Vorbericht
Aufstieg, die goldene Ananas oder ein Trostpflaster? RWE hofft im Saisonendspurt auf Verlrückte Sachen
Ganz Fußball-Essen befand sich am vergangenen Samstagnachmittag in Schockstarre. Nach dem 1:6-Debakel bei der Zweitvertretung des VFB Stuttgart 2 hat Fußball-Drittligist Rot-Weiss Essen seine zuvor noch immer guten Karten vollends aus der Hand gegeben. Drei Spieltage zuvor war RWE beim Gastspiel in Cottbus nach 70 Minuten mit einem Bein in der zweiten Liga. Nur 200 Ligaminuten später müssen die Essener womöglich auf der Geschäftsstelle einen Regalplatz für den unbeliebteste aller Fußball-Preise suchen, die goldene Ananas.
Dieses Symbol einer sinnentleerten Saison droht RWE im Falle eines weiteren Abrutschens in der Tabelle ab Platz 5. Denn dann wäre nicht einmal mehr die Qualifikation für die erste Hauptrunde des DFB-Pokals erreicht, nachdem die Essener auch im Verbandspokal bereits die Segel hatten streichen müssen. Das Trostpflaster Platz 4 und damit den Einzug in den DFB-Pokal zu verteidigen ist das einzige Ziel, dass RWE nach einer Serie von drei Pleiten noch aus eigener Kraft erreichen kann. Andererseits gibt es tatsächlich auch noch die Chance auf die Relegation und sogar auf den direkten Aufstieg. Das ist aber wohl reiner Zweckoptimismus.
Damit sich eines dieser sehr großen Ziele noch realisieren ließe, braucht RWE neben eigenen Siegen am Samstag gegen den SC Verl und in der Woche darauf beim SSV Ulm Schützenhilfe von anderen Klubs. Angesichts der seit langem andauernden Durststrecke gegen den Kleinklub aus Ostwestfalen und den anderen Bedingungen, die noch eintreffen müssen, wäre ein Essener Doch-Noch-Aufstieg eine Verlrückte Sache. Hier kommt ein Vorbericht der etwas anderen Art.
Schießbude Rot-Weiss Essen – Ist der Aufstieg futsch? Die Rechenoptionen
Essens Defensiv-Bilanz ist nicht die eines Auf- sondern die eines Absteigers. Mit mittlerweile 64 Gegentoren nach 36 Spieltagen (Schnitt 1,77) ist mit ziemlicher Sicherheit noch nie ein Team aus der dritten in die zweite Liga aufgestiegen. In den drei Spielzeiten, die Essen bislang der Liga angehört hat, hält Preußen Münster, das nun in den Schoß der Drittligafamilie zurückkehren wird, den Negativrekord mit 49 Gegentreffern nach der wohlgemerkt kompletten Saison. Nach der gleich zweiten 1:6 Klatsche der Saison, die erste fing sich Essen Mitte der Hinrunde in Mannheim, hat man sich das Torverhältnis auf das Gründlichste ruiniert. So gründlich, dass Essen auch bei Punktgleichheit mit Cottbus oder Duisburg den Kürzeren ziehen würde.
So reichen Energie und dem MSV jeweils 4 Zähler aus den beiden Restpartien, um Essen auf Distanz zu halten. Holt RWE seinerseits nicht die volle Ausbeute an Punkten bereits weniger. Allerdings belauern sich die Lausitzer und die Zebras im Kampf um den direkten Aufstiegsplatz. Cottbus hat hier bei Punktgleichheit das nur um zwei Zähler bessere Torverhältnis. Somit müssen beide Teams zweimal den Sieg anstreben und dürfen sich nicht auf Rechenspiele verlassen. Der MSV darf am Freitagabend vorlegen. Beim feststehenden Absteiger in Aue. Die Veilchen zeigten zuletzt ein Lebenszeichen beim Sieg in Ingolstadt. Der Druck des Gewinnen-Müssens liegt beim MSV, die Auer spielen um einen würdevollen Abschied vor dem eigenen Publikum sowie um Anschlussverträge hier oder dort. Man hat ja schon Zebras vor der Erzgebirgs-Apotheke kotzen gesehen. Anderenfalls darf man bei der heimstärksten Mannschaft der Liga aus Duisburg wohl kaum darauf hoffen, dass man in der Folgewoche zuhause gegen die Kölner Viktoria stolpert.
Insofern Cottbus-Coach Pele Wollitz noch zwischen Schiedsrichter-Schelte in der Aufarbeitung des letzten Spiels sowie prophylaktischer Schiedsrichter-Schelte in der Vorbereitung auf das nächste noch Zeit findet, sein Team auf den Gast aus Wiesbaden einzustellen, wird er womöglich vor deren Torjäger Fatih Kaya warnen und sich überlegen, wie er die Gelbsperre von Topzehner Tolcay Cigerci nicht nur verbal kompensieren kann.
Danach geht es für Pele zu Sascha Hildmann nach Regensburg, wo Hildmann, schon immer geliebt und respektiert von den Essener Fans, mit seiner Mannschaft sicherlich alles dafür tun wird, dass er in Essen zur Legende wird. Also, da muss RWE ja nur noch seine Hausaufgaben erledigen.
Verl nach fast 10 Jahren schlagen! Aber wie?
Bei all den Dingen, die auf anderen Plätzen passieren müssten, wäre es aber bereits schon eine verlrückte Sache, den Sportclub aus dem Kreis Gütersloh nach fast 10 langen Jahren einmal wieder zu besiegen. Denn meistens war es seitdem leider wie Verlflixt und zugenäht. Die Treffer von Kasim Rabihic und Vojno Jesic sicherten RWE am Abend des 16.09.2016 (!) unter Chefcoach Sven Demandt einen 2:0-Erfolg über Verl. Seitdem gab es in 13 Partien beider Teams gegeneinander 8 Remis und 5 Niederlagen für RWE bei einer Tordifferenz von 9:24. Das macht wenig Hoffnung. Um das Minimalziel zu erreichen, die Übergabe der Goldenen Ananas durch den Gast aus Ostwestfalen zu verhindern, muss ein Remis her. Siegen die Verler an der Hafenstraße, wäre der Super-Gau nahezu perfekt und sogar noch die DFB-Pokalqualifikation futsch. Nach den letzten drei RWE-Auftritten mit 0 Punkten und 5:13 Treffern wäre ein Unentschieden allerdings schon mehr, als viele RWE-Fans noch für möglich halten. Leben Totgesagte länger?
Darauf gab die Liga in den letzten Wochen immer nur eine Antwort, und zwar ja. Bislang allerdings zum Leidwesen der Essener, die nach einer Siegesserie von 7 Erfolgen am Stück von vielen schon zum Aufsteiger erklärt worden waren. Der Anfang April an der Hafenstraße vollkommen verdient von den Essenern besiegte MSV Duisburg rechnete wohl spätestens nach seiner 1:3-Schlappe auf dem Aachener Tivoli nicht mehr damit, noch irgendeine Schnitte gegen Essen zu bekommen. Doch RWE sorgte leider dafür, dass es doch so kam. Will man noch einen größeren Wurf tätigen, dann muss der Verl-Fluch besiegt werden. Nur wie?
Die Gäste aus Ostwestfalen kommen ohne großen Druck, zumal man die Qualifikation für den DFB-Pokal ohnehin durch einen Erfolg im Westfalenpokal über die Sportfreunde Lotte sicherstellen könnte. In der Liga hat eine Form- und Ergebniskrise zwischendurch den Verlern nahezu alle realistischen Aufstiegschancen genommen. Ohnehin, was will man in Liga 2 mit einem Stadion, das dafür nicht geeignet und einem Fanpotzenzial, das bezirksligareif ist? Wieder vor einer gähnend leeren Heim-Hütte in Paderborn spielen und 34 Auswärtsspiele zu haben oder sich mit dem Lokalrivalen FC Gütersloh ein neues größeres Stadion bauen? Wohl nicht unbedingt.
Allerdings tut man eines gerne beim kleinen SC Verl, großen Klubs in die Suppe spucken. Man wird in Essen wie üblich darauf aus sein, die Gastgeber der Lächerlichkeit preiszugeben und mit Ostwestfalen-Tiki-Taka zu zermürben. In den Vorjahren hieß es 0:5 und 1:3 aus RWE-Sicht. Coach Tobias Strobl, dessen rhetorische Versiertheit sich noch nicht einmal hinter der des Revier-Sokrates Uwe Koschinat verstecken muss, wird seine Philosophie, den Fußball des 21. Jahrhunderts mit dem SC Verl neu zu definieren und zu revolutionieren an der Hafenstraße 97 A vorführen wollen. Und Vorführen wollen die Verler die Gastgeber ohnehin. Eine Chance für RWE, dass die chronisch-pathologischen Verler Arroganz-Anfälle, die dem SCV immer wieder diverse Punkte kosteten, auch und besonders in Essen wieder ausbrechen werden.
Doch was kann RWE selber tun? Vielleicht gelingt Lucas Brumme ein direktes Einwurftor, das der Schiri einfach mal anerkennt und von Babak Rafati wegen der besonderen Flugkurve als regulärer Treffer legitimiert wird, läuft Ramien Safi frei auf den Keeper zu und trifft danach ins Tor oder der SC Verl schießt bei seiner grundsätzlich enorm riskanten Spieleröffnung einfach ein Eigentor und im Mittelfeld hat mal jemand anderes als Klaus Gjasula echte Eier. Wie gesagt, wir hoffen auf verlrückte Dinge. Und dann muss hinten immer noch die Null stehen. Das erscheint fast als das aller verlrückteste. Doch wenn Uwe Koschinat verlrückterweise in der Abwehr nach Leistungsprinzip aufstellte, müssen Tobias Kraulich und Ben Hüning für Michael Schultz und Rios Alonso spielen.
Und dann wird Christian Ruthenbeck bei der Essener Startaufstellung endlich einmal wieder die goldene Pläte Kraule ankündigen können und RWE tatsächlich über einen Spielaufbau aus der Abwehr heraus verfügen. Womöglich gibt es noch nicht einmal den 15. Saisonelfer gegen RWE und auf den Flügeln wird defensiv gedoppelt und nicht „Eins gegen Zwei verteidigt“, was schon in Cottbus und Saarbrücken so schön gewesen war. Zu vermessen wollen wir aber nicht sein. Wer den Uwe kennt, der rechnet ohnehin mit der Rückkehr zur Fünferkette, nicht dass ein Spiel, das man zwingend gewinnen muss, am Ende noch mutig angegangen wird. Gegen Saarbrücken waren wir ja auch nicht nach der Führung passiv, sondern wagemutig. Das galt zumindest für den Trainer, alle anderen Betrachter hatten das falsch interpretiert, weil sie das Spiel halt nicht richtig zu lesen vermögen. In Stuttgart war man wiederum höchstens beim Aussteigen aus dem Mannschaftsbus womöglich so etwas wie strukturiert, Zeugen dafür gab es keine. Verlrückt.
Ansonsten hoch mit den Floskeln! Sich die Krise aus den Trikots schütteln, von Spiel zu Spiel und nicht dem Gegner hinterher schauen, 90 Minuten plus X Gras fressen, um jeden Zentimeter Boden und Ball kämpfen, Berkan Taz bis zur Toilette in Manndeckung nehmen, den Verlern die Luft aus dem Ball lassen, Hafenstraßenfußball spielen – nein, nicht den von Jan Siewert – den Schiedsrichter nach Fehlentscheidungen ans Telefon rufen und zusätzlich darauf hinweisen, wo sein Auto steht, so wie in Persona von Marc-Nicolai Pfeifer dessen Kabine bereits zur Halbzeit stürmen, um weitere Überzeugungsarbeit zu leisten, das Magenta-Interview mit Uwe Koschinat vor dem Spiel am Mittelkreis so lange weiter führen, bis Verl keinen Bock mehr hat aufzulaufen oder den historischen Verl-Bezwinger Sven Demandt für diese Partie zum Headcoach machen.
Vor dem Spiel haut Ruthe noch einen gegen die 15 Verler-Away-Supporter raus, die Transpis gegen die unverschämte Vereinnahmung von Tribünenplätzen für die Heim-Fans hochhalten, und tituliert sie als Möchtegern-Bielefelder. Dann bleibt denen die Spucke auch noch weg. Ja dann, dann könnte es klappen mit dem ersten Dreier gegen Verl seit einem Jahrzehnt und unsere Auswärtsfahrt nach Ulm bekäme noch eine sportliche Bedeutung und wäre kein Saison-Abschluss-Tingeltangel. Und daran glauben wir doch alle ganz fest! Ansonsten sorgt die SGS ja dafür, dass in Essen nächstes Jahr definitiv Zweitligafußball angeboten werden wird.
NUR DER RWE!
Sven Meyering
Spielbericht
Die Mannschaft um King Kraule lebt! RWE darf nach 1:0 über Verl weiter träumen
Nach fast 10 Jahren war es einmal wieder so weit. Rot-Weiss Essen hat den SC Verl besiegt und es hätte kaum einen besseren Zeitpunkt gegeben, den Verl-Fluch zu überwinden. RWE zeigte ein konzentriertes und leidenschaftliches Kampfspiel. Zwei neue Startelfspieler garantierten den Sieg. Youngster Gianluca Swajkowski erzielte nach 50 Minuten das goldene Tor, Tobias Kraulich avancierte mit seinen Zweikampfwerten und Leader-Qualitäten zum besten Mann auf dem Platz. Eine schallende Ohrfeige für Uwe Koschinat, der Kraule zuvor wochenlang kalt gestellt hatte. RWE darf nun mit einem Sieg in Ulm und Schützenhilfe von anderen Plätzen zumindest auf die Relegation hoffen.
Das Personal, die Taktik und der Spielverlauf
Nach dem 1:6 Debakel von Stuttgart waren echte Kerle gefragt. Und eine Idee, das Verler Tiki Taka zu unterbinden. Die Antwort darauf war genau wie im Hinspiel die Fünferkette. Jakob Golz stand im Tor, Michael Schultz wanderte auf die Bank, sowohl Tobias Kraulich als auch Ben Hüning kamen ins Team, Rios Alonso durfte aufgrund der Systemumstellung dort verbleiben. Lucas Brumme und Jannik Hofmann begannen als Schienenspieler auf den Außen. Im Zentrum war die Hereinnahme von Gianluca Swajkowski die Überraschung, er agierte neben Torben Müsel. Im Sturm bekam diesmal Jaka Cuber Potocnik den Vorzug, Mizuta und Ramien Safi spielten offensiv dahinter.
RWE war in dieser defensiveren Grundformation darauf aus, Verl die Räume zum Spielen zu nehmen, die Gäste wiederum waren laut späterer Aussage von Coach Tobias Strobl zunächst darauf aus, das Spiel zu entschleunigen und RWE auf Strecke immer nervöser zu machen. Verl Keeper Philipp Schulze stand häufig sekundenlang mit dem Ball am Fuß an seiner Box, da RWE darauf verzichtete, ihn anzulaufen, hätte man sich hier auch getrost ein Bier holen können, so entschleunigt war die Partie. Ansonsten stellten die Ostwestfalen immer wieder ihr Kombinationsdreieck und ließen die Kugel zirkulieren, aber da Essen fast immer alles zulief, geschah das mit einer Ausnahme, Mesanovic scheiterte hübsch freigespielt aus spitzem Winkel an Golz (24.),nur in ungefährlichen Räumen. Auf der Gegenseite zeigte RWE vor allem über Jannik Hofmann sehenswerte Offensivvorstöße. Einer davon erbrachte die beste RWE-Chance des ersten Durchgangs, Safi jagte Hofmanns Vorlage aus guter Position über das Tor (35.). Durchgang eins endete mit einem Schock für Essen, Lucas Brumme kam bei einer beherzten Abwehraktion unglücklich auf und musste mit einer Bänderverletzung das Feld räumen (43.). Michael Kostka kam in die Partie.
In Hälfte Zwei fiel das goldene Tor früh. Verl baute gewohnt risikoreich auf, RWE presste mit gleich mehreren Spielern energisch und Swajkowski eroberte das Leder zentral vor der Box. Der Youngster fackelte nicht lange und versenkte das Leder im linken Eck (50.) Die Hafenstraße bebte. Ein zumindest kurzer Wirkungstreffer für Verl, denn RWE stand kurz danach vor dem 2:0, aber Potocniks Abschluss wurde kurz vor dem Tor geblockt. Ab der 64. Minute fand Verl dann die Dominanz auf dem Feld. RWE wechselte zweimal. Torschütze Swajkowski war von Krämpfen geschüttelt, zudem Gelb verwarnt und ging für Ruben Reisig. Jannik Hofmann war kurz zuvor in einem Zweikampf erwischt worden und ging angeschlagen vom Feld. Nils Kaiser kam.
Nun ging Essen auch einiges an Tempo verloren und Verl gelangte nun gefährlicher in Richtung Essener Box. Doch RWE verteidigte weiter kompakt, die in den letzten Wochen so wackelige RWE-Deckung ließ kaum etwas zu. Die einzige Chance der Gäste war ein Abschluss von Berkan Taz aus guter Position, Golz und der Pfosten retteten im Verbund (74.). Zehn Minuten vor dem regulären Ende kamen noch Marvin Obuz und Danny Schmidt für Ramien Safi und Torben Müsel. Verl stellte von Tiki Taka auf Langholz um, sichere Beute für Essens heute starke Innenverteidigung. RWE befreite sich am Ende immer häufiger und brachte 6 Minuten Nachspielzeit sicher über die Zeit. Der Abpfiff von Schiedsrichter Dr. Max Burda erlöste Essen vom Verl-Fluch.
Die Pluspunkte
RWE behielt die Nerven, ließ sich nicht von Verler Mätzchen verunsichern und zog beim Siegtor durch Swajkowski die Karte, die gegen Verl immer auf dem Tisch liegt, das riskante und nahezu arrogante Aufbauspiel zu bestrafen. Die enorme Laufleistung, die RWE an den Tag legte, spiegelte sich nicht nur bei Swajkowski, sondern auch bei Ben Hüning und später Kaito Mizuta in Wadenkrämpfen wider. Apropos Hüning. Dieser zeigte eine starke Partie im Abwehrzentrum und verteidige ebenso wie Rios Alonso, der sich seine schlechte Form der letzten Wochen aus dem Trikot schüttelte, mutig und energisch nach vorne.
Einer machte es noch einen Ticken besser, Tobias Kraulich hatte am Ende die besten Zweikampfwerte auf dem Feld, gewann fast jeden Kopfball und zeigte seine Ballsicherheit auch unter Gegnerdruck. An ihm konnten sich seine Abwehrkollegen aufrichten, die laut Christian Ruthenbeck „goldene Pläte“ wurde zu King Kraule. Es war insgesamt beeindruckend, wie RWE die Ausfälle von Spielern wie Dickson Abiama, Franci Bouebari und besonders Klaus Gjasula schon vor dem Spiel und dann noch von Lucas Brumme und Jannik Hofmann während des Spiels wegsteckte und im Kollektiv alles raushaute, was an diesem Tag drin war. Das war kein großer Zauber, aber Coolness und leidenschaftliches Verteidigen und das effiziente Ausnutzen des einen großen Verler Abwehrbocks. Essen gewann den Abnutzungskampf somit verdient.
Die Minuspunkte
In dieser Formation und bei den vielen Ausfällen war es keine Überraschung, dass RWE sich in Summe nur zweieinhalb Torchancen erarbeitete, da die Verler Gäste auch nicht mehr zu bieten hatten, wurde es nicht zum Problem. Die vielen nicht gut zu Ende gespielten Konterchancen hätten aber früher für die Entscheidung sorgen müssen, ein Essener traf immer die falsche Entscheidung dabei, sei es ein hektischer Fehlpass, das Versäumnis den völlig freien Mitspieler zu bedienen oder unmotiviert ins Abseits zu laufen.
Die Aufreger
Schiedsrichter Dr. Max Burda hatte es sich zunächst zur Aufgabe gemacht, die Verler und besonders Berkan Taz unter Artenschutz zu stellen. RWE hatte anfangs besonders Mühe, die Verler effektiv zu bekämpfen, weil jeder Faller der Ostwestfalen zum Pfiff führte und Swajkowski und dann Müsel sofort für ihr jeweils erstes alles andere als harte Foul ermahnt wurden. Schon nach 17 Minuten sah Swajkowski Gelb, nachdem er Taz nur einen leichten Wischer auf der Schulter verpasst hatte und Taz theatralisch ins Gras sank. Eine harte Hypothek für den Youngster, der kurz vor dem Pausen-Stauder in einem Zweikampf zu spät kam und am Rande der Gelb-Roten Karte stand. Zum Glück holte Koschinat ihn noch nicht vom Feld, sonst wäre das Siegtor zumindest durch Swajkowski nicht gefallen. Glück hatte auch Verls Julian Stöcker, der von Jannik Hofmann vor große Probleme gestellt, diesen rustikal über die Klinge springen ließ und mit Gelb gut bedient war. Weil Verl wenig bis gar nichts vorne gelang, versuchte es Yari Otto nach einem minimalen Fußkontakt von Nils Kaiser laut schreiend mit einer Schwalbe in der Essener Box, Burda winkte zurecht ab (67.).
Was hat zumindest mich darüber hinaus aufgeregt? Die wochenlange Ausbootung von Tobias Kraulich durch Uwe Koschinat, die sportlich durch rein gar nichts zu rechtfertigen gewesen ist und die RWE sehr geschadet hat. Kraule blieb ganz Profi, ließ sich auch von der Demütigung einer Einwechslung beim Stande von 0:6 in Stuttgart nicht den Willen nehmen und dürfte Herrn Koschinat mit seiner Leistung am heutigen Tage beschämt haben, denn sie rettete ihm seinen Job. Zuvor stand Kraulich beim 1:0 über den MSV Duisburg von Beginn an auf dem Feld und spielte ebenfalls stark. Ob Koschinat eigentlich auch selber merkt, was er mit seiner Sturheit anrichtet? Ich fürchte nicht.
Auf der Pressekonferenz auf den überraschenden Einsatz von Swajkowski angesprochen, verfiel Koschinat in seine gewohnten Litaneien. Tief sei er eingetaucht in den Verein und habe erkannt, dass Swajkowski der richtige Mann für das Spiel sei, denn nun könnten sich die Mizutas und Müsels nicht mehr verstecken und müssten Verantwortung übernehmen. Erstaunlich, dass Uwes Tieftauchgänge in den Verein vor dem vorletzten Spieltag ihn zu einer Erkenntnis zurückführten, die er schon vor Saisonbeginn hatte, denn Swajkowski war für ihn auf Augenhöhe mit Klaus Gjasula. Sprach der Uwe und gab Swajkowski bis zum heutigen Tage eine Startchance in München und ansonsten 4 Kurzeinsätze über wenige Minuten. Ich spreche da nur für mich, aber ich kann dieses sophistische Gelaber echt nicht mehr hören.
Fazit und über den Tellerrand geschaut: Die Lage in der Dritten Liga
Ein notwendiger Arbeitssieg, um den Traum von Liga Zwei am Leben zu erhalten. Die 19.300 RWE-Fans unter den 19.517 Zuschauern bejubelten den großen Essener Kampf enthusiastisch sogar ungewohnt aus dem eigentlichen Gästeblock G3, den die Verantwortlichen der Verler den Gastgebern auf Anfrage überlassen hatten.
Am Vorabend hatte das 0:0 des MSV Duisburg bei Absteiger Erzgebirge Aue schon für Freude gesorgt, noch spricht bei Punktgleichheit (67) das leider deutlich bessere Torverhältnis für die Zebras. Ein Wermutstropfen war auch das späte 2:1 Siegtor für Energie Cottbus gegen Wiesbaden, Energie müsste in Regensburg verlieren, um von RWE noch überholt werden zu können.
Somit kann RWE den Aufstieg nicht mehr aus eigener Kraft schaffen und bräuchte die Schützenhilfe von Viktoria Köln in Duisburg und eben des Jahn. Umgekehrt ist noch nicht einmal Platz 4 und der DFB-Pokaleinzug sicher, denn theoretisch könnte Hansa Rostock von hinten noch an Essen vorbeiziehen. Was man aber nach der Vorwoche schon nicht mehr zu hoffen wagte ist dennoch eingetroffen, eine Essener Fankarawane wird sich am nächsten Wochenende auf nach Ulm machen und darf nach 20 Jahren auf die Rückkehr in die Zweite Bundesliga hoffen.
NUR DER RWE!
Sven Meyering
Fotos
















































































