09.02.2011

Rot-Weiss Essen - Wuppertaler SV Borussia


Endstation Hafenstraße – Teil 3

Was derzeit an der Hafenstraße abgeht ist kaum noch mit Worten zu beschreiben. Nicht nur in der Liga weiß die junge Mannschaft von Waldemar Wrobel mit tollem Offensivfußball und bedingungslosen Einsatzwillen zu überzeugen, auch im Niederrheinpokal landete das rot-weiße Team ein Riesencoup gegen den einzigen Viertligisten im Wettbewerb. Mit einem 4:1 Sieg wurden die Bergischen zum dritten Mal hintereinander im Niederrheinpokal zurück in ihr Tal geschickt. Eine verkehrte Welt zeigte das Bild nach dem Abpfiff im Georg-Melches-Stadion: Während die übrig gebliebenen Fans der favorisierten Gäste ihre eigenen Spieler beschimpften, feierten die Essener Zuschauer ihr Team sehr ausgiebig.

Pokalstimmung an der HafenstraßeDas sah vor dem Spielbeginn noch etwas anders aus. Die etwa 700 mitgereisten Wuppertaler unterstützen schon weit vor dem Beginn der Partie ihre Mannschaft lautstark, während im Essener Lager eine deutliche Anspannung zu spüren war. Jeder war gespannt, wie sich die aufstrebende Mannschaft in der NRW-Liga gegen den Regionalligisten schlagen würde. Allmählich konzentrierten sich die Wuppertaler nicht mehr auf den Support, sondern auf die Auseinandersetzungen mit den heimischen Ordnern und den Fans auf der halb abgerissenen Nordtribüne. Dabei wurde die Absperrung der Ordnungskräfte durchbrochen und ca. 100 Fans der Wuppertaler bewegten sich in Richtung des Essener Blocks. Nach dem Einsatz der Polizei beruhigte sich das Geschehen wieder, so laut wie vor diesem Dauerlauf wurde es aber im Wuppertaler Block nicht mehr. Es sollte auch keine weiteren Anlässe mehr geben, die Stimme im Gästeblock zu erheben. Über 7000 Zuschauer, ein um zehn Minuten verzögerter Beginn und das Theater der Wuppertaler Zuschauer – Dies zeigt deutlich, dass das Derby trotz der sportlichen Talfahrt der beiden Vereine in den letzten Jahren keineswegs an Brisanz verloren hat.

Als es endlich los ging war es zunächst nur eine Mannschaft, die hier den Ton angab. Und die kam leider nicht aus Essen. Die Wuppertaler tauchten sehr gefährlich vor dem Essener Tor auf und erarbeiteten sich eine Standardsituation nach der anderen. Ein wenig half dabei auch der Schiedsrichter mit, der fast jede strittige Situation gegen das heimische Team pfiff. In der siebten Minute wäre so eine Situation fast ins Auge gegangen. Der Wuppertaler Tom Moosmayer trat knapp vor der Strafraumgrenze an, doch Dennis Lamczyk zeigte sich wieder einmal in starker Form und parierte den guten Schuss glänzend. Wenige Zeit nach dem Freistoß war der Essener Keeper auch gegen einen Schuss von Michael Holt auf seinem Posten. Nur vier Minuten später hätte er aber gegen Björn Weikls Schuss keine Chance gehabt, der seinen Freistoß aus zentraler Position nur wenige Zentimeter neben das Essener Tor setzte. Erst nach etwa 15 Minuten legte sich der Sturmlauf der Bergischen, die Essener sortierten sich jetzt in der Abwehr und es gab kaum noch ein Durchkommen. Aber auch die Gäste legten ihre Disziplin in der Defensive nicht ab und so blieben klare Torchancen auf beiden Seiten Mangelware.


Lukas Lenz zum 1.Auch die Essener Spieler versuchten ihr Glück über Standardsituationen. Zunächst kann eine getretene Ecke in der 37. Minute von den Wuppertalern noch geklärt werden, doch die anschließende Hereingabe landet bei Stürmer Lenz, der aus kurzer Distanz mit einem tollen Drehschuss das etwas überraschende 1:0 für die Heimmannschaft erzielen konnte. Der Jubel von den Rängen war kaum verhallt, als die unter Schock stehenden Wuppertaler den Raum für Lenz öffneten und dieser nach einem Konter ein zweites Mal den Wuppertaler Torwart Sascha Samulewicz überwinden konnte. Nach 43 Minuten stand es also schon 2:0 für den vermeintlichen Außenseiter, der eiskalt die einzig beiden wirklichen Chancen nutzen konnte. Eine absolute Enttäuschung für die Wuppertaler Spieler und die mitgereisten Fans, dass die anfängliche Dominanz nur eine Viertelstunde währte.

Der Wuppertaler Trainer reagierte mit einem Wechsel zur Pause, um die drohende Niederlage abzuwenden. Keita-Ruel anstatt Ernst agierte jetzt im Mittelfeld, doch das Zepter nahm der WSV dadurch nicht in die Hand. Und dann passierte es plötzlich doch: Ein kapitaler Bock in der Essener Hintermannschaft ermöglicht Jerome Assauer zuzuschlagen. Aus ganz kurzer Distanz hatte Lamzcyk in der 54. Minute keine Chance und aus dem Nichts waren die Bergischen wieder da. Nur kurze Zeit später verhinderte ein Essener Abwehrbein den Ausgleich. Doch die etwas stärkere Phase der Wuppertaler wurde durch zwei Ereignisse unterbrochen. In der 63. Minute verletze sich der ordentlich spielende Weikl an der Seitenauslinie schwer und musste ausgewechselt werden. Kurz danach hatte RWE die Möglichkeit das Spiel zu entscheiden, doch Lukas Lenz verpasste die Chance sich unsterblich zu machen und traf nur den Pfosten. Die weitaus schlimmere Begebenheit aus Sicht der Wuppertaler war die überflüssige gelb-rote Karte von Waldemar Schattner, der den zuvor eingewechselten Tokat in der Höhe der Mittellinie am Trikot zog und deshalb folgerichtig vom Platz gestellt wurde.

Wir sind stolz auf unser TeamDas Spiel der Bergischen brach nicht völlig ein, dennoch gab es keine Offensivbemühungen mehr. Bei Rot-Weiss kam jetzt Benedikt Koep für Lukas Lenz, der in Köln noch zwei hundertprozentige Chancen ungenutzt ließ. Doch in diesem Spiel zeigte er seine Qualitäten: Nach einem Eckball köpfte er den Ball in der 84. Minute zunächst zum entscheidenden 3:1 ein, in der Nachspielzeit setzte er mit einem tollen Schuss aus halbrechter Position noch einen drauf. Bei den Essener Fans gab es kein Halten mehr, im Wuppertaler Block setze eine Massenflucht ein. Zum Schlusspfiff war kaum noch ein Gästefan im Stadion, das Georg-Melches-Stadion war sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen ganz klar in rot-weißer Hand.

Es kann gestritten werden, ob dieser Sieg in der Höhe absolut gerechtfertigt ist. Die Zuschauer hatten einen stärkeren Wuppertaler SV nach dem 2:2-Unentschieden beim Regionalliga-Tabellenführer Preußen Münster erwartet, auch wenn Wuppertals Ass Kastrati verletzungsbedingt fehlte. Doch das technisch starke Spiel und die hohe Laufbereitschaft der Essener Mannschaft zeigte einmal mehr, wie ein echtes „Team“ einen vermeintlich besseren Gegner deutlich den Schneid abkaufen kann. Auch die Nervenstärke eines so jungen Teams versetzt einen in Erstaunen, bis auf wenige Ausnahmen wurden gefährliche Situationen locker entschärft und die Ordnung in brisanten Spielsituationen nie aufgegeben. Zentral bleibt die Konzentration auf die Liga, denn man möchte im nächsten Jahr wieder im regulären Ligabetrieb auf den WSV treffen. Da könnten aber die Wuppertaler sich selbst im Wege stehen, denn bei diesen Leistungen muss man um den Verbleib des WSV in der Regionalliga bangen. Oder die Wuppertaler vergessen rechtzeitig ihre Lizenzunterlagen abzugeben, wie jüngst die verpatzte Verpflichtung eines Torwarts zeigte. Nur eines bleibt sicher: Egal in welcher Liga RWE spielt, für Wuppertal ist an der Hafenstraße nichts zu holen.

Jawattdenn-Spielerbewertung

Dennis Lamczyk
Lamczyk
[2-]
Dirk Jasmund
Jasmund
[3]
Vincent Wagner
Wagner
[3+]
Alexander Thamm
Thamm
[3]

Meik Kuta
Kuta
[2]

Timo Brauer
Brauer
[2]
Jan Jensen
Jensen
[2-]
Holger Lemke
Lemke
[2]
Cedric Vennemann
Vennemann
[2]
Leon Enzmann
Enzmann
[2-]
Lukas Lenz
Lenz
[2]
Suat Tokat
Tokat
[o.B.] 
Benedikt Koep
Koep
[o.B.]
 Kevin Lehmann
Lehmann
[o.B.]
 
 


Rot-Weiss Essen

Lamczyk - Jasmund, Thamm, Wagner, Kuta (89. Lehmann) - Brauer, Jensen (78. Tokat), Lemke, Vennemann, Enzmann - Lenz (82. Koep)

Wuppertaler SV Borussia

Samulewicz - El Hammouchi, Haas, M'Bengue, Moosmayer - Schattner, Weikl - Ernst, Pagano, Holt - Assauer

Tore 

1:0 Lukas Lenz (38.), 2:0 Lukas Lenz (44.), 2:1 Jerome Assauer (54.), 3:1 Benedikt Koep (84.), 4:1 Benedikt Koep (90+1)


Zuschauer

7.201

Schiedsrichter

Guido Winkmann (Kerken)

Gelbe Karte

Kuta

Gelb-rote Karte

Schattner


Spieler des Spiels - Lukas Lenz