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2026/2027 – 3. Liga

SV Wehen Wiesbaden – Rot-Weiss Essen

Nach der gelungenen Kür im DFB-Pokal gegen St. Pauli reisen die Rot-Weissen zum angeschlagenen Tabellenschlusslicht nach Wiesbaden. Warum die Essener gute Chancen haben, auch beim selbsternannten Aufstiegsanwärter drei Punkte zu holen, lest Ihr in unserem Vorbericht.

Trister Ligaalltag nach rauschendem Pokalerfolg – RWE muss in Wiesbaden bestehen

So schnell kann sich eine Stimmungslage in Essen verändern. Nach der deutlichen Auftaktniederlage in Saarbrücken und dem mageren 1:0-Erfolg gegen überforderte Havelser wurde der Zweitligist aus Hamburg mit einer sehr konzentrierten Leistung aus dem DFB-Pokal geschmissen. Da tut es auch nichts zur Sache, dass der FC St. Pauli sowohl auf dem Platz als auch auf und neben den Rängen ein schwaches Bild abgegeben hat. In einem Wettbewerb, wo sich wie im gesamten Fußballgeschäft eine gewaltige Lücke zwischen Erst- und Zweitligisten und dem Rest zeigt, ist RWE eine von nur drei Mannschaften, die als Außenseiter in die nächste Runde einziehen konnte. Dies gebührt allein den vollen Respekt für Trainerstab und Mannschaft.

Jetzt wartet allerdings wieder der Ligaalltag. Der Gegner aus Wiesbaden ist trotz höherer Ambitionen sehr schlecht in die Liga gestartet und grüßt die Konkurrenz vom hintersten Tabellenplatz. Allerdings befinden sich die Essener aufgrund der schwachen Tordifferenz ebenfalls noch in den unteren Tabellenregionen. Es ist ein richtungsweisendes Spiel für beide Mannschaften. Wiesbaden will den totalen Systemabsturz vermeiden, während die Essener den starken Auftritt aus dem Pokal bestätigen wollen.

Die Personallage

Aus der letzten Pokalwoche geht die Mannschaft mit einem Ausfall heraus. Michael Kostka ist nach wie vor durch seine Verletzung im Niederrheinpokalspiel gegen den SV Sonsbeck nicht einsatzfähig. Auch Jaka Cuber Potocnik klagt noch über Beschwerden aus dem Spiel gegen den Oberligisten. In der Nachbetrachtung kann die Mannschaft froh sein, aufgrund der vorherrschenden Platzverhältnisse in Sonsbeck nicht stärker gebeutelt zu sein.

Uwe Koschinat hat kaum Gründe, die erfolgreiche Truppe aus dem Pokalspiel gegen den FC St. Pauli völlig umzukrempeln. Torwart Jakob Golz und die beiden Innenverteidiger Ben Hüning und Max Geschwill dürften gesetzt sein. Auf den defensiven Außenbahnen werden Veränderungen auch nicht erwartet. Jannik Hofmann setzte die starke Flanke zum 2:0 auf Telalovic, Franci Bouebari kämpfte sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in die Partie hinein. Abräumer Janne Sietan und Arbeiter Toni Menzel sind aus der Zentrale zurzeit nicht wegzudenken.

Marvin Obuz zeigte in beiden Pokalspielen eine sehr gute Leistung und könnte wieder den Vorzug vor Dickson Abiama bekommen. Denkbar wäre am ehesten noch ein Wechsel auf der linken offensiven Seite, wo Lucas Brumme wieder vollständig genesen ist und Nico Pesch eine ordentliche, aber keine herausragende Partie gegen St. Pauli spielte. Dennoch zeigt genau dieses Szenario, welche herausragenden Möglichkeiten Uwe Koschinat in seinem Kader noch hat. Nicht nur aufgrund der beiden Tore haben Semir Telalovic und Marek Janssen in der Sturmspitze die Nase vorne, auch arbeiten beide Spieler unglaublich viel in der Defensive mit.

Der Gegner: SV Wehen Wiesbaden (Tabellenplatz zwanzig – null Punkte – null Siege – null Unentschieden – zwei Niederlagen – 1:7 Tore – Differenz -6)

Bereits Anfang Juni traute sich der SV Wehen Wiesbaden aus der Deckung und verkündete in Person von Daniel Scherning sein kommendes Saisonziel: Nichts weniger als der Aufstieg in die zweite Bundesliga soll es sein! Allerdings sorgen drei Aspekte bei dieser sehr offensiven Aussage für Verwunderung. Scherning war zu diesem Zeitpunkt schon bewusst, dass mit Fortuna Düsseldorf, Preußen Münster, MSV Duisburg, Hansa Rostock und Rot-Weiss Essen zahlreiche Konkurrenten auf die eher biederen Hessen warten würden. Zudem kam die Spielvereinigung aus einem Negativlauf, nur zwei der letzten neun Pflichtspiele in der Vorsaison konnten gewonnen werden. Zuvor allerdings sah es so aus, als ob Schernings Mannschaft möglicherweise noch ein Wörtchen um den Aufstieg mitreden könnte. Kurz vor der Winterpause besiegten die Wiesbadener noch die späteren Aufsteiger aus Osnabrück (1:0) und Cottbus (3:1). Auch nach dem Jahreswechsel ging die Erfolgsserie gegen die Topteams weiter, neben dem Sieg gegen Verl (2:1) wurden die Duisburger mit 6:1 gedemütigt. Nach diesem Spiel konnte selbst Dietmar Hirsch nicht mehr von einem unverdienten Triumph für den Gegner sprechen. Trotz eines schwächeren Auftritts an der Hafenstraße wurde selbst dort noch ein Punkt entführt (1:1). Am Ende mussten aber die Hessen abreißen lassen und wurden sogar vom zweitbesten Team der Rückrunde aus Aachen überholt.

Als dritter Punkt spricht auch der Umbruch im Kader gegen die Ansage des Cheftrainers. Zunächst beendete Identifikationsfigur Sascha Mockenhaupt nach zehn Jahren bei der SV Wehen wie angekündigt seine Karriere. Dann verlor die Mannschaft mit Fatih Kaya einen absoluten Goalgetter Richtung Samsunspor (1. Liga Türkei). Mit Ryan Johansson (Preußen Münster) verließ ein weiterer Stammspieler die hessische Landeshauptstadt. Die Neuzugänge haben zunächst weniger Strahlkraft gehabt. In Essen werden sich sicherlich einige an Max Brandt (zuvor SSV Ulm) erinnern, der in der Winterpause eigentlich an die Hafenstraße wechseln sollte, doch der SSV Ulm wollte den Mittelfeldspieler nicht gehen lassen. Philipp Hercher kam mit einer Erfahrung von 97 Zweit- und 135 Drittligaspielen aus Magdeburg nach Hessen. Ansonsten sind mit Ayoub Chaikhoun (1. FC Nürnberg) und Sinan Karweina (FC Luzern) für die Dritte Liga zwei unbekannte Gesichter verpflichtet worden.

Nach dem holprigen Start, der aus einer unglücklichen Niederlage gegen Preußen Münster (1:3), bei der ein umstrittener Elfmeter den SV WW auf die Verliererstraße brachte, und zwei deutlichen Klatschen beim Aufsteiger aus Würzburg (0:4) und im Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen (0:4) bestand, wurde der Panikmodus aktiviert. In der letzten Woche wurden innerhalb von nur 20 Stunden Roberto Massimo (Gornik Zabrze) und Marcus Müller (Holstein Kiel) noch zwei Spieler mit Erst- und Zweitligaerfahrung nach Hessen geholt. Ob sich beide für das Spiel gegen RWE noch empfehlen können, bleibt offen. Einfach wird die Aufgabe für die Mannschaft von der Hafenstraße garantiert nicht, der SV Wehen Wiesbaden wird sich gegen den totalen Fehlstart in die neue Saison stemmen. Wichtig wäre eine frühe Kontrolle, möglicherweise durch ein sehr schnelles Tor, um die Unsicherheit in Wiesbaden ausnutzen zu können.

Die Lage in der Liga und Fazit

Topfavorit Düsseldorf ist möglicherweise in der Dritten Liga angekommen und hat seinen ersten Sieg gegen die Zweitvertretung aus Stuttgart eingefahren. Der 1:0-Heimsieg war dabei wenig glanzvoll, dafür aber hochverdient.

Am Samstagmittag steigt das „Spitzenspiel“ zwischen dem MSV Duisburg und den Würzburger Kickers, die beiden Mannschaften konnten zwei Siege zum Auftakt feiern. Alemannia Aachen hat den Aufsteiger SV Meppen zu Gast, der nach der Rückkehr in die Dritte Liga gegen Mitaufsteiger Großaspach die ersten Punkte sammeln konnte. Die Verler wollen einen kompletten Fehlstart gegen die Fortuna aus Köln vermeiden, die ebenfalls noch keinen Sieg bejubeln konnten. Die Riege der Aufsteiger macht Sonnenhof Großaspach komplett, die ihr Heimspiel gegen den FC Ingolstadt bestreiten müssen. Am Samstagnachmittag will Jahn Regensburg die knappe Heimniederlage gegen den 1. FC Saarbrücken in Hoffenheim vergessen machen.

Der Sonntag startet mit einem heißen Duell, wenn der 1. FC Saarbrücken als Tabellenzweiter auf den Aufstiegsfavoriten aus Rostock trifft. Die gut gestarteten Mannheimer müssen anschließend in Hannover gegen den TSV Havelse bestehen, hoffen wir mal für die Waldhöfer, dass es auch diesmal im Stadion etwas zu Essen gibt. Viktoria Köln und Preußen Münster beschließen dann den dritten Spieltag.

Die Mannschaft von der Hafenstraße muss schnell den Schalter umlegen. Neben der sportlichen Ausgangssituation, gegen einen angeschlagenen Boxer antreten zu müssen, wird es auch auf den Rängen keine euphorische Stimmung wie an der Hafenstraße geben. Dennoch werden die anreisenden Fans aus dem Ruhrgebiet alles geben, um ihre Farben siegen zu sehen. Denn der Erfolg soll sich ebenfalls in der Liga einstellen, damit auch in dieser Saison die Möglichkeit auf den Aufstieg in die zweite Bundesliga besteht.

In diesem Sinne

NUR DER RWE!

Pascal Druschke