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2025/2026 – 3. Liga

Alemannia Aachen – Rot-Weiss Essen

Wider der Serie – Gelingt RWE endlich in Aachen der Sieg? Ein Lieblingsgegner sind die Aachener seit dem Aufstieg in die Liga 3 wahrlich nicht. Drei bittere Niederlagen sorgten für höhnische Freude bei einem Klub, der sich viele Jahre gegenüber dem Ruhrgebietsklub enteilt sah. Während die Essener um den Aufstieg spielen, versuchen die Aachener Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln. Warum es Zeit für einen RWE-Auswärtssieg ist, lest Ihr im Vorbericht.

Wider der Serie – Gelingt RWE endlich in Aachen der Sieg?

Ein Lieblingsgegner ist die Alemannia seit dem Aufstieg in die Liga 3 wahrlich nicht. Drei bittere Niederlagen sorgten für höhnische Freude bei einem Klub, der sich viele Jahre gegenüber dem Ruhrgebietsklub enteilt sah. Während sich aber die Essener im Aufstiegskampf befinden, müssen die Aachener zusehen, genug Distanz zwischen sich und den Abstiegsplätzen zu schaffen. Die Vorfreude in Aachen ist groß, schließlich ist das Selbstbewusstsein durch die Serie gegen RWE hoch und im Vorfeld wurden mit Genehmigung des Vereins T-Shirts mit Hassbotschaften verkauft, die sich wahrscheinlich besser verkaufen als das parallel herausgekommene Sondertrikot des Klubs.

Bei all den Störfeuern vom Tivoli ist es am besten, RWE konzentriert sich völlig auf sich. Uwe Koschinat gab das Ziel 54 Punkte aus 30 Spielen aus, diese Marke würde das Segel klar Richtung Aufstieg setzen. Zuletzt holte sich RWE noch Unterstützung für die Offensive. Dickson Abiama wurde kurz vor dem Ende der Transferperiode aus Kaiserslautern geliehen. Auch Tino Casali, dessen Verpflichtung durch die Verletzung von Stammtorhüter Jakob Golz nötig wurde, fand vom SCR Altach den Weg an die Hafenstraße. Ein herzliches Willkommen an der Hafenstraße!

Die Personallage

Schlechte Nachrichten gab es unter der Woche von Stammkeeper Jakob Golz, der nach seiner verunglückten Aktion im Spiel gegen Wiesbaden nicht nur fast ein Gegentor verschuldete, sondern auch mit einem Innenbandanriss im Knie ausfallen wird. Große Sorge hat die Mannschaft von der Hafenstraße aber nicht, denn mit Felix Wienand befindet sich die vielleicht beste Nummer 2 der Dritten Liga im Kader der Essener. In die Abwehrreihe davor könnte Tobias Kraulich zurückkehren und sich wieder neben Michael Schultz und Rios Alonso einreihen, obwohl Ben Hüning eine sehr gute Leistung gegen Wiesbaden zeigte. Sollte Trainer Koschinat weiter an der Dreier-/Fünferkette festhalten, macht es trotzdem mehr Sinn, mit dem Linksfuß Kraulich zu beginnen.

Auf den Abwehrflügeln wird Michael Kostka auf rechts mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit starten, Jannik Hofmann ist nach seiner roten Karte im Heimspiel gegen Havelse immer noch gesperrt. Trotz einer Leistungsdelle ist Lucas Brumme auf links als Führungsspieler unverzichtbar, allerdings ist Francis Bouebari auch eine gute Alternative. In der Defensivzentrale droht ein Ausfall von Klaus Gjasula, der wie im letzten Jahr vor dem Spiel gegen Aachen erkrankt ist. Ihn könnte der Neuzugang Ruben Reisig, der auch ein gutes Debüt gegen Wiesbaden zeigte, positionsgetreu ersetzen. Spannender wird die Frage sein, wer neben Ruben Reisig im Mittelfeld dann auflaufen wird. Gianlica Swajkowski ist eine Option dafür.

Torben Müsel scheint aber trotz schwankender Leistungen gesetzt zu sein, allerdings bleibt offen, ob er die Position neben Reisig bekleiden wird oder sich auf der „Zehn“ wiederfindet. Sollte Gjasula tatsächlich ausfallen, würde Müsel wahrscheinlich nach hinten rücken und möglicherweise Danny Schmidt den Offensivpart übernehmen. Alternativ hat in der Vergangenheit auch Marvin Obuz unter Koschinat gespielt, wobei er sich auf dem rechten Flügel wohler fühlt. Dort dürfte aber Ramien Safi spielen, der trotz nicht stabiler Leistungen einen ordentlichen Auftritt gegen Wiesbaden zeigte. Auf der anderen Seite ist Kaito Mizuta gesetzt. Ob Uwe Koschinat dem Neuzugang Dickson Abiama vielleicht sogar schon einsetzt, bleibt offen. Alles hängt stark von einem Ausfall des bereits erwähnten Gjasula ab.

Auch in der Sturmspitze droht eine Umbesetzung, denn Marek Janssen konnte aufgrund seiner Adduktorenprobleme nur eingeschränkt trainieren. Jaka Cuber Potocnik ist noch keine Option, Jannik Mause genießt nicht das Vertrauen des Trainers. Sollte Danny Schmidt, der auf dieser Position noch keine Glanzleistungen im RWE-Trikot zeigen konnte, dort auflaufen, hat dies, wie bereits aufgeführt, Auswirkungen auf die Besetzung im offensiven Mittelfeld.

Der Gegner: Alemannia Aachen (sieben Siege – vier Unentschieden – elf Niederlagen, 33:41 Tore, Differenz – 8)

Nach dem elften Spieltag war das Experiment Benedetto Muzzicato vorbei. Unglücklich verlor die Alemannia in den Schlussminuten gegen den FC Ingolstadt mit 0:1, zum siebten Mal unter dem ehemaligen Coach der Freiburger Reserve und Viktoria Berlin. Sein Ansatz, die unter dem nach Braunschweig abgewanderten Heiner Backhaus eingeführte defensive Ausrichtung der Aachener Truppe offensiver zu gestalten, war gescheitert.

Der Interimscoach Ilyas Trenz sorgte mit zwei Siegen in Wiesbaden und gegen Saarbrücken für eine spektakuläre Wende, musste aber aufgrund der fehlenden Lizenz für die Spielklasse sein Amt an den Bosnier Mersad Selimbegovic abgeben. Knapp vier Jahre trainierte Selimbegovic den Ligakonkurrenten Jahn Regensburg, danach folgten Kurzengagements in Rostock und im belgischen Eupen. Nach der Übernahme folgte direkt ein Erfolg beim VfB Stuttgart, doch der erhoffte Aufschwung blieb aus. Nur ein weiterer Sieg folgte (in Hoffenheim), auch Selimbegovic Bilanz ist nicht viel besser als der seines Vorgängers Muzzicato.

Die Gründe für die Probleme liegen also tiefer als der Platz auf der Trainerbank. Hoffnungsträger wie Jeremias Lorch, Matti Wagner und Gianluca Gaudino waren zwischendurch alle verletzt, Abwehrchef Mika Hanraths hat bislang noch kein einziges Saisonspiel bestreiten können. Gerade die Abwehr als Prünkstück der vergangenen Saison entwickelte sind zur Problemzone der Aachener. Mit 42 Gegentreffern hat nur mit Waldhof Mannheim ein Klub oberhalb der Abstiegszone mehr schlucken müssen als die Alemannia.

Zudem leiden die Aachener unter der riskanten Personalpolitik der letzten Jahre. Viele Spieler wurden für den Aufstieg aus der Regionalliga West vor zwei Jahren verpflichtet, die nicht die Qualität für die Dritte Liga nachweisen konnten. So fand ein nahezu kompletter Austausch statt, der den Kader aufblähte und wenig Handlungsspielraum ließ. Rachid Azzouzi, der neue sportliche Leiter, kam erst spät in der Sommerpause dazu und hat als Nachfolger von Sascha Eller alle Hände voll zu tun. Immerhin bewiesen die Aachener für die Offensive ein goldenes Näschen. Der aus Hannover ausgeliehene Lars Gindorf erzielte bislang fünfzehn Tore, acht davon vom Punkt aus.

Sein aggressives Auftreten mit dem wahrscheinlich provokantesten (oder arrogantesten) Torjubel der Liga soll allen zeigen, dass er die Führung der Aachener Truppe schnell übernommen hat. Ein weiterer Leihspieler, Mika Schroers von Arminia Bielefeld, erzielte weitere acht Tore und bildet mit Gindorf zusammen die Überlebensversicherung der Alemannia.

Diese Qualitäten wollten die Kaderplaner im Winter ausbauen. Lange Zeit passierte am Tivoli nichts, nur die eher unbekannten Innenverteidiger Petros Bagalianis (AE Larisa) und Torwart Fotios Pseftis (Leihe vom FC Lugano) fanden den Weg in die Kaiserstadt. Gerade die Verpflichtung von Pseftis erwies sich als folgerichtig, denn durch den Wechsel in der Bundesliga von Jonas Omlin von Gladbach nach Leverkusen war die Borussia vom Niederrhein dazu gezwungen, Jan Olschowsky in den Fohlenstall zurückzuholen, was sich der junge Torhüter durch gute Leistungen am Tivoli redlich verdient hat.

An die Seite von Pseftis wurde der ehemalige Bochumer Torhüter und bekanntes Enfant Terrible Manuel Riemann gestellt, der zunächst für die Hygiene in der Kabine verantwortlich ist. Am letzten Tag des Transferfensters schlugen die Kaiserstädter dann richtig zu. Gideon Jung (Abwehrspieler aus Kayserispor, ehemals auch in Fürth aktiv), Jonas Oehmichen (Stürmer, Leihe aus Dresden) und Omar Sillah (Stürmer, Leihe aus Fürth) wurden allesamt auf den letzten Drücker verpflichtet. Die Marschroute ist dabei klar. Jung soll als erfahrener Defensivallrounder für mehr Stabilität sorgen, Sillah und Oehmichen die Torquote in der Sturmspitze vor Gindorf und Schroers erhöhen. Allerdings wird es Jung aufgrund mangelnder Spielpraxis eher schwer haben, in die Startelf gegen Essen zu rutschen.

Der Schlüssel zum Sieg in Aachen liegt bei RWE selbst, man muss sich gegen das aggressive Pressing der Aachener wehren. In den letzten drei Spielen war die mangelnde Widerstandsfähigkeit der Essener der hauptsächliche Grund für die Niederlagen. Die Gäste von der Hafenstraße dürfen nicht den Fehler wiederholen, zu tief zu verteidigen und Geschenke an die Kaiserstädter zu verteilen. Sollten die Essener das Spiel lange offenhalten und auch gute Offensivaktionen gestalten, wird das unzufriedene Publikum in Aachen schnell nervös. Im letzten Heimspiel hagelte es ausgerechnet im Jubiläumsspiel zum 125. Geburtstag eine 0:3-Klatsche gegen den VfL Osnabrück, insgesamt gab es nur zwei Heimsiege in schwarz und gelb zu feiern. Die Mannschaft aus Essen hat alle Möglichkeiten im Kader zur Verfügung, die Negativserie zu durchbrechen und den vierten Sieg der Aachener über RWE zu verhindern.

Die Lage in der Liga und Fazit

Am Freitagabend schlug Waldhof Mannheim den SSV Ulm 1846 und rückt damit in die Schlagweite zur Spitzengruppe. Das Aufstreben der Ulmer nach dem Sieg in der letzten Woche gegen den MSV Duisburg endet somit vorerst. Der Samstagmittag bot Langeweile pur, nur vier Tore wurden in fünf Partien geschossen. Diese Tore haben vor allem Auswirkungen im Aufstiegskampf.

Der VfL Osnabrück schoss sich mit dem 2:0-Sieg gegen Havelse vorübergehend auf Platz 2, während der SV Wehen Wiesbaden noch ein Wörtchen oben mit reden könnte nach dem 2:0-Erfolg gegen das Schlusslicht aus Schweinfurt. Den Anschluss an die Spitzengruppe verpasste am Samstagnachmittag 1860 München, die Giesinger verloren in Großaspach mit 2:1 gegen den VfB Stuttgart. Damit warten die Münchener weiter auf einen Sieg im Kalenderjahr 2026. Die geringe Bewegung im Ringen um den Klassenerhalt könnte dem Gegner von RWE nützen, bei einem Sieg hätten die Aachener ein wenig Luft auf den ersten Abstiegsplatz.

Der Sonntag steht ganz im Zeichen der Jagd auf die Plätze zur Zweiten Bundesliga. Hansa Rostock möchte sich in Hoffenheim für die 0:3-Klatsche gegen den FC Ingolstadt rehabilitieren und den Blick nach vorne richten. Am späten Abend findet noch das Spitzenspiel zwischen dem MSV Duisburg und dem SC Verl statt. Dem Sieger des Duells winkt der Sprung auf einen direkten Aufstiegsplatz.

Ein abermals wichtiger Spieltag wartet auf die Mannschaft von Hafenstraße. Der Kampf um den Aufstieg tritt in eine neue Phase, schließlich wollen alle Mannschaften von oben wissen, ob ihre Kaderveränderungen im Winter auch direkt Früchte tragen. Es könnte sein, dass sich bald die Spreu vom Weizen trennt und sich die Gruppe der Mannschaften verkleinert, die bis zum Ende im Rennen dabei sein wird. Trotz der hohen Hürde in Aachen will RWE weiter in dieser Gruppe dabei sein. Dafür muss die Truppe den Kampf in der Kaiserstadt annehmen und mit einer klaren spielerischen Linie selbst die Initiative übernehmen. Nur so können die drei Punkte von der belgischen Grenze mitgenommen werden.

In diesem Sinne

NUR DER RWE!

Pascal Druschke