21.04.2011

TuRu Düsseldorf - Rot-Weiss Essen


 Mit viel Dusel und einem „Elfmeterkiller“ ins Finale

„Olalala…wir haben einen Torwart…“ – lange galten Torhüter fast schon als Feindbild eines jeden RWE Fans. Teilweise berechtigt, oftmals jedoch völlig zu unrecht. Doch seit dieser Saison schallt der alte Gassenhauer wieder öfter durch die Kehlen der Rot-Weiss Anhänger. Und so war es auch gestern Dennis Lamcyzk, der sowohl in den 120 Minuten als auch im folgenden Elfmeterschießen zum Mann des Spiels avancierte.

Bei bestem Fußballwetter und ca. 20 Grad Außentemperatur fanden sich am gestrigen Abend geschätzt 2500 Zuschauer im Paul-Janes Stadion zu Düsseldorf ein. Schon eine Stunde vor Anpfiff heizten drei brasilianische Trommler die TuRu Fans (oder waren es Fortunen?) für das Spiel ein. Selbst die Lautsprecheranlage, die nicht gerade leise eingestellt war und an der der Stadionsprecher das Zählen von eins bis sieben neu erlernte, konnte die Einheizer vom Zuckerhut nicht überstimmen.

Auch wenn das Trommeln nach einiger Zeit einen gewissen Nervfaktor erreicht hatte, war es unterm Strich allemal besser, als sich zigmalige Wiederholungen von „Rot-Weiss Essen f…ken und vergessen“ anzuhören. Bis auf diesen Schlachtruf und diversen „Scheiß RWE“ Gesängen konnte die Düsseldorfer Fanszene nicht gerade glänzen.

Es ist schon ziemlich traurig, wenn Heimfans es nicht schaffen in 120 Minuten auch nur einmal ein Anfeuerungslied für die eigene Mannschaft anzustimmen und stattdessen ganze zwei Anti-RWE-Songs auswendig gelernt haben. Respekt!

Tief fliegende DüsseldorferDabei hätte die Elf von TuRu Düsseldorf durchaus Anfeuerungsmomente verdient gehabt. Der Tabellenzweite der Niederrheinliga machte es den frischgebackenen Aufsteigern aus Essen teilweise ganz schön schwer. So war es beispielsweise der Ex-Essener Michel Harrer, der nach gut einer Viertelstunde zum ersten Mal Dennis Lamcyzk auf den Prüfstand stellte. RWE tat sich schwer und kam erst in der 23. Minute zur ersten großen Torchance. Der angesetzte Torjubel auf den Rängen verstummte aber gleich wieder, als Suat Tokat den Ball im Strafraum nur an die Latte knallte. Tokat musste zur Halbzeit verletzungsbedingt ausgewechselt werden und wurde durch Patrick Dutschke ersetzt.

TuRu hingegen war aktiver, hatte mehr vom Spiel und gerade zum Ende der Halbzeit eine richtige Drangphase in der sie die Essener Hintermannschaft ein ums andere Mal in Bedrängnis brachten. Nichtsdestotrotz ging es mit einem 0:0 in die Halbzeit. Nicht ganz überraschend, trafen doch hier die beiden besten Defensivmannschaften ihrer jeweiligen Liga aufeinander.

Auch in der zweiten Halbzeit drückte TuRu und kam mit Distanzschüssen oder guten Standards zu nicht ganz ungefährlich Szenen vor das Gästetor. Die Essener konnten sich schon zu diesem Zeitpunkt bei Ihrem Torhüter bedanken, dass es immer noch 0:0 stand.

RWE versuchte es oft über die Flügel, blieb aber viel zu oft in Eins-zu-Eins Situationen hängen. Kevin Lehmann nahm sich in der Folge ein Herz und marschierte aus der eigenen Hälfte bis zum gegnerischen Sechzehner. Doch statt einfach mal draufzuhalten, passte er nochmal nach außen, wo Leon Enzmann mit der Szene bereits abgeschlossen hatte.

Als die Kräfte der Gastgeber immer mehr nachließen, wurde von Fußball auf Schauspielunterricht umgestellt. Ein Düsseldorfer nach dem anderen suchte nun - mit einem lauten Schrei verbunden - sein Glück auf dem Rasen des Paul-Janes Stadions. Teilweise sogar ohne gegnerische Einwirkung. Ganz vorne mit dabei und fast in jeder dieser besagten Szenen beteiligt: Miguel Lopez Torres.

Durchaus ein schöner Name, den manch ein sportliche Leiter (mittlerweile als Co-Trainer bei Berti tätig) nur aufgrund des Namens schon an die Hafenstraße geholt hätte.

Teufelskerl Dennis LamczykDer Kampfgeist war aber auf beiden Seiten erkennbar. Und so entwickelte sich immer mehr ein Pokalfight, in dem TuRu Düsseldorf die besseren Chancen für sich notieren durfte. Zählbares konnten die Landeshauptstädter aber nicht vorweisen, weil Dennis Lamcyzk an diesen Abend zu Topform auflief. Und so hieß es nach neunzig gespielten Minuten weiterhin 0:0.

Die Samba-Connection war mittlerweile nicht mehr zu hören und auch der Rest des Düsseldorfer „Mops“ nahm sich eine Auszeit. Vielleicht wollten sie auch nur noch mal den Text auffrischen für die anstehende Verlängerung und dem drohenden Elfmeterschießen. In Zeiten von Smartphones kann so was ja mal schnell gegoogelt werden.

In der Verlängerung verflachte das Spiel immer mehr. Gerade in der ersten Hälfte passierte wenig bis gar nichts. Die zweite Halbzeit brachte zwar mehr Schwung mit sich, aus Essener Sicht jedoch in die falsche Richtung. RWE zitterte sich schlussendlich aber in das Elfmeterschießen.

Da war doch was?
Richtig…Erinnerung an das 11:10 gegen die Düsseldorfer Fortuna wurden wach. Ganz so extrem sollte es aber an diesem Abend nicht werden. Dafür sorgte gleich einmal Dirk Jasmund, der – passend zum Spielverlauf – den ersten Essener Elfmeter vergeigte. TuRu führte zu diesem Zeitpunkt bereits mit 1:0 was jetzt wieder die heimischen Fans auf den Plan rief. Und drei Mal darf man raten. Sie hatten in den 120 Minuten kein neues Liedgut gegoogelt.

Doch dann kam der Konter von RWE. Oder besser gesagt von Dennis Lamczyk. Die drei aufeinander folgenden Elfmeter konnte der Teufelskerl alle parieren. Thamm (der nach verwandelten Elfmeter dem TuRu Torwart noch einmal kurz, aber lautstark mitteilte was Sache ist) und Koep verwandelte ihre Elfer sicher. Patrick Dutschke machte es noch einmal spannend und schob seinen Elfmeter klar am Tor vorbei. Doch Vincent Wagner mit seiner ganzen Routine und Erfahrung aus dem Cottbus Spiel 2007, hämmerte den Ball in die Maschen und machte den Sieg perfekt.

Alles Gut gegangen, feiern war angesagtWas nun folgte war die Jagd auf Dennis Lamcyzk. Die komplette Mannschaft rannte zu ihm und begrub ihn unter sich. Sein Fluchtversuch war zwecklos. In der Zwischenzeit verabschiedeten die Essener Fans sich mit einem freundlichen „Auf Wiedersehen“ beim Düsseldorfer Fanblock. Diese hatten übrigens nach dem ersten verschossenen Elfmeter vor lauter Schreck den gerade noch so sicher gekonnten Text Ihrer Lieblingslieder komplett vergessen.

Die Elf von Waldemar Wrobel hatte gestern sicherlich nicht ihren besten Tag. Was aber auch nicht großartig verwunderlich ist nach dieser Saison und der Aufstiegsfeier vom letzten Wochenende. Aber wo in den letzten Jahren das Pech und das Unvermögen in Essen die Runde machte, regiert momentan der Dusel. Jetzt heißt es Kräfte auftanken, in der Liga noch die Meisterschaft eintüten und sich voll auf das Finale gegen Velbert konzentrieren und die Saison mit dem Einzug in den DFB Pokal vergolden.

Aber wir sind uns sicher: IHR SCHAFFT DAS JUNGS!!!


TuRu Düsseldorf

Prostka - Kandora, Willems, Duran, Steinfort - Homann, Bork, Harrer (73. Rentmeister), Hampel, Schweers (85. Kus) - Lopez Torres

Rot-Weiss Essen

Lamczyk - Jasmund, Thamm, Wagner, Lehmann - Vennemann, Tokat (46. Dutschke), Kuta, Koep, Enzmann (71. Hounyovi-Huschka) - Lenz

  

Tore (Elfmeterschießen) 

120. Asim Kus (Elfmeter) 1:0
120. Alexander Thamm (Elfmeter) 1:1
120. Benedikt Koep (Elfmeter) 1:2
120. Oliver Hampel (Elfmeter) 2:2
120. Vincent Wagner (Elfmeter) 2:3


Zuschauer

ca. 2.500

Gelbe Karte

Bork - Lehmann, Vennemann, Dutschke, Kuta

 



Spieler des Spiels - Diebels Niederrhein-Pokalhalbfinale