05.09.2007

RWE - Eintracht Braunschweig

 

Gefährliche Gleichgültigkeit

Es wird hier und da noch diskutiert. Gepfiffen wird auch noch, gemeckert schon lange nicht mehr. Der RWE-Fan ist vieles ge- und wurde leider in den vergangenen Jahren nur selten verwöhnt. Von "Krönung" zu sprechen ist vielleicht zu superlativ. Doch was gestern, den immerhin über 10.000 Zuschauern im Georg-Melches Stadion geboten wurde war der Gipfel der "Unsportlichkeit".

Besser als es ein User im Internetforum der reviersport.de beschrieb, kann man die dargebotene Nichtleistung der beiden ehemaligen Proficlubs nicht mehr beschreiben. "Das Spiel, welches gefühlte 270 Minuten dauerte" endete gerecht 0:0, weil beide Mannschaften ihrem Status als "Herrscher der Liga" nicht gerecht wurden. Was haben die Trainer dieser Regionalliga nicht alles in die Kader der beiden Mannschaften hinein interpretiert? Klare Favoriten mit guten Spielern und höchsten Etats wurden sie getauft. Zusammen kommen die Zweitligaabsteiger der vergangenen Saison auf ganze acht Punkte, was nicht einmal die Hälfte von dem widerspiegelt, die Spitzenreiter Düsseldorf bis dato gesammelt hat.

Es müssen Fragen gestellt werden. Eine dieser Fragen ist die "Systemfrage", die mittlerweile die "Qualitätsfrage" in ihrer Zitathäufigkeit in den Medien überholt hat. Jede Woche wird gewechselt und jede Woche präsentiert sich das Team in einer anderen Aufstellung. Gerade nach dem Auswärtssieg bei den regionalligauntauglichen Wolfsburgern hätte der rot-weiße Fan eine Mannschaftsaufstellung erwartet, die sich nicht von der siegreichen unterscheidet. Zur Überraschung fand sich, der in dieser Saison gut spielende Güvenisik auf der Bank wieder. Für ihn spielte der bis heute glück-, kraft- und ideenlose Kazior. Erstmalig trat auch Markus Kurth in Erscheinung - die personifizierte Hoffnung aller RWE-Fans. Doch einmal mehr wurde deutlich, dass es gerade nicht der Sturm ist, der in dieser Liga nicht anzukommen scheint, sondern vielmehr das Gesamtbild nicht stimmt.

Kaum verwunderlich ist die gefühlte Statistik, dass mit Czyszczon und Sereinig zwei Verteidiger die meisten Ballkontakte verzeichneten. In 90 Minuten wurden kaum mehr als fünf weite Abschläge von Torhüter Masuch gespielt. Ansonsten beschränkten sich die Essener Angriffsbemühungen hauptsächlich auf das Abspielen des Keepers auf die beiden angesprochenen Abwehrspieler, die wiederum entweder überfordert den Ball ins Nirvana schossen oder im schlimmsten Fall sogar einen Konter einleiteten. Ebenfalls nicht unbeteiligt war der erstmalige Total-Aussetzer von Tim Erfen, der kaum einen Zweikampf gewann und seine Außenlinie nur selten verließ. Ein Glück, dass auch die Braunschweiger in Phasen der Fehlpassserie nicht in der Lage waren, Kapital aus diesen zu schlagen.

Es wäre nicht fair, hier einzelne Spieler anzuprangern. Es ist, wie beschrieben, ein krummes Gesamtbild. Die Eckenstatistik dürfte nicht mehr als drei Ecken im Spiel gezählt haben und die ausgestrahlte Gefahr bei sonstigen Standards ist nicht erwähnenswert. Gänzlich vom Spiel ausgeschlossen wurden die beiden "Kreativen" im Essener Team. Wie sollen die beiden Mittelfeldstrategen Stoppelkamp und Gorschlüter das Team leiten, wenn Bälle über das Mittelfeld emotions- und empfängerlos in den Sturm gespielt werden? Eine Frage, die es zu beantworten gilt!

Zusammengefasst passierte in der ersten Halbzeit nichts. Auch die zweite Hälfte war von Fehlpässen und Verunsicherung auf beiden Seiten gezeichnet. Weiterhin vermisste das Essener Spiel eine Art Pressing, welches den Gegner vielleicht einmal unter Druck hätte setzen können. Auch in Halbzeit zwei sah der Auftritt der Mannschaft nicht selbstbewusst aus. Folgerichtig blieb es bei einem 0:0. Selten war ein Ergebnis so aussagekräftig wie an diesem Abend.

Rot-Weiss muss sich etwas einfallen lassen. Es ist kaum rational zu erklären, wie ein RWE-Fan, der noch vor wenigen Monaten in Köln ein Spiel vor über 40.000 Zuschauer gesehen hat, nun nach Wolfsburg fährt, um dort mit 250 Leidensgenossen ein Spiel zu sehen. Es werden auch keine 10.000 Zuschauer mehr ins heimische Stadion pilgern, um sich - sportlich gesehen - zu langweilen. Denn wen ärgert es mittlerweile noch richtig, dass jede Woche aufs Neue nichts passiert?


(tp)


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Rot-Weiss Essen

Masuch - Erfen (66. Guie-Mien), Czyszczon, Sereinig, Andersen - Stoppelkamp, Kotula, Gorschlüter, Kiskanc (71. Brandy) - Kurth, Kazior (54. Güvenisik)


Eintracht Braunschweig

Fejzic - Gundelach, Henn, Horacek, Dogan - Brinkmann, Lenze (82. Schembri) - Wehlage, Danneberg (71. Koitka), L. Fuchs (46. Oehrl) – Ristic


Tore

Fehlanzeige


Zuschauer

10.220


Schiedsrichter

Anklam (Buchholz)


Gelbe Karten

Kurth - L. Fuchs








.....

 

Spieler des Spiels

 



 

Jawattdenn Spielerbewertung

 

Masuch
3
Czyszczon
4
Andersen
4-
Sereinig
5+
Erfen
5
Kotula
5+
Kiskanc
5+
Gorschlüter
4-
Stoppelkamp
4-
Güvensik
4
Kazior
5
Kurth 4+