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2026/2027 – 3. Liga

1. FC Saarbrücken – Rot-Weiss Essen (5:2)

Puh, das war nichts. Zum Einem gab es erneut kein Auftaktsieg in der 3. Liga und dann wurde man am Ende noch richtig demontiert. Trotz einer 2:0-Führung gab es gegen die „Möchtegernfranzosen“ eine Retourkutsche und eine 2:5-Demütigung. Unsere Galerie und der Spielbericht sind online.

Vorbericht

Neuer Angriff oder ein Schritt zurück? – Auftakt zur neuen Saison für RWE im Saarland

Auch unsere Redaktion musste sich von der nervenaufreibenden Spielzeit 25/26 erholen. Am Ende reichte es nur knapp nicht für die langersehnte Rückkehr in das Unterhaus des deutschen Fußballs. Recht schnell nach dem Scheitern der Bergeborbecker in der Relegation gegen Greuther Fürth wurde im rot-weißen Umfeld deutlich, dass ein Umbruch im Kader stattfinden wird. Einige Kicker verließen auf eigenen Wunsch die Hafenstraße, mit anderen Spielern wollte der Verein nach einer tiefgreifenden Analyse nicht weiter machen. So fiel die Neuausrichtung des Vereins auf der einen Seite nachvollziehbar, aber auf der anderen Seite auch stärker aus, als es sich so mancher Fan gewünscht hätte.

Kaito Mizuta (neun Tore, elf Vorlagen) und Torben Müsel (zwölf Tore, zwei Vorlagen) haben es sich durch ihre Leistungen verdient, höher spielen zu dürfen. Ohne einen Aufstieg war es für die Verantwortlichen nicht möglich, Mizuta zu halten, dies kommunizierte der Japaner sehr offen während den Verhandlungen. In der neuen Saison darf Mizuta in der ersten französischen Liga bei Le Havre in die Trickkiste greifen. Anders sah der Fall bei Torben Müsel aus, der sehr gerne in Essen geblieben wären, allerdings waren die Verantwortlichen aufgrund der fehlenden Schnelligkeit seines Spiels sehr zögerlich bei den Gesprächen. Am Ende der Saison trug Müsel, nachdem Mizuta etwas ausgepowert wirkte, die Mannschaft und führte sie fast in die zweite Liga.

Dafür erhielt Torben Müsel einen Vertrag in der zweiten Bundesliga bei 1. FC Magdeburg. Beide zeigten stets einen vorbildlichen Einsatz in rot und weiss und werden an der Hafenstraße gern gesehene Gäste bleiben!

Unter den Spielern, die durch das Raster gefallen sind, waren die Innenverteidiger Michael Schultz und Tobias Kraulich. Schultz war trotz des Kapitänsamtes nicht gänzlich unumstritten, da er in vielen Situationen zu langsam agierte, aber dennoch bei Trainer Uwe Koschinat ein hohes Standing hatte. Dementsprechend kam die Trennung von Schultz doch etwas überraschend, angesichts der Flut an Gegentoren (68 mit Relegation!) war der Schritt aber durchaus verständlich.

Anders verhielt es sich bei seinem Positionspartner Tobias Kraulich. Der Linksfuß hatte große Mühe, in die Startelf zu finden, spielte auch nicht immer fehlerfrei, bewies aber Qualitäten als Aufbauspieler und nahm zum Ende der Saison eine Führungsrolle ein. Überraschend kam aber der Entschluss zur Nichtverlängerung des Vertrages nicht, dafür schien das Verhältnis zum Trainer nicht gut genug gewesen zu sein. Zudem erhielten Kelsey Owuso, mit dem es ein baldiges Wiedersehen in Saarbrücken gibt, Toni Casali, der beide Torhüter während einer Verletzungspause würdig vertrat, und Allrounder Nils Kaiser keine neuen Arbeitspapiere.

Auch die zwei Leihspieler Danny Schmidt und Jannik Mause, die sich in keiner Weise empfehlen konnten, kehren nicht wieder in den rot-weissen Kader zurück. Youngster Nicolai Schulte-Kellinghausen wurde zur SG Wattenscheid 09 ausgeliehen und bereits dort in den Mannschaftsrat gewählt. Es wäre ihm zu wünschen, wenn der Innenverteidiger einen ähnlichen Weg nehmen würde wie Ben Hünning und nach seiner Rückkehr stärker zurückkommt.

Außerdem gibt es noch zwei „Spezialfälle“ unter den Abgängen. Klaus Gjasula hatte einen Vertrag, der sich durch die Anzahl der Spiele in der vergangenen Saison verlängert hätte, aber aufgrund seiner familiären Situation bat der Albaner um eine Vertragsauflösung. Es ist schwer vorstellbar, sich die sportliche Entwicklung der Mannschaft in den letzten anderthalb Jahren ohne den robusten Sechser vorzustellen. Auch bleibt es ein Geheimnis, warum die Verantwortlichen es nicht zumindest probiert haben, von seinem neuen Verein aus Hoffenheim ein wenig Geld für ihn zu bekommen, am Hungertuch nagen die Kraichgauer ja bekanntlich nicht gerade.

Auch wenn es dem ehemaligen Bundesligaprofi zum Schluss an Schnelligkeit fehlte, gibt es einen solchen Lautsprecher in diesem Kader jetzt nicht mehr. Und dann war da noch die Sache mit Ramien Safi. Der Verein wollte mit dem schnellen Flügelspieler verlängern, doch die Gehaltsvorstellungen gingen sehr weit auseinander. Safi fühlte sich anscheinend nicht richtig wertgeschätzt und sagte dem Verein ab, um unmittelbar dem Erzrivalen aus Duisburg zuzusagen. Für die lokale Presse und den Anhängern in weiß und blau war dies ein gefundenes Fressen, doch an dieser Stelle wollen wir dieser Aufregung keiner weiteren Nahrung hinzugeben.

Angesichts der Leistungsdaten von Safi (drei Tore, vier Vorlagen) war eine deutliche Gehaltserhöhung nicht zu rechtfertigen, wohin er nach dem Ende seines Vertrages geht, ist in diesem Geschäft seine Sache. Auch beim MSV wird er in einem starken Kader nur Ergänzungsspieler sein, vielleicht hat Dietmar Hirsch es ihm nur netter verkauft. Jedenfalls wird es so für ein Engagement in höheren Ligen für ihn nicht reichen.

Die Personallage

Bei den ganzen vielen neuen Gesichtern tut es gut, ein wenig Konstanz im Tor zu haben. Jakob Golz bleibt auch in dieser Saison die Nummer eins an der Hafenstraße vor dem Backup Felix Wienand, bei dem es etwas überraschend keine Wechselgerüchte gab. Neben starken Paraden hatte Wienand in den Spitzenspielen gegen Osnabrück und Rostock seine Aussetzer, so dass im Gegensatz zum Ende der Vorsaison die Rollen zwischen beiden Torhütern stärker verteilt sind. Malte Brünning rückt wieder als dritter Torhüter in die Riege, auch der Nachwuchskeeper Romero Gerres zählt zum erweiterten Profikader dazu.

In der Innenverteidigung hat der junge Ben Hüning nach starken Leistungen in der Vorsaison im Rennen um die Plätze die Nase vorn. Dauerbrenner Rios Alonso wackelte wie die gesamte Innenverteidigung gehörig, zwischenzeitlich wurde auch über seinen Abgang spekuliert. Neu kommt Max Geschwill (25) hinzu, der fest von Holstein Kiel verpflichtet wurde und zuletzt an den FC Magdeburg ausgeliehen war. Dem Linksfuß plagten in der Vorbereitung die Muskeln, so dass sein Einsatz in Saarbücken auf der Kippe steht. Als weiterer Innenverteidiger stände noch Luca Bazzoli zur Verfügung, allerdings gibt der Umgang mit dieser Personalie sehr viele Rätsel auf.

Als Hoffnungsträger in der vergangenen Saison aus Münster geholt, verpasste er durch eine Verletzung den Saisonstart und gab bei seinem Debüt gegen Alemannia Aachen keine gute Figur ab. Spätestens nach seinem Auftritt im Landespokal bei der Niederlage in Oberhausen, wo er sich nach dem Spiel mit Zuschauern anlegte, schien es für ihn an der Hafenstraße kaum noch eine Zukunft zu geben. Er wurde nach Ulm verliehen, war dort Stammspieler, allerdings stiegen die Spatzen auch mit ihm sang und klanglos ab. Ein Beraterwechsel soll den Ausschlag gegeben haben, warum Bazzoli eine neue Chance an der Hafenstraße bekam, wo aber die Verbindung zu seinen sportlichen Qualitäten liegen, müssen die Verantwortlichen beurteilen. Jedenfalls deutet es sich an, dass RWE in Saarbrücken mit dem Duo Hüning/Alonso in den Auftakt geht.

Auf den defensiven Außenbahnen gibt es erfreulicherweise auch wenig Neues zu berichten. Rechts konnte der Mentalitätsspieler Jannik Hofmann fest aus Nürnberg verpflichtet werden, sogar das Kapitänsamt stand für den gebürtigen Bayreuther kurz im Raum. Sein Vertreter Michael Kostka war ohnehin kein Leihspieler und ist eine starke Alternative zu Hofmann, wenn auch eher mit defensiverer Ausrichtung. Auch Franci Bouebari konnte fest aus Freiburg verpflichtet werden, der mit Lucas Brumme ein starkes Duo auf der linken Außenbahn bildete. Beide können die Positionen wechseln, was es für den Gegner unglaublich schwer macht, sich darauf einzustellen.

Zudem kehrte Ekin Celebi aus Schweinfurt zurück, der dort nach langer Verletzungsmisere endlich Spielpraxis erhielt, aber ähnlich wie Bazzoli den Abstieg seiner Mannschaft aus der Dritten Liga hinnehmen musste. Zum erweiterten Profikader in der Verteidigung zählt noch der Nachwuchsspieler James Gnagnon, der an dieser Stelle nicht unterschlagen werden soll. Die erste Position, die ein wenig Kopfschmerzen bereitet, ist die Defensivzentrale. Wie wichtig ein starker Sechser ist, hat die Hafenstraße schmerzlich in der Vorsaison erfahren müssen, wo erst durch die Verpflichtung von Klaus Gjasula im Winter 25 eine gewaltige Lücke geschlossen werden konnte.

Mit Janne Sietan (22) wurde ein Schlüsselspieler aus Waldhof Mannheim verpflichtet, der mit mehr Dynamik und ähnlicher Aggressivität wie Gjasula das Spiel der Rot-Weissen noch optimieren sollte. Allerdings ließ die Vorbereitung die Schlüsse zu, dass der Verein sich nicht auf Sietan allein verlassen will und nach einem weiteren Sechser sucht. Hier ist aber das Problem, dass es mit Gianluca Swajkowski und Ruben Reisig zwei weitere Spieler im Kader gibt, die dort spielen könnten. Swajkowski hat nach dem unsicheren Auftritt in München zu Beginn der Rückrunde am Ende der Saison sehr gute Leistungen auf den Platz gebracht, er genießt aber immer noch nicht das uneingeschränkte Vertrauen des Trainerstabs. Reisig wurde im vergangenen Winter für immerhin 100.000 Euro fest aus Hoffenheim mit viel Vorschusslorbeeren verpflichtet, hatte aber zu viele Schwankungen in seinen Leistungen und konnte auch in Vorbereitung seine Chancen nicht nutzen. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass Sietan seine Bewährungsprobe in Saarbrücken bekommt, aber ob er zu einer Dauerlösung wird, bleibt weiterhin offen.

Als neuen Doppelsechser/Achter wurde Tony Menzel (21) aus Dresden ausgeliehen, der in der Aufstiegssaison aus der Dritten Liga für erste Aufmerksamkeiten sorgen konnte. Menzel gilt als Moustier-Ersatz, den es in der vergangenen Rückrunde so nicht gab, und wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einen Startplatz erhalten. Eine weitere Position, die noch vakant ist, hat eine ganz ähnliche Brisanz wie die Defensivzentrale. Wenn es einen Zehner im Kader gäbe, wäre es am ehesten der hochveranlagte Noah Pesch (21). Der junge Mittelfeldspieler wurde aus Mönchengladbach verpflichtet und sorgte dort in der Zweitvertretung der Fohlen für Aufsehen. Anscheinend hat Uwe Koschinat eine andere Lösung für die dortige Besetzung im Kopf.

Aus Nürnberg wurde Semir Telalovic (26) ausgeliehen, der auch hinter der Sturmspitze agieren kann und seine Torgefahr bereits in der Vorbereitung beweisen durfte. Ein Schelm, wer bei hängender Spitze an „Martinovic“ denkt. Wenn wir etwas weg von den Problempositionen gehen, finden wir auf den offensiven Außenbahnen viel Schönes. Dickson Abiama konnte nach seiner Leihe aus Kaiserslautern fest an die Hafenstraße gelotst werden. In sechzehn Spielen sammelte Abiama starke sechs Tore und vier Vorlagen für RWE und gilt als Hoffnungsträger für vorne. Sein Backup ist der ehemalige Heilsbringer Marvin Obuz, der eine sehr schwere Saison hinter sich hat. Hier bleibt das Prinzip Hoffnung, dass er zur alten Stärke zurückfinden kann.

Auf der gegenüberliegenden Seite kann hinter dem Routinier Lucas Brumme noch Aiman Dardari (21) spielen, der aus Augsburg ausgeliehen wurde und sein großes Talent in der Vorbereitung andeuten konnte. In der Sturmspitze treffen die rot-weissen Anhänger auch auf alte Gesichter. Marek Jannsen, der trotz seiner dreizehn Tore und drei Vorlagen immer noch seine Qualitäten gegenüber den Verantwortlichen unter Beweis stellen muss, kam fit aus dem Urlaub zurück und erkämpfte sich wohl abermals einen Startplatz, denn er harmonierte im Zusammenspiel mit Telalovic sehr gut.

Gegen Ende der Saison hatte Janssen diesen an Jaka Cuber Potocnik verloren, der das Vertrauen des Trainers genießt, aber häufig mit Verletzungsproblemen zu kämpfen hat. Seine Bilanz von vier Toren und einer Vorlage spiegelt nicht das wider, was an Talent da ist, nur läuft ihm langsam die Zeit davon, sich als Profispieler beweisen zu können. Vielleicht gelingt in dieser Saison endlich sein Durchbruch.

Der Gegner: 1. FC Saarbrücken (Tabellenplatz Saison 25/26: fünfzehn – 44 Punkte – zehn Siege – vierzehn Unentschieden – vierzehn Niederlagen – 51:57 Tore – Differenz -6)  

So hatten die Saarländer sich die Saison 25/26 garantiert nicht vorgestellt. Nach einem ordentlichen Saisonstart mit sechzehn Punkten aus sieben Spielen gelang in den darauffolgenden sechzehn Spielen kein weiterer Sieg mehr. Panik brach in der Landeshauptstadt aus, denn mit dem Kader, der mit einer kaum veränderten Konstellation schon viele Erfolge verbuchen konnte, sollte endlich der große Wurf gelingen. Doch nach viel Unruhe auf und neben dem Platz konnte wenigstens der Klassenerhalt gesichert werden, was allerdings nicht nur an den eigenen Stärken lag. Mit dem 1. FC Schweinfurt, FC Erzgebirge Aue, SSV Ulm 1846 und dem TSV Havelse standen die sportlichen Absteiger schon früh fest, außerdem hätten noch die TSG Hoffenheim 2 und die Insolvenz von 1860 München den Absturz in die Regionalliga Süd-West verhindert.

Einen Teil zum Klassenerhalt trug auch RWE bei, denn mit zweitem Auswärtssieg der gesamten Saison warfen die Saarländer an der Hafenstraße endgültig den Rettungsanker. Nach einer schwachen Leistung trotz Führungstreffer durch Janssen in der ersten Halbzeit konnte RWE nach einem Powerplay das Spiel nicht mehr drehen. Die Schlüsse, die die Verantwortlichen aus dem Saarland zogen, sind vergleichbar mit den Kaderplanern aus Essen. Die Mannschaft war zu alt und langsam geworden, jüngere und vor allem schnellere Spieler sollten für eine Aufbruchstimmung im Ludwigspark sorgen.

Talente wie Kelsey Owusu (21), Abdenego Nakishi (23, Stuttgart II), Anton Bäuerle (21, Paderborn II), Zac Shuaib (19, Real Sociedad), Mladen Cvjetinovic (22, Holstein Kiel), Alexander Staff (18, Eintracht Frankfurt), Daniel Gleiber (21, FSV Mainz), Gökdeniz Gürpüz (20, Galatasary Istanbul) und Seung-Joon Kim (22, Yongin FC) verpassen dem Kader eine ordentliche Frischzellenkur. Im Gegensatz zu RWE gelang es, den überragenden Spieler der Offensive zu halten. Trotz vieler Angebote verlängerte Florian Pick (vierzehn Tore, neun Vorlagen) seinen Vertrag an der Saar. Zudem gewann der Verein mit Simon Voet (1860 München) und Christian Kühlwetter (Jahn Regensburg) zwei erfahrene Spieler dazu. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass mit Torhüter Philip Menzel (bislang vereinslos), Abwehrspieler Lasse Wilhelm (ADO Den Haag), Mittelfeldspieler Tim Civeja (Karlsruher SC) und Publikumsliebling Amine Naifi (ebenfalls vereinslos) auch ordentlich Qualität verloren gegangen ist.

Neben dem runderneuerten Kader ist auch der Faktor Gianniks Argirios eine große Unbekannte. Der Grieche, der bekannterweise auch in Essen verbrannte Erde hinterlassen hat, hat als ehemals hoch gehandelter Trainer eine durchwachsene Karriere vorzuweisen und wird Saarbrücken als letzte Chance sehen, im Profifußball Fuß fassen zu können. Immerhin ist seine Bilanz gegen RWE makellos, in vier Spielen war nix für die Bergeborbecker zu holen, wenn Argirios an der gegnerischen Seitenlinie stand. Mut macht den Saarländern auch die gelungene Vorbereitung, in der die Mannschaft keine Niederlage hinnehmen musste. Bei genauerer Betrachtung der Ergebnisse sind aber neben dem Unentschieden gegen den Bundesligisten FC Augsburg auch zwei Unentschieden gegen die Regionalligisten aus Sandhausen und Aalen sowie ein knapper Sieg gegen den Oberligisten aus SV Oberachern zu beobachten.

Auch wenn die lokale Presse schon einen Übergegner für RWE kommen sieht, ist die Ausgangslage der beiden Vereine vergleichbar. Beide Mannschaften müssen nach einem starken Umbruch erst einmal eine Standortbestimmung machen. Möglicherweise hat Saarbrücken durch das Heimrecht und eine kleine Euphorie in der Anhängerschaft, die durch die Rekordzahl von über 8350 verkauften Dauerkarten ihren Ausdruck findet, einen leichten Vorteil gegenüber dem Gegner aus dem Ruhrgebiet, mehr aber auch nicht.

Die Lage in der Liga und Fazit

Direkt im Auftaktspiel zur neuen Saison gab es eine dicke Überraschung, denn der große Favorit aus Düsseldorf, der sich in die Niederungen der Dritten Liga herabgelassen hat, musste gegen Waldhof Mannheim mit einer 1:2-Niederlage einen ersten Dämpfer hinnehmen. Die Presselieblinge aus Duisburg (3:0 Heimsieg gegen den SV Meppen) und die Preußen aus Münster (3:1 Auswärtssieg in Wiesbaden) machten es besser, auch wenn die Schwertlosen die Unterstützung des Schiedsrichters durch einen sehr umstrittenen Elfmeterpfiff benötigten. Der FC Ingolstadt konnte trotz zweifacher Führung gegen den Aufsteiger aus Würzburg nicht gewinnen (2:2). Da konnte aber der nachträglich geretteten Havelser noch einen draufsetzen, auch der TSV führte zweimal, um dann noch gegen den VfB Stuttgart 2 zu verlieren (2:3).

Eine kräftige Klatsche kassierte Viktoria Köln gegen Jahn Regensburg (2:5), die Donaustädter sind damit vor dem MSV Duisburg bis Sonntag der erste Tabellenführer. Zudem gewann am Nachmittag Sonnenhof Großaspach im Duell der Aufsteiger gegen Fortuna Köln mit 1:0. Neben RWE spielen am Tag des Herren noch die hoch gehandelten Rostocker im Kraichgau gegen die TSG Hoffenheim 2. Den Abschluss des ersten Spieltages bestreiten Alemannia Aachen, die auf einen besseren Saisonstart als zuletzt hoffen, gegen die qualitätsmäßig stark gerupften Ostwestfalen aus Verl.

Im Gegensatz zur vergangenen Saison wissen die rot-weissen Fans noch nicht, was sie von der neu aufgestellten Mannschaft erwarten kann. Nach der starken Rückrunde in der Vorsaison und dem zusammengehaltenen Kader war die Wahrscheinlichkeit schon hoch, am Ende oben mitzuspielen. Diesmal ist die Konkurrenz oben vermeintlich größer und man muss mit Kader nach einem stärkeren Umbruch möglicherweise etwas mehr Geduld mitbringen, die an der Hafenstraße traditionell eher schwer zu finden ist. Aber wenn eines gewiss ist, dann, dass es in der Dritten Liga keine Gewissheiten gibt. Mit einem guten Start in Saison ist einiges möglich, jedenfalls ist Qualität, vor allem in der Offensive, vorhanden. Außerdem gilt es noch, den Fluch von Gianniks Argirios endlich zu brechen und die Saarländer früh in ihre Schranken zu weisen!

In diesem Sinne

NUR DER RWE!

Pascal Druschke

Spielbericht

RWE geht zum Auftakt an der Saar baden

Die Negativserie beim ersten Spiel einer Saison bleibt für die Essener bestehen. Auch im fünften Anlauf konnte kein Sieg am ersten Spieltag verbucht werden, auch zum fünften Mal war Argirios Giannikis gegen seinen ehemaligen Verein siegreich. In einem Spiel, wo beide Mannschaften streckenweise zeigten, dass die Abläufe in der neu zusammengestellten Struktur noch nicht stimmten, erwischten die Essener den besseren Start und lagen durch Tore von Hüning (10.) und Telalovic (30.) früh in Führung, mussten aber noch vor der Pause durch Treffer von Cvjetinovic (33.) und Kühlwetter (45.) den Ausgleich hinnehmen.

Nach der Unterbrechung nutzten die Saarländer die leichten Vorteile und verpassten den Bergeborbecker durch Brünker (74.), Voet (89.) und ausgerechnet Ex-Essener Owusu (90.+7) noch drei späte Nackenschläge.

Mahner werden sich aufgrund des Debakels in Saarbrücken bestätigt fühlen. Der jungen Essener Mannschaft fehlte neben der defensiven Stabilität, was sich nahtlos an die letzte Saison anschloss, auch die erfahrenen Spieler, die in komplizierten Situationen voran gehen. Die Kollegen in blau-schwarz zeigten in Person von Pick, Kühlwetter oder Bretschneider, wie eine Truppe sich nach einem klaren Rückstand noch aus dem Sumpf ziehen kann. Auch wenn es trotz der hohen Pleite noch viel zu früh ist, das Schwert über die neue rot-weisse Mannschaft zu richten, könnte dies ein erster Fingerzeig gewesen sein, wie ohne Veränderungen in der Ein- und Zusammenstellung der Mannschaft der weitere Verlauf der Saison aussehen könnte.

Die Aufstellung
Durch die Nominierungen für das letzte Testspiel gegen den Süd-West-Regionalligisten SV Sandhausen war in Sachen Personal kaum jemand von der Startaufstellung gegen Saarbrücken überrascht. Nur die Nominierung von Max Geschwill vor Torhüter Jakob Golz und neben Ben Hüning in der Innenverteidigung war wegen der muskulären Probleme des ehemaligen Kielers nicht erwartet worden, aber sein Fitnesszustand wurde vom Trainerstab anscheinend für gut befunden.

Auf der linken Außenbahn durfte das bewährte Duo bestehend aus Franci Bouebari und Lucas Brumme starten, gegenüber setzten Uwe Koschinat und sein Team mit Jannik Hofmann und Dickson Abiama auch auf Altbekanntes. Die Zentrale wurde von den Neuzugängen Janne Sietan und Tony Menzel besetzt. Im Sturm versuchte es das Trainerteam mit der hängenden Spitze Semir Telalovic, der zusammen mit Marek Janssen für Torgefahr sorgen sollte.

Bereits zur Pause musste Franci Bouebari den Platz verlassen, weil er mit der starken rechten Seite der Saarbrücker bestehend aus Fahrner und Pick überhaupt nicht zurechtkam. Für ihn sollte der eigentliche Rechtsverteidiger Michael Kostka für mehr Stabilität sorgen, dafür tauschten die vorderen Flügelspieler Lucas Brumme und Dickson Abiama die Seiten. In der 71. Minute war dann für Lucas Brumme und Marek Janssen Schluss. Der vom FC Augsburg ausgeliehene Aiman Dardari besetzte jetzt den linken Außenflügel, während Dickson Abiama auf seine ursprüngliche Position rechts vorne zurückging. Jaka Cuber Potocnik ersetzte Marek Janssen positionsgetreu. Für Dickson Abiama und Max Geschwill war dann das Spiel in der 83. Minute beendet, die Offensivkräfte Marvin Obuz und Noah Pesch sollten die drohende Niederlage noch abwenden, woraus bekanntlich nichts wurde.

Die Pluspunkte
Vor allem von der Offensive versprachen sich die RWE-Fans eine Menge vor dem Spiel, und sie sollten zunächst nicht enttäuscht werden. Nach einigen Ballgewinnen gegen die zu Beginn verunsicherte Saarländer Truppe wurde umgehend der Weg nach vorne gesucht. Allerdings ließ zunächst ein Verteidiger die rund 1600 mitgereisten Essener Anhänger jubeln. Ben Hüning versenkte völlig freistehend in der zehnten Minute einen Kopfball nach Ecke von Lucas Brumme direkt neben dem rechten Pfosten, Torhüter Bignetti war zwar am Ball dran, konnte aber den Einschlag nicht verhindern.

Fast hätte die Standardstärke von Lucas Brumme in der 22. Minute zum erneuten Torerfolg geführt, doch Bignetti lenkte den gut geschossenen Freistoß von der linken Seite noch um den Pfosten. Acht Minuten später zeigten die Gäste ein Mittel, was noch in Zukunft für Erfolg sorgen könnte. Ein lang geschlagener Ball sollte die Sturmkante Marek Janssen finden, der Saarländer Verteidiger Voet konnte den Ball im Zweikampf nur mit großer Mühe noch an den Sechszehnmeterraum rausköpfen. Dort stand aber Semir Telalovic, der mit viel Technik und etwas Glück den Ball in das Tor unterbringen konnte. Auffällig war während der ersten Halbzeit, dass RWE viel weniger Querpässe in den eigenen Reihen spielte als zur vergangenen Saison und direkter in die Spitze spielen will. Dieser Ansatz ist sehr zu begrüßen, allerdings müssen dafür aggressive Ballgewinne im Mittelfeld und noch mehr Geschwindigkeit her, wie es die Saarbrücker Offensivabteilung vor allem in der zweiten Halbzeit vorgemacht hat.

Die Minuspunkte
Gab es noch eine leise Hoffnung, in dieser Saison wenig über das fahrlässige Defensivverhalten der Essener Hintermannschaft zu schreiben, wurden diese in Saarbrücken vorerst sehr deutlich gedämpft. Bereits nach dem ersten eigenen Treffer verfiel das neue Team in alte Muster, als Saarbückens Leader Pick Franci Bouebari lässig auf der Außenbahn den Ball abluchste und die anschließende Flanke Alexander Staff nur um Zentimeter nicht verwerten konnte. Die immer wieder auftauchende Passivität nach eigenen Treffern brach dann den Gästen in der Folge das Genick.

Nur drei Minuten nach dem 2:0 fand eine weitere Flanke von Pick den Stürmer Alexander Staff, der zu Mladen Cvjetinovic verlängern konnte und das erste entscheidende Luftduell gegen die Essener Abwehr gewinnen konnte. Der Anschlusstreffer belebte die Hausherren derart, dass der nächste Treffer nur folgerichtig fiel. Nach einem der unzähligen Freistöße im gefährlichen Raum knapp hinter dem Sechzehner, welche die Essener zu häufig zuließen, bedankte sich Routinier Christian Kühlwetter artig und drosch den Ball aus sechs Metern ungehindert in das Tor.

Kurz darauf erfolgte der Halbzeitpfiff, und fast jedem im Ludwigsparkstadion war klar, das weitere Treffer fallen würden. Nach dem Wechsel hatten die Saarländer leichte Vorteile und die besseren (Halb-)Chancen, so dass der überragende Pick eine Viertelstunde im Zentrum auf wenig Gegenwehr stieß und noch mit seinem Schuss am Pfosten scheiterte, der Ball aber vor die Füße von Brünker sprang und dieser nur noch einschieben musste. Danach brachen die Gäste nach vielen Heraus- bzw. Hereinnahmen völlig auseinander, ein weiterer Freistoß von Pick am Sechzehner fand Innenverteidiger Siemon Voet, der das zweite entscheidende Kopfballduell gegen seine rot-weissen Innenverteidigerkollegen gewinnen sollte.

Damit war aber noch nicht die Sahne auf dem französischen Schokoladenkuchen, diese besorgte ausgerechnet Kelsey Owusu, der anscheinend sich an die guten Trainingseinheiten in Essen erinnern konnte und seinen ehemaligen Torhüter Jakob Golz nach Zuspiel von Kai Brünker umkurvte und damit eine Antwort auf seine Aussortierung an der Hafenstraße gab. Es bleibt sehr wahrscheinlich der einzige Treffer bis zum Rückspiel in Essen.

Die Gründe für die fehlenden defensive Stabiltät sind mannigfaltig. In der Innenverteidigung hatten die Verantwortlichen vor zwei Jahren noch versucht, mehr Lufthoheit in den Zweikämpfen zu gewinnen. Bekanntlich ging diese Qualität zu Lasten der Schnelligkeit, aber Schultz und Kraulich waren in der Lage, die hohen Bälle zu verteidigen und gaben gerade bei Standardsituationen dem Team Sicherheit. Nach drei Kopfballtore der Saarbrücker in der heißen Zone kann davon gesprochen werden, dass diese verloren gegangen ist. Zudem hat die Mannschaft mit Franci Bouebari und Jannik Hofmann zwei offensiv orientierte Außenverteidiger, die allerdings bereits in der letzten Saison Schwächen in der Zweikampfführung zeigten, was in Saarbrücken durch Pick und den pfeilschnellen Nankishi auf beiden Flügeln immer wieder zu Problemen führte.

In der Zentrale sind Janne Sietan und Toy Menzel im Einsatz und der Zweikampfführung nichts vorzuwerfen, aber sie waren auch nicht in der Lage, die Mannschaft zu tragen und somit ein Gerüst zu bilden, um diese Mannschaft zu stützen. Insgesamt ist die Anzahl der (frühen) gelben Karten und der Fouls in den heißen Zonen viel zu hoch, hier stellen sich viele Spieler aus dem Team zu naiv an. Auf das Trainerteam wartet viel Arbeit, das Abwehrverhalten deutlich zu verbessern, was in der letzten Saison bereits in der Gesamtbetrachtung nicht gelungen ist. Auch auf die Verantwortlichen wird e ankommen, die Mannschaft möglicherweise noch personell zu verstärken. Dafür sind ca. drei Wochen noch Zeit.

Der Aufreger des Tages
Eine gelungene Retourkutsche gab es für die Essener Verantwortlichen schon vor dem Beginn der Partie, als die Aufstellung von „Rouge-Blanche-Manger“ komplett auf Französisch vorgelesen wurde. Anscheinend hatten die Saarbrücken nicht vergessen, dass unser Anheizer vor der letzten Partie an der Hafenstraße die Gäste als „Möchtegernfranzosen“ bezeichnet hatte. Auch nach den Gegentoren wurde immer wieder eine Spitze in diese Richtung vom heimischen Stadionsprecher gemacht. Da Französisch in der Schule eines meiner schlechteren Fächer war, mache ich auf Deutsch meine Respektsbekundung: Sehr gelungener Konter!

Leider mündete diese neue geschaffene Rivalität direkt in unansehnliche Szenen direkt an der Sitztribüne der Gäste, wo nach jedem Gegentreffer unzählige Provokationen und Bierbecher auf die rot-weisse Anhängerschaft flogen. Anscheinend haben wir nicht genügend Vereine in der Liga, mit denen wir schon eine gepflegte Abneigung führen.

Zwar ist der Besuch des französischen Außenpostens immer eine Reise wert, gerade wenn man durch das Moseltal und die Eifel anreist, aber die angebliche Fantrennung der Lager sorgt für den großen Teil des Gästeanhang, der nicht auf Stress aus ist, immer wieder für Schweißausbrüche. Wer Polizisten bei der Arbeit zusehen will, wird in Saarbrücken immer fündig, nirgendwo wird mehr durch die Straßen der Landeshauptstadt planlos hin und her gerannt wie bei einem Fußballspieltag.

Die Lage in der Liga und Fazit
Am Sonntagvormittag rang der FC Hansa Rostock auch dank zweier Treffer von Voglsammer die TSG Hoffenheim 2 mit 3:2 nieder und wird seiner Favoritenrolle damit gerecht. Im letzten Spiel der ersten Runde lag Alemannia Aachen gegen die neuformierte Mannschaft aus Verl noch mit 0:1 zurück, drehte aber das Spiel in der zweiten Halbzeit mit einer starken Leistung und vier eigenen Toren.

RWE startet somit direkt einmal auf einem Abstiegsplatz, der allerdings wenig aussagekräftig ist, in die neue Saison. Alte Probleme im Defensivverhalten haben sich im Saarland mit Neuen gemischt. Trainer Uwe Koschinat will laut der Pressekonferenz eine Reaktion der Mannschaft sehen, sich in schwierigen Situationen zu wehren und nicht direkt einzubrechen.

Für die Zuschauer wäre es aber endlich einmal an der Zeit, wenn das Trainerteam nach über einem Jahr es schaffen würde, eine stabile Defensive auf das Feld zu bringen, schließlich gab es zwei Vorbereitungen in unterschiedlichen personellen Konstellationen dafür Zeit, im Kollektivverbund daran zu arbeiten. Dies ist auch nun einmal die Aufgabe des Trainerstabes, sonst können die langen Analysen für eine Neuausrichtung der Mannschaft auch gespart werden. Die erste Ansage, dass diese Saison schwierig werden könnte, gab es jetzt in Saarbrücken. Nur ein deutlicher Sieg im Heimspiel gegen TSV Havelse kann dafür sorgen, dass es an der Hafenstraße nicht schon zum Beginn der Spielzeit sehr unruhig wird. Ein guter Anfang wäre es, wenn die „Null“ hinten endlich wieder stehen könnte.

In diesem Sinne

NUR DER RWE

Pascal Druschke

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