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2025/2026 – 3. Liga

TSV 1860 München – Rot-Weiss Essen (1:1)

Eine späte Essener Führung und der Ausgleich kurz vor Schluss. Eigentlich könnte man mit dem Punktgewinn beim Konkurrenten zufrieden sein. Mit der Spielweise bei den verletzungsgebeutelten Münchnern aber (wieder mal) nicht. Unser Spielbericht ist online.

Vorbericht

Fußballherz, was willst du mehr?

Wie schon zu Saisonbeginn meinten es die Spielplaner sehr gut mit den Vereinen aus München und Essen und ließen die Saison und somit auch die Rückrunde mit dem Duell der beiden Traditionsvereine beginnen. Während das umkämpfte Hinspiel in Essen noch Unentschieden ausgegangen ist, wollen die Mannen von Uwe Koschinat in München die vollen drei Punkte erobern.

Der Auswärtsblock war binnen Minuten ausverkauft und auch der Heimbereich ist ebenfalls durch die Verwaltungsvorschrift mit insgesamt13.500 Zuschauern knallvoll, sodass wir eines dieser stimmungsvollen Duelle erwarten dürfen, für die wir die 3. Liga liebgewonnen haben.

Das Personal

Dass Rot-Weiss Essen in einer prinzipiell sehr guten Hinrunde extrem viele Gegentore hinnehmen musste, wurmt Uwe Koschinat besonders, da sich dieser insbesondere über Mannschaften mit einer starken Defensivleistung definiert. Dass ausgerechnet Koschinats Paradedisziplin Probleme aufweist, hat dazu geführt, dass dieser das System von der Viererkette auf die Dreier- bzw. Fünferkette umstellte und voraussichtlich auch so in das Duell in München gehen wird. Ob wirklich die Anzahl der Innenverteidiger hier abhelfen, dazu hat Jawattdenn.de kürzlich interessante statistische Werte analysiert, sodass spannend zu sehen sein wird, ob die Mannschaft das Gesicht der ersten halben Stunde vom letzten Saisonspiel gegen den SSV Ulm zeigen wird, oder sich schnell vor großen Problemen wiederfinden wird, wie der weitere Spielverlauf gegen Ulm zeigte.

Nicht nur taktisch, sondern auch personell wird Uwe Koschinat umstellen müssen. Die Dreierkette wird dabei trotz des mit viel Vorschusslorbeeren erfolgten Transfers von Ben Hüning noch gleich bleiben, sodass Michael Schultz die Abwehr mit Tobias Kraulich und José-Enrique Rios Alonso anführen wird. Da über Außen Jannik Hofmann gesperrt ausfällt, wird Michael Kostka starten. Auf der linken Seite zeigte Franci Bouebari zwar gute Leistungen, jedoch sollte Lucas Brumme nach der Winterpause wieder frisch sein, sodass Koschinat kaum auf die Dynamik des rechten Außenbahnspielers verzichten wird.

Auch in der Mittelfeldzentrale ist der Trainer zu Umstellungen gezwungen. Klaus Gjasula muss ebenfalls eine Gelbsperre absitzen und Tom Moustier wird an der Reise nach München aufgrund seines bevorstehenden Wechsels nach Portugal ebenfalls nicht teilnehmen. Deswegen wird Torben Müsel sicher wieder defensiver aufgestellt und es schlägt die Stunde des Eigengewächses Gianluca Swajkowski. Der 20-jährige zeigte vor einem Jahr gegen den VfB Stuttgart II bereits, dass mit ihm zu rechnen ist und wurde mehrfach von Uwe Koschinat mit viel Lob bedacht. Nun beginnt er und in Essen drücken ihm alle die Daumen, dass das Startelfdebut gelingt. Schon viel zu lange ist es her, dass ein Jugendspieler direkt den Weg in die Profi-Elf gefunden hat.

Auch offensiv wird es spannend. Viel spricht dafür, dass der Neuzugang aus Düsseldorf Danny Schmidt sofort loslegen darf, bei der Generalprobe gegen Dynamo Dresden hat er sofort gezeigt, dass er weiß, wo das Tor steht. Darüber hinaus scheinen insbesondere Essens Top-Scorer Kaito Mizuta und Ramien Safi gute Karten für die Startaufstellung zu haben. In der Pressekonferenz hob Uwe Koschinat jedoch auch Marek Janssen heraus, der in der Tat eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht hat, sodass das einzige Fragezeichen sein wird, welchen der vier Akteure Koschinat zunächst auf der Bank lässt.

Der Gegner: TSV 1860 München (8. Platz / 30 Punkte / 9 Siege, 3 Unentschieden, 7 Niederlagen / 29:29 Tore / Differenz +/-0)

Die Erwartungen in München wuchsen ins Unermessliche, als die Löwen im Sommer mit Florian Niederlechner und Kevin Volland zwei gestandene Bundesligaprofis mit internationaler Erfahrung verpflichten konnten. Darüber hinaus eisten sie mit Sigurd Haugen einen Top-Stürmer der Dritten Liga vom FC Hansa Rostock los.

Während der Saisonbeginn gelang, spielte sich 1860 mehr und mehr in die tabellarische Bedeutungslosigkeit. Nach drei Niederlagen in Folge musste Coach Patrick Glöckner nach nicht einmal einem Jahr seinen Hut nehmen und wurde durch den erfahrenen Markus Kauczinski ersetzt. Es dauerte aber noch drei weitere Spiele, bis die Löwen wieder einen Dreier holen konnten, dies gelang dafür gegen den MSV Duisburg. Danach siegten die Sechziger immer wieder und starteten sogar eine Serie mit vier gewonnenen Spielen in Folge vor der Winterpause. Erst der SC Verl fegte über das Stadion an der Grünwalder Straße hinweg und konnten dezimierte Sechziger schlagen.

Aktuell plagen 1860 München enorme Verletzungssorgen. So fällt Abwehrchef Jesper Verlaat genauso wie sein Mitspieler Sean Dulic verletzt aus. Aktuell melden Münchner Medien, dass angeblich auch Torwart Thomas Dähne nicht mitspielen kann, der in dem Fall vom erfahrenen René Vollath ersetzt wird. Im Mittelfeld fehlen Tunay Deniz und Max Christiansen aufgrund von schweren Verletzungen und auch Thore Jacobsen wird das Spiel aufgrund seiner gelb-roten Karte im letzten Spiel verpassen. Nachdem Stürmer Sigurd Haugen wieder zu alter Form zurückgefunden hat, erlitt er einen Kieferbruch und kann ebenfalls noch nicht auflaufen.

Es ist also enorm viel spielerische Qualität, die den Münchnern fehlen wird. Aus Essener Sicht ärgerlich ist, dass Münchens Kader trotz bisher ausbleibender Wintertransfers immer noch sehr starke Spieler bereithält. So werden voraussichtlich Patrick Hobsch und David Philipp stürmen und dahinter Kevin Volland auflaufen. Dass David Philipp Fußballspielen kann, hat er eindrucksvoll bei Viktoria Köln unter Beweis gestellt. An Patrick Hobsch, der unter Patrick Glöckner außen vor war, hatte RWE dem Vernehmen nach großes Interesse. Er blieb und ist der große Gewinner des Trainerwechsels, nach dem er voll durchstartete. Er verdrängte völlig zurecht Florian Niederlechner, der zwar rechtzeitig zum Spiel gegen Essen fit ist, aber seinen Platz wohl weiterhin Hobsch überlassen muss.

1860 kommt mit viel Wucht und Kraft in den gegnerischen Strafraum, sodass die Abwehrreihe sowie Gianluca Swajkowski voll da sein müssen. Die Defensivarbeit sollte früh beginnen, denn einmal am gegnerischen Strafraum sind die Münchner unerbittlich. Die Defensive der Löwen kann aber mit spielerischer Qualität geknackt werden. Der SC Verl zeigte mit einem vielseitigen Angriffsspiel immer wieder Lücken in der gegnerischen Defensive und es waren mehr als genug super Möglichkeiten da, einen höheren Sieg als das 2:0 einzufahren.

Über den Tellerrand geschaut: Die Lage der Dritten Liga

Der Samstag hält neben dem Auftritt unserer Rot-Weissen noch weitere spannende Partien bereit:

1. FC Saarbrücken – Energie Cottbus

Energie gegen die Erinnerung. Nach einer bärenstarken Rückrunde brach Energie Cottbus in der letzten Saison im Endspurt ein und verspielte den beinahe sicher geglaubten Aufstiegsplatz. Erneut sind die Lausitzer auf dem Platz an der Sonne, spielt jedoch direkt gegen taumelnde Saarbrücker. Im Saarland hat man so viele Spieler, die nachweislich überdurchschnittlich für diese Liga sind. Es wird sich zeigen, ob sie beim Tabellenführer endlich zeigen, was sie können.

Alemannia Aachen – VfL Osnabrück

Ein Spiel mit unterschiedlichen Voraussetzungen sieht man beim Topspiel am Tivoli. Während die Alemannia dringend Punkte für den Klassenerhalt benötigt, will der VfL Osnabrück seine Ausgangslage in Richtung 2. Bundesliga weiter verbessern. Mit der Verpflichtung von Julian Kania gelang Osnabrück der Transfercoup der Winterpause und es wird spannend sein, ob dieser seine phänomenale Torquote in der Dritten Liga weiter aufbessern kann.

Hansa Rostock – Erzgebirge Aue

Im Ost-Duell gastieren die Erzgebirgler im Rostocker Ostseestadion. Aue wehrt sich mit Händen und Füßen gegen den Abstieg, trifft jedoch auf eine Hansa-Kogge, die nicht nur sehr viel fußballerische Qualität im Kader hat, sondern diese auch seit einigen Wochen auf den Rasen bringt. Hier wird es spannend, ob der Holzmichel Punkte entführen kann.

Fazit

Man kann es nur wiederholen: ein Auftakt vor dem ausverkauften traditionsreichen Stadion an der Grünwalder Straße – Fußballherz, was willst du mehr. Unverschämt, wie wir Essener nun einmal sind, wollen wir drei Punkte mit ins Ruhrgebiet nehmen. Trotz des großen Lazaretts sollte man nicht dem Irrglauben verfallen, dass das eine leichte Aufgabe wäre. Allerdings kämpfen in Essen einige gute Spieler um ihre Einsatzzeiten und wenn Rot-Weiss Essen seine P.S. auf die Straße bekommt, ist vieles möglich.

Respekt vor der Aufgabe, die Gier zu gewinnen und die Schlachtenbummler der Ruhrmetropole im Rücken, mit all diesen Faktoren ist viele möglich.

In diesem Sinne: Nur der RWE!

Hendrik Stürznickel

Spielbericht

RWE trotzt beim 1:1 in München einer B-Elf und wahnsinnig weiten Wegen zum gegnerischen Tor

Am Ende schiedlich friedlich 1:1 auf Giesings Höhen. Marvin Obuz gab nach 82. Minuten einen Schuss in Richtung Löwen-Tor ab, in den Marek Janssen instinktiv den Fuß reinhielt. Das scheinbar goldene Tor in einem an Höhepunkten armen Spiel. Doch zu Beginn der Nachspielzeit schenkte Essen den zahnlosen Löwen einen Eckstoß, der dann noch zum Ausgleich führte. Man könnte das als bitter bezeichnen, wäre es nicht zugleich folgerichtig aus dem, was in den 90 Minuten zuvor passiert oder besser nicht passiert war.

System und Personal

Alle Datenauswertungen der Hinrunde hatten klar belegt, dass die Viererkette das System ist, in welchem Essen offensiv durchschlagskräftiger ist und defensiv besser steht. Wer Uwe Koschinat aber kennt, der weiß, dass der Trainer dieses System gegen seine innere Überzeugung spielen ließ. So wunderte es keinen, dass RWE in dieser defensiveren Variante bei 1860 antrat, obwohl die Gastgeber nicht weniger als 11 Spieler zu ersetzen hatten und quasi eine B-Elf aufbieten mussten, in der viele große Namen(z.B. Verlaat, Niederlechner oder Haugen) fehlten.

So spielten vor Jakob Golz Michael Schultz, Tobi Kraulich und Ene Rios Alonso in der Dreierkette, außen begannen Kostka und Brumme. Wegen der Gelbsperre von Klaus Gjasula und dem bevorstehenden Abgang von Tom Moustier musste die vorgelagerte Doppelsechs völlig neu besetzt werden und wird in dieser Konstellation wohl nicht mehr zusammen auflaufen. Torben Müsel, dessen Paradedisziplin die 6 nicht ist, und Youngster Gianluca Swajkowski sollten verdichten und das Bindeglied sein.

Mizuta und Ramien Safi beackerten die offensiven Flügeln und im Zentrum wurde Danny Schmidt dem zuletzt treffsicheren Marek Janssen vorgezogen. Das verärgerte Janssen ziemlich, doch dazu später mehr. Schmidt wich nach sehr durchwachsenem Debut nach 62 Minuten Marvin Obuz. Erst nach gut 80 Minuten kam dann doch noch Janssen für Safi und Bouebari ersetzte Brumme. Am Ende wurde noch die Doppelsechs neu konstituiert. Swajkowski hatte keine Patronen mehr und musste vom Feld, Müsel wurde gleich mit von diesem beordert. Es kamen Neuzugang Ben Hüning und Nils Kaiser (89.). In dieser Formation trotzen tapfere Essener der Münchener Reservemannschaft letztlich einen leistungsgerechten Punkt ab.

Die Pluspunkte

Immerhin in der Defensive wurden Uwe Koschinats Vorstellungen vom Fußball erfüllt. RWE verteidigte die 60er völlig problemlos und Jakob Golz blieb nahezu unbeschäftigt. Die vernünftige Defensivleistung ließ man sich am Ende durch eine geschenkte und dann schlecht verteidigte Ecke schmälern. Ansonsten darf man noch den Torriecher von Marek Janssen lobend hervorheben. In absoluter Torjägermanier, den Engelmann-Vergleich hatte Jawattdenn bereits unlängst gezogen, hielt Janssen den Schlappen in einen Schuss von Obuz. Das Tor wird wohl dennoch Obuz zugesprochen werden, aber Janssen hat ein phänomenales Stellungsspiel in der Box.

Die Knackpunkte 

Essens Spielaufbau in Richtung der gegnerischen Hälfte war eine einzige Katastrophe und während die Fünferkette defensiv lieferte, zeigte sich einmal mehr, dass RWE in diesem mutlosen System keinen Druck auf einen Gegner auszuüben vermag. Wenn dieser dann nicht öffnet und Essens Spielsystem quasi spiegelt, passiert dann wenig in der Offensive. Anstatt gegen einen maximal dezimierten Gegner auf die höhere eigene Qualität zu setzen, ließ man sich auf einen für den Zuschauer fürchterlich anzuschauenden Abnutzungskampf ein.

Natürlich war 1860 nicht bereit, den Ball zu nehmen, denn Marcus Kauczinski war nicht bereit, RWE die Räume zu geben, die vor allem für einen Rami Safi Gold wert sind. Das Bittere daran, es war genauso vorauszusehen. Wenn man dann das etwas glückliche 1:0 wenigstens verteidigt hätte. Aber Bouebari schlief bei einem Ball auf den zweiten Pfosten und Golz war zu einer Parade gezwungen. Der daraus resultierende Eckball hätte somit schon nicht sein müssen. Dann stand RWE mit allen Mann in der eigenen Box, verlor dennoch das Kopfballduell am ersten Pfosten und konnte auch Torschütze Rheintaler nicht markieren.

Die Aufreger

Dieser gebührt diesmal zwei Interviews. Marek Janssen kritisierte an den Magenta-TV-Mikros mit authentischen Worten seinen Bankplatz. Ebenso wie viele RWE-Fans hatte sich Janssen als „Startelfspieler“ nach der Winterpause gesehen. In nur wenigen Einsatzminuten hatte er zuvor mal wieder entscheidenden Anteil an einem wichtigen RWE-Treffer. Während Janssen auf dem Feld noch scherzhaft mit Marvin Obuz stritt, wer denn das Tor eigentlich gemacht habe, hatte der Sturmhüne nach Schlusspfiff dann aber merklich das Stauder auf. Auf Janssens Aussage angesprochen, zog Trainer Koschinat seine Stirn zur gefürchteten Uwe-Falte zusammen und erklärte, dass „die Distanz zum gegnerischen Tor heute wahnsinnig weit gewesen war.“ Aha. Sorry Herr Koschinat, es war mal wieder ihre Entscheidung, sich in Mutlosigkeit zu ergeben und wenig nach vorne zu schieben. Die Begründung gegen Marek Janssen ist eine Realsatire.

Fazit und über den Tellerrand geschaut: Die Lage in der Dritten Liga

Fußball von Uwe Koschinat ist wie Fast Food aus eigentlich guten Zutaten. Der Restaurantbesucher geht bei Chefkoch Koschinat gesättigt, aber nicht zufrieden aus dem Restaurant. Es fehlt halt jegliche Raffinesse und Überraschung. Auf den Fußball übertragen, trotz allem stimmen die Punkte, aber der Koschinat-Fußball ist schwer verdaulich, obwohl Essens Kader mehr ermöglichen würde. Die Konkurrenz wird frohlocken. Während RWE zwei Punkte verschenkte, punkteten Verl (5:2 gegen Mannheim), Rostock (2:1) gegen Aue und Osnabrück (3:0 in Aachen) dreifach. Nur Cottbus kam in Saarbrücken nicht über ein 1:1 hinaus und verlor die Tabellenspitze an die stürmischen Ostwestfalen. Diese ist für Essen nach wie vor nur 3 Punkte entfernt. Solange RWE aber nicht in der Lage ist, eine eigene Spielidentität an den Tag zu legen, ist diese weitaus weiter entfernt, als die Punkte suggerieren.

NUR DER RWE!

Sven Meyering