Der Game-Changer im Aufstiegskampf? RWE glaubt an sich und siegt 4:2 in Hoffenheim
Na also! Es war nicht alles Gold, was glänzte, aber mit Entschlossenheit und Leidenschaft holte Rot-Weiss Essen sich einen verdienten Erfolg bei der TSG Hoffenheim 2. Durch einen Doppelpack von Phänomen Marek Janssen (45. und 59.) drehte RWE den Rückstand durch Zeitler (21.). Nach dem reichlich überflüssigem Ausgleich durch einen Handelfmeter von Duric (56.) ging Essen entschlossen auf den Sieg. Der Lohn, Rios Alonso verwandelte einen Elfmeter nach einem Foul an Lucas Brumme (76.) und Torben Müsel machte in Gerd-Müller-Manier in der Nachspielzeit den Deckel drauf. Nach einer leidenschaftlichen Vorstellung übernachtet Essen auf dem Relegationsplatz 3 und sorgte beim Anhang nicht nur aufgrund des Sieges, sondern auch aufgrund der Leistung für Zufriedenheit.
Das Personal
Nach der kräftezehrenden Partie gegen den Waldhof unter der Woche trat RWE erneut im 4-2-3-1 an, Uwe Koschinat veränderte aber gleich vier Startpositionen. Dass Tino Casali den noch nicht einsatzbereiten Felix Wienand von Beginn an zwischen den Pfosten vertreten würde, war klar. Der Österreicher machte erneut einen abgeklärten Eindruck. Ansonsten rückten Franci, Bouebari für Lucas Brumme, Ramien Safi für Dickson Abiama sowie etwas überraschend Ruben Reisig für Torben Müsel in die Mannschaft. So startete RWE:
Casali – Bouebari, Alonso, Schultz, Hofmann – Reisig, Gjasula – Safi, Mizuta, Obuz – Janssen.
Schon zur Pause sah Koschinat Handlungsbedarf. Nach einer leider sehr überschaubaren Leistung musste Obuz vom Feld. Lucas Brumme rückte auf die linke offensive Seite, Safi wechselte für Obuz auf rechts. Marek Janssen wich nach überzeugender Vorstellung und einem Doppelpack Cuber Potocnik nach 68 Minuten. Weitere 5 Minuten später folgte ein offensiver Doppelwechsel. Abiama und Müsel ersetzten Safi und Gjasula. Frische Kräfte für den offensiven Schlussspurt, denn es stand nur 2:2. Kurz vor dem regulären Ende kam noch Ben Hüning, um die mittlerweile erzielte Führung zu sichern. Er ersetzte Kaito Mizuta (87.). Koschinat hatte bei seinen Wechseln ein glückliches Händchen, denn Brumme, Abiama und Müsel setzten nach ihrer Hereinnahme deutliche Akzente.
Die Pluspunkte
RWE ging in der wilden Berg- und Talfahrt der zweiten Hälfte am Ende voll auf den Sieg, eine Mentalität, die die Anhänger in anderen Spielen häufiger vermisst hatten. Nach einem guten und kontrollierten Beginn der Essener verlor man nach dem Rückstand den Faden, der Höhepunkt von Hälfte eins war der sehenswerte Ausgleich durch Marek Janssen in der Nachspielzeit. Kaito Mizuta suchte Essens Torjäger ganz bewusst und spielte den Ball präzise in den Raum, in den Janssen einlief und mittels toller Drehbewegung einschoss. Ein Segen, eine solche Neun mit solcher Boxpräsenz zu haben.
RWE setzte auch den ersten großen Akzent der zweiten Hälfte. Jannik Hofmann nahm einen Fehlpass der Gastgeber dankend auf und trieb das Leder energisch voran. An der Box nahm er Safi auf der rechten Seite mit und dieser flankte präzise auf den zweiten Pfosten, wo, na klar, Janssen verwertete.
Essen ließ sich nicht durch den unglücklichen Ausgleich aus dem Konzept bringen und ging auf den Sieg. RWE nutzte die Räume, die Hoffenheim anbot. Bouebari schickte Brumme klug in die Tiefe, dieser zog in den Sechzehner und nahm dankend die dumme Aktion seines Gegenspielers an, der das Bein rausstellte und Brumme strafstoßwürdig zu Fall brachte. Rios Alonso verwandelte in Iceman-Manier.
Die zurückeroberte Führung verleitete RWE dieses Mal nicht dazu, zu tief zu stehen. Immer wieder fanden die Essener Räume, um nach Balleroberungen umzuschalten. Das 4:2 durch Torben Müsel war sehenswert. Wieder setzte sich Brumme am linken Flügel durch, seine Hereingabe nahm Müsel mit dem Rücken zum Tor an und drehte sich gegen zwei Gegenspieler, der Ball fand genau den Weg neben den Pfosten. Gerd Müller ließ grüßen. In der Szene zuvor hatten die Essener zwei große Hoffenheimer Gelegenheiten im Verbund wegverteidigt, die Mannschaft brannte für den Sieg.
Die Knackpunkte
Gegen eine ehrlicherweise sehr spielstarke Hoffenheimer Mannschaft musste Rot-Weiss Essen wieder einmal zwei Gegentreffer hinnehmen. Mittlerweile führt die Statistik 46 Gegentore auf, was den einen Gegentorschnitt von 1,64 pro Spiel ergibt.
Der erste Gegentreffer entstand aus dem zu wenig konsequenten Defensivverhalten der beiden Außenverteidiger. Zunächst ließ Hoffenheims Oskar Hencke Franci Bouebari mit einer Körpertäuschung ins Leere laufen und hatte somit viel Zeit und Platz, um eine Flanke zu schlagen. Auch wenn diese abgefälscht wurde, schnappte sich Deniz Zeitler den Ball und schloss überlegt ins Tor ab. Hilfreich für Zeitler war, dass Jannik Hofmann ihm sehr viel Platz gelassen hat.
Darüber hinaus jagt RWE den Drittligarekord für verschuldete Elfmeter und baute diese Statistik mit dem nun 12. Elfmeter gegen sich aus. Hier ließ sich Klaus Gjasula links vom Strafraum abkochen und eilte hinter dem ballführenden Spieler her. Als er im Strafraum ins Straucheln kam und fiel, schlug er im Fallen den Ball weg. Ob es die Intention Gjasulas war, ist nicht aufzulösen, doch erfolgte der Elfmeterpfiff folgerichtig und Luka Duric verwandelte sicher.
Insgesamt war Rot-Weiss in der ersten Hälfte über eine lange Strecke sehr passiv, was die U23 dazu einlud, ihre Spielstärke auszuspielen. Bereits nach 5 Minuten brachte Eduardo den Ball im Essener Gehäuse unter. Glücklicherweise pfiff Schiedsrichter Barnitzki diesen Ball ab, da Luis Engelns Kopfballvorlage aus dem Toraus erfolgt sein soll. Endgültig auflösen konnte man die Szene nicht. Auch kurz vor Schluss hatte die TSG eine extrem gute Doppeltorchance, die glücklicherweise nicht das 3:3 brachte, sondern im daraus resultierenden Spielzug das 4:2 für Rot-Weiss Essen.
Der Aufreger
Diese Kategorie ist für dieses Spiel eigentlich kaum erwähnenswert, denn Schiedsrichter Daniel Barnitzki aus Erfurt lag bei jeder entscheidenden Situation richtig. Hoffenheims Trainer Stefan Kleineheismann beklagte im Nachgang, dass Klaus Gjasula für sein Handspiel hätte gelb-rot sehen müssen. Hier sollte man festhalten, dass der Elfmeter unstrittig ist, dass es allerdings stark nach einer unglücklichen Aktion im Fallen und nicht nach Absicht aussieht, dass Klaus Gjasula den Ball mit der Hand spielt. Er wäre an der Stelle ja auch völlig verrückt, wenn er das absichtlich machen würde. Von daher wäre die Doppelbestrafung für eine Aktion, die er nicht beabsichtigt, dann vielleicht eine Nummer zu hart gewesen.
Fazit und die Lage der Liga
Dieses Mal nahmen sich lediglich Rostock und Cottbus im Ostduell gegenseitig die Punkte weg. Ansonsten machten die Clubs der Tabellenspitze bislang ihre Hausaufgaben. Die Münchner Löwen setzten sich erwartungsgemäß bei Viktoria Köln mit 1:0 durch. Der VfL Osnabrück und der SV Wehen Wiesbaden wurden ebenfalls ihrer Favoritenstellung gerecht. Es fehlen lediglich die Sonntagsspiele vom MSV Duisburg und dem SC Verl, um die Tabelle zu begradigen. Fest steht aber, dass es im Aufstiegsrennen knapp bleibt und dass Rot-Weiss weiterhin mitmischt.
Versetzen wir uns in den Sonntag der letzten Woche: Gedanklich haben nicht wenige Zuschauer und Journalisten die Aufstiegshoffnungen 12 Spiele vor Schluss zu Grabe getragen. Nun grüßt Rot-Weiss vom Relegationsplatz, zumindest bis der MSV sein Heimspiel ausgetragen hat. Insgesamt zeigte sich RWE erneut stabilisiert. Der Einsatz stimmte ohnehin zu jeder Phase, nun spielte die Innenverteidigung zum dritten Mal in Folge zusammen und man bemerkt, dass die Abstimmung immer besser und besser wird.
Was zeigt uns diese Entwicklung? Der TV-Serien-Coach Ted Lasso klebt die für ihn wichtigste Botschaft direkt in der ersten Folge an die Wand der Kabine. Sie lautet: BELIEVE! Nun sehen wir die Mannschaft beißen, rennen und wieder gewinnen. Für den Saisonendspurt kann man sich Ted Lasso nur anschließen: Lasst uns dran glauben!
In diesem Sinne: Nur der RWE!
Sven Meyering & Hendrik Stürznickel

