Jawattdenn.de: Ihr habt zum ersten Mal in der Dritten Liga im vierten Anlauf ein Spiel im Sportpark Höhenberg gegen Viktoria Köln gewinnen können. Hat das Einfluss auf die Stimmung beim Training?
Jakob Golz: Es war mein viertes Spiel dort und auch wenn man die Vereinshistorie anschaut, hat RWE lange nicht mehr in Köln gewinnen können. Man spricht da schon einmal von einem kleinen Fluch und wenn man den bricht, löst das positive Gefühle aus. Da ist die Stimmung noch einmal besser.
Jawattdenn.de: Bist du jemand, der auf solche Statistiken achtet?
Jakob Golz: Normalerweise achte ich nicht darauf, zumal ich bei vielen Spielen, die der Verein in der Vergangenheit nicht gewinnen konnte, nicht dabei war. Insgesamt war das der vierte Sieg in Serie und der tut gut, egal wie die Historie dieses Spiel war.
Jawattdenn.de: Du sprichst die Siegesserie an. In einem WAZ-Interview hast du diese Erfolge mit einer Mischung von Form, Mentalität und Momentum erklärt, also vor allen Dingen auf der psychischen Ebene. War es denn nur eine Frage der Köpfe von euch Spielern oder habt ihr nach den beiden Auswärtsniederlagen in Osnabrück und Rostock auch im Training etwas verändert?
Jakob Golz: In der Hinrunde haben wir es nicht geschafft, so einen Flow aufzubauen. Wir haben nicht viel geändert, sondern sind nach den beiden Spielen positiv geblieben und haben weitergemacht. Nun haben wir auf die beiden Negativerlebnisse mit den vier Siegen eine positive Antwort gegeben. Wir haben die Niederlagen gut analysiert, aber manchmal kann man im Fußball nicht erklären, warum man dann auf einmal alle Fifty-Fifty-Aktionen für sich entscheidet. Wenn es aber so ist, müssen wir den Erfolg mitnehmen und solange aufrechterhalten, wie es geht.
Jawattdenn.de: Auch in schwierigen Phasen wirkt es, als ob es in der Mannschaft stimmt. Woran zeigt sich das für dich?
Jakob Golz: Wir haben einen sehr breit aufgestellten Kader, in dem jeder den Anspruch hat, zu spielen. Uns zeichnet jedoch aus, dass auch die Leute von der Bank alles geben und Spiele entscheiden. Auch wenn jeder, der nicht spielt, sich ärgert, gönnen wir uns einander Erfolge. Insgesamt ist das zusammen mit der hohen Trainingsqualität das, was diese Mannschaft auszeichnet.
Jawattdenn.de: Du selbst konntest gezwungenermaßen zuletzt lange nicht auf dem Platz stehen. Wie sehr hast du dich nach einer Rückkehr gesehnt?
Jakob Golz: Es war meine erste schwere Verletzung. Ich hatte vor einigen Jahren einen Mittelhandbruch, mit dem konnte ich jedoch individuell trainieren und dadurch, dass der Bruch zum Saisonende auftrat, konnte ich ihn in der Sommerpause heilen lassen und habe nicht viel verpasst. Jetzt kam die Verletzung während der Saison. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, die Reha hier in Essen zu machen, um einerseits nahe an der Mannschaft zu bleiben und andererseits, weil ich dem Reha-Trainer hier voll vertraut habe. Das war eine gute Entscheidung, denn ich habe ein gutes Gefühl bei der Reha gehabt und habe schnelle Fortschritte bemerkt. Ich habe mich schneller als gedacht bereit gefühlt, wieder zu spielen und war dann froh, als ich wieder auf dem Platz stand. Mir macht es viel mehr Spaß zu spielen, als nur im Kraftraum meine Übungen zu machen.
Jawattdenn.de: In Köln hatten wir den Schockmoment, als du erneut richtig getreten wurdest. Ist dort etwas passiert?
Jakob Golz: Das war auch für mich ein kurzer Schockmoment. Aus der Reha weiß ich, dass es bei der Dehnung des Bandes zu einem Schmerz kommen kann, der aber nach einigen Minuten vergeht, wenn nichts passiert ist. Deswegen habe ich es weiter ausprobiert und es ging in Köln gut weiter und es ist auch im Nachhinein nichts zurückgeblieben.
Jawattdenn.de: Du bist ein erfahrener Torwart. Hattest du trotzdem eine höhere Anspannung, als du nach all den Wochen gegen Aue wieder aufgelaufen bist?
Jakob Golz: Für mich war es recht entspannt. Ich hatte meine Abläufe mit dem Torwarttrainer, mit dem ich vor dem Spiel auch lachen konnte. Eine Anspannung ist immer da, es ist aber eher eine Vorfreude, dass ich wieder spielen kann und dass ich mit einem Heimspiel starten und es genießen konnte.

Jawattdenn.de: Kommen wir zu deinem Werdegang: Du hast jung mit dem Sport begonnen, hast aber neben dem Fußball auch anderes gemacht, wie zum Beispiel gerne Tennis gespielt. Wann hast du dich endgültig entschieden, dass es der Fußball für dich sein soll?
Jakob Golz: Bis ich acht Jahre alt war, habe ich in Freiburg verschiedene Sportarten gemacht. Für den Fußball habe ich mich entschieden, als ich in die U12 des HSV gewechselt bin. Dabei stand noch nicht fest, dass ich Profi werden würde, aber ich wollte mich ab dem Moment voll auf den Fußball konzentrieren. Dass ich eine Chance habe, Profi zu werden, wurde so mit 16 Jahren klarer, als sich das Training intensiviert hat.
In jungen Jahren habe ich auf dem Feld gespielt und bin erst mit 11 bei Eintracht Norderstedt ins Tor gegangen. Als sich unser Torwart verletzt hat, bin ich im Training bei einer Torschussübung ins Tor gegangen. Ich kann mich daran nicht mehr erinnern, es war aber wohl nicht so schlecht, denn ich bin von da an im Tor geblieben.
Jawattdenn.de: Für die Jugend eines Proficlubs ist ja ein Wechsel mit nur 11 Jahren sehr jung. Wie kommt man als so junger Fußballer zum HSV?
Jakob Golz: Ich habe direkt, als wir nach Hamburg gezogen sind, versucht zur U9 vom HSV zu kommen und habe dort als Feldspieler ein Probetraining gemacht. Damals bin ich abgelehnt worden. (lacht)
Im Jugendbereich gibt es auch Scouts und ich bin dann mit 11 Jahren angesprochen worden, ob ich mir einen Wechsel vorstellen konnte. Das konnte ich natürlich. Ich war sowieso schon auf einer Partnerschule des HSV, weswegen der Kontakt die ganze Zeit über sehr eng war, sodass es für mich dort sehr gut gewesen ist.
Jawattdenn.de: Du hast schonmal gesagt, dass der HSV dir etwas bedeutet. Warst du auch schon vor deinem Wechsel als Kind Fan vom Verein?
Jakob Golz: Eine familiäre Verbindung war sicher schon da, die Identifikation kommt aber eher aus den 10 Jahren, die ich in dem Verein verbracht habe. Ich bin nicht so ein Herzensfan, wie es andere sind. Ich mag auch den SC Freiburg, weil ich mich auch gern an die Zeit dort zurückerinnere, aber am größten ist die Verbindung zum HSV.
Jawattdenn.de: Eltern wollen für ihre Kinder häufig Berufe mit gesichertem Einkommen und sind selten erfreut, wenn die Kinder Karrieren in Kunst, Musik oder Sport einschlagen wollen. Jetzt kommst du aus einem Sportlerhaushalt. Waren deine Eltern sofort begeistert, als du in Richtung Fußballprofi gehen wolltest?
Jakob Golz: Es gab nie diesen einen Punkt, in der wir solch ein Gespräch geführt haben. Ich habe mein Abitur abgelegt und kam dann in die U21 des HSV. Meine Eltern haben mir nahegelegt, dass ich auch zusätzlich etwas lernen soll. Ich habe nun eine abgeschlossene Ausbildung zum Versicherungskaufmann. Ich bin dankbar, dass ich das gemacht habe, denn ich bin dadurch selbständiger geworden und habe kennengelernt, was das echte Leben abseits vom Fußball ist. Nach meinem Abschluss der Ausbildung bin ich dann nach Essen gewechselt.
Jawattdenn.de: Der Wechsel nach Essen war im Jahr 2019. Wie ist der Kontakt zu RWE zustande gekommen?
Jakob Golz: Christian Titz wurde hier Trainer und war zuvor anderthalb Jahre mein Trainer in der U21 des HSV. Wir haben dann telefoniert und er hat mir von dem Verein und dem Projekt hier in Essen erzählt. Er hat mich sofort überzeugt, den Wechsel aus der U21 zu einem solchen Traditionsverein zu machen.
Jawattdenn.de: Du bist in einer Weltstadt wie Hamburg aufgewachsen. Aus der Sicht eines Hamburgers ist das Ruhrgebiet sicher nicht die große Welt. Musstest du überlegen, ob die Region für dich die richtige ist?
Jakob Golz: Ich hatte vorher gar keine Berührungspunkte mit dem Ruhrgebiet, weswegen ich auch keine Vorstellung hatte. Meine Familie ist mir sehr wichtig, aber ich fand die Erfahrung gut, mal von der Familie wegzugehen und auf eigenen Beinen zu stehen.
Es kamen damals viele neue Spieler und ich habe viel mit Amara Condé und Jan Neuwirth unternommen, was mir den Anfang erleichtert hat. Auch das Umfeld war anders als Hamburg, ich habe es aber immer als sehr herzlich und sehr ehrlich wahrgenommen. Das zeichnet das Ruhrgebiet in meinen Augen auch aus.
Jawattdenn.de: Die Überzeugung von dir hat Christian Titz sehr früh unter Beweis gestellt. Es ist ein mutiger Schachzug gewesen, als er bereits am 14. Spieltag gegen Bergisch-Gladbach den erfahrenen Marcel Lenz herausgenommen und dich als blutjungen Torwart in der Startelf aufgestellt hat. Wie sah es in deiner Gefühlswelt aus, als er dir das gesagt hat?
Jakob Golz: Wir hatten im Vorfeld drei Spiele verloren. Das Konzept von Christian Titz baut auf einem sehr mutigen und offensiven Torwartspiel auf. Mein Vorteil war, dass ich das schon zwei Jahre gespielt habe. Ich habe mich sehr gefreut, als er mit mir gesprochen hat.
Wenn ich vergleiche, wie ruhig ich heute reagiere, egal was auf dem Platz passiert, war ich damals schon sehr aufgeregt. Wir haben nicht nur das Spiel in Bergisch-Gladbach 2:1 gewonnen, sondern auch die nächsten Spiele. Es war also ein guter Einstand.
Jawattdenn.de: Die ersten sechs Spiele, in denen du auf dem Platz warst, habt ihr alle gewonnen.
Jakob Golz: Das ist wirklich ein guter Einstand. (lacht) Deswegen war es schade, dass die Saison wegen Corona abgebrochen wurde. Ich denke heute gern daran zurück und mit jedem Spiel, das man macht, wird man immer entspannter und ruhiger auf dem Platz.
Jawattdenn.de: Du sprichst die Corona-Zeit an, die für dich zur absoluten Unzeit kam. Du warst gerade frisch Stammtorwart im Herrenbereich und dann haut dir das dazwischen. Wie sehr hast du damit in der Zeit gehadert?
Jakob Golz: Das kam für mich zu einem schlechten Zeitpunkt, aber das kann man nicht beeinflussen. Dazu kam, dass die Wege des Vereins und Christian Titz sich getrennt haben und mit Daniel Davari ein sehr erfahrener Torwart geholt wurde. Es wurde zwar gesagt, dass es ein offener Konkurrenzkampf sein sollte, aber ich konnte schon einschätzen, dass er die Nase vorne haben würde.
Da habe ich mir Gedanken gemacht, wie es weitergehen würde, aber ich wollte mich durchbeißen und im Training Leistung zeigen, wofür ich anderthalb Jahre später belohnt wurde. Auch da war der Einstieg wieder gut und wurde mit dem Aufstieg gekrönt.
Jawattdenn.de: Durchbeißen ist ein gutes Wort. Du hast deinen Vertrag 2021, als du noch nicht wieder Stammtorwart warst, sogar noch einmal verlängert. Musstest du da nicht überlegen, ob es wirklich bei dem Verein weitergehen soll, der sich zuvor für einen anderen Stammtorwart entschieden hat?
Jakob Golz: Es gab Alternativen, über die ich nachgedacht habe. Ich war allerdings überzeugt, dass ich hier eine Chance habe, und ich war von meinen Fähigkeiten überzeugt. Ich habe hier mit Manuel Lenz gut gearbeitet und habe die Chance bekommen. Ich habe an den Verein, an die Möglichkeiten und an die Ziele des Vereins geglaubt und zum Glück ist es bislang aufgegangen.
Jawattdenn.de: Das Glück besteht auch auf Vereinsseite, dass du das gemacht hast. Christian Neidhart hat dich 2022 am 32. Spieltag wieder eingesetzt. Wie hat er dir das mitgeteilt, dass er einen Torwartwechsel vornimmt?
Jakob Golz: Es war vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln II. Unter der Woche war ich im Kraftraum, als Manuel Lenz kam und mich mitgenommen hat. Im Trainerbüro haben wir das dann besprochen.
Ich habe mich sehr darüber gefreut, aber es war auch keine einfache Situation, weil es um extrem viel ging. Die Drucksituation war für mich hoch, denn hätte ich in der Zeit nicht gut gespielt, wäre mein Weg auch nicht weitergegangen. Verglichen mit den ersten Spielen war ich trotzdem ruhiger und entspannter, also habe ich mich in den Jahren durchaus entwickelt, obwohl ich wenig gespielt habe. Es ging aber gut und wir haben keines der neun restlichen Spiele verloren.
Jawattdenn.de: Den Aufstieg in die Dritte Liga hast du erwähnt. Obwohl es sehr ruckelig losging, hast du dich aber schnell auch aus Sicht vieler Experten als Toptorwart der Dritten Liga etabliert.
Jakob Golz: Der Aufstieg war für den ganzen Verein schwierig. Es war heftig, als wir direkt im ersten Spiel, gegen einen, vermeintlich nur, Mitaufsteiger wie Elversberg nach kurzer Zeit schon 1:4 hinten lagen. Ein wichtiger Moment war mein entscheidender Fehler im Spiel in Dortmund, der für meine persönliche Entwicklung gut war. Da habe ich gemerkt, dass man sich in der Dritten Liga solche Fehler nicht mehr erlauben darf. Ab dem Moment ging es für mich bergauf. Schon in dem Moment hatte ich keine zittrigen Hände, sondern habe meine Lehren daraus gezogen und dann habe ich konstant meine Leistungen gebracht.
Als Mannschaft haben wir den Klassenerhalt geschafft und haben danach eine sehr gute Saison gespielt, in der es aber nicht zum Aufstieg gereicht hat. In der letzten Saison haben wir zwar nicht gut angefangen, aber im Winter den Turnaround geschafft, eine Serie gestartet und etwas Großes aufgebaut.

Jawattdenn.de: Im Jahr 2025 passierte das, was fast keiner von uns Fans zu hoffen gewagt hat, du hast deinen Vertrag erneut verlängert. Was sprach für dich für weitere Saisons bei Rot-Weiss Essen?
Jakob Golz: Die Entscheidung war wie bei den letzten Malen, dass der Verein aus meiner Sicht ein großes Potenzial und das beste Gesamtpaket für mich hat. Es gibt sicher auch gute Alternativen, aber das Ziel, mit dem Verein etwas Großes zu schaffen, möchte ich weiter mitgehen.
Jawattdenn.de: Du hast den Fehler in Dortmund erwähnt. Was bist du für ein Mensch: Machst du solche Erlebnisse mit dir selbst aus oder suchst du das Gespräch mit anderen Menschen?
Jakob Golz: Ich spreche immer mit meinem Vater, wenn er bei den Spielen ist. Er ist immer sehr kritisch. (lacht) Ich bin darüber hinaus in regelmäßigem Austausch mit einem Sportpsychologen. Das kann ich nur jedem Fußballer ans Herz legen, denn der Kopf ist in diesem Beruf entscheidend. Es wird unterschätzt, dass man sich nicht von äußeren Einflüssen ablenken lassen darf, und es gelingt mir sehr gut, dass ich mich davon lösen kann.
Jawattdenn.de: Du hast die Saisons zusammengefasst, du hast Abstiegskampf erlebt und jetzt klopft ihr massiv oben an. Ist das für dein Torwartspiel ein Unterschied, ob ihr euch gegen den Abstieg stemmt oder eines der stärksten Teams der Liga seid?
Jakob Golz: Es macht einfach mehr Spaß, wenn man gewinnt. Im ersten Jahr hatten wir eine gute Phase und sind eher am Ende wieder voll reingerutscht. Das war letztes Jahr anders. Als wir nach dem Aachenspiel vier Punkte unter dem Strich waren, hat man sich schon gefragt, ob wir das noch hinkriegen. Da sind wir aber als Mannschaft eng zusammengerückt und haben den Umschwung im Hannover-Heimspiel eingeläutet.
Es ging in der letzten Rückrunde zwar gegen den Abstieg, aber es war echt stark, was wir für eine Geschlossenheit hatten und wie viele Erfolge wir feiern durften. Wir haben im Schnitt mehr als zwei Punkte geholt.
Jawattdenn.de: Aus mittlerweile über 30 Jahren RWE kann ich sagen, dass RWE in der Zeit viele starke Torhüter mit auch starken Persönlichkeiten hatte, die hier bis heute hoch angesehen sind und da würde ich dich jetzt schon zuzählen. Wie ist das Verhältnis zu den RWE-Fans denn aus deiner Sicht?
Jakob Golz: Ich merke die Wertschätzung natürlich. Es freut mich, wenn gesungen wird, aber ich mag es eigentlich nicht so gern, im Mittelpunkt zu stehen. Es ist aber eine Ehre für mich, dass ich mir diesen Ruf hier über die Jahre aufbauen konnte.
Jawattdenn.de: Ein ganz abgedroschener Spruch sagt aus, dass Linksaußen und Torhüter immer eine Macke haben. Jetzt erlebe ich dich eher ruhig und besonnen auf dem Feld. Gibt es denn im Training mal Momente, in denen du dem Spruch gerecht wirst und aus der Haut fährst?
Jakob Golz: Deine Aussage würden viele aus der Mannschaft wahrscheinlich widerlegen (lacht). Es gibt Momente, bei denen ich aus der Haut fahre. Während des Spiels bin ich aber bewusst ruhig, um die Ruhe auf die Mannschaft zu übertragen und ihr damit Stabilität zu geben.
Jawattdenn.de: Als Torhüter habt ihr eine besondere Position und auch einen eigenen Positionstrainer mit Manuel Lenz. Inwieweit trennt man sich als Torhüter vom Rest der Mannschaft?
Jakob Golz: Die Torwartposition ist speziell. Wenn der Rechtsaußen einen Fehler macht, kann der in der Regel ausgebügelt werden, als Torwart ist ein Fehler meistens gleichbedeutend mit einem Gegentor. Deswegen ist die Atmosphäre in der Torwartgruppe so wichtig. Wir verbringen viel Zeit zusammen, machen oft erst eine Stunde Torwarttraining, bis wir zur Mannschaft kommen. Bei uns ist die Leistungsdichte hoch und die Moral stimmt. Jeder von uns will spielen, aber wir gönnen uns Erfolge. Das ist der Grund, warum jeder von uns sich in den letzten Jahren sehr gut weiterentwickelt.
Es gibt Konstellationen, in denen sich nicht jeder gegenseitig etwas gönnt und darunter leidet der Spaß und die Qualität des Trainings. Dass die Zusammensetzung bei uns so positiv ist, bringt uns weiter. Manu macht das auch einfach sehr gut.

Jawattdenn.de: Sieben Jahre RWE sind für einen heutigen Fußballer eine extrem lange Zeit. Was bedeutet RWE nach all den Jahren für dich?
Jakob Golz: Ich bin als junger Torwart für zwei Jahre nach Essen gewechselt und wollte möglichst viel Spielzeit bekommen. Ich habe mich dann sehr schnell sehr wohl in diesem Umfeld gefühlt und die Dinge haben ihren Lauf genommen. Es war schnell klar, dass ich bleiben möchte und durch die Erfolge und den Aufstieg sind der Verein und die Stadt mir schnell ans Herz gewachsen.
Essen ist neben Hamburg meine zweite Heimat geworden, was verständlich ist, wenn man so herzlich aufgenommen wird. Ich bin weiterhin froh hier zu sein und in einer tollen Mannschaft zu spielen. Es macht mir jeden Tag Spaß hierher zu kommen.
Jawattdenn.de: Wir Fans sind ja auch nicht in jeder Situation abgeklärt und super fair. Gibt es Momente, in denen du mit deinen sieben Jahren Erfahrung für die Mitspielern das Verhalten von uns Zuschauern einordnen kannst?
Jakob Golz: Es gibt schon Momente, in denen Mitspieler sagen, dass es krass ist, in denen ich denke, da habe ich schon andere Sachen erlebt. (lacht). Die Emotionalität geht hier einfach in beide Richtungen. Die RWE-Fans mussten lange in der Regionalliga leiden, deswegen sind hier alle froh, in der Dritten Liga zu sein. Trotzdem sind die Erwartungen hier ambitioniert.
Die Emotionalität der Fans macht diesen Verein aus, deswegen muss man auch ein dickeres Fell mitbringen, wenn man hier spielt. Ich habe hier mittlerweile alles miterlebt und bin für alles gewappnet.
Jawattdenn.de: Das Derby gegen den MSV Duisburg steht an. Als Hamburger liegt dir das Derby zwar nicht im Blut, aber nachdem du es mehrfach erlebt hast, kribbelt es im Vorfeld doch anders als vor anderen Spielen?
Jakob Golz: Ich habe es wirklich mehrmals gespielt. Zum ersten Mal am zweiten Spieltag der ersten Drittligasaison, da habe ich es noch von außen betrachtet, weil der Bezug noch nicht da war. Über die Jahre und die tollen Siege, die wir geholt haben, ist der emotionale Bezug bei mir da. Ein besseres Derby kann man nicht haben. Beide Mannschaften sind oben. Wer da nicht Bock auf das Spiel hat, ist im Fußball falsch aufgehoben. Wir nutzen die Trainingswoche und bereiten uns auf ein geiles Derby vor.
Jawattdenn.de: Vielen Dank für das ausführliche Gespräch!
Das Interview führte Hendrik Stürznickel.
