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2025/2026 – 3. Liga

Rot-Weiss Essen – 1. FC Saabrücken

Trotz der dramatischen Niederlage im Duell gegen Energie Cottbus ist die Ausgangslage für die Roten nahezu gleichgeblieben. RWE ist immer noch Zweiter, auch wenn der Vorsprung auf Platz drei und vier etwas geschrumpft ist. Wie Tabellenplatz 2 weiter verteidigt werden kann, steht in unserem Vorbericht.

Auf den letzten Metern – Aufstiegshoffnung vs. Abstiegsangst an der Hafenstraße

Trotz der dramatischen Niederlage im Duell gegen Energie Cottbus ist die Ausgangslage für die Roten nahezu gleichgeblieben. RWE ist immer noch Zweiter, auch wenn der Vorsprung auf Platz drei und vier etwas geschrumpft ist. Das Selbstvertrauen der Mannschaft dürfte nach der Siegesserie von sieben Spielen in Folge inklusive Derbysieg und großartigen ersten siebzig Minuten an der polnischen Grenze weiterhin sehr hoch sein. Zudem ist es eine Halbserie her, seitdem die Essener zu Hause verloren haben. Die Voraussetzungen sind weiterhin geschaffen, um eine gute Ausgangsposition im Aufstiegskampf zu behalten.

Zu Gast ist der 1. FC Saarbrücken, der eine beispiellose sportliche Krise durchleben muss. In der letzten Saison war der Traditionsklub aus dem Saarland noch Teilnehmer an der Relegation, aktuell muss sich die Mannschaft aber noch ein wenig strecken, um den Klassenerhalt unter Dach und Fach zu bringen. Angesichts der Kader der beiden Mannschaften dürfte es am Sonntag dennoch zur Sache gehen, zumal bei beiden Truppen eine Menge auf dem Spiel steht.

Die Personallage

Trainer Uwe Koschinat kann nahezu auf den kompletten Kader zurückgreifen. Einzig Jannik Mause wurde endgültig aussortiert und wird bis zum Auslaufen des Leihvertrages nicht mehr im Essener Kader stehen. Damit endet das Kapitel des Drittligatorschützenkönigs aus der Saison 23/24 an der Hafenstraße wenig glamourös. Vor Stammkeeper Jakob Golz dürften sich Rios Alonso, trotz schwacher Leistung in Cottbus, und Kapitän Michael Schultz in der Innenverteidigung berechtigte Hoffnungen auf einen Startelfeinsatz machen.

Nach seiner Gelbsperre darf Lucas Brumme wieder eingesetzt werden und wird nach aller Voraussicht mit Franci Bouebari die linke Seite umpflügen. Gegenüber hatte Jannik Hofmann in Cottbus nicht seinen besten Tag, dürfte aber wegen seiner Offensivqualitäten gesetzt sein. Durch Brummes Rückkehr auf dem Platz könnte Dickson Abiama wieder die Seiten wechseln und Hofmann unterstützen. Vor der Abwehrkette haben sich Klaus Gjasula, Torben Müsel und Kaito Mizuta nahezu unentbehrlich gemacht und werden höchstwahrscheinlich wieder eine starke Zentrale bilden. In der Sturmspitze dürfte Marek Janssen, der in Cottbus einen Treffer erzielen konnte, weiter die Nase vor Jaka Cuber Potocnik haben.

Der Gegner: 1. FC Saarbrücken (Tabellenplatz: 15 – 38 Punkte – acht Siege – vierzehn Unentschieden – zwölf Niederlagen – 42:49 Tore – Differenz -7)

Auch an der Ausgangslage für die Saarländer hat sich seit der Hinrunde wenig verändert. Zwar befindet sich die Mannschaft aus dem kleinen Bundesland außerhalb der Abstiegsplätze, tänzelt aber noch immer am Abgrund entlang. Nachdem Alois Schwartz kurz vor dem Hinspiel gegen RWE den Hut nehmen musste, blieb auch Jürgen Luginger nicht lange genug, um das Rematch zu erleben. In der Folge eines 0:0 gegen Mitkonkurrent Erzgebirge Aue wurde Argirios Giannikis verpflichtet, der in Essen aufgrund der Bekanntgabe seines Absprungs zur kommenden Saison zum damaligen Drittligisten VfR Aalen und dem damit verbundenen sportlichen Absturzes der Bergeborbecker in der Saison 17/18 einen eher zweifelhaften Ruf genießt. Immerhin bringt er die Qualifikation in das Saarland mit, bei seiner letzten Station in München dreimal gegen RWE gewonnen zu haben. Unter ihm hat sich die Mannschaft kaum weiterentwickelt. Bei seinem Debüt gelang zu Hause gegen den VfB Stuttgart 2 zunächst mit einem 2:0 ein kleiner Befreiungsschlag, danach folgten aber nur zwei Unentschieden gegen die direkte Konkurrenz aus Ulm und Schweinfurt. Der Sieg gegen den formstarken SV Wehen ließ Hoffnung aufkommen, wenigstens eine Serie ohne Niederlage gestartet zu haben, die aus dem Tal der Tränen führen sollte.

Doch trotz eines guten Auftrittes verlor der FCS beim MSV Duisburg mit 4:2, auch die nächsten Partien gegen Jahn Regensburg (1:1) und beim SC Verl (3:0) konnten nicht gewonnen werden. Nach dem letzten Heimsieg gegen den FC Ingolstadt (1:0) folgte eine enttäuschende Niederlage beim TSV Havelse und ein Unentschieden gegen den TSV 1860 München, bei dem das Glück eher auf Seiten der Löwen stand.

Bei der Betrachtung des Kaders wundert sich der neutrale Betrachter über den bisherigen Saisonverlauf. Allein im Mittelfeld reihen sich Topspieler auf, doch Tim Civeja, der im Winter als Ersatz für Tom Moustier auf der Liste der Essener gestanden haben soll, Kasim Rabihic, Calogero Rizzuto, Patrick Sontheimer und co. sind alle nicht in der Form ihres Lebens. Einzig Florian Pick sticht mit 13 Treffern und weiteren 9 Vorbereitungen deutlich hervor. Der Sturm ist ebenfalls sehr gut besetzt, doch die Verpflichtungen des „Pechvogels“ Dominic Baumann (1 Tor) und Rodney Elongo-Yombo (2 Tore) erwiesen sich bislang nicht als wegweisend für den Erfolg. Hier muss es der alteingesessene Kai Brünker richten, der insgesamt acht Treffer erzielen konnte.

Bei dieser unsteten Serie, die eine Mischung aus Pech, Unvermögen und Unausgewogenheit im Kader beinhaltet, muss Giannikis auf den Faktor Psychologie setzen. Natürlich hofft der ehemalige RWE-Coach, dass der Druck auf die Essener im Aufstiegskampf verbunden mit der bitteren Niederlage im Spitzenspiel in Cottbus das Nervenkostüm der Bergeborbecker angegriffen hat. Doch auch die Saarländer müssen dem Druck standhalten, noch sind sie nicht durch und angesichts der sich nicht verbesserten Situation des FCS steht auch Giannikis Weiterverpflichtung auf dem Prüfstand.

Neben dem psychologischen Faktor kommt es vor allem darauf an, die Stabilität in der Abwehr zurückzugewinnen. Die Saarländer suchen ihre Sturmspitze, sei es Kai Brünker oder Dominic Baumann, sowohl über Flanken auf der Außenbahn als auch durch Steckpässe aus der Zentrale. Wenn RWE weiter den Druck auf die gegnerische Abwehr hochhalten kann und weit vor dem eigenen Tor die Zweikämpfe annimmt, werden es auch der FCS schwer haben, Zählbares aus der Ruhrmetropole mitzunehmen.

Die Lage in der Liga und Fazit

Bereits am Freitagabend waren alle Blicke von der Hafenstraße nach Aachen gerichtet, wo die Alemannia auf den MSV traf. Das Spiel endete 3:1 für die Kaiserstädter, somit können die Duisburger an diesem Wochenende RWE nicht vom Rang 2 verdrängen. Um es mit Dietmar Hirsch Worten zu sagen, natürlich unverdienterweise, der Mann ist ja landesweit für sein ehrliches Auftreten bekannt.

Am Samstag treffen im Aufstiegskampf zunächst einmal der VfL Osnabrück und der SC Verl aufeinander. Die Lila-Weißen können die Ostwestfalen bei einem Sieg endgültig den Stecker ziehen und bei einer Niederlage der Cottbuser sogar schon an diesem Spieltag den Aufstieg feiern. Weiter geht es in Rostock, die Kogge hat eine sogenannte „Pflichtaufgabe“ daheim gegen Jahn Regensburg. Ein Sieg muss aber nicht selbstverständlich sein, wie Hansa es am letzten Wochenende beim Tabellenletzten in Schweinfurt bewiesen hat.

Auch im Abstiegskampf könnte bei einem Sieg der Ulmer beim TSV 1860 München noch einmal Spannung aufkommen. Vor dem Gang in Liga 4 steht die Mannschaft von Erzgebirge Aue, die gegen den SV Wehen Wiesbaden unbedingt gewinnen muss, aber bei 12 Punkten Rückstand und einem deutlich schlechteren Torverhältnis gegenüber dem 1. FC Saarbücken ist die Lage nahezu aussichtslos. Die Partie TSG Hoffenheim 2 vs. FC Ingolstadt ermöglicht dem Gewinner Planungssicherheit hinsichtlich des endgültigen Ligaverbleibs. Im Spiel Waldhof Mannheim vs. 1. FC Schweinfurt geht es nur noch um Platzierungen.

Erst am Sonntag kommt wieder Fahrt auf, wenn Energie Cottbus mit ihrem Übungsleiter, den manche Zeitgenossen als Kulttrainer verwechseln, mit einem nach seiner Aussage „Rumpfkader“, der wahrscheinlich in der Liga seinesgleichen sucht, bei Viktoria Köln sich gegen alle Widrigkeiten (DFB, Vorurteile gegenüber ostdeutschen Klubs, Wetter, etc.) durchsetzen muss, um weiter von der zweiten Liga zu träumen. Den Abschluss macht die TSV Havelse gegen den kommenden Gegner von RWE, den VFB Stuttgart 2. Auch die Niedersachsen möchten das zarte Pflänzchen „Hoffnung“ gießen, auch wenn die Situation ähnlich wie in Aue ist.

Keine Frage, RWE trifft auf einen Gegner, der mit dieser Qualität eigentlich auf einem deutlich besseren Tabellenplatz stehen müsste. Die Mannschaft muss das Spiel gegen Cottbus abschütteln und vor allem sich auf die vergangenen sieben Partien und die ersten 70 Minuten in der Lausitz konzentrieren, dann hat es jeder Gegner an der Hafenstraße schwer. Im Rücken eines ausverkauften Heimbereichs sollte der Traum vom Aufstieg weiter Nahrung erhalten. Packen wir es wieder gemeinsam an!

In diesem Sinne

NUR DER RWE!

Pascal Druschke