Vorbericht
Fußballherz, was willst du mehr?
Wie schon zu Saisonbeginn meinten es die Spielplaner sehr gut mit den Vereinen aus München und Essen und ließen die Saison und somit auch die Rückrunde mit dem Duell der beiden Traditionsvereine beginnen. Während das umkämpfte Hinspiel in Essen noch Unentschieden ausgegangen ist, wollen die Mannen von Uwe Koschinat in München die vollen drei Punkte erobern.
Der Auswärtsblock war binnen Minuten ausverkauft und auch der Heimbereich ist ebenfalls durch die Verwaltungsvorschrift mit insgesamt13.500 Zuschauern knallvoll, sodass wir eines dieser stimmungsvollen Duelle erwarten dürfen, für die wir die 3. Liga liebgewonnen haben.
Das Personal
Dass Rot-Weiss Essen in einer prinzipiell sehr guten Hinrunde extrem viele Gegentore hinnehmen musste, wurmt Uwe Koschinat besonders, da sich dieser insbesondere über Mannschaften mit einer starken Defensivleistung definiert. Dass ausgerechnet Koschinats Paradedisziplin Probleme aufweist, hat dazu geführt, dass dieser das System von der Viererkette auf die Dreier- bzw. Fünferkette umstellte und voraussichtlich auch so in das Duell in München gehen wird. Ob wirklich die Anzahl der Innenverteidiger hier abhelfen, dazu hat Jawattdenn.de kürzlich interessante statistische Werte analysiert, sodass spannend zu sehen sein wird, ob die Mannschaft das Gesicht der ersten halben Stunde vom letzten Saisonspiel gegen den SSV Ulm zeigen wird, oder sich schnell vor großen Problemen wiederfinden wird, wie der weitere Spielverlauf gegen Ulm zeigte.
Nicht nur taktisch, sondern auch personell wird Uwe Koschinat umstellen müssen. Die Dreierkette wird dabei trotz des mit viel Vorschusslorbeeren erfolgten Transfers von Ben Hüning noch gleich bleiben, sodass Michael Schultz die Abwehr mit Tobias Kraulich und José-Enrique Rios Alonso anführen wird. Da über Außen Jannik Hofmann gesperrt ausfällt, wird Michael Kostka starten. Auf der linken Seite zeigte Franci Bouebari zwar gute Leistungen, jedoch sollte Lucas Brumme nach der Winterpause wieder frisch sein, sodass Koschinat kaum auf die Dynamik des rechten Außenbahnspielers verzichten wird.
Auch in der Mittelfeldzentrale ist der Trainer zu Umstellungen gezwungen. Klaus Gjasula muss ebenfalls eine Gelbsperre absitzen und Tom Moustier wird an der Reise nach München aufgrund seines bevorstehenden Wechsels nach Portugal ebenfalls nicht teilnehmen. Deswegen wird Torben Müsel sicher wieder defensiver aufgestellt und es schlägt die Stunde des Eigengewächses Gianluca Swajkowski. Der 20-jährige zeigte vor einem Jahr gegen den VfB Stuttgart II bereits, dass mit ihm zu rechnen ist und wurde mehrfach von Uwe Koschinat mit viel Lob bedacht. Nun beginnt er und in Essen drücken ihm alle die Daumen, dass das Startelfdebut gelingt. Schon viel zu lange ist es her, dass ein Jugendspieler direkt den Weg in die Profi-Elf gefunden hat.
Auch offensiv wird es spannend. Viel spricht dafür, dass der Neuzugang aus Düsseldorf Danny Schmidt sofort loslegen darf, bei der Generalprobe gegen Dynamo Dresden hat er sofort gezeigt, dass er weiß, wo das Tor steht. Darüber hinaus scheinen insbesondere Essens Top-Scorer Kaito Mizuta und Ramien Safi gute Karten für die Startaufstellung zu haben. In der Pressekonferenz hob Uwe Koschinat jedoch auch Marek Janssen heraus, der in der Tat eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht hat, sodass das einzige Fragezeichen sein wird, welchen der vier Akteure Koschinat zunächst auf der Bank lässt.
Der Gegner: TSV 1860 München (8. Platz / 30 Punkte / 9 Siege, 3 Unentschieden, 7 Niederlagen / 29:29 Tore / Differenz +/-0)
Die Erwartungen in München wuchsen ins Unermessliche, als die Löwen im Sommer mit Florian Niederlechner und Kevin Volland zwei gestandene Bundesligaprofis mit internationaler Erfahrung verpflichten konnten. Darüber hinaus eisten sie mit Sigurd Haugen einen Top-Stürmer der Dritten Liga vom FC Hansa Rostock los.
Während der Saisonbeginn gelang, spielte sich 1860 mehr und mehr in die tabellarische Bedeutungslosigkeit. Nach drei Niederlagen in Folge musste Coach Patrick Glöckner nach nicht einmal einem Jahr seinen Hut nehmen und wurde durch den erfahrenen Markus Kauczinski ersetzt. Es dauerte aber noch drei weitere Spiele, bis die Löwen wieder einen Dreier holen konnten, dies gelang dafür gegen den MSV Duisburg. Danach siegten die Sechziger immer wieder und starteten sogar eine Serie mit vier gewonnenen Spielen in Folge vor der Winterpause. Erst der SC Verl fegte über das Stadion an der Grünwalder Straße hinweg und konnten dezimierte Sechziger schlagen.
Aktuell plagen 1860 München enorme Verletzungssorgen. So fällt Abwehrchef Jesper Verlaat genauso wie sein Mitspieler Sean Dulic verletzt aus. Aktuell melden Münchner Medien, dass angeblich auch Torwart Thomas Dähne nicht mitspielen kann, der in dem Fall vom erfahrenen René Vollath ersetzt wird. Im Mittelfeld fehlen Tunay Deniz und Max Christiansen aufgrund von schweren Verletzungen und auch Thore Jacobsen wird das Spiel aufgrund seiner gelb-roten Karte im letzten Spiel verpassen. Nachdem Stürmer Sigurd Haugen wieder zu alter Form zurückgefunden hat, erlitt er einen Kieferbruch und kann ebenfalls noch nicht auflaufen.
Es ist also enorm viel spielerische Qualität, die den Münchnern fehlen wird. Aus Essener Sicht ärgerlich ist, dass Münchens Kader trotz bisher ausbleibender Wintertransfers immer noch sehr starke Spieler bereithält. So werden voraussichtlich Patrick Hobsch und David Philipp stürmen und dahinter Kevin Volland auflaufen. Dass David Philipp Fußballspielen kann, hat er eindrucksvoll bei Viktoria Köln unter Beweis gestellt. An Patrick Hobsch, der unter Patrick Glöckner außen vor war, hatte RWE dem Vernehmen nach großes Interesse. Er blieb und ist der große Gewinner des Trainerwechsels, nach dem er voll durchstartete. Er verdrängte völlig zurecht Florian Niederlechner, der zwar rechtzeitig zum Spiel gegen Essen fit ist, aber seinen Platz wohl weiterhin Hobsch überlassen muss.
1860 kommt mit viel Wucht und Kraft in den gegnerischen Strafraum, sodass die Abwehrreihe sowie Gianluca Swajkowski voll da sein müssen. Die Defensivarbeit sollte früh beginnen, denn einmal am gegnerischen Strafraum sind die Münchner unerbittlich. Die Defensive der Löwen kann aber mit spielerischer Qualität geknackt werden. Der SC Verl zeigte mit einem vielseitigen Angriffsspiel immer wieder Lücken in der gegnerischen Defensive und es waren mehr als genug super Möglichkeiten da, einen höheren Sieg als das 2:0 einzufahren.
Über den Tellerrand geschaut: Die Lage der Dritten Liga
Der Samstag hält neben dem Auftritt unserer Rot-Weissen noch weitere spannende Partien bereit:
1. FC Saarbrücken – Energie Cottbus
Energie gegen die Erinnerung. Nach einer bärenstarken Rückrunde brach Energie Cottbus in der letzten Saison im Endspurt ein und verspielte den beinahe sicher geglaubten Aufstiegsplatz. Erneut sind die Lausitzer auf dem Platz an der Sonne, spielt jedoch direkt gegen taumelnde Saarbrücker. Im Saarland hat man so viele Spieler, die nachweislich überdurchschnittlich für diese Liga sind. Es wird sich zeigen, ob sie beim Tabellenführer endlich zeigen, was sie können.
Alemannia Aachen – VfL Osnabrück
Ein Spiel mit unterschiedlichen Voraussetzungen sieht man beim Topspiel am Tivoli. Während die Alemannia dringend Punkte für den Klassenerhalt benötigt, will der VfL Osnabrück seine Ausgangslage in Richtung 2. Bundesliga weiter verbessern. Mit der Verpflichtung von Julian Kania gelang Osnabrück der Transfercoup der Winterpause und es wird spannend sein, ob dieser seine phänomenale Torquote in der Dritten Liga weiter aufbessern kann.
Hansa Rostock – Erzgebirge Aue
Im Ost-Duell gastieren die Erzgebirgler im Rostocker Ostseestadion. Aue wehrt sich mit Händen und Füßen gegen den Abstieg, trifft jedoch auf eine Hansa-Kogge, die nicht nur sehr viel fußballerische Qualität im Kader hat, sondern diese auch seit einigen Wochen auf den Rasen bringt. Hier wird es spannend, ob der Holzmichel Punkte entführen kann.
Fazit
Man kann es nur wiederholen: ein Auftakt vor dem ausverkauften traditionsreichen Stadion an der Grünwalder Straße – Fußballherz, was willst du mehr. Unverschämt, wie wir Essener nun einmal sind, wollen wir drei Punkte mit ins Ruhrgebiet nehmen. Trotz des großen Lazaretts sollte man nicht dem Irrglauben verfallen, dass das eine leichte Aufgabe wäre. Allerdings kämpfen in Essen einige gute Spieler um ihre Einsatzzeiten und wenn Rot-Weiss Essen seine P.S. auf die Straße bekommt, ist vieles möglich.
Respekt vor der Aufgabe, die Gier zu gewinnen und die Schlachtenbummler der Ruhrmetropole im Rücken, mit all diesen Faktoren ist viele möglich.
In diesem Sinne: Nur der RWE!
Hendrik Stürznickel

