04.10.2019

RWE in der Krise?

von Hendrik Stürznickel

Fünf Tore und die Heimmannschaft gewinnt. Wie kann ein ganzes Stadion da mit hängenden Köpfen nach Hause gehen. Das geht, wenn RWE aus einem Auftritt in der Fremde Heimspielatmosphäre schafft und sich am Ende mit 2:3 geschlagen geben muss. Diese Niederlage ist die zweite hintereinander und das mediale Umfeld beginnt schon jetzt den Abgesang. Doch wir werden sehen, dass dieser Wunsch zu früh kommt.

Christian Titz reagierte auf die erste Niederlage mit zwei Wechseln in der Startelf. Hedon Selishta durfte nach seinen Galavorstellungen von der Bank von Beginn an auf Torejagd gehen. Darüber hinaus spielte sich Hamdi Dahmani in die Mannschaft. Für Dahmani musste überraschend Oguzhan Kefkir weichen. Die Umstellungen für Selishta sorgten dafür, dass sich Daniel Heber ebenfalls auf der Bank wieder fand.

In den ersten Minuten zerstreute RWE die Sorge, dass die Niederlage gegen Verl sich auf die Psyche ausgewirkt hatte. Von Beginn an zeigte die Mannschaft von Christian Titz, wer Chef im Ring ist. Schon nach sechs Minuten konnte das mehrheitlich von RWE-Fans bevölkerte Grenzlandstadion jubeln. Nach einem Einwurf ging es mit jeweils nur einer Ballberührung durch den Gladbacher Strafraum. Condé und Dahmani brachten den Ball zu Endres, dieser legte ab und Jan-Lucas Dorow traf nach einem gefühlvollen Dropkick in den Winkel des Gladbacher Kastens. Das war ein äußerst sehenswertes Tor.

Nur sechs Minuten später dann der erste Aufreger: Selishta spitzelte den Ball am Keeper der Borussia Jan Olschowsky vorbei und dieser brachte daraufhin Selishta zu Fall. Ein klarer Elfer sollte man meinen. Mitja Stegemann ließ weiterlaufen, was nicht die letzte umstrittene Entscheidung gewesen sein wird. Denn kurz vor dem Halbzeitpfiff gab er dann einen Elfmeter, allerdings für Mönchengladbach. Wie schon im Stadion gedacht, zeigen die TV-Aufnahmen, dass Kehl-Gomez seinen Gegenspieler Makridis nur sehr leicht berührt und das als der Ball weg ist. Man muss schon extremer Gladbach-Sympathisant sein, um diese Aktion für einen Elfmeter zu halten. Stegemann hatte aber gepfiffen und Makridis selbst erzielte seinen 13. Treffer kurz vor der Halbzeit.

Dies stellte die erste Halbzeit auf den Kopf, da sich die Borussia zu dem Zeitpunkt nicht über ein Ergebnis hätte beschwerden können, was über das 1:0 hinausgegangen wäre. In der Pause brachte Christian Titz seinen Top-Torschützen Oguzhan Kefkir für Hamdi Dahmani hinein. Dahmani sorgte zwar durchaus für Gefahr in der Gladbacher Hälfte, allerdings blieben die beiden Außenbahnen von RWE sehr blass, wenn man von dem sehr engagierten Auftritt des wieder genesenen David Sauerland absieht.

In der zweiten Halbzeit erkannten die RWE-Fans ihre Mannschaft nicht mehr wieder. Man kann jedem Einzelnen nicht Einsatz und Willen absprechen, aber es lief nicht mehr viel zusammen. Die Pässe kamen nicht mehr an, die Dominanz auf dem Platz war weg und am schlimmsten war, dass die Zuordnung in der Abwehr nicht mehr passte. Arie van Lent wechselte Justin Steinkötter und damit den Sieg der Gladbacher ein. Nach einem cleveren Chip war jener Steinkötter ganz allein vor Marcel Lenz, da die gesamte RWE-Abwehr mit diesem einfachen Ball düpiert wurde. Im Stile eines Knipsers traf Steinkötter zum 2:1. Er erhöhte drei Minuten später, da die Verteidiger den Ball nach einer Ecke von Marcel Benger nicht aus dem Strafraum beförderten.

Damit ließ der Gladbacher Druck nach und RWE fand zurück zu den eigenen Stärken. Der Ball wollte allerdings nicht ins Tor. In der 83. Minute wurde David Sauerland in der Nähe des Sechzehners zu Fall gebracht und Mitja Stegemann zeigte für alle überraschend auf den Elfmeterpunkt. In den TV-Bildern sieht man, dass es knapper ist, als es den Anschein hatte, allerdings wird Sauerland knapp außerhalb des Strafraums getroffen. Nach der Fehlentscheidungsserie Stegemanns zu Ungunsten von RWE beschwerte sich aber keiner der Rot-Weissen und Oguzhan Kefkir verwandelte im Nachschuss den Elfmeter zum 2:3.

In den letzten Minuten baute RWE viel Druck auf, ohne jedoch zwingende Torchancen zu erspielen. Die beste Möglichkeit war ein Freistoß in der Nachspielzeit, den Amara Condé jedoch um Zentimeter neben das Tor setzte. So war die zweite Niederlage in Serie perfekt.

Am Ende wüteten die Fans vor allen Dingen über den Schiedsrichter. Dazu sei gesagt, dass er der falsche Ansprechpartner ist. Es ist zwar auffällig, dass bei den letzten Spielen gegen Verl, Bonn und Mönchengladbach sehr schlechte Referees angesetzt wurden, die üble Fehlentscheidungen getroffen haben. Stegemann war selbst unter den schwachen Schiedsrichtern die größte Katastrophe und hat viel zu viel Einfluss auf das Spielgeschehen genommen. Aber am Ende darf sich eine Mannschaft, die den Anspruch hat, eine Spitzenmannschaft der Regionalliga zu sein, nicht von einem schwachen Schiedsrichter oder einem unberechtigten Elfmeter aus der Ruhe bringen lassen.

Nach den Gegentreffern in Lipppstadt hat das Team das eigene Spiel unverdrossen weiter gespielt, in Mönchengladbach brauchte es dagegen eine zwanzigminütige Findungsphase, die die Gegentreffer zum 3:1 ermöglicht hat. Diese Tore hat der Schiedsrichter nicht mehr zu verschulden. Am Ende ärgern sich Trainerteam, Fans und Spieler über eine Niederlage, die nicht zwingend hätte erfolgen müssen.

Umgekehrt zeigt sich der Medienbetrieb von seiner „besten“ Seite. Genüsslich wird RWE in den „Herbstblues“ geschrieben, es werden Erinnerungen an frühere Jahre bedient, in denen der schleichende Abstieg im Herbst begann und es wird gefragt, ob Christian Titz nun entzaubert sei. All jenen sei gesagt, ihr werdet Rot-Weiss Essen nicht in die Krise schreiben.

Das Statement von der Fankurve war eindeutig. Eine kurze Ansprache, die aufmunternd war und respektvoller Beifall für den Einsatz, dem man auch in Mönchengladbach niemandem absprechen konnte. Fans und Mannschaft bilden weiterhin eine Einheit. Darüber hinaus reicht ein Blick auf die Auswechselbank bei RWE, um den Unterschied zu vergangenen Spielzeiten zu sehen. Dort saßen Oguzhan Kefkir, Daniel Heber, Marcel Platzek und Ayodele Adetula, also alles Spieler, die bei einem Großteil der Viertligisten in der Startelf stehen würden. Qualität wird sich am Ende durchsetzen und deswegen geht es Ende Oktober mitnichten um die goldene Ananas.

Ziel muss es sein, die Schlüsse aus den sich mehrenden Abwehrböcken zu ziehen, denn die sieben Gegentreffer in zwei Spielen sind eindeutig zu viele. Bereits am kommenden Freitag gegen Köln muss die Abwehr stehen. Christian Titz wird aus den beiden Spielen lernen und hat nun acht Tage Zeit ein Rezept zu entwickeln, um die Fortuna zu schlagen. Mit dem Erfolg wird die Laune dann an den Wochenenden wieder besser.


Borussia Mönchengladbach U23 - Rot-Weiss Essen 3:2 (1:1)


Borussia Mönchengladbach U23

Olschowsky, Hoffmanns, Pazurek, Lieder, Poulsen (67. Kurt), Benger, Herzog (86. Theoharous), Cirillo (90.+2, Holtschoppen), Italiano (46. Steinkötter), Th. Kraus, Makridis


Rot-Weiss Essen

Lenz, Sauerland, Kehl-Gomez, A. Hahn, Grund (54. Heber), Grote, Dahmani (46. Kefkir), Condé, Dorow, J. Endres, Selishta (76. Platzek)


Tore

0:1 Dorow (7.)
1:1 Makridis (Elfmeter, 45.)
2:1 Steinkötter (60.)
3:1 Steinkötter (63.)
3:2 Kefkir (884.)


Zuschauer

1.866


Schiedsrichter

Mitja Stegemann (Bonn)


Gelbe Karten

Lieder (3. Gelbe Karte)
Pazurek (1. Gelbe Karte)
Grund (1. Gelbe Karte)
Dorow (1. Gelbe Karte)