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2025/2026 – 3. Liga

1. FC Saarbrücken – Rot-Weiss Essen

Nach der bitteren Niederlage am vergangenen Sonntagabend gilt es, die Köpfe nach oben zu heben und die Blicke wieder nach vorne zu richten. In Saarbrücken trifft das Team von Uwe Koschinat auf eine Truppe, die eigentlich auch für den Aufstiegskampf zusammengestellt wurde, sich aber derzeit im Krisenmodus befindet. Unser Vorbericht ist online.

Spielerische Qualität auch in Punkte umsetzen – RWE will in Saarbrücken gewinnen

Nach der bitteren Niederlage am vergangenen Sonntagabend gilt es, die Köpfe nach oben zu heben und die Blicke wieder nach vorne zu richten. RWE zeigte trotz der Pleite ein sehr gutes Spiel gegen Cottbus und ist auch auf dem Platz mittlerweile zu einer Topmannschaft gereift. In Saarbrücken trifft das Team von Uwe Koschinat auf eine Truppe, die eigentlich auch für den Aufstiegskampf zusammengestellt wurde, sich aber derzeit im Krisenmodus befindet. Nach acht sieglosen Partien musste Alois Schwartz seinen Hut nehmen, ein neuen Cheftrainer wird am Samstag noch nicht an der Seitenlinie der Saarländer stehen.

Trotz günstiger sportlicher Voraussetzungen gab es im Umfeld einmal mehr ordentlich Aufregung. Im Anschluss an den Abpfiff hat es in Richtung des vierten Offiziellen einen Becherwurf gegeben, der den Schiedsrichter am Kopf traf. Es ist noch nicht so lange her, als RWE im Rennen um den Aufstieg mindestens einen Punkt verlor, weil ein Unverbesserlicher einen Böller auf Münsteraner Auswechselspieler geworfen hatte. Nur ein Jahr später half ein Becherwurf RWE im Abstiegskampf, der damalige Gegner FSV Zwickau hat sich sportlich davon bislang nicht erholt. So viel Dummheit ist gerade bei dieser Rückbetrachtung kaum zu ertragen.

Aber es geht leider noch weiter. Zudem kam es bei der Abreise der Fans von Energie Cottbus aus einer Gruppe auf der Westtribüne zu fremdenfeindlichen Gesängen. Der Verein hat bereits reagiert und möchte einen Arbeitskreis gründen, um dem vereinsschädlichen Verhalten entgegenzuwirken. Als Anhänger, der wie die überwiegende Mehrheit einfach nur seinen Verein unterstützen möchte, ist es mühsam, sich immer wieder für solche Taten von Minderheiten im Stadion an der Hafenstraße zu rechtfertigen. Es bleibt die Hoffnung, dass der Verein und die Fans gemeinsam diese Probleme angehen und für Abhilfe sorgen. 

Das Personal

Weiterhin kann Trainer Uwe Koschinat auf einen sehr breiten Kader zurückgreifen. Trotz dreier Gegentreffer im letzten Heimspiel werden vor Stammtorhüter Jakob Golz mit hoher Wahrscheinlichkeit die Innenverteidigung von Rios Alonso und Tobias Kraulich besetzt werden. Dies gilt auch für die linke Außenbahn, wo sich Lucas Brumme einen schlimmen Aussetzer vor dem 0:2 erlaubte, aber aufgrund seiner vorherigen Leistungen gesetzt sein dürfte. Ebenfalls hatte Michael Kostka einen rabenschwarzen Tag gegen Energie Cottbus, vor allem nach seinem schlampig verursachten Elfmeter wirkte Neuzugang aus Polen sehr fahrig. Allerdings verletzte sich sein Kontrahent Jannik Hoffmann, der im Gegensatz zu Kostka nach seiner Einwechselung ein starkes Spiel zeigte, durch ein ungeahndetes Foul kurz vor dem Abpfiff schwer und wird mit einem Riss des Außenbandes am Samstag ausfallen. Da die Alternativen durch die Ausfälle rar sind, wird Uwe Koschinat Kostka das Vertrauen schenken, schließlich hatte er sich seinen Stammplatz durch gute Leistungen in den vorherigen Spielen verdient.

Auf den offensiven Außenbahnen werden Kaito Mizuta und Marvin Obuz wohl den Vorzug bekommen, obwohl beide Akteure gegen Cottbus eher blass blieben. Ramien Safi wäre eine Alternative, da Saarbrücken als spielstarkes Heimteam versuchen wird, das Heft des Handels in die Hand zu nehmen und möglicherweise Raum für Umschaltmöglichkeiten bietet. Allerdings hat das Spiel gegen Cottbus gezeigt, dass RWE angesichts der Kaderstärke selbst als spielbestimmendes Team auftreten möchte und dafür wäre das Duo Obuz/Mizuta auf den Flügeln die sinnvollere Variante. Dies gilt auch für den Fall, wenn wie erwartet Jannik Mause als Mittelstürmer aufgeboten wird. Im Spiel gegen Cottbus bewies Mause endlich, wie wertvoll er für die Mannschaft sein kann, nur muss er auch von den Außenbahnen unterstützt werden.

Deutlich mehr Diskussionsbedarf gibt es bei der Besetzung des defensiven und offensiven Zentrums im Essener Spiel. Derzeit dürfte nur Torben Müsel gesetzt sein, wobei hier die Frage gestellt werden muss, wo genau er sich wiederfinden wird. Zuletzt agierte er neben Klaus Gjasula, der mit seiner Erfahrung und Zweikampfstärke immer noch sehr wichtig für das Team ist. Tom Moustier hat nach seiner Einwechselung in kürzester Zeit das Spiel mit seiner Energie belebt und ein sensationelles Tor geschossen. In einer schwächeren Form befindet sich ausgerechnet Leader Ahmet Arslan, der einen gegen Cottbus kaum auffiel. Es bleibt aber eher fraglich, ob Uwe Koschinat nach der Herausnahme von Michael Schultz aus der Startformation einen weiteren Führungsspieler opfern wird. Sollte er aber auf das Prinzip Leistung setzen, müssten gegen Saarbrücken Gjasula und Moustier die Doppelsechs bilden, während Torben Müsel die Position des Spielmachers übernimmt. Man darf gespannt sein, wie die Entscheidung des Trainers aussehen wird.

Das Gegnerportrait: 1. FC Saarbrücken (Platz 12/ 20 Punkte/ 5 Siege, 5 Remis, 5 Niederlagen/ 23:23 Tore, Differenz +/- 0)

Die kurze Ära Alois Schwartz ist seit Mittwoch beendet. Dabei erinnern sich die RWE-Fans noch sehr ungerne an den Beginn seiner Amtszeit zurück. Bei dem vorletzten Heimspiel in der vergangenen Saison hofften alle Zuschauer an der Hafenstraße, endgültig einen Haken hinter das Thema „Abstiegskampf“ zu machen, doch der FCS sorgte mit seinem frisch ernannten Trainer für ordentlich Prügel. 0:3 gingen die Essener gegen die spielstarken Saarländer unter, die noch einmal Fahrtwind im Aufstiegsrennen aufnehmen wollten.

Dies gelang auch, immerhin konnte sich Saarbrücken den Relegationsplatz sichern. Nach zwei knappen Duellen mussten sich die Schwarz-Blauen Eintracht Braunschweig knapp geschlagen geben, nach längerer Zeit ging somit die Relegation an einen Zweitligisten. Für die folgende Saison galt der FCS neben 1860 München als Topfavorit auf den Aufstieg. Dafür wurde die Mannschaft namhaft verstärkt, vor allem in der Offensive. Florian Pick kam als rechter Flügelspieler aus Münster, Innenverteidiger Robin Bormuth wechselte vom Karlsruher SC in den Ludwigspark und Linksaußen Rodney Elongo-Yombo (Borussia Dortmund II) verließ den Ruhrpott für das beschauliche Saarland. Auch Linksverteidiger Nico Bretschneider (Energie Cottbus) schloß sich dem FCS an.

Etwas belustigt waren neutrale Betrachter, als Pechvogel Dominik Baumann, der dreimal hintereinander mit seinem jeweiligen Klub den Klassenerhalt in der 3. Liga verpasste, vom SV Sandhausen verpflichtet wurde und damit der Abstieg der Saarländer laut Orakel feststehen würde. Auf der Abgangsseite musste Saarbrücken wenig Qualität gehen lassen, der Verlust z. B. von Simon Stehle (SV Wiesbaden) und Julian Günther-Schmidt (Erzgebirge Aue) waren einkalkuliert. Nur Florian Krüger hätte man gerne nach dem Ende seiner Leihe behalten, doch mittlerweile läuft der Mittelstürmer für den MSV Duisburg auf. Mit dem bestehenden Gerüst um verdiente Spieler wie Patrick Sontheimer, Kasim Rabihic oder Kai Brünker sollte der Aufstieg aus Liga 3 endlich gelingen.

Doch nach einem guten Start mit fünf Siegen aus sieben Spielen ging der Mannschaft bald die Puste aus. In der Folge konnte nur der SV Bliesmengen-Blochen in der zweiten Runde des Landespokals besiegt werden. Die Mannschaft wirkte über die letzten Wochen völlig von der Reihe, zeigte ungewöhnlich viele Fehler im Aufbauspiel und hat ein langsames Tempo sowohl im Kopf als auch in den Beinen. Zwar gab es viel Pech in den Partien, ganze drei klare elfmeterreife Fouls wurden in den vergangenen fünf Partien nicht gegeben, aber häufig war Saarbrücken einfach die schlechtere Mannschaft auf dem Feld. Möglicherweise ist diese Mannschaft zu lange zusammen, zentrale Spieler wie Rabihic, Brünker und Rizzuta sind mittlerweile jenseits der Dreißig.

Der FC Saarbrücken ist ein gutes Beispiel, was passiert, wenn nach einer längeren Zeit der Favoritenrolle in der Dritten Liga es mit dem Aufstieg einfach nicht klappen will. Hinzu kommt Ärger innerhalb der Strukturen des Vereins. Über die Mitgliederversammlung wollte die „Initiative Zukunft Blau-Schwarz“ die Hauptgeschäfte des Vereins in die Hand von drei hauptamtlichen Vorstandsmitgliedern geben und nicht mehr einen ehrenamtlichen Präsidenten damit betrauen. Doch das Amtsgericht lehnte die beschlossene Änderung ab, weil in der Übergangsphase die Verantwortlichkeit in Lizensierungs- und Führungsfragen nicht geklärt waren. Boulevardzeitungen spekulierten bereits über einen möglichen Lizenzentzug, doch mittlerweile konnten die Saarbrücker die vakanten Punkte nachbessern.

Dennoch wurde hier ein unnötiger Nebenkriegsschauplatz aufgemacht, der das gesamte Umfeld verunsichert hatte. Ob das Schließen dieser Baustelle die Nervosität im Saarland stoppt, bleibt abzuwarten. RWE tut gut daran, sich auf seine spielerischen Stärken, die trotz der Niederlage gegen Cottbus offensichtlich da sind, zu vertrauen. Gelingt es RWE wieder, das Tempo hochzuhalten, dürften die Saarländer Probleme bekommen. Dennoch hat die Mannschaft von der Saar genug Qualität, um aus wenig Möglichkeiten Tore zu erzielen. Die rot-weisse Truppe darf nicht dieselben Fehler wie gegen Cottbus machen, sich in der Abwehr folgenschwere Aussetzer zu leisten, sonst bekommt die schwankende Truppe Oberwasser. Unter den Strich ist die Chance auf drei Punkte im Saarland so hoch wie schon lange nicht mehr. 

Der Blick über den Tellerrand und Fazit

Nur Feinschmecker des Drittligafußballs sollten am Freitagabend einschalten, wenn der SV Wehen Wiesbaden auf Erzgebirge Aue trifft. Beide Mannschaften wären froh, sich aus der Abstiegszone vorübergehend abzusetzen. Aufregender wird es wieder am frühen Samstagnachmittag, wenn neben dem Spiel von RWE der Westschlager zwischen dem MSV Duisburg und Alemannia Aachen angepfiffen wird. Bislang gab es für die Gastmannschaften an der Wedau wenig zu holen, doch ausgerechnet die Aachener entwickeln sich zu den Spezialisten für Auftritte in der Fremde.

Einen Auswärtsfluch möchte 1860 München brechen, dafür kommt eine Reise zu den kriselnden Ulmern zu rechten Zeit. Der Spitzenreiter aus Cottbus muss eine kniffelige Heimaufgabe gegen Viktoria Köln bestehen, die sich von der Klatsche gegen den SC Verl unbedingt erholen möchte. Wer bei diesen aufregenden Partien in der Konferenz Entspannung sucht, kann es mit der Einzeloption „FC Ingolstadt vs. TSG Hoffenheim 2“ versuchen. Der FCI braucht dringend Punkte, um im Abstiegskampf etwas Luft zu bekommen, was angesichts der Spielstärke der Hoffenheimer aber ein schwieriges Unterfangen werden dürfte.

Am späten Samstagnachmittag wollen die Schweinfurter „Schnüdel“ an die verbesserten Leistungen der vergangenen Wochen anknüpfen und den zweiten Heimsieg in Folge holen. Dafür muss aber Waldhof Mannheim geschlagen werden, das selbst gerne mit einem Dreier an das Spitzenfeld der Liga aufschließen würde. Der Sonntag beginnt mit dem Duell der formstarken Teams aus Regensburg und Rostock. Der Jahn möchte weiter den Abstand zu den Abstiegsplätzen vergrößern, während Hansa endgültig in den Kreis der Aufstiegsanwärter zurückkehren will.

Das Spitzenspiel an diesem Tag steigt aber anschließend zwischen dem Tabellenvierten SC Verl und dem Tabellendritten VfL Osnabrück. Hier treffen Offensivpower und Defensivstabilität aufeinander, wahrscheinlich wird die Tagesform über Sieg und Niederlage entscheiden. Nach so viel Aufregung ist es gut, dass die Terminplaner die Partie zwischen den VfB Stuttgart 2 und dem TSV Havelse an das Ende des sechzehnten Spieltages gesetzt haben. Selbstverständlich möchten die Niedersachsen nach dem ersten Saisonsieg weiter dreifach punkten, allerdings stellen die jungen Stuttgarter bei diesem Vorhaben eine hohe Hürde dar.

Die große Chance auf die Tabellenführung hat RWE am letzten Wochenende verpasst. Aber diese verrückte Liga bietet auch für abgeschlagene Teams immer wieder neue Chancen. Saarbücken könnte mit einem Sieg drei Punkte auf RWE heranrücken. Die drei Punkte benötigt die Mannschaft von der Hafenstraße selbst, um zur Spitze der Liga aufschließen zu können. Der letzte Auftritt macht aber Mut. Mittlerweile gelingt es Uwe Koschinat und sein Team, dominant auf dem Platz aufzutreten. Eine echte Spitzenmannschaft holt aber konstant die nötigen Zähler. Deshalb sollte die Truppe in Saarbücken mit der notwendigen (positiven) Unterstützung sich das zurückholen, was man an der Hafenstraße gegen Cottbus unnötigerweise liegen gelassen hat.

In diesem Sinne:

NUR DER RWE!