05.09.2007

RWE - Eintracht Braunschweig

 

Die Löwen sind los!

Langeweile herrschte im Essener Reich. Dem unbeugsamen gallischen Dorf war schon lange der Zaubertrank ausgegangen, und auch die Perser tief im Süden verhielten sich ruhig. Kurzum: Das Volk wurde mürrisch. Und wenn das Volk unruhig wird, dann hilft nur eines: Spiele!

Gesagt, getan. Bevor der Pöbel allzu laut wurde verkündete der Kaiser, dass die Arena aus der langen Sommerpause erwachen solle. Der Senat stimmte nach hitziger Diskussion zu, und so wurden Boten hinaus in alle Ecken des Reiches geschickt, um zu verkünden, dass Kämpfer aller Dörfer nach Essen kommen sollen, um sich dort mit den besten Gladiatoren zu messen. Wo auch immer die Boten hinkamen, sie lösten Jubel aus. Bald war die Kunde im ganzen Reich bekannt, und es fanden sich auch schnell 18 Dörfer, die ihre Krieger aussandten.

Um ein wenig Ordnung in die Spiele zu bringen, empfahl der Senat, doch zuerst gegen die direkten Nachbardörfer anzutreten, dann hätten die Völker aus den anderen Teilen des Reiches mehr Zeit, die teils beschwerliche Reise zu Fuß oder auf Ochsen zurückzulegen. Der Kaiser war begeistert, und so wurden nach und nach Spiele gegen die Germanen aus der Umgebung abgehalten: Zuerst kamen Kämpfer aus Oberhausum, danach trat man gegen die Krieger aus Düsseldorfum an. Es folgten Kleinahlum und anschließend Dortmum. Leider waren die hochgepriesenen Essener Gladiatoren noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte, so dass sie gegen die verschiendenen Stämme einige Verluste zu beklagen hatten und nicht einmal siegreich die Arena verließen. Die Stimmung auf den Rängen kippte.

So konnte es nicht weitergehen, und der Kaiser suchte fieberhaft nach einer Lösung. Vielleicht half es, wenn man sich andere Gegner als die Germanen suchen würde. Nordmänner mussten her! Von diesen kriegerischen Barbaren hatte er schon viel gehört, sie sollten durch seine rot-weißen Kämpfer besiegt werden, damit diese neuen Mut fanden. Doch gleich im allerersten Kampf gegen die Normannen aus Emden blieb der Erfolg erneut aus. Der Mob im Kolosseum kochte. Immer nur Niederlagen für die Hauptstadt des Kaiserreiches, das ging so nicht weiter. Für die nächste Schlacht wurden einfache mit Wolfsfelle gekleidete Burgritter engagiert. Und siehe da, es klappte. Die rot-weißen Gladiatoren machten mit ihnen kurzen Prozess. Doch der Pöbel war noch nicht zufrieden, er wünschte sich andere als immer nur menschliche Gegner. Löwen sollten es sein!

Löwen, dachte der Kaiser, wären eine gute Abwechslung und zudem eine perfekte Vorbereitung auf die wilden Sachsen, gegen die man in den kommenden Wochen antreten wird. Also stimmte er der Forderung des Volkes zu. Allerdings durften die Löwen auch nicht zu gefährlich sein, sonst droht die nächste Schlappe. Also suchte der Kaiser nach möglichst zahnlosen Löwen und fand diese auch.

Und so steht am morgigen Mittwoch Abend eines der besonderen Spiele in Essen statt. Mitabsteiger Braunschweig stellt sich an der Hafenstraße vor. Und man muss tatsächlich von zahnlosen Löwen sprechen, denn war der Saisonstart für RWE schon nicht berauschend, so ist er gegenüber dem der Braunschweiger doch als ziemlich gelungen zu werten. Ein einziger Punkt aus fünf Spielen (BS war bereits spielfrei) und bereits stolze 14 Gegentore sind das Resultat eines katastrophalen Fehlstarts in die Liga. Dabei war Braunschweig neben Essen für die meisten Regionalliga-Trainer einer der Aufstiegsfavoriten. Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Davon können gerade wir Essener ebenfalls ein Lied von singen.

Das große Manko der Braunschweiger scheint vor allem die zweite Halbzeit zu sein. Wäre jeweils nach 45 Minuten abgepfiffen worden, hätten die Löwen jetzt bereits 10 Punkte auf dem Konto bei einer Tordifferenz von 5:2. Doch in Hälfte Zwei folgt Spiel für Spiel der Einbruch. Braunschweig ging in vier der fünf Spiele in Führung. Jeweils zweimal (1:0 und 2:1) in Wolfsburg und Erfurt, gegen Babelsberg, gar 2:0 gegen Union Berlin, doch in all diesen Spielen reichte es insgesamt nur zu einem einzigen Punkt. Dies muss dringend korrigiert werden, sonst droht der jetzt schon verloren gegangene Anschluss zu Platz 10 bald schon völlig außer Sichtweite zu geraten.

Anders RWE. Nach dem Dreier in Wolfsburg und vor allem der Verpflichtung von Markus Kurth sehnen die Fans den ersten Heimsieg herbei. Dieser ist umso wichtiger, als dass man nicht weiterhin der Musik hinterherhinken möchte. Der Verein war in den letzten Tagen in der Pflicht. Es hieß, Kritiker verstummen zu lassen, den Essener Pöbel zu beruhigen. Die Verpflichtung von Markus Kurth war der richtige Schachzug dazu. Ein Zeichen von Sponsoren, dass sie den Verein nicht im Stich lassen wie von vielen so gesehen. Ein Zeichen an die Fans, die bisher zusehen mussten, wie namhafte Stürmer sich der Konkurrenz anschlossen, anstatt nach Essen zu wechseln. Wasser auf die Wunden der leidenden RWE-Seele.

Markus Kurth wurde verpflichtet, um die jungen Spieler zu führen. In Duisburg machte er bisher den Eindruck eines duften Kumpels, der im Strafraum oft dort steht, wo ein Stürmer eben stehen muss. Einer, an dem die jungen Spieler sich aufrichten können, einer mit Torriecher. Zudem wird Stijn Haeldermans vielleicht zurückkehren, Sören Brandy ist wieder fit und auch Stefan Lorenz macht Fortschritte. Für diesen kommt die Partie allerdings noch zu früh, er wird ebenso wie sein gesperrter Bruder Michael fehlen.

Auf Seiten der Gäste werden zwei alte Bekannte auflaufen. Während Dennis Brinkmann bereits 2003 RWE verließ und nach der Station Aachen in Braunschweig landete, wechselte Holger Wehlage im Sommer von RWE zur Hamburger Straße. Auf seinen Empfang darf man gespannt sein, gehörte er doch nicht zu den Schlechtesten der letzten Saison. Ein Sieg würde die drei Punkte aus Wolfsburg vergolden, vorerst zumindest. Platz 10, welcher erstmal als Ziel ins Auge gefasst werden sollte, wäre damit in greifbarer Nähe, der Kontakt zum Mittelfeld wäre wiederhergestellt. Es ist also ein richtungweisendes Spiel, sowohl für Essen als auch für Braunschweig.

Und so lasset die Posaunen laut erklingen, bringt das Kolosseum zum Erzittern, denn die Löwen warten auf unsere tapferen Gladiatoren!


(tj)


Bilder: 2. Bundesliga 2006/07 Rot-Weiss Essen - Eintracht Braunschweig 2:0


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Bilanz gegen Braunschweig



1. Bundesliga
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Siege
Remis
Niederl.
Gesamt
Heim
1
3
2
6
Auswärts
0
3
3
6
Gesamt
1
6
5
12

2. Bundesliga
.
Siege
Remis
Niederl.
Gesamt
Heim
4
1
0
5
Auswärts
1
2
2
5
Gesamt
5
3
2
10


2. Bundesliga-Nord
.
Siege
Remis
Niederl.
Gesamt
Heim
0
0
1
1
Auswärts
0
0
1
1
Gesamt
0
0
2
2


Regionalliga-Nord
.
Siege
Remis
Niederl.
Gesamt
Heim
2
0
1
3
Auswärts
1
1
1
3
Gesamt
3
1
2
6


Gesamt
.
Siege
Remis
Niederl.
Gesamt
Heim
7
4
4
15
Auswärts
2
6
7
15
Gesamt
9
10
11
30

Quelle: Fussballdaten.de