Kategorien
2026/2027 – 3. Liga

Rot-Weiss Essen – TSV Havelse

zum ersten Heimspiel der neuen Saison empfängt RWE den TSV Havelse. Nach der 2:5-Klatsche in Saarbrücken ist vor großer Kulisse Wiedergutmachung angesagt. Alles über unseren Gegner und warum die drei Punkte an der Hafenstraße bleiben, steht im Vorbericht.

Das Spiel nach dem Schock – RWE steht gegen den TSV Havelse bereits unter enormen Druck

Die Aufregung um die hohe Niederlage in Saarbrücken hat sich noch nicht gelegt. Auch im Nachgang der Partie wurde es kaum besser. Zunächst wurden neben der Diskussion um fehlende Führungsspieler und der Demütigungen auf Französisch noch die zustimmende Geste zu einem verbrecherischen Regime in den Medien aufgegriffen, der auf den Fernsehbildern deutlich im Gästeblock zu sehen war. Der Verein hat zugesichert, den Zuschauer zu identifizieren und zur rechtlichen Aufarbeitung beizutragen, was sehr zu begrüßen ist. Dieses Gedankengut hat absolut nichts in einem Stadion verloren, auch wenn die Realität traurigerweise anders aussieht.

Auch wenn es sehr schwerfällt, angesichts der harten Watschen auf und neben dem Platz im Ludwigsparkstadion sich auf das Sportliche zu konzentrieren, muss der Blick nach vorne gerichtet werden. Der TSV Havelse sollte eigentlich gar nicht mehr an der 3. Liga teilnehmen, doch dank der Probleme in München darf er das jetzt doch. Trotz eines stark veränderten Kaders sehen die meisten Buchmacher die Garbsener als ersten Absteiger an. Doch der Trend zeigte bereits in der letzten Rückrunde leicht nach oben, das Auftaktspiel verloren die Niedersachsen nach zweifacher Führung nur knapp gegen die Zweitvertretung aus Stuttgart. Die Essener werden gewarnt sein und müssen eine Reaktion zeigen, um nicht bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Saison weitere Diskussionen um Mannschaft und Trainer Tür und Tor zu öffnen.

Die Personallage

Auf der Pressekonferenz kurz vor dem Spiel erfolgte die nächste schlechte Nachricht. Führungsspieler Lucas Brumme fällt mit muskulären Problemen aus, sein Einsatz für das Pokalspiel gegen den FC St. Pauli ist allerdings noch nicht ausgeschlossen. Aufgrund des schwachen Auftritts in Saarbrücken sind weitere Personalwechsel möglich. Dies wird trotz fünf Gegentreffer aber nicht auf Stammtorhüter Jakob Golz zutreffen. In der Innenverteidigung wird Ben Hüning wegen seiner zugewiesenen Rolle als Antreiber der Abwehr gesetzt sein, neben ihm könnte es aber Veränderung geben. Allerdings ist es eher unwahrscheinlich, dass José Enrique Rios Alonso statt Max Geschwill der Innenverteidigung mehr Sicherheit geben könnte, als Kopfballungeheuer ist der Routinier sowieso nicht bekannt. Allerdings hatte Trainer Koschinat in der Vergangenheit nach zu vielen Gegentoren auf eine Fünferkette umgestellt, dann würden mit hoher Wahrscheinlichkeit sowohl Geschwill als auch Rios Alonso spielen.

Auf der rechten Außenbahn dürfte Jannik Hofmann weiter von Beginn an ran dürfen. Gegenüber hatte Franci Bouebari zwar seine Probleme, durch Brummes Ausfall könnte aber seine Erfahrung auf der linken Seite gebraucht werden. Für eine defensivere Variante stände noch Michael Kostka zur Verfügung. In der Zentrale könnte auch Janne Sietan weichen, allerdings kritisierte Uwe Koschinat den Alternativspieler Gianluca Swajkowski zuletzt für seine Trainingsleistung.

In Tony Menzel werden auf der „Acht“ große Hoffnungen gesetzt, wahrscheinlich darf auch er sich wieder beweisen. Veränderungen wird es durch Brummes Ausfall auf den offensiven Flügeln geben. Dickson Abiama scheint dort kaum wegzudenken zu sein, allerdings wäre es möglich, dass er die Seite zugunsten eines Einsatzes von Marvin Obuz wechselt. Denkbar wäre aber auch das Startelfdebüt für Aiman Dardari, dessen verpatztes Dribbling allerdings das 3:2 für Saarbrücken einleitete. Ganz vorne hat Semir Telalovic als „hängende Spitze“ die besten Karten, neben ihm könnte es laut den Eindrücken vom Training einen Tausch zugunsten von Jaka Cuber Potocnik statt Marek Janssen geben. Damit würde allerdings die Mannschaft noch weiter den Luftraum an den Gegner abtreten.

Der Gegner: TSV Havelse (Tabellenplatz zwölf – null Punkte – null Siege – null Unentschieden – eine Niederlage – 2:3 Tore – Differenz -1)

In Garbsen hätte wohl noch Mitte Mai niemand damit gerechnet, nach einer eher verkorksten Drittligasaison eine weitere Chance in der untersten Profiliga zu erhalten. Doch unverhofft kommt oft, oder in diesem Fall eine Nachricht aus Giesing. Denn mit der Insolvenz der Löwen aus München wurde die „undankbare“ siebzehnte Tabellenposition doch noch zu einem Platz an der Sonne. Bei der ganzen Fragwürdigkeit, ob dies nun sportlich verdient ist, müssen den Garbsener Nehmerqualitäten zugestanden werden.

Erst am fünfzehnten Spieltag der vergangenen Saison gelang der erste Sieg (2:1 gegen den SSV Ulm 1846), nur ein weiterer Erfolg konnte in der Hinrunde verbucht werden (3:2 beim Tabellenletzten aus Schweinfurt). Immerhin konnte diese Horrorbilanz in der Rückrunde deutlich gesteigert werden, die Anzahl der Siege wurde auf sieben erhöht und respektable 22 Punkte standen bei der Endabrechnung der zweiten Saisonhälfte zu Buche. Trotz einiger deftiger Niederlagen steigerte sich die Mannschaft und war in vielen Spielen nicht mehr chancenlos, was in Wiesbaden (4:1) oder gegen den FC Saarbrücken (2:0) unter Beweis gestellt werden konnte. So waren die Niedersachsen in der Lage an den SSV Ulm 1946 und Erzgebirge Aue, denen vor der Saison deutlich bessere Platzierungen zugetraut werden konnten, noch vorbeiziehen. Diese Leistung gebührt schon Respekt.

Danach begann aber für den Verein eine schwierige Phase der Neuorientierung, schließlich war die Planung schon auf den Spielbetrieb in die Regionalliga Nord ausgerichtet. Leistungsträger wie der Ex-GEler Nassim Bouljellab (Jahn Regensburg), Marko Ilic (Brisbane Roar, Australien) und Julius Düker (SC Freiburg II) waren für den Klub nicht zu halten.

Dafür setzten die Garbsener bei ihrer Transferoffensive auf geballte Drittligaerfahrung. Aus Aachen stießen Marc Richter und Kwasi Okyere Wriedt zwei bekannte Namen zum Team, vom MSV kam Jesse Tugbenyo für den Sturm. Kevin Schumacher kehrte aus Osnabrück nach Garbsen zurück, Donald Nduka fand den Weg aus Ingolstadt nach Niedersachsen. Zuletzt schloss sich auch noch Robin Velasco, der zuletzt für die Viktoria aus Köln spielte, dem Fastabsteiger an.

Auch darf nicht vergessen werden, dass die Essener Verantwortlichen und Anhänger auf ein bekanntes Gesicht treffen werden. Eric Voufack wurde am Ende der Saison 24/25 an der Hafenstraße aussortiert und fand eine neue sportliche Heimat in Dänemark, doch sein dortige Verein Kolding IF war bereit, ihn nach Deutschland in die Dritte Liga zu verleihen. Es gab sogar Gerüchte um die Verpflichtung von Ex-RWE-Spielmacher Ahmet Arslan, doch der gab einem Wechsel in die Türkei dem Vorzug. Sicherlich sind dies alles Namen, die in ihren vorherigen Vereinen nicht dauerhaft zur ersten Elf gehörten.

Allerdings erwartet sie dort mit Samir Ferchichi ein Trainer, der unter widrigsten Umständen ein Team zusammenschweißen kann und seinen Spieler das Credo mit auf dem Weg gibt, alles auf dem Platz zu lassen und niemals ein Spiel verloren zu geben. Und wenn es um widrige Umstände geht, sind die Garbsener echte Experten. Da in dem heimischen Wilhelm-Langehr-Stadion immer noch keine Heimspiele ausgetragen werden können, spielte der Verein bereits in der letzten Saison im Eilenriedestadion im benachbarten Hannover. Dort wurden allerdings nach dem vermeintlichen Abstieg die Stahlrohrtribünen auf der Gegengerade abgebaut, nur um diese nach dem Lizenzentzug von 1860 München schnell wieder aufzubauen. Laut des DFB lagen aber die sicherheitsrelevanten Nachweise für den Aufbau der Tribünen nicht rechtzeitig vor, so dass der Verband nur die zuvor angegebene Ausweichspielstätte von Hannover 96, die Heinz-von-Heiden-Arena, akzeptierte.

Hierüber wurden die 96er allerdings auch sehr spät informiert, so dass sich der TSV auch noch den Zorn des 50 plus 1-Gegners Martin Kind zuzog. Natürlich ist dies alles nicht im Sinne des Profifußballs, allerdings schadet der Umzug in die Heinz-von-Heiden-Arena vor allem dem TSV selbst. Gegen die Zweitvertretung aus Stuttgart verirrten sich nur 750 Zuschauer in die knapp 49.000 Plätze fassende Arena, für das Catering war nur die Ausgabe von Getränken möglich.

Dies kostet dem kleinen Verein unglaublich viel Geld, ein Zustand, der so auf Dauer nicht durchgehalten werden kann. So haben die Anhänger von Traditionsvereinen in dieser Liga wieder viel zu schmunzeln, wie in der Vergangenheit mit der „Mission Profifußball“, die einen Aufstieg des TSV bis 2030 in die zweite Bundesliga vorsieht. Auch wenn dies sehr wahrscheinlich nicht eintrifft, muss RWE wie in der vergangenen Rückrunde daheim eine sehr konzentrierte Leistung an den Tag legen, verbunden mit der Effektivität in der Offensive. Nur so können die ersten Gewitterwolken, die an der Hafenstraße aufziehen könnten, zunächst einmal vertrieben werden.

Die Lage in der Liga und Fazit

Der selbst ernannte Aufstiegsfavorit aus Wiesbaden holte sich beim Aufsteiger aus Wiesbaden am Freitagabend eine deftige 0:4-Klatsche ab und dort werden die Diskussionen schon jetzt losgehen. Am Samstag haben die beiden Zweitligaabsteiger aus Düsseldorf und Münster machbare Heimaufgaben. Fortuna erwartet die Zweitvertretung aus Hoffenheim, während die Preußen den FC Ingolstadt zu Gast haben. In Köln kommt es zum Mittelrhein Duell zwischen der Fortuna und Alemannia Aachen.

Der SV Meppen bekommt es daheim mit dem Mitaufsteiger aus Großaspach zu tun. Im weiteren Verlauf des Tages spielt der SV Verl, die eine heftige Niederlage gegen Aachen wieder gut machen wollen, gegen den MSV Duisburg, der seinen Coup in Westfalen vom vergangenen Jahr gerne wiederholen möchte. Mit Spannung startet der Sonntag zunächst mit dem Duell zwischen Aufstiegsfavorit Hansa Rostock und Waldhof Mannheim, die Fortuna Düsseldorf am ersten Spieltag besiegen konnten. Danach folgt das Aufeinandertreffen der Tabellenführer aus Saarbrücken und Regensburg, die beide ihre Auftaktpartien mit 5:2 gewinnen konnten. Der Abschluss des zweiten Spieltags findet ihn Großaspach statt, wenn die Zweitvertretung aus Stuttgart gegen Viktoria Köln gefordert sein wird.

Nach deftigen Niederlagen in der vergangenen Saison gab die Mannschaft von der Hafenstraße immer stets eine passende Antwort. Auch diesmal wird es nötig sein, gerade durch die veränderte Konstellation und Hierarchie in der Mannschaft, ein deutliches Zeichen zu setzen. Gegen den TSV Havelse wird es dann auch egal sein, wer auf dem Platz stehen wird. Diese Mannschaft muss besiegt werden, am besten deutlich und am schönsten ohne Gegentor. Sonst könnte es sehr ungemütlich werden wie schon lange nicht mehr an der Hafenstraße. An den Zuschauern wird es garantiert nicht liegen, die nach dem verpassten Aufstieg und der Niederlage gegen Saarbrücken einen Sieg dringend bejubeln möchten.

In diesem Sinne

NUR DER RWE!

Pascal Druschke