06.03.2008

RWE - VfL Wolfsburg II

 

Glücklose Essener gegen zahnlose Wölfe

An diesem Wochenende steht für Rot-Weiss Essen wieder mal ein Schicksalsspiel an. Es muss gewonnen werden, damit der Abstand zu Platz zehn nicht jetzt schon zu groß wird. Bei einem Sieg und entsprechenden Ergebnissen der Konkurrenz hätte man nur zwei Punkte Rückstand, bei einer Niederlage dagegen würden langsam die Lichter an der Hafenstraße ausgehen und Heiko Bonan wäre wohl fortan arbeitslos.

Doch ein Blick auf die Tabelle lässt hoffen. Eigentlich darf es in dieser Partie nur einen Sieger geben, denn die Vertretung des VfL Wolfsburg zeichnet sich in dieser Saison durch erschreckende Harmlosigkeit aus. Während die erste Mannschaft die letzten Spiele außergewöhnlich erfolgreich bestreiten und auch in der Turnhalle in Herne-Ost einen 2:1-Auswärtssieg verbuchen konnte, gab es für die „kleinen Wölfe“ zwei herbe Klatschen in Erfurt (0:5) und zu Hause gegen die von Uwe Neuhaus trainierte Mannschaft von Union Berlin (0:3). Das ursprünglich erhoffte Ziel, die Qualifikation für die eingleisige Dritte Liga, ist jetzt schon verfehlt und praktisch nicht mehr zu schaffen. Wolfsburg wird wohl in die Vierte Liga absteigen.

Die Unterlegenheit der Wolfsburger konnte man auch schon im Hinspiel erkennen. Nach Toren von Kotula, Güvenisik und Stoppelkamp war das Spiel bereits nach 22 Minuten entschieden. RWE fuhr den ersten Sieg der Saison ein und startete im Anschluss daran eine kleine Serie. Die Hoffnung, dass auch das Spiel am Samstag gewonnen wird und danach wieder eine Serie gestartet wird, ist auch an der Hafenstraße vorhanden.

Über die ganze Saison gesehen war Wolfsburg die klar schlechteste Mannschaft, was die Tabelle auch jedem Betrachter deutlich vor Augen führt. Nur drei Siege und 14 Punkte aus bisher 22 Spielen bedeuten den mit Abstand letzten Tabellenplatz. Bei 14 geschossenen Toren (zweitschlechtester Wert der Liga) und 52 kassierten Treffern hat der Aufsteiger mit -38 das schlechteste Torverhältnis der Regionalliga. Die Defensive scheint also die größte Schwäche der Mannschaft von Trainer Petar Houbtchev, der das Team in der Winterpause übernahm, zu sein. Von den letzten fünfzehn Spielen konnte man nur ein einziges gewinnen, das allerdings überraschenderweise in Emden (19. Spieltag, 2:1).

Doppelter Torschütze in diesem Spiel war der 23-jährige Ex-Essener Philipp Kreuels, der im Sommer 2005 RWE in Richtung Wolfsburg II verließ, nachdem er sich bei der ersten Mannschaft nicht durchsetzen konnte. Vor wenigen Wochen erhielt Kreuels als Belohnung für seine guten Leistungen einen Profivertrag. Ein weiterer ehemaliger Rot-Weiss Spieler steht in den Reihen von Wolfsburg II: Benjamin Venekamp konnte sich bisher allerdings nicht richtig durchsetzen und bestritt seit dem 12. Spieltag kein Spiel mehr. Der beste Torschütze mit bisher vier Treffern ist der 21-jährige Nick Proschwitz. Weitere bekannte Namen dagegen sucht man im Kader des Tabellenletzten fast vergeblich. Der Außenverteidiger Sergej Karimov war Ende Januar in aller Munde, nachdem er in allerletzter Minute den Ausgleich gegen den S05 erzielen könnte und später mit einem verwandelten Elfmeter gegen Manuel Neuer das Ausscheiden der von Mirko Slomka trainierten Mannschaft aus dem DFB-Pokal besiegelte. Sonst besteht die Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 22 Jahren hauptsächlich aus jungen Leuten, die langsam an die Profimannschaft herangeführt werden sollen.

Es sollte also machbar sein, die jungen Wölfe zu Hause zu besiegen. Allerdings verlor RWE schon einmal in dieser Saison zu Hause gegen eine Mannschaft mit der Roten Laterne. Am 14. Spieltag setzte es eine 0:1-Pleite gegen die Zweitvertretung von Energie Cottbus. Essen ist also gewarnt, zumal im Sturm zuletzt einfach die Durchschlagskraft fehlte. Man ist bereits seit 361 Minuten ohne eigenen Torerfolg, und kein Stürmer spielt bisher konstant auf hohem Niveau. Markus Kurth kämpft wie immer, bleibt aber letztendlich zu ungefährlich. Der holländische Neuzugang der Winterpause, Paul Jans, schafft viele Räume für seine Mitspieler, kam aber auch zu selten zu guten Gelegenheiten und wurde außerdem gegen Dortmund II in der Halbzeit ausgewechselt, weil er kurz vor einem Platzverweis stand. Rolf Christel Guié-Mien spielt nach langer Verletzungspause wieder, hat aber noch nicht zu alter Form zurück gefunden. Sercan Güvenisik muss nach langer Pause ebenfalls erst wieder in Tritt kommen. Die jungen Uzun, Said und Wagner sind meistens noch nicht mal im Kader und spielen bei der erfolgreichen U23 in der Verbandsliga. André Schei Lindbaek ist im Moment verletzt und wird wohl in nächster Zeit nicht mehr in Erscheinung treten. Ihn jetzt schon als Fehleinkauf zu bezeichnen, wäre trotz seiner drei Treffer, mit denen er zweitbester Essener Torjäger ist, nicht völlig falsch.

Aufgrund der sportlichen Misere kursierten in letzter Zeit vermehrt die Gerüchte über einen möglichen Nachfolger Heiko Bonans und auch der sportliche Leiter Olaf Janßen, der von einigen Essener Fans als Feindbild benutzt wird, ist umstritten. Die Geschichten um einen Rückkehr Holger Fachs und einem sportlichen Leiter Bjarne Goldbaek entstammen (hoffentlich) aus der Phantasie eines Übermütigen, denn Fach als Trainer an der Hafenstraße würde wohl die auch so schon prekäre Situation noch verschlimmern.

Es bleibt also zu hoffen, dass RWE in diesem wichtigen Spiel einen überzeugenden Sieg einfährt und sich somit Platz zehn nähert. Es sind noch genug Spiele zu spielen, um die Qualifikation locker zu schaffen, doch bald muss der Hebel umgelegt werden. Denn bei einer Niederlage gehen wohl langsam die Lichter aus…


(fj)


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Bilanz gegen Wolfsburg II



Regionalliga-Nord
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Siege
Remis
Niederl.
Gesamt
Heim
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-
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Auswärts
1
0
0
1
Gesamt
1
0
0
1