Vorbericht
Der Schlussvorhang?
Diese Zahlen sind auch für das begeisterte RWE-Publikum beeindruckend. Über 4.000 Tickets wurden im Vorfeld für das letzte Spiel in Ulm abgesetzt und es ist davon auszugehen, dass einige Rot-Weisse sich zusätzlich im Heimbereich mit Tickets eingedeckt haben. Angesichts der kleinen Saisonabschlussdelle werden wohl nicht alle Käufer vor Ort sein, doch sollte eine stattliche rot-Weisse Wand die Mannschaft nach vorne peitschen, um den kleinen Funken Resthoffnung lange leuchten zu lassen.
Die Konstellation ist nun mehrfach besprochen und zwar liegen RWE und der MSV Duisburg gleichauf, allerdings haben die Duisburger einen komfortablen Vorsprung im Torverhältnis. Alle Hoffnung gründet sich darauf, dass der MSV gegen Viktoria Köln und am liebsten gleichzeitig Energie Cottbus in Regensburg patzen und Rot-Weiss Essen als lachender Dritter in die 2. Liga aufsteigt. Es sind sicher viele Wenns. Sollten wir jedoch selbst nicht an das Wunder glauben, bräuchte man das kommende Spiel gar nicht erst zu starten.
Ein letztes Aufgebot? – Das Personal
Während man durch die Saison mit verhältnismäßig wenigen Verletzungen hindurchgekommen ist, ballen sich die Ausfälle im letzten Spiel, sodass die Mannschaft sich in vielen Teilen nahezu von alleine aufstellt. Insbesondere auf den Flügeln bleiben Uwe Koschinat kaum noch Alternativen übrig.
Nach der Rück-Rückkehr zur Dreierkette im Spiel gegen den SC Verl würde sich die Umstellung auf das etablierte System anbieten. Allerdings hätte Uwe Koschinat das Problem, einen seiner drei wirklich stark aufspielenden Innenverteidiger auf die Bank zu setzen, was er guten Gewissens eigentlich nicht machen könnte. Deswegen würde es eher verwundern, wenn in der Verteidigung nicht die Erfolgsreihe des letzten Heimspiels aufläuft. Dies hätte gleichzeitig den Vorteil, dass lediglich zwei klare Außen auf das Feld müssten.
Der schlechteste Fall, dass Jannik Hofmann nicht spielen kann, ist glücklicherweise abgewendet, denn Hofmann machte das Abschlusstraining mit und wird in der Startelf stehen. Dies ist insofern wichtig, da sonst nicht nur Michael Kostka fachfremd auf der linken Seite, sondern auch Mittelfeldspieler Nils Kaiser die gesamte rechte Schiene hätte beackern müssen. So ist mit Kaiser auch noch eine Alternative auf der Bank, falls es Wechselbedarf geben sollte.
Da auch Klaus Gjasula nicht mehr rechtzeitig fit wird, empfahl sich Gianluca Swajkowski mit einer auch neben seinem Tor ordentlichen Leistung für den zweiten Startelfeinsatz in Folge. In Kombination mit Torben Müsel sollte für die nötige Absicherung gesorgt sein.
Auch Ramien Safi und Kaito Mizuta werden erneut beginnen, hier ist die Frage, ob Uwe Koschinat erneut auf Jaka Cuber Potocnik setzt oder Marek Janssen einen weiteren Versuch bekommt, sich in der Torjägerliste weiter nach vorne zu arbeiten.
Neben den positiven Nachrichten von Jannik Hofmann hat es auch Dickson Abiama wieder in den Spieltagskader geschafft und wäre eine starke Alternative, wenn Kaito Mizuta oder Ramien Safi, die bekannt dafür sind, sehr laufintensiv aufzuspielen, vom Platz müssen.
Der Gegner: SSV Ulm (Platz 18 / 9 Siege / 6 Unentschieden / 22 Niederlagen / 33 Punkte / 47:75 Tore / Torverhältnis -28)
Seit dem vorletzten Spieltag ist klar, dass der SSV Ulm genauso schnell in die Regionalliga abstürzt, wie sie zuvor in die 2. Liga aufgestiegen ist. Trotz der Verpflichtung zahlreicher erfahrener Fußballer konnten die Spatzen die Klasse nicht ansatzweise halten und stehen vor einem Neuaufbau. Bereits vor der Saison drangen immer wieder Gerüchte von internen Verwerfungen an die Öffentlichkeit, die offenbar einen nachhaltigen Einfluss auf den Klub hatten.
Gleich drei Übungsleiter beschäftigte der SSV Ulm in dieser Saison. Robert Lechleitner wurde bereits im September geschasst und sein Nachfolger Moritz Glasbrenner schlitterte von Niederlage zu Niederlage, bis er von dem Drittliga-Urgestein Pavel Dotchev abgelöst wurde. Dieser stabilisierte die Mannschaft zwar sichtlich, mit einem Punkteschnitt von deutlich unter 1,0 konnte er die Talfahrt des Vereins auch nicht stoppen.
Prinzipiell liegen die Ulmer Probleme in der Verteidigung, in der man die Offensivreihen der Liga so gar nicht in den Griff bekommt. Das liegt auch an schweren Verletzungen, die sich in Ulm in dieser Saison häufen. Kapitän Robert Reichert hat einen Kreuzbandriss, Niko Vukancic fällt ebenfalls sicher aus und Luca Bazolli ist aufgrund einer Klausel im Leihvertrag im Duell gegen Rot-Weiss Essen nicht spielberechtigt. Auch Dotchevs Vertrauter Mirnes Pepic, der vor der Abwehr absichert, wird ausfallen.
Insbesondere bei hohen Bällen fehlt dem SSV regelmäßig die Zuordnung und so sollten sich insbesondere bei Standards Essens hochgewachsene Spieler gut positionieren, dann ist sicher etwas drin.
Allerdings sollte Rot-Weiss auf der Hut sein, denn leicht wird das Spiel in Ulm nicht werden. In der Offensive setzen die Ulmer Spatzen auf sehr viel Erfahrung und Qualität. So spielen mit Lucas Röser (4 Tore), Elias Löder (10 Tore) und Ulms Aufstiegsheld Dennis Chessa (7 Tore) ein sehr torgefährliches Dreieck, was jederzeit eine Abwehr ausspielen kann. Hier gilt es die neu gewonnene Sattelfestigkeit zu bewahren.
Zu offen sollte das Spiel nicht gestaltet werden, denn Ulm kann befreit aufspielen. Keiner in der aktuellen Mannschaft möchte die Liga nach unten verlassen und so viel Fokus wie an diesem Nachmittag auf dieses Spiel gelegt wird, ergibt sich für viele Fußballer noch einmal die Möglichkeit, für neue Verträge aufzuspielen.
Über den Tellerrand geschaut – Die Lage der Liga
Genau zwei Spiele interessieren an diesem Wochenende neben dem RWE-Spiel, denn sämtliche Abstiegsentscheidungen sind bereits gefallen:
Jahn Regensburg – Energie Cottbus
Der Jahn entwickelte sich zum Favoritenschreck und Siegesmonster in den vergangenen Wochen. Mit Freude erlebten die RWE-Fans den deutlichen 2:5 Sieg im Rostocker Ostseestadion, doch mit der Pleite in Mannheim vergangene Woche ist Regensburg auf den Boden der Tatsachen angekommen. Die Hoffnungen gehen am Samstag dahin, dass sich Regensburg erneut als Zünglein an der Aufstiegswaage präsentiert und die Saison mit einem Sieg abschließt.
MSV Duisburg – Viktoria Köln
Die Ausgangslage bei dem Spiel scheint klar. Der MSV zehrt in dieser Saison von einer unfassbaren Heimstärke und Viktoria Köln spielt eine solide Saison. Im Normalfall sollte die Viktoria keine große Hürde darstellen, doch wir Essener kennen selbst die Fallstricke dieses Vereins von der „Schääl Sick“, der immer wieder vor großen Kulissen zur Höchstform aufläuft.
Fazit
Die zahlreichen RWE-Anhänger werden Rot-Weiss mit der großen Hoffnung begleiten, dass es doch noch etwas wird mit dem ganz großen Wurf. Es sind diese Spiele, die eine enorme Wucht erzeugen und die Mannschaft im besten Fall zu drei Punkten und damit zu achtbaren 70 Punkten in der Tabelle führen würde.
Ob der letzte Vorhang am Samstag um 15:15 Uhr fällt oder es noch zwei Spiele Relegationszugabe geben wird, werden wir sehen, doch können wir festhalten, dass eine Saison zu Ende geht, die uns sicher im Gedächtnis bleiben wird. Wir haben nervenzerreißend enge Spiele gesehen, beeindruckende Siege gegen Rostock oder Duisburg und mit dem Spiel in Cottbus eines der wohl schlimmsten RWE-Momente der letzten Jahre. Doch zurück geblickt wird später. Jetzt gilt es noch einmal alles zu geben, um da zu sein, wenn sich eine Möglichkeit ergibt.
In diesem Sinne: Nur der RWE!
Hendrik Stürznickel
