22. Minute den Nackenschlag, allerdings brachten Nadjombe (35.) und erneut Schroers direkt nach Wiederanpfiff (46.) die Kaiserstädter auf die vermeintliche Siegerstraße. In den letzten regulären fünf Spielminuten sorgte der Doppelschlag von Neuzugang Abiama (85. und 89.) für einen glücklichen Punktgewinn. Über diese Leistung, die für eine Spitzenmannschaft nicht würdig war, muss einmal mehr diskutiert werden.

Die Aufstellung

Anders als zuvor spekuliert blieb die Stammformation der Dreier- bzw. Fünferkette unangetastet. Nur Felix Wienand war erwartungsgemäß für Jakob Golz neu auf dem Feld. Ben Hünning rotierte für Tobias Kraulich, der seine Gelbsperre wieder abgesessen hatte, als der Startelf heraus. Kraulich nahm wieder seinen Platz neben Michael Schultz und Rios Alonso wieder ein. Auf den Außenbahnen begannen wieder Lucas Brumme auf links und Michael Kostka auf rechts. Klaus Gjasula wurde nicht rechtzeitig fit, so dass Ruben Reisig auf seine Position rückte. Außerdem war Torben Müsel für die Zentrale neben Reisig vorgesehen.

Auf den offensiven Außenbahnen gab es auch keine Überraschungen, Ramien Safi und Kaito Mizuta durften wie auch im letzten Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden von Beginn an ran. In der Sturmspitze wurde Marek Janssen nach seinen Adduktorenprobleme rechtzeitig fit und konnte sogar durchspielen. Nach einer schwachen ersten Hälfte war für Tobias Kraulich Schluss. Uwe Koschinat stellte auf eine Viererkette um und brachte nach der Pause den offensiv ausgerichteten Marvin Obuz. Knapp 20 Minuten später wechselte der Trainer den Punkt ein, indem Neuzugang Dickson Abiama für Kaito Mizuta erstmals den Platz betrat. Zeitgleich ersetzte Danny Schmidt Flügelstürmer Ramien Safi. In der 83. Minute wechselte positionsgetreu Franci Bouebari für Lucas Brumme auf die linke Außenbahn.

Die Pluspunkte

Im Gegensatz zu den letzten beiden Auftritten gegen Aachen bewies die Mannschaft von der Hafenstraße Moral und versuchte im Gegensatz zu den letzten Begegnungen gegen aggressiv auftretende Alemannen aktiv am Spiel teilzunehmen. Sinnbildlich steht dafür Kaito Mizuta, der sich zunächst durch eine dumme Aktion in der 18. Minute am eigenen Sechzehner seine fünfte gelbe Karte abholte und im Verlaufe des Spieles froh sein konnte, noch auf dem grünen Rasen bleiben zu dürfen. Nur zwei Minuten später stand der Japaner nach einem schlecht geklärten Einwurf der Aachener goldrichtig. Begünstigt durch das Gewühl im Strafraum und der Unaufmerksamkeit des schwarz-gelb gekleideten Torhüter Pseftis, der den Ball über seinen Fuß rollen ließ, war gleich der erste Schuss der Essener aus sechzehn Meter auf das Tor drin.

Die Umstellung auf die Viererkette trug trotz des frühen Dämpfers am Ende noch Früchte. Bereits die Einwechselung von Marvin Obuz sorgte für eine sichtliche Belebung der Außenbahnen, die Aachener taten sich mit seinen Dribblings mit zunehmender Spieldauer schwer, allerdings blieben seine Aktionen noch ohne Ertrag. Dies änderte sich, als Dickson Abiama auf der Gegenseite eingesetzt wurde. Bereits die ersten Minuten deuteten an, wie schnell die Leihe aus Kaiserslautern ist, aber im Gegensatz ist er zum ebenfalls dynamischen Safi mit einer enormen Spielübersicht ausgestattet. Eine kluge Kreuzung von Marvin Obuz erlaubte Abiama genug Platz, um seine Kritiker Lügen zu strafen und aus achtzehn Metern den Ball unten links einschlagen zu lassen. Ein tolles Tor, bei dem Pseftis diesmal ohne Abwehrchance blieb.

Nur vier Minuten später holte er den Freistoß heraus, weil seinem Gegenspieler nur die Option blieb, den Ball gegen Abiama zu sperren. Im Anschluss an den Freistoß machte Obuz den abgewehrten Schuss am Sechzehner noch einmal scharf, den frei gewordenen Ball schloss Abiama klug in die lange Ecke ab. Den für kaum noch für möglich gehaltenen Ausgleich sicherten die Essener gegen müde gewordene Aachener ab, indem jeder Spieler mit nach hinten arbeitete. Sogar Obuz als Offensivspieler und Abwehrchef Schultz, der nicht für seine Sprints bekannt ist, gingen in die schnelle Rückwärtsbewegung, um das letzte Aachener Aufbäumen zu verhindern. Der Einsatz in der Truppe stimmte einmal mehr.

Die Minuspunkte

Durch die vergangenen drei Auftritte gegen Aachen war jedem Beobachter klar, dass die Aachener mit viel Dynamik auf die hintere Kette pressen werden und die Fehler der Essener ausnutzen wollen. Am Tivoli dachte man sich, was schon dreimal funktioniert hat, klappt bestimmt auch ein viertes Mal. In der fünften Minute reichte eine einfache Passkombination von Gindorf und Schroers aus, um die komplette Abwehrkette der Essener auszuhebeln. Zwischenzeitlich standen fünf Essener um die beiden starken Angreifer der Alemannen herum, aber niemand konnte diese gefährliche Situation unterbinden.

Trotz einer kleinen stabilen Phase um den Ausgleichstreffer herum war das Essener viel zu fehleranfällig und harmlos, um die bis in die Haarspitzen motivierten Hausherren in Verlegenheit zu bringen. Das folgerichtige 2:1 war in der Entstehung stellvertretend für das ungleiche Auftreten der beiden Mannschaften. Lucas Brumme hatte zunächst mit einer guten Aktion den Ball erobert und hätte eigentlich einen Konter einleiten können. Doch drei schwarz-gelbe Spieler überfallen wie hungrige Hyänen den Flügelmann und bringen den Ball über Schroers selbst vor das Tor. Der gefundene Nadjombe brachte mit einer Mischung aus Können und Glück, da Schultz Rettungsaktion den Ball leicht abfälschte, den Ball aus spitzem Winkel in das Tor unter.

Nach der besonders schwachen Viertelstunde vor der Pause, in der RWE nichts zu bestellen hatte, hofften die mitgereisten 3.000 Essener auf eine Besserung der Lage. Doch anscheinend war der Innenverteidiger Rios Alonso noch im Kopf zu sehr mit der Umstellung auf die Viererkette beschäftigt und verlängerte nach nur wenigen Sekunden einen Ball von Gindorf auf Schroers so unglücklich, dass der formstarke Leihspieler aus Bielefeld freie Bahn auf Wienand hatte und problemlos abschloss. Zu diesem Zeitpunkt lag RWE tief am Boden und die Mannschaft machte nicht den Anschein, noch irgendetwas aus dem Grenzgebiet zu Belgien mitzunehmen, zumal Lars Gindorf zwei hochkarätige Chancen dank der guten Reaktion von Felix Wienand (26. und 69.) liegen ließ.

Sorge bereit einmal mehr der Umstand, dass die rot-weisse Mannschaft trotz eines zusätzlichen Innenverteidigers defensiv wieder überfordert wirkte. Wird der Ball zwischen zwei Verteidiger gespielt, sind die Essener Abwehrspieler weder in der Lage, die Situation vorher zu entschärfen noch schnell genug, um die Angreifer entscheidend am Abschluss zu stören. Der in der Öffentlichkeit diskutierte Ansatz, die Verteidiger wären zu wenig dynamisch für eine Viererkette, gilt anscheinend auch für die favorisierte Dreier- bzw. Fünferkette. Einmal mehr bleibt die Frage, warum die Mannschaft nicht die Flucht nach vorne sucht und höher verteidigt, zumal auch dies die Impulse nach vorne freisetzen würde.

Weitere Fragen werfen die enormen Leistungsschwankungen von Leistungsträgern auf. Tobias Kraulich hatte zugegebenermaßen einen schlechten Tag, andere Innenverteidiger aber in der Vergangenheit auch schon. Diese wurden allerdings nicht so schnell ausgewechselt. Lucas Brumme unterlief ein entscheidender Fehler vor dem Gegentreffer, leider in dieser Spielzeit nicht sein erster Lapsus. Die Vorgabe, alle Einwürfe von Brumme ausführen zu lassen, hat einen großen Nachteil, da seine Seite bei einem schnellen Ballverlust offensteht. Bei einem Spieler aus der Zentrale wie bei Tom Moustier war das besser aufzufangen. Wenn wir gerade schon bei der Position sind, bleibt Torben Müsel den Nachweis schuldig, den nach Portugal abgewanderten Franzosen adäquat zu ersetzen. Ihm gelingt es nicht, die Löcher vor Reisig zu schließen und auch der Spielaufbau ist stark ausbaufähig. Ein Marvin Obuz belebt das Spiel als Einwechselspieler, der begabte Offensivspieler schafft es aber nicht, diese Impulse von Beginn an zu setzen. Das Potential, dass diese Mannschaft in sich hat, liegt weiter in vielen Bereichen brach.

Die Aufreger

Am Ende steht es auch 3:3-Unentschieden bezüglich der gezückten gelben Karten. Irgendwie unverständlich bei der aggressiven Gangart der Aachener, die bereits nach zwei Minuten ein hartes Zeichen in Form von Bagkalianis setzen. Opfer war Lucas Brumme, der unsanft in der Bande landete und sich dabei ernsthaft verletzten konnte, zumal der Ball lange weg war. Glück hatte allerdings auch der bereits erwähnte Kaito Mizuta, nach Lamentieren gegenüber den Gegenspielern und dem Schiedsrichter oder bei seinen weiteren Fouls nicht bereits früh vom Feld geschickt zu werden.

In Richtung des Publikums von dem operettenartigen Publikum aus Aachen sind eigentlich viele Worte überflüssig. Die Gemüter waren erhitzt, als nach dem späten Ausgleich Abiama und Co. vor der Heimtribüne jubelten, allerdings haben die Alemannen selbst die Weltmeister im provokativen Feiern vor gegnerischen Fans mit Mika Schroers und vor allem Lars Gindorf in den eigenen Reihen, so auch zu sehen beim Treffer zum 3:1. Unsportliche Grüße gehen auch raus an den schwarz-gelben Anhänger, der mit einer Trillerpfeife versucht hat, Felix Wienand bei jedem Abschlag zu provozieren. Hoffentlich findet dieser jemand den Weg ins Fußballstadion so schnell nicht wieder.

Die Lage in der Liga und Fazit

Am Sonntag konnte Hansa Rostock keinen Boden auf die Aufstiegsränge gut machen. Nach zwischenzeitlicher Führung endete die Partie in Hoffenheim nur 2:2. Besser machte es der Meidericher SV, welche die spielstarken Verler mit 4:2 schlagen konnten. Bei aller Rivalität und Abneigung gehört es viel dazu, die Ostwestfalen zweimal innerhalb einer Saison zu schlagen. Auch wenn der MSV nicht gerade als Vorbild geeignet ist, die Überzeugungskraft der Mannschaft an die eigene Stärke ist schon bemerkenswert.

In der kommenden Woche wartet mit dem Jahn Regensburg wieder eine Mannschaft aus den unteren Tabellenregionen. Mit Michael Schultz und Kaito Mizuta fallen Spieler wegen einer Gelbsperre aus, die Startelf muss abermals umgebaut werden. Ein Sieg wäre dringend notwendig, denn auf den anschließenden Reisen zu den Spitzenteams nach Osnabrück und Rostock gab es schon im letzten Jahr wenig zu holen. Noch ist das Rennen um den Aufstieg offen, dies kann sich aber in drei Wochen sehr schnell ändern. Ob es allerdings eine Änderung des Defensivverhaltens und ein besseres Abrufen des Potentials der Mannschaft nach dem Auftritt des Aachenspiels folgt, darf mittlerweile nach etlichen Beobachtungen in dieser Richtung bezweifelt werden. Die Hoffnung wird in Essen aber traditionell nie aufgegeben.

In diesem Sinne

NUR DER RWE

Pascal Druschke