England-Hopping: Up the Villa!!! (Bericht)

veröffentlicht am 16.04.2009 um 21:05 Uhr von Redaktion


Zwei zu verballernde Tage Resturlaub kombiniert mit einer Ryanair-Aktion im richtigen Moment führten mich zusammen mit einem Kumpel ins Mutterland des Fußballs. Die Prüfung von Flugzeiten ab 'Airport Niederrhein' in Weeze, sowie die vom Zielort aus erreichbaren Stadien und machbaren Anstosszeiten ergaben eindeutig die Destination Birmingham. Und so hoben wir an einem Samstagmittag ab, um die Spiele Wolverhampton Wanderers vs. Charlton Athletic in der Championship-Divison (der zweiten Liga) und Aston Villa vs. Tottenham Hotspur in der Premier League zu sehen. Nach dem Buchen der Flüge, Hin- und Rückflug für zehn Euro pro Nase plus weiteren zehn Euro Bearbeitungsgebühr und zwei Nächte in einem Hotel der bekannten Kette 'Kaschemme' für umgerechnet knapp 38 Euro pro Person, ging es an die Ticketbeschaffung.


Hier wollte ich zumindest für Villa die Tix sicher haben, da schon bei mehreren Spiele in dieser Saison „sold-out“ gemeldet wurde. Dieses stellte sich jedoch alles andere als einfach dar. Eine einfache Bestellung per Email oder über den Online-Sale ist nur möglich, wenn man eine sogenannte 'Booking-History' vorweisen kann, soll heißen, wenn man in dieser Saison schon einmal Karten bestellt hat. Der deutsche Aston Villa-Fanclub wollte leider für unbekannte Personen keine Hilfe leisten. Der Versuch über das 'Villa Talk'-Forum brachte letztlich den entscheidenden Hinweis, den ich allerdings bei aufmerksamerem Studium der Vereins-HP selbst hätte finden können. Das magische Wort nennt sich 'Seatexchange', ein Service der für alle möglichen Tickets in Anspruch genommen werden kann, sofern der Veranstalter (hier der Aston Villa FC) daran teilnimmt.

Das ganze funktioniert wie folgt. Als Dauerkartenbesitzer hat man die Möglichkeit seinen Platz für Spiele, bei denen man verhindert ist, zu verkaufen. Dieses funktioniert eben über 'Seatexchange'. Dieser Service wird von einem unabhängigen Unternehmen angeboten, das an der Transaktion sowohl durch Käufer- als auch Verkäufergebühren verdient. Über den Internetauftritt des Service kann man sich das entsprechende Spiel auswählen und dann unter den angebotenen Tickets auswählen. Zahlung per Kreditkarte und der Drops ist gelutscht. Es werden natürlich überwiegend Einzeltickets angeboten, aber mit ein bißchen Geduld hatten wir nach ein paar Tagen zwei nebeneinander liegende Plätze auf der Haupttribüne mit hervorragender Sicht erstanden. Dieses allerdings zum englandüblichen stattlichen Preis von knapp 53 Euro pro Karte. Gut, dass das Pfund momentan so übel da steht, sonst wär's noch teurer geworden. Ein paar Tage vor der Abreise sicherte ich uns dann noch die Tix für das Wolverhampton-Match. Dieses ging auf einfachem Wege per Anruf und Hinterlegung im Ticket-Office am Stadion gegen Bekanntgabe der Kreditkarten-Daten.

So ging es dann am Tage des Spiels Wolverhampton gegen Charlton ab Weeze nach Birmingham. Der Abflug war um 13:00 mittags, Ankunft auf dem Flughafen Birmingham war für 13:25 Uhr vorgesehen (eine Stunde Zeitverschiebung zurück), Kick-off um 15:00 Uhr. Da die reine Flugzeit aber nur eine Stunde dauert und Ryanair eine der pünktlichsten Low-cost-Airlines ist, machten wir uns keine Sorgen. So landeten wir auch überpünktlich, bekamen einen früheren Anschluss-Zug als geplant und waren nach 40 Minuten Fahrzeit eine gute Stunde vor dem Spiel in Wolverhampton. Überhaupt muss man sagen, dass der öffentliche Nah- und Fernverkehr keine Wünsche offen lässt. In kurzen Abständen fahren Züge und Busse, so dass man kaum Wartezeiten hat. Da sich der Ground mit dem klangvollen Namen 'Molineux' direkt an die Innenstadt anschließt, waren wir in wenigen Minuten dort. Es herrschte bereits reger Andrang.

Die Wolves, ein Club mit großer Tradition, sind aktueller Tabellenführer und nach einer sehr starken Hinrunde und einer anschließenden kleineren Schwächeperiode immer noch deutlich vorn. Der Gegner aus London, Charlton Athletic, ist dagegen abgeschlagener Tabellenletzter und kann bereits für Liga Drei planen. Die englische Zweite Liga spielt mit 24 Vereinen (!) und es war bereits der 39. Spieltag. Soviel zum Thema Erholungsphasen. Man muss bedenken, dass auch noch zwei Cup-Wettbewerbe gespielt werden. Die Tickets waren wie geplant hinterlegt und wir hatten nur noch das Taschen-Problem, da wir keine Chance hatten, unser Gepäck (allerdings nur Rucksäcke mit dem Nötigsten) vorher irgendwo einzuschließen. Der Stewart ließ uns aber nach lascher Kontrolle passieren und wir enterten durch die engen Eingänge, die 'Turnstiles', den Ground.

Das Molineux besteht aus vier einzelnen Tribünen, die alle in etwa gleich hoch sind und sich in der Bauart minimal voneinander unterscheiden. Der Ground fasst knapp 28.500 Menschen und ist ganz in den Vereinsfarben gelb und schwarz gehalten, wobei gelb dominiert. In den beiden Geraden befinden sich Business-Logen. Der Abstand zum Spielfeld ist für britische Verhältnisse recht groß. Insgesamt ist das Stadion in der Innenansicht wenig spektakulär, weiß aber durchaus englischen Flair zu vermitteln. Die Abstände zwischen den Sitzreihen bieten allerdings ausreichend Anlass für eine nachfolgende Meniskus-OP. Das Spiel versprach eigentlich reichlich Tore, trafen doch Top-Sturm und Schießbude der Liga aufeinander. Allerdings sind knappe Ergebnisse im Championship unabhängig von der Tabellensituation an der Tagesordnung. Über die Qualität des Spielgeschehens decken wir mit britischem Charme den Mantel des Schweigens. Ich denke, sogar die Roten hätten dort was mitnehmen können.

Letztlich siegten die Wolves durch ein spätes Tor Marke 'Stolperhannes' mit 2-1 und verhinderten die mögliche Blamage. Die Stimmung war dementsprechend mau, wobei mir die 'Singing Section' gemessen an 25.000 anwesenden eh recht klein vorkam. Aus London waren trotz aussichtsloser Lage gut 300 Leute angereist. Nach dem Spiel frönten wir noch dem Fastfood an den Fressbuden und schossen ein paar Fotos, um dann den Zug nach Birmingham zu besteigen und unser Quartier zu beziehen. Dieses ließ aufgrund einer eleganten Backstein-Fassade Gutes vermuten, spätestens als wir die Rezeption hinter uns gelassen hatten, hatten wir aber begriffen warum wir das Zimmer so günstig haben konnten... warm Duschen konnten wir jedenfalls erst zu Hause wieder. Egal. Hauptsache ein günstiges Dach über dem Kopf. Den Rest des Abends ließen wir bei einigen Pints in diversen Pubs ausklingen. Unglaublich wie knapp bekleidet die englischen Mädels trotz arktischer Temperaturen abends vor die Tür gehen - ich glaube, der normale Brite kommt ohne Temperaturempfinden auf die Welt.

Am nächsten Morgen 'frisch' aufgewacht, stellte sich die Frage, was mir der Zeit bis zum nachmittäglichen Kick von Aston Villa anzufangen sei. Da das Hotel im irischen Viertel liegt und für die Mittagszeit die jährliche St.-Patricks-Day-Parade angesagt war, wollten wir rechtzeitig aus diesem Bereich verschwinden. Da in Birmingham mit dem City FC ein weiterer Fußballclub (in der Championship-Division) und auch im benachbarten West Bromwich mit dem Albion FC ein Premier League-Club beheimatet sind, beschlossen wir uns die Stadien anzusehen. Dazu muß man sagen, dass die Chance, abweichend von Spieltagen und regulären Besichtigungen einen britischen Ground von innen zu sehen, absolut gen Null tendiert, da die Stadien auf der Insel in der Regel besser verriegelt und verrammelt sind als Fort Knox. Dementsprechend waren wir auch nur auf die Außenbetrachtung eingestellt und mussten uns letztlich auch damit zufrieden geben.

Das 'St.Andrews' vom Birmingham City FC war fußläufig zu erreichen und selbst diesen kurzen Weg hätte man sich sparen können. Der Bau erinnerte mit seinen an den Fassaden angebrachten großen Illustrationen und Werbetafeln eher an einen großen Supermarkt als an ein Stadion. Lediglich an der Nordwestflanke, an der man anhand der einzigen noch alten Tribüne im typisch britischen Stil der 50er und 60er den Ur-Zustand erahnen konnte, sowie an der mächtig wirkenden Rückseite der Westtribüne entwickelte die Konstruktion einen Ansatz von englischem Fußball-Charme.
Also nix wie weg und eine Viertelstunde mit dem Nahverkehrszug in die Nachbarstadt West Bromwich gefahren. Der WBA-Ground mit dem Namen 'The Hawthorns' machte schon einen besseren Eindruck. Angenehmerweise verfügt der Ground über Flutlichtmasten. Ansonsten konnte wir uns auch hier nur von außen ein Bild machen. In einer Ecke des Stadiongeländes entdeckten wir dann noch einen kleinen Club-Friedhof mit mehreren kleinen Gräbern. Allerdings erschloss sich uns nicht, ob es sich tatsächlich um Urnengräber oder doch eher um eine Gedenkstätte handelt.

Der Zeitpunkt des Main-Events Villa gegen die Spurs rückte näher und wir schwangen uns in einen der typischen Doppelstock-Busse um zum Villa-Park zu fahren. Wir mussten dazu einmal umsteigen und wenn ich nicht sicher gewesen wäre in Birmingham zu sein, hätte ich mich dort mitten in der Hauptstadt Pakistans vermutet! Man sah kein europäisches Gesicht mehr. Dazu machte diese Ecke einen äußerst schmuddeligen Eindruck. Ich distanziere mich von Diskriminierungen, aber länger als einige Minuten zum Umsteigen hätte ich mich dort wahrlich nicht aufhalten wollen. Allerdings machte Birmingham überhaupt einen sehr schmutzigen Eindruck.

Der Villa-Park war schon einige Haltestellen vor dem Aussteigen zu sehen. Die recht hohen Tribünen beherrschen den Stadtteil Witton nahezu. Je näher ich kam, desto mehr beeindruckte mich der Ground. Dieses Stadion hat wirklich Charakter, nicht wie die ganzen neuartigen Einheitsbauten. Der Villa-Park besteht aus vier einzelnen Tribünen, die sich alle voneinander unterscheiden. Durch die Tatsache, dass das Stadion an seinem ursprünglichen Ort mitten in einem Wohngebiet steht und dadurch, dass die Ecken nicht zugebaut sind, ist es ziemlich in die Höhe gewachsen und wirkt trotz seines eher durchschnittlichen Fassungsvermögens von 42.600 ziemlich imposant. Die Haupttribüne besteht aus drei Rängen, die anderen Tribünen verfügen über deren zwei. Besondere Beachtung verdient die Rückseite der südlichen Hintertor-Tribüne, dem 'Holte-End', auf der der harte Kern der 'Villans' seine Heimat hat. Mit zwei breiten Treppenaufgängen und einer herrlichen Backsteinfassade sieht der Stand fast aus wie ein Regierungsgebäude.

Nach dem üblichen Fastfood-Konsum nahmen wir unsere Plätze auf dem 'Trinity Road-Stand' ein und bestaunten das Stadion von innen. Ich war sicherlich schon in größeren und harmonischer wirkenden Stadien, aber dieses landet schon allein aufgrund seiner eigenen Art auf jeden Fall in meiner persönlichen Top 5 der live erlebten Spielstätten.

 Die Ausgangslage für das Spiel war eigentlich deutlich. Villa spielt eine hervorragende Saison und kämpft mit den etablierten vier Clubs um die Champions League-Plätze. Die Spurs sind dagegen miserabel gestartet, wurden aber nach einem Trainerwechsel vom neuen Mann mittlerweile ins gesicherte Mittelfeld geführt. Der Kick an sich war nicht die totale Offenbarung, aber allein schon durch die schnelle Spielweise attraktiv. Beide Teams haben unglaublich schnelle und trickreiche Außenstürmer, die ihre Gegenspieler fast schwindelig spielten. Nach nur vier Minuten, konnte Villas Ex-US-Nationalkeeper Brad Friedel bei einer scharfen Hereingabe in den Fünfmeterraum nur die Richtung des Balles verändern und ein nachrückender Spurs-Stürmer drückte den Ball über die Linie. Dieses hatte natürlich einen Torpogo der etwa 3.000 mitgereisten Anhänger der Londoner unter den 41.205 anwesenden Zuschauern zur Folge. Villa antwortete mit wütenden Angriffen und erarbeitete sich deutliche Feldvorteile. Dieses hatte aber nur wenige zwingende Situationen, wie den Kopfball des Alt-Recken Emile Heskey zur Folge, der nur ans Gebälk klatschte. Die Spurs arbeiteten mit bescheideneren Mitteln wesentlich effektiver und waren dem zweiten Treffer einige Male nahe. Nach dem Seitenwechsel rechnete man mit noch mehr Engagement der Heimelf, doch es gab erneut die kalte Dusche und die Gäste erhöhten durch ihren Top-Stürmer Darren Bent auf 2-0. Aston Villa blieb bemüht, doch der Anschlusstreffer per Kopf durch den norwegischen Nationalspieler John Carew etwa zehn Minuten vor Schluss kam zu spät und die Gäste aus der Hauptstadt nahmen die Punkte überraschend mit.

Die Stimmung im Stadion war durchschnittlich. Die Spurs-Supporter feierten logischerweise ihre eigene Party. Wenn der Villa-Anhang kam, dann wurde es allerdings richtig laut. So gab es mehrmals einen Vorgeschmack, wie es bei brisanteren Spielen mit aus Sicht der Heimelf erfreulicherem Spielverlauf sein würde. Nach dem Schlusspfiff schoss ich noch ein paar Fotos vom leeren Ground, der sich mit den Sitzen in den Vereinsfarben weinrot und himmelbau im Flutlicht wunderbar präsentierte. Dann ergatterten wir noch reduzierte Polo-Shirts im gut sortierten 'Aston Villa-Megastore' und begaben uns zurück in Richtung des Hotels. Dort waren in jeder Hinsicht die Reste der St.Patricks-Day-Feier ersichtlich und wir nahmen noch ein paar Pints in den völlig überfüllten umliegenden Pubs. Die Heimreise am nächsten Vormittag brachte uns sicher nach Hause und so ging ein äußerst kurzweiliger Trip zu Ende.

Bilder gibt es hier

Michael vorm Walde 

Tabelle

1 RW Essen 0
2 Hüls 0
3 Duisburg II 0
4 Aachen II 0
5 Speldorf 0
6 BergGladbach 0
7 Wegberg 0
8 Homberg 0
9 Schermbeck 0
10 ETB 0
11 Köln 0
12 Velbert 0
13 Kleve 0
14 Windeck 0
15 Siegen 0
16 Herne 0
17 Rhynern 0
18 Erkenschwick 0


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